ADB:Spurzheim, Johann Caspar

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Artikel „Spurzheim, Johann Caspar“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 328, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spurzheim,_Johann_Caspar&oldid=887704 (Version vom 25. Dezember 2009, 12:06 Uhr UTC)
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Band 35 (1893), ab Seite 328. (Quelle)
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Spurzheim: Johann Christoph S., der bekannte Phrenolog, Freund und Mitarbeiter Gall’s, ist am 31. December 1776 als Sohn eines Pächters zu Longwich bei Trier geboren. Er studirte seit 1791 Theologie in Trier, begab sich nach Ankunft der französischen republikanischen Armeen nach Wien, wo er 1799 das Studium der Medicin begann, wurde Hauslehrer einer vornehmen Familie, wo er den berühmten Begründer der Kranioskopie Joseph Gall (s. d.) kennen lernte, 1800 dessen Privatvorlesungen hörte und ihn seit 1804 als Secretär und Assistent auf seinen Reisen durch Deutschland, die Schweiz, Holland und Frankreich begleitete. Doch gerieth er mit seinem Lehrer später in Zwistigkeiten, trennte sich 1813 von ihm, bereiste dann allein Großbritannien und Jrland und hielt phrenologische Vorlesungen zu London, Bath, Bristol, Dublin, Cork, Liverpool, Edinburg. Im Juni 1817 siedelte er nach Paris über, wo er als Arzt und Lehrer der Phrenologie eine rege Thätigkeit entfaltete und 1824 [329] eine Wittwe heirathete, welche die Zeichnungen und mehrere Steindrücke zu seinen Werken verfertigte, aber schon zu Ende des Jahres 1829 starb. Später begab sich S. abermals längere Zeit auf Reisen, zunächst durch mehrere Städte Frankreichs, dann zu wiederholten Malen nach Großbritannien und Irland und schließlich im Juni 1832 nach Nordamerika. speciell nach Boston, wo er jedoch bereits am 10. November 1832 am Typhus starb. S. war Dr. mc-ä. der Wiener Universität (seit 1813) und der Pariser Universität (seit 1821), Licentiat des 1T0)s„1 0011ege Ok?b)–8. zu London (seit 1817) und Mitglied vieler anderer gelehrter Gesellschaften. Außer dem zweifelhaften Verdienst, das er sich um die Ausbildung und Propaganda der übrigens von S. selbst später theilweise noch modificirten Gall’schen Schädellehre hauptsächlich in England erworben hat, kommt ihm das wirkliche zu, daß infolge seiner ausgezeichneten, zum Theil mit Gall zusammen verfertigten Arbeiten, denen vorzügliche Abbildungen beigegeben waren, speciell die Kenntniß der normalen und pathologischen Anatomie des Gehirns wesentlich gefördert und bereichert worden ist. Diese Arbeiten führten schließlich dazu, daß man auch die Seelenstörungen und Geisteskrankheiten als Affectionen des Gehirns aufzufassen lernte, und so muß denn S. auch als Begründer der neueren, mehr somatischen bezw. pathologisch-anatomischen Richtung in der Psychiatrie angesehen werden. Von seinen Arbeiten – ein vollständiges Verzeichniß derselben findet sich in Callisen’s med. Schriftstellerlexikon Bd. )0L)(ll, S. 401 bis 405 – führen wir als.; die bemerkenswerthesten folgende an: „Re(:be1–(:bes Sur 1S 8y8tözms neryeuJe S11 gsn(ör211 St Su1– esiuj c1u esisyezu en Imi“–t–jcu1isr“ (szusammen mit Gall, Paris 1809, deutsch Paris und Straßburg 1809); „-41mt0mie Sc pll)–8jo10gjs c1u 8z–8tsms n9r7enJe S11 ;:(Hners 1 St (1u Osi“y0zu S11 psitj0u1je1tz Neo c1es 0bsismtj0ns Sur 18„ p0SSjbj1its (16 rec0unsTtrs 1)1usieurs (1jsp0Sjtjo118 j11teneO– tusi1es er n101sies C18 1–ll0mme er (1es Anj1118u1 pA1– 1a Oontigur-1„cj011 c1e 1eurs tC3ts (gleichfalls zusammen mit Gall, 4- Bde., Paris 1810–1820, mit Atlas von 100 Tafeln; deutsch Bde., ebd. 1810–1812 mit 44 Kupfern; 2. Auß- gabe unter dem Titel: „8u1– 1es ko11ctjons c1u ceryes.u er 8ur (:b:1cune (1e S(-8 pe1rtjes et(J.“. 6 Bde., ebd. 1822–1825; deutsch Nürnberg 1829–1833; englisch Boston 1835, italienisch Bologna 1885). – Dieses Werk ist die fundamentale, die kranioskopischen und phrenologischen Lehren schon in ihren Grundzügen enthaltende Schrift. Von der übrigens der letzte Theil infolge der später zwischen Gall und S. eingetretenen Spannung von ersterem allein herausgegeben wurde. – „0bseryztj0nsu1 18. 1z11reH11o10gje ou 1A O01111zjsz11es (1(s 1’110mme 1110rs„1 er inteneOtue1- kon(1(HS Sur 1es ko110tjons (1u 8Istk–zmO 12ery9ur (Straßburg und Paris 1810; neue Ausgabe ebda. 1818); „l)es (1isp0Sjti0118 innses äe1’üme er (1e 1’sp1–jr; äu mstsrja1jsms (1u kettsiisme er siS 1a 1jbOrts morz1e“ ew.; (ebda. 1812). Die beiden letztgenannten Schriften sind gleichfalls mit Gall zusammen herausgegeben. Selbständig verfaßte S. nach seiner Trennung von Gall noch: „’1’11e p11zsjog11o111j(:z1 8)stems ok 1)rs. 0z11 811(1 8pur2lleim koun(1eC1 on m en:-1t01njc:en 8n(1 p11)siog110mj081 ereuni118.tj0n ok the nery0us S)stemz ju g0119r8„r et.0. (?London 1815); „0ut1jlles ok the 1311zsjOgnomjes.1 Szstem ok 1)rs. 0811 8m! 8pur2llejt1r etc. (ebda. 1815); „0bs9ry8tjo118 on r11e (1is98„Se(1 ((1ermigs(1) msnjkstHatio118 ok t11e mi11(1 or j1J8811jt.z– Sto.“ (ebda. 1817; new e(1.: „0bsermtions on j118z11jt)–“„ 1840; französisch 1818; deutsch von E. v. Embden Hamburg 1818); „kJJes.mi1rttj0118 0k the ob„jectio118 ms t(1S in Brjtsiu 8gt1inst t118 (100trin(es ok (3z11 811C1 8purxll0i11r (Edinburg 1817); „0bs9ry8,tjo118 Sur 1A pllr(511010gje“ (Paris 1818s); „1Is8x1i1J11i1080pbique Sur 1x1 11at.ure m0rsie St j11tsi1e0tuene (1e1’110mme“ (ebda. 18:20; deutsch von J. J. Hergenröther, Würzburg 1822); -„1)u 0eryezm 8ous 1e ru1zpo1–t 811at0mique“ (Parifer Doctorthese 1821); „:T View ok the e1e– n1911ts.rzs p1–inc:jp1es ok O(1u0atjon f0unc1e(1 o11 the 8tu(1y ok tlle llummi llzture“ [330] (Edinburg 1821; London 1828; französisch 1822); „19röOjs äe „p11rsno1ogjs 0o11– ten8„nt 1’o1cp08iti011 (1u busto“ (Paris 1825); „l’11reno10gy or the ä00t1ij11e ot’ the min(1 8.11(1 ok t11e re1at.jo118 between jts m:-mjkests.tjo118 a11(1 tbs bo(1zs (London 1825, 1840); „1z 7isuN ok t118 p11i1os0p11jcz1 prj110jp1S8 ok pllreno1ogz7“ (ebda. 1825; 1826; 1840); „1)bren01ogy in 0o111101io11 N-jtll t-be Stu(1zs ot“ p11zsjoguo111)s (2 Bde., London und Edinburg 1826; 4. Ausgabe Boston 183s); „’l’ll0 u18.t0111zs ok the br-1.j11 with a g0119rz1yjsw ok t11S nsry0us)stem; tr-ms– 1uts(1 trom the unpub1jsbec1 Is’rsi10ll ms.11us0ript bz- R. Wj11js ew. (ebda. 1826; 1840); „.4ppen(1jJe to t11e 8„11ztomjs ok the brain“ (ebda. 1830). Sein letztes Werk ist betitelt: „1D4lx-muer (1e pllrcz11o1ogje“ (Paris 1882). – Uebrigens publicirte S. außer den genannten größeren Arbeiten zahlreiche kleinere Artikel und , Abhandlungen für Zeitschriften und encyklopädische Sammelwerke.

Vgl. außer den Lehrbüchern der Geschichte der Mediciu von Sprengel-Eble, Isensee und Haeser noch Biogr. Lexikon hervorragender Aerzte etc. von Hirsch u. Gurlt 7, 497.
Pagel.
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