ADB:Steffani, Agostino

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Artikel „Steffani, Agostino“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 549, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Steffani,_Agostino&oldid=592559 (Version vom 25. Dezember 2009, 14:47 Uhr UTC)
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Steffani: Agostino St. (auch Stephani geschrieben, in späterer Zeit tragen seine Compositionen den Namen seines Secretärs Gregorio Piva), ein K ausgezeichneter Componist des 17. und 18. Jahrhunderts, dabei ein gewandter Politiker, der mit Erfolg die verwickeltsten Verhandlungen im Interesse seines Herrn leitete. Er war zu Castelfranco bei Venedig 1655 geboren, denn er bezeichnet sich auf seinem ersten Druckwerke von 1674 auf dem Titel „.4uno 8z1utjs 1674„ 8.etstisuse 19 und starb auf einer Reise nach Frankfurta. M. im J. 1780. Aus ärmlicher Familie stammend, diente er als Sängerknabe an S. Marco in Venedig. Graf Tattenbach aus München hörte ihn dort wahrscheinlich ein Solo singen und er beschloß ihn mit nach der Heimath zu nehmen und ausbilden zu lassen. Der Knabe machte reißeude Fortschritte, sowohl in den Schulwissenschaften als in der Musik, und der Graf bestimmte ihn für den geistlichen Stand. Nachdem er seine Studien beendet hatte, erhielt er die Priester- ’ weihe und den Titel Abate. Auch der Kurfürst von Baiern war um das Wohl Steffani’s so besorgt, wie er es nur um einen eigenen Sohn sein konnte. Man muß diese Theilnahme sich theils durch die äußere Erscheinung Steffani’s erklären, er soll zwar von Figur klein, jedoch zierlich gewesen sein, theils durch sein Wesen und Wissen, denn die Ueberlieferung erzählt, daß aus seinen Zügen Geist, Klugheit und Milde sprach. Von Natur ernsthaft, nahm er im Gespräch den Außdruck der Freundlichkeit und des Wohlwollens an. Die Acten des Kreisarchivs in München geben über sein Leben manchen erwünschten Ausschluß. Laut Decret vom 26. Juli 1668 wurden dem Grafen v. Tattenbach „wegen des auf ein Jahr bei ihm gehabten welschen Musikus Augustin Steffani“ aus der kurfürstlichen Kasse 150 fl. gezahlt. Schon am 9. Juli desselben Jahreswar er dem Capellmeister Ka-Spar Kerl, bei dem er „die Orgel schlagen lernen sollte, in Unterricht und Kost“ gegeben, wofür Kerl 432 fl. jährlich erhielt. Nach den Rechnungen kostete dem Kurfürsten die Erziehung Steffani’s im J. 1669: 903 fl. 12 kr. und 1670: 997 fl. Bei Kerl hatte er bis zum 1. October 1671 Unterricht, von da ab kam er in Pflege zu dem Kammerdiener August Seyler. St. trat sehr bald in kurfürstliche Dienste und zwar muß dies um diese Zeit gewesen sein, denn in einem Actenstücke werden ihm vom 15. Januar 1672 zu den schon bezogenen 300 fl. als Hofmusikus (er bekleidete den Organistendienst, wie uns der Titel zur Psalmodia von 1674 belehrt), noch 300 fl. für Naturalien und Kleider angewiesen. Im October 1678 reiste er auf Kosten des Kurfürsten nach Rom zur weiteren Ausbildung, sowohl in der Kunst, als den Wissenschaften. Er reiste über Venedig und erkrankte daselbst, doch scheint er nach einigen Wochen wieder genesdn zu sein, denn am 1. Januar 1674 unterzeichnet er die Dedication zu seinem ersten Druckwerke, der „19S81moäjs„ yesp(-rtj11z“ in Rom. Fr. M. Rudhart befindet sich in seiner Geschichte der Oper am Hofe zu München (Freifing 1865, S. 72 ff.) im Irrthum, wenn er glaubt, St. sei überhaupt nicht nach Rom gekommen, da die Wechsel aus München stets auf Venedig lauteten. Die 1?881mo(1js’ die er seinem Wohlthäter, dem Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Gemahlin widmete, belehrt uns auch durch die Dedication, daß er Ercole Bernabei zum Lehrer im Contrapunkt hatte, denn er sagt dort „g10ris. tsi1tj 18borjsx-1pientis. 68t 801um 1REstgistrj- Fe ko1–titu(1o llsi“0u1is, (:u„jus St)-1um jmjts.rj 11o11 er ps.rt0s9(1 totum g10rjor.“ Unter 1*lsr0u108 kann man nur den damaligen Capellmeister am St. Peter in Rom, Ercole Bernabei, verstehen. Da nun aber St. im October 1673 erst München verließ, einige Wochen krank in Venedig bleiben mußte und am 1. Januar 1674 sich schon einen Schüler [550] Bernabei’s nennt, dem aller Ruhm zukomme, so muß man gestehen, daß Bernabei dazu nur sehr wenig beigetragen haben kann und mehr sein Name das Opus 1, als seine Lehren das Werk krönen sollten. Bernabei brauchte sich allerdings seines erst eingetretenen Schülers nicht zu schämen, denn er fand an ihm einen bereits fertig ausgebildeten Meister, der mit sicherer Hand und leichter Erfindungsgabe mustergültige Werke schuf, die sogar vor dem strengen Richterftuhle Pater Martini’s in Bologna Anerkennung fanden, denn er nahm von ihm aus obiger Psalmodia den Psalmen „8icut erat“ zu 8 Stimmen, in seine Mustersammlung „kIsemp1Ars o 8js. SAggio komiAmentsiS prs.tjco (1j oo11trsr.pput1t0“– (Bologna1774) in den II. Band, p. 311 auf. Bernabei wurde am 30. Juni 1674 vom Kurfürsten von Baiern als Capellmeister in München angestellt. Man geht wohl nicht irre, wenn man hier die zwar noch junge, aber sichere Hand Steffani’s vermuthet, der als Vermittler und vielleicht auch als Empfehlender dem Kurfürsten einen Capellmeister verschaffte. St. selbst kam seinem Lehrer bald nach und langte schon im Juli 1674 wieder in München an. Er wurde sogleich unter die Kammermusiker mit einem Gt–halte von 770 fl. 20 kr. eingereiht. Am 1. März 1675 wird er zum Hosorganisten ernannt. Neben den Musikstudien betrieb er eifrig Philosophie und Mathematik und legte den Grund zu dem allgemeinen Wissen, welches ihn so wesentlich vor anderen auszeichnete und die Wege zu den höchsten Aemtern ebnete. Am 3. November 1680 empfing er vom Kurfürsten ein Gnadengeschenk von 1200 fl. Im J. 1681 schrieb er für den Carneval die Oper: Marco Aurelio, Text von Terzago. Die Musik scheint verloren zu sein, nur daß Textbuch bewahrt die Staatsbibliothek in München auf. Ausdem Titel desselben erfieht man auch, daß er zum kurfürstlichen Musikdirector ernannt war. Die Jahre 1685 und 86 brachten andere Opern, von denen sich aber auch nur daß Textbuch ebendort erhalten hat. Sie sind betitelt: „.4uc18cjs z 13jspet.t0. prer0gs1tj76 (1’ Antore“ und „89ryj0 ’1’unj0“. 1683 erschienen: „8o11ate (r1 es,mers 31- Z- 2 Vjolinj„ .41to e 13as0“. Mir ist nur die Amsterdamer Ausgabe von Stephan Hummel bekannt (königl. Bibliothek Berlin), die erst im 18. Jahrhundert erschien. Chrysander im Händel 1, 314 nennt die Jahreszahl 1688, Festis dagegen Monaco 1679. 1685 brachte St. ein neues Gesangswerk zum Druck, betitelt: „88(:er .18.nus (gus.(1rjtr0ns trjbus. V00jbus yer c1u:1bus qusiibet13re1etermjs:1 m0(1u1a118.“ 1Al011a(:11ii- t)–pis Joan. Ja(zO1;1inj- welches er dem Kurfürsten Maximilian Emanuel dedicirte. Ein Exemplar in –s Stb. besitzt daß Liceo zu Bologna. Es enthält 48 Motetten mit einem 138SSus c0ntjt1un8. Daß Werk ist bis jetzt so unbekannt, daß uns jedes Urtheil darüber fehlt. Ueber die folgende Zeit giebt uns Chrysander’s Händel nähere und sichere Nachricht, während die früheren Nachrichten Seite 311 im 1. Bde. ungenau sind, da ihm die Münchrier Quellen fehlten. Er schreibt: die Oper Servio Tullio, zur Vcrmählung des Kurfürsten Maximilian Emanuel componirt, brachte auch den Herzog Ernst August von Hannover als Gast nach München. Steffani’s Musik und Gefangskunst gefielen dem Herzoge so sehr, daß er ihn zu bereden suchte, als sein Capellmeister mit nach Hannover zu gehen. Da St. in München wenig Aussicht hatte sobald zu einer höheren Stellung zu gelangen, so schlug er ein, doch kann er erst nach 1688 nach Hannover gegangen sein, denn bis dahin läßt er sich in den Rechnungen der Münchener Hofcapelle verfolgen. Im Jahre 1686 wird er sogar noch zum Vicecapellmeister befördert und erst am 14. März 1688 wegen einer Reise nach Italien entlassen und ihm der Gehalt für 2 Jahre mit 8382 fl. ausgezahlt, von denen eine Summe abgezogen wurde, um seine Schulden in München zu bezahlen. Sein Gehalt betrug zuletzt 1080 fl. Nachweislich ist er erst 1689 in Hannover und componirt für die dortige Oper die Musik zu „Henrico Leone, dramma da recitarsi per l’anno [551] 1689 nel nuovo theatro d’Hannover“. Die Musik hat sich, entgegen der Ansicht Chrysander’s, in der Bibliothek Berlin in 64 Arien unter dem Titel „Enrico 1689“ im Manuscript 21,204 erhalten, doch fehlen die Instrumente und sind nur durch einen bezifferten Baß ersetzt. Die Musiklexika verzeichnen im Ganzen 11 Opern von St. Nachweisen kann ich außer der obigen, noch 9 Opern, die allerdings nur zum Theil mit den bisher genannten übereinstimmen, dafür die Gewähr geben, daß alle Flunkerei ausgeschlossen ist, die bisher immer noch in der Musikgeschichte in üppiger Weise wuchert. 1) „Alcides 1689, 32 Arien, Ms. 21,204 in Bibl. Berlin, nur mit bez. Baß. Chrysander 1, 320 kennt nur das Hamburger Textbuch von 1696 unter dem Titel: Der siegende Alcides, ursprünglich „l.’ t41(:este“„ von Mauro gedichtet. 2) „l.o. 10cm (1’klsro016 00u .4o1u-1o0“ 1689. Bibl. Berlin, vollständige Part. Ms. 21, 200. Bibl. München und kgl. Musikalien-Sammlung in Dresden haben statt (1’llero01e daß Wort C1’A10i(1e. Z) „Alexander“, 1690 resp. 1695, 70 Arien in Bibl.Berlin Ms. 21,204. Das hannoversche Textbuch trägt den Titel: I.-t 8u1zerbi-x (1’s1esn(1ro. 4) „Orlando“, 1691 resp. 1696, 66 Arien in Ms. 21,204 der Bibl. Berlin. Das Textbuch in Hannover trägt den Titel: 0r18.11(10 geuerOso. In Hamburg gab man die Oper unter dem Titel: Ro1mic1o- die Bibl. Berlin besitzt in Ms. 21,206 Arien und Duette. 5) „2!ts,ru1w. o iRj7a1j (J0110or(1i“„ 1692 resp. 1698. Bibl. München complette Partitur, in Berlin in Ms. 21,204 nur 65 Arien. In Ms. 21,206 Arien und Duette. Unter dem Titel: (31j rjy8.1j c:0u0oräj auch in Berlin Ms. 21,201 eine vollständige Partitur. 6) „.410j1Jis.ä6 o 1A 1ibertk-r. (zo11rent–8 1693 resp. 1697, 63 Arien in Berlin in Ms. 21,204. 7) „’1’rj011k0 (19 tztt0 0 1)j(101s 1695. 61 Arien ebendort. Das hannover’sche Textbuch trägt den Titel: 1 trj0nkj (1er kst0 o 1S gtorje (1’1F11es„. 8) „Brjsei(1e“„ 1696. Ms. 21,204 in Bibl. Berlin, 59 Arien. Chrysander 1, 321 Nr. 14 kennt nicht den Componisten. 9) „’1’sj1one Oper in 5 Acten, ohne Jahr, vollständige Partitur in Ms. 21.202 Bibl. Berlin und auch in München. Chrysander giebt auf Seite 323 u. f. ein Urtheil über einige der Opern. Er lobt die lebhafte Crfindungsgabe, die treffliche gewissenhafte Arbeit, nur fehlt ihnen das dramatische Element. Es ist Musik für den Concertsaal, aber nicht für die Bühne. Dagegen sind seine berühmten und vielverbreiteten Duetti mustergültig und haben einstmals auf die Kunst des Satzes wie des Gesanges ihre volle Wirkung ausgeübt (Ch1ysander S. 327 ff.). St. genoß den Ruf des vortrefflichsien und unübertrefflichsten Componisten, sagt Chryfander a. a. O., und da er außerdem eine gute Erziehung genossen hatte und aus dem armen niederen Knaben ein seiner und liebenswürdiger Weltmann in priefterlichem Gewande geworden war, der nicht nur trefflich componirte, sondern auch in verwickelten politischen und Hofangelegenheiten sich als gewandter Gesandter bewies, so stieg er im Ansehen der Menschen von Stufe zu Stufe. Dem Hause Braunschweig-Hannover war vom Kaiser für geleistete Kriegsdienste die Kurfürstenwürde zugedacht. Kleinliche Streitigkeiten verzögerten die Ausführung. Als man nun im J. 1696 nach einer geeigneten Persönlichkeit suchte, um die Widersacher an den größeren Höfen unschädlich oder dem Plane geneigt zu machen, fiel die Wahl auf St. Der Erfolg der Gesandtschaft lehrte, daß die Wahl nicht besser sein konnte. Glänzende Belohnungen blieben nicht aus: Hannover erhöhte seinen Jahresgehalt und der Papst machte ihn zum Prälaten, indem er ihm das Bitzthum Spiga im spanischen Westindien verlieh. Freilich mehr Ehre als Gewinn, denn das Bisthum war eines jener, die der Papst nie besaß, also jederzeit verschenken konnte. Nebenbei behielt er auch noch das Amt des Capellmeisters bei, denn er fand niemanden, dem er dasselbe anvertrauen konnte. Erst als Händel 1710 nach Hannover kam, St. ihn kennen gelernt und selbst bei Hofe empfohlen, [552] legte er die Direction in dessen Hände. Hawkins in seiner Musikgeschichte berichtet Händel’s eigene Worte über seine Stellung zu St. und was er diesem zu danken habe (Chrysander 1, 311). Da nun St. in Hannover entbehrlich war, folgte er dem Rufe des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, eines enthusiastischen Musikliebhabers, der ihm den geheimen Rathstitel verlieh. Die .4omiemz7 ok ancient 1llusio’ 1710 von Dr. Pepusch u. a. in London gegründet, erwählte ihn zum Ehrenmitgliede und als die Gesellschaft 1724 auf dem Festlande größere Verbreitung fand, gab sie sich eine Verfassung und wählte St. zum Vorsitzenden. Alles was er nach der Erwählutjg zum Bischofe noch componirte, trägt den Namen seines Secretärs Gregorio Viva, so z. B. sämmtliche Compositionen, die er obiger s08äemz- widmete und die sich jetzt in der Bibliothek des Ro)-a1 Oo11ege ot“1B1usjO in London befinden. Chtysander bezeichnet dieselben Seite 347 näher, druckt auch einen 2stimmigen Satz ab. Es sind zwei 3stimmige und ein stimmiges Madrigal (-,.41 rigor „l.z SpzguO18.“ und „06ttzno j RS“) und die stimmige Motette „(guj (1j1igit 1Vl:usis,m“ mit B88Sus 0o11tj11uus. Im J. 1729 reiste er in Gemeinschaft mit Händel, der Sänger engagiren wollte, nach Italien. An Ostern waren sie in Rom. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, und zwar nach Hannover, mußte er im folgenden Jahre einer öffentlichen Angelegenheit halber nach Frankfurt reisen, erkrankte daselbst und starb in wenigen Tagen. – Außer den oben genannten Compositionen ist noch ganz besonders ein „8ts1bat mster“ zu erwähnen (die Bibl. Berlin besitzt davon eine Eopie in Ms. 6 in der Winterfeld’schen handschriftl. Sammlung), welches Chrysander sehr hoch schätzt (S. 350). Es ist für 6 Singstimmen, 2 Violinen, s Violen, Violoncello und Orgel geschrieben und in Erfindung wie Ausführung ein Meisterwerk ersten Ranges, welches in seiner Contrapunktik sogar hin und wieder an Seb. Bach erinnert. Der Einfluß, den St. auf Händel im Anfange ihrer Bekanntschaft ausübte, ist als ganz bedeutend zu vetanschlagen und erstreckte sich sogar so weit, daß Händel Steffani’sche Themen benützte und in seiner Weise verwerthete (Chrysander 1, 349). Auch als: Sänger leistete St. außerordentliches und Händel berichtet, daß er auf seiner letzten Romreise (1729) beim Cardinal Ottoboni, als einer der Hauptsänger bei den Montagabend-Musiken fehlte, dessen Partie übernahm, und obgleich seine Stimme nur eben so laut war, daß sie im Saale gehört wurde (St. war damals 74 Jahr alt)- so war der edle schöne Ton, die seine anmuthige reine Singart und der keusche Ausdruck, so überraschend, daß alle Anwesenden erstaunt und entzückt waren. Auch als Musikschriftsteller trat er auf und zwar in Veranlassung einer 1694 zu Hannover in einer Gesellschaft gepflogenen Unterhaltung, der wohl die kleine, 1685 erschienene Schrift „lgetterz 80rjtts (1a1 Sig. 1zntj1110 I.iberstj“ . . . zu Grunde gelegen hat. Die Abhandlung ist betitelt: „0uuut:1 0erte228. 11zbbja (1z Suoi prinoj1)ij 1A musj08. er in qu:-t1 pregj0 kose per0jO pres0 g1j Antic11j. .4mster– (1zt11. 1695. Risp08ta (1i 1). A. 8teikunj1zbbm;e c1j1.(zpsi11g?rot0110tsrj0 (1enA 8x-m. 88(1S 1zp0St01jcz. 1z(1 una 1ertsra (1S1 81’. I(lzr0119.A. S. 111 (1jkesa (1’uns. I91–oposj2io11S 8oswi1utz (1z 1uj ju mi8. -488emb1Su llemi107ers. Sort. 1694“. 12“. 2 Bll. 72 S. (Bibl. Berlin und Dresden. Deutsch von Werckmeister 1699 und 1760 von Albrecht neu herausgegeben, ebendort vorhanden.) Hinter diesen Streitfragen lauerte die niedrige Ansicht, nach welcher die Musik im Wesen wie im Zwecke tief unter den übrigen Geistesthätigkeiten stand. Eine Ansicht, die wohl damals in der gebildeten Welt gang und gäbe gewesen sein muß. In einer solchen Zeit war Steffaui’s Sendschreiben ein Freibrief für die Kunst, wie Chrysander 1, 840 sich ausdrückt, den die Jünger der Kunst nur vorhalten durften, um den Bann prosaischer Vorurtheile zu brechen. So wirkte sein Büchlein auf die Zeit. St. sucht zu beweisen und thut es mit großer Beredtsamkeit [553] und seiner angeborenen Liebenswürdigkeit, daß die Musik im Wesen und in den Wirkungen den anderen Wissenschaften gleichberechtigt ist. Wenn er nun bemüht ist, die Musik hauptsächlich von der gelehrten Seite zu betrachten, um sie in den Kreis der Wissenschaften zu heben, so lag dies in den Ansichten der Zeit, welche die Musik nicht als Kunst zu fassen vermochte, wohl aber sich damit einverstanden erklärte, daß es eine Wissenschaft sei. Für uns hat die Abhandlung kaum noch ein Interesse, für die damalige Zeit war sie ein Wort zur rechten Zeit und vom historischen Standpunkte aus betrachtet, wirft sie ein recht klärendes Licht auf die Anschauungsweise über Kunst. Chrysander knüpft hieran noch einige belustigende Seitenblicke über englische und italienische Musikhistoriker, die ein grelles Licht auf die einftmalige Unwissenheit in musikhistorischen Sachen bekunden. (Siehe Chrysander 1, 342.)

Rob. Eitner.
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