ADB:Steinach, Hans Landschad von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Steinach, Hans Landschad von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), ab Seite 670, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Steinach,_Hans_Landschad_von&oldid=564129 (Version vom 24. Dezember 2009, 18:40 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
Bligger von Steinach
<<<Vorheriger
Bligger von Steinach
Nächster>>>
Steinacker, Gustav
Band 35 (1893), ab Seite 670. (Quelle)
Autor [[{{{9}}}|{{{9}}} in Wikisource]]
Landschad von Steinach in der Wikipedia
Nach PND-Nummer Suchen
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

Steinach: Hans Bleickard Landschad v. Steinach, Ritter und Reformationfreund. Unter dem angesehenen Geschlecht der Ritter v. St. –- seit dem Ende des- 13. Jahrhunderts führten sie den noch unerklärten seltsamen Namen: "Landschad" –, deren Burgen bei dem hessischen Städtchen Neckarsteinach liegen, nahm Hans Landschad eine hervorragende Stelle ein. Sein Vater, Blicker Landschad, war Burggraf zu Alzey und Hofmeister dez Kurfürsten von der Pfalz. Hans Landschad wurde schon 1486 zu Aachen von Kaiser Maximilian zum Ritter geschlagen. (Bernh. Hertzog, Beschreybung dez Kreychgawe8. M8. Frankfurt), Leistete dann dem König Matthias von Ungarn,um 1490, etliche Jahre Kriegsdienste wider die Türken und focht unter Kaiser Maximilian in drei Schlachten. Zu dem baierischen Erbfolgekrieg 1504 machte ihn Kurfürst Philipp von der Pfalz zum Oberbefehlshaber seiner Truppen am Rhein. An der Nahe kämpfte er mit Herzog Alexander von Zweibrücken und dem Landgrafen Wilhelm von Hessen, nahm daß Städtchen Odernheim ein und entsetzte Kreuznach. Der Landgraf zog nach Bingen und wollte rheinaufwärts ziehen, als ihm jedoch Landschad den Weg verlegte, wandte er sich nach Norden und beschoß Kaub. Zehn Tage später kam Hans Landschad ihm nach, warf sich in die Stadt und führte einen heftigen Kampf, der damit endete, daß der Landgraf nach einer Belagerung von6 Wochen genöthigt war, am 25. September abzuziehen und sein Heer zu entlassen. Zu kriegerischen Thaten war nun wenigstens in der Pfalz keine Gelegenheit, da machte denn Hans L. eine Wallfahrt nach Palästina und ward beim heiligen Grab zum Ritter geschlagen. Schon vorher hatte er verschiedene hohe Aemter [671] bekleidet; er soll schon 1499 Vogt zu Durlach (Humbracht) und Amtmann zu Alzey gewesen sein; nun wurde er auch Burggraf in Alzey, 1509 ernannte ihn der Kurfürst Ludwig zum Rath, 1514 soll er auch Hofmeister gewesen sein und lange Jahre Bürgermeister der Stadt Oppenheim. In welchem Ansehen er stand, sieht man daraus, daß er z. B. zu Rath gezogen wurde bei Vermittelungen zwischen dem Herzog von Württemberg und dem Grafen von Erbach (Zimmer’sche Chronik 1l, 259), sowie zwischen dem Grafen von Leiningen und dem Bischof von Worms, er wirkte auch mit als Gesandter des Markgrafen von Baden bei dem Vertrag Ulrich’s von Württemberg mit seinen Unterthanen nach dem Bauernaufruhr (v. Liliencron- Histor. Volkslieder 111,145). An weiterer Thätigkeit wurde er indessen dadurch gehindert, daß ihn der liebe Gott in seinem besten Alter zwanzig Jahre lang aufs Bett legte, indem er durch Podagra an Füßen und Händen erlahmte, auch am Stein litt,Hans v. L. sodaß er sich fürbaß der weltlichen Sachen entschlagen mußte. Hans L. war, um sein häusliches Leben zu erwähnen, in erster Ehe vermählt mit Lucie von Nippenburg, die 1503 starb; 1506 vermählte er sich zum zweitenmal mit Margarete von Fleckenstein. Eine Wendung in Hans Landschad’s Leben trat ein mit der Reformation. Seine Voreltern waren kirchlich gesinnte Leute; seine Eltern, Blicker Landschad und Mia von Helmstatt, hatten in Neckarsteinach eine neue Kirche gebaut (1483) und mancherlei Stiftungen gemacht. Hans L. selbst hatte viele Fahrten zu den Heiligen gethan, viel Gut gestiftet in Kirchen und Klöster, Geld gestiftet zu Jahrzeiten und Messen, Meßpfründen angerichtet, gefastet, gebetet, gebeichtet, viel Almosen gegeben u. s. w. Aber schon meldete sich auch in MPO–Neckarfteinach die neue Zeit an. Der Humanismus fand ja am Hofe zu Heidelberg besondern Eingang. Einer der bekanntesten Humaniften, Jodocus Gallus, wurde 1493 Pfarrer in Neckarsteinach. Jhm folgte Ulrich de Castello, ein Freund Wimpheling’s, Dalberg’s und anderer Humanisten; und diesem wieder der gleichgesinnte Konrad Hebelin. Eine Wendung der religiösen Ueberzeugung brachte jedoch bei Hans L. nach der Jnschrift auf seinem Epitaphium in der Kirche zu Neckarsteinach erst das Auftreten Luther’s im J. 1518 hervor. In diesem Jahre kam bekanntlich Luther nach Heidelberg und disputirte daselbst unter großem Zulauf und lautem Beifall, und es ist um so wahrscheinlicher, daß auch Landschad dieser Disputation beigewohnt habe, als damals drei seiner Söhne zusammen mit dem jungen Grafen Eberhard von Erbach in Heidelberg studirten, und daß sie einen bleibenden Eindruck auf ihn machte. Die Inschrift sagt dann weiter: »Hat er in Anno zwentzig zwey –– Wider der Welt und Bapst Geschrey –– Der Erste in dieser Landart gleich – durch Gottes Geist und Eifer reich –– Sambt seiner Gmahlin von Fleckenstein –– Solch Lehr vor christlich und vor rein –– Erkant und alsobaldt mit Crafft – Allhie das Bapstumb abgeschafft.«  Zu demselben Jahre 1522 veröffentlichte Hans L. »Ain Missiue an Herrn Ludwygen Pfaltzgrauff bey Rein. Von wegen der göttlichen Leer, zu beschirmen. Gott zu Lob und allen christglaubigen Menschen nützlich.«  Er habe, sagt er, alle Schriften Luthet’s gelesen und mit der Bibel verglichen, aber es sei ihm kein Gelehrter zugekommen, der ihm einen einigen Punkt der Lehre Luther’s habe verwerfen können. Als geschworener Diener;des Kurfürsten ermahnt er denselben mit aller Unterthänigkeit, das Evangelium handhaben und vor den menschlichen, päpstlichen und concilischen Geboten schützen zu helfen. Der Kurfürst habe zu Worms daß Geschrei gehabt, ein Liebhaber und Förderer dez Evangliums und der Lehre Luther’s zu sein. Er,MPO Landschad, möchte gern hören, wer den Kurfürsten davon abgebracht habe. Der Kanzler und Hofmeister seien auch lange Zeit gut gewesen und umgefallen, darum richte et diese Schrift an den Kurfürsten. Es ist zu bemerken, daß in [672] dasselbe Jahr die Schrift Sickingen’s an Diether von Handschuchsheim fällt; aber Landschad’s Schrift ist wohl die dälteste protestantische Schrift aus Kurpfalz. Angehängt ist ihr "ain hüpscher Spruch", der auch ein gereimtes Vaterunser enthält. Ueber die Art der Aenderung, welche mit Landschad vorging, sagt Jak. Otther (Christl. Leben und Sterben): »Er hat allen Sünden, allem, das weder Gott und sein Wort ist, abgesagt, um allein nach Gottes Wort zu handeln, es koste Leib und Leben, Hab oder Gut, ungeachtet aller Menschen Ungnad.«  Er ist auch ein Weltkind gewesen, ein Kriegsmann, ein stolzer Kerlin, ehrgytig, prachtlich, ein Hofmann, ein strenger Amtmann, von Fürsten und Herrn wohlgehalten, von der Welt wohl berühmt . . . Er ist nun uß Gnaden Gottes, nit seinethalb, ein Kind Gottes, gerecht, ein Christ" u. s. w. Von Landschad’s Gemahlin, seiner »MPOredlichen Gefährtin auf seiner Pilgerfahrt«, rühmt Otther, daß sie mit Lust und tröstlichem Gemüth unangesehen allerlei Gefährlich- keit der ganzen Welt sich begeben, durch Gotte8 Wort ihren Gott und Schöpfer erkennen, loben und ehren gelernt habe. –– Ob Hans L. schon 1522 die Reformation in der Herrschaft Neckarsteinach und den andern ihm gehörigen Orten einführte, oder erst 1525, ist nicht auszumachen. Ende dieses Jahres berief er nämlich den Il. Jakob Otther, der in Luther’s Sinn schon vorher im badischen Oberlande gewirkt hatte und 1524 aus Kenzingen vertrieben und ihm von Straßburg aus als fromm, redlich und wohlgelehrt empfohlen worden war. Merkwürdig ist, daß Otther bereits 1509 seinen Lehrern Jodocus Gallus, dem früheren Pfarrer von Neckarsteinach, und Johann Vigilius Geiler’s Predigten über das Vaterunser gewidmet hatte. Landschad schaffte die Messe ab und führte den evangelischen Gottesdienst ein. Die Kirchenzierden, Meßgewänder etc., von denen ein großer Uebetfluß in seiner Kirche nutzlos lag, wurden theilweise verkauft und das Geld in den gemeinen Kasten gelegt. Otther betont, wie auch Landschad selbst in seiner spätern Verantwortung sagt, daß er, Landschad, weder seine Angehörigen noch seine Unterthanen zu dem neuen Gottesdienst genöthigt, gezwungen oder gedrungen oder durch Drohungen von dem alten Wesen abgeschreckt habe, weil er wußte, daß Gott keine gezwungenen Diener haben will, sondern sie haben mit Lust und Freuden die Neuerung erkannt und angenommen. Der Kurfürst Ludwig lehnte einen gewaltsamen Eingriff in die religiöse Bewegung ab, er duldete sogar Männer der neuen Richtung an seinem Hofe und in der Umgebung. Zu diesen gehörte auch des Kurfürsten Secretär, Peter Harer, der Beschreiber des BauernkriegS, der 1525 dem Hans Landschad, in dessen Diensten er früher gestanden hatte, die Uebersetzung einer Schrift seines Schwager8 Melanchthon widmete: Ein kurzer Begriff zu dem Durchl. Landgr. Philipp von Hessen, worin christliche Gerechtigkeit stehe. Aber indessen war man in Heidelberg auZ der vermittelnden Tendenz doch etwas herauSgetreten: im J. 1526 gebot der Kurfürst wieder, bei Strafe die Messe zu besuchen. Hans Z. bekam die Folgen dieser geänderten Stellung zu spüren. Jnfolge einer von Erzherzog Ferdinand erhobenen Beschwerde forderte ihn der Kurfürst am 1. Juni 1526 zur Verantwortung auf, warum er die Messe abgestellt, die Meßgewänder verkauft und jenen Otther zum Prediger berufen habe, der bekanntlich in Ken- zingen Aufruhr gepredigt habe. Der Ritter wandte sich an seine Vettern, die Herren von Gemmingen, diese tbeilten die Sache dem Joh. Brenz mit, der an Hans Landfchad schrieb und seinen Brief mit einem Bedenken begleitete, in welchem er sich über die kirchlichen Gebräuche, die sogen. »mittelmäßigen Dinge« äußerte. (Die Antwort des Brenz mit dem jedenfalls falschen Datum 1525 st. 1526). Brenz räth, Landschad möge sich erbieten, die Sache der Universität Heidelberg oder einem anderen Gericht vorzulegen und zu zeigen, daß die Ein- richtungen weder dem Evangelium noch dem kaiserlichen Mandat (welchem, dem . [673] Wormser oder Nürnberger ?) zuwider seien. Otther werde sich am besten selbst schriftlich verantworten. Gott möge dem Ritter ein fest, stark Herz und Ve- ständigkeit geben. Die Mitteldinge betreffend, so seien dieselben um der Folgen willen, weil der Glaube Roth leide und die Liebe geärgert werde, kein nütze, und eS sei nichts anderes als Christum und das Evangelium verläugnen, sie zu behalten. Ju ähnlichem Sinne schrieb- auch Erzherzog Ferdinand, der da- mals auf dem Reichstag in Speier war, am 19. Juni 1526 an HanS Lands schad, und forderte, daß er seinen Prediger unverzüglich entlasse und ihn nicht mehr in seinem Gebiet predigen lasse. Der Kurfürst nahm Landschad’sS Ver- antwortung übel auf. Am 8. Jxmi antwortete der Kurfürst, überschickte das kaiserliche Mandat und erneuerte –die Vorwürfe gegen Otther. ES sei allweg erlaubt, da5 Evangelium zu predigen. doch nach der Lehre der christlichen Kirche und aller Rechtgläubigen gemeinem Verstand. Die Abstellung der Messe und der Abfall sei nicht ohne Landschad’S Schuld geschehen; zur Verkaufung der Meßgewänder habe er kein Recht gehabt; er solle, statt die Ungnade der Obern auf sich zu ziehen. an Weib und Kinder denken. Wenn er sich nicht seines Werkes entschlage, den Prediger entlasse und daß kaiserl. Edict befolge, werde über ihn, sein Weib, und feine Kinder unwiederbringliche8 Verderben kommen. Landschad erwiderte sowohl dem Kurfürsten, als Ferdinand, keine Obrigkeit der Welt habe die evangelische Lehre zu verbieten; könne man ihm beweisen, daß er die heil. Schrift übertreten, so wolle er davon abftehen. Seinen Predi- ger vertheidigt er gegen die Vorwürfe. Er könne nicht glauben, daß der Kaiser an seinen Handlungen ein Mißfallen habe. Er selbst wolle lieber sterben, als wider Gottes Wort handeln. Er habe hundertmal sein Leben für den Kaiser, Fürsten und gute Gesellen gewagt, sollte er denn nicht auch sein Leib, Leben, Gut und Ehre um Gottes und seine8 Erlöser8 Willen hingeben? E8 scheint, daß der Ausgang des ReichStagS zu Speyer auch dem Ritter Han8 zu gute kam, we- nigstens wurden die gegen ihn au8gesptochenen Drohungen nicht au-zgeführt und er konnte sein Werk weiter ausbauen. Ju dieser Beziehung ist zweierlei zu et- wähnen, erstens ein Briefwechsel mit Vutzer in Straßburg über die AbendmahlZfrage und zweitens die Stiftung de-?- PfarramtS und gemeinen KaftenS. A13 die Straßburger bei den Herren von Gemmingen vertragen wurden, alS ob sie den Worten Christi vom heil. Abendmahl nicht glauben wollten, legte Butzet ihnen seinen Standpunkt dar im December 1525. Landschad, der vielleicht Kunde davon erhielt, wandte sich ebenfalls an Butzer, der sich in einem längeren Schreiben verantwortete, zuerst den Verdacht, als ob er mit Karlstadt stimme, ablehnte, Oekolampad in Schutz nimmt und sagt, den Straßburgern sei etz vor allem um den Zweck zu thun. Keine Partei solle die andere für ketzerisch halten; Luther sei ihnen groß und mehr als groß, aber wenn Petru2 gestrauchelt habe, so daß ihn PauluS strafte, so möge etz wohl auch Luther geschehen. Land- schad stand auf Luther’S Seite. (M8. des ThomaZftiftS in Straßburg.)–– Am Mittwoch nach St. MichelZtag 1527 setzte Hans L. eine Urkunde auf, welche eine spätere Hand überschrieb als »Bekandtnuß au8 wa8 Ursachen er von dem eatholischen Glauben ab und zu dem Lutterthum getreten". Allerding8 spricht er sich auch über diesen Punkt aus und zwar in derselben Weise wie anderwärtS. Seine Vorfahren haben viele Kirchenzierden besonders in Neckarsteinacl) hingelegt, er habe als Patton der Kirche beschlossen, dieselben, wie auch die Stiftungen, auf die Armen zu verwenden. Die 4 Pfründen sollen, sobald sie ledig werden; denn davonstoßen wolle er niemand, zur Besoldung eines Pfarrer?- und eines DiakonS dienen, die anderen kirchlichen Einkünfte in den gemeinen Kasten fallen. AUS diesem sollen Vorschüsse gemacht werden bei Theuerung und Unfall, wür- [674] digen Pfarrkindern soll in Armuth und Krankheit geholfen werden, Kinder armer Leute zum Handwerk befördert, arme Brautleute au8gefteuert und Bettelei vers hütet werden. Es war also eine ähnliche Einrichtung, wie sie Bugenhagen in demselben Jahre in Hamburg traf. Landschad ermahnt seine Nachkommen bei dem Blut Christi, gegen diese Anordnung nicht zu handeln, sondern sie zu schützen und zu fördern; e3 sollte nach feinem Willen von dem Kirchengut nicht?- entwendet werden. –– Datz Jahr 1527 brachte indessen eine schlimme Wendung. Jnfolge neuer von Ferdinand an den Kurfürsten ergangener Aufforderungen wurde Hans Landschad im Februar 1527 vor daZ Hofgericht in Heidelberg ge- laden mit seinen Söhnen. Man erklärte ihm mit Berufung auf des Kaisers Ungnade, der Kurfürst könne nicht länger zusehen. Landschad verlangte ver- gebens, sich persönlich vor dem Kurfürsten verantworten zu dürfen, er berief sich vergeblich aus den Nürnberger ReichSabschied, auf die gegen die übrige Ritter- schaft geübte Duldung und die Predigt dez Evangeliums in Heidelberg selbst, auf die freiwillige Zustimmung seiner Unterthanen. Den Prediger werde er nicht entlassen. »Wollen S. Gu. mir oder meinen Kindern darüber Gewalt thun über mein rechtlich und genugsam Erbieten, das mz1ß ich Gott befehlen. Da sitze ich und habe einen armen leimen Körper, den mög er wider Ehre, Gott und Recht mit Gewalt zwingen, mich tödten, Leib und Gut nehmen. Aber mein Herz, Gemüth und Willen kann er mir nit nehmen.« Jhm selbst geschah kein Leid, aber Otther wurde 14 Tage später mit Gewalt aus Neckar- steinach vertrieben. Landschad gab dem zum zweiten Mal vertriebenen Prediger, der sich zunächst nach Straßburg wandte, dann in der Schweiz und endlich in Eßlingen dauernde Anstellung fand, ein höchst ehrenvolleS Zeugniß mit und nahm ihm das Versprechen ab, wiederzukommen, sobald die Pfalz daZ Evange- lium annehme. Doch das erlebte Hans L. nicht mehr. Räthselhaft bleibt, daß Otther die im Herbst desselben Jahres errichtete Urkunde, die wir oben erwähnten, mit besiegelte. Daß er sich in derselben ,,dieset Zeit Pastor zu Steiuach« nannte, –– er that dietz auch in den nachher zu erwähnenden Schriften ––– ist eher zu erklären, da seine Vertreibung aus Neckarsteinach eine Gewaltthat war und er eine Zeit lang wohl noch auf Rückkehr hoffte. Jm März 1528 erschien nämlich seine schon öfter citirte, HanZ Landschad, seiner Gemahlin und seinen Söhnen gewidmete Schrift »Christlich Leben und Sterben, wie sich deZ Herrn Nachtmahl zu brauchen". Er meint, der AbendmahlZstreit sei fast nur ein Wortkrieg, denn alle seien einig in dem Bekenntniß, daß Christus da sei durchs Wort und aus Kraft des WortS. Jm folgenden Monat erschien: »DaZ erst Buch Most gepredigt«, Predigten, die Otther in Neckarfteinach gehalten hatte und die er nun seiner Gemeinde schickt, besonderS um sie auch gegen Sectirer zu wahren. –– Noch einer andern Widmung an HanS L. müssen wir gedenken, nämlich der kleinen Schrift de8 Ritter8 Fritz Jakob von Aintwyl »Beschribung de-z VolckS und der Landschafft Thurgöw«, gelegentlich eines GedichteS, daS ein thurgauischer Bauer »zu beschirmen evangelischer Lehr« hatte auSgehen lassen; datirt vom 9. Januar 1527. –– Hans Landschad lebte noch einige Jahre. Die oben erwähnte merkwürdige Jnschrift auf seinem Epitaphium, die einen Abriß - seine-S Lebens enthält, sagt am Schluß: »Do er nun mercket feines Lebens End ––– Bfal er sein Geist in Gottes Hend ––– Entschlieff im Herren seligklich –– Alhie im fordern Schloß sag ich ––– Seins Alters sechs und sechtzig Jar ––– Am fibe-nden November zwar ––– A13 man im Jar schrib ein und dreissig.« Unter seinen Tugenden wird gerül)mt ,,insonderheit Weisheit, Verstand, Wol- redenheit zusampt mannlicher Tapserkeit«. Vielleicht hat er noch den Prediger Melch. Ambach, später in Frankfurt, berufen, der 1530 oder 1531 nach Neckar- [675] steinach kam. Hans Landschad’8 Nachkommen blieben bis zum Erlöschen des Geschlecht?- 1653 dem väterlichen Glauben treu. – Häußer, Geschichte des rheinischen Pfalz. ––– Mitthei4lungen des hiftor. Vereins der Pfalz Jil. ––– Archiv f. hessische Geschichte 7, X11 u. 117– (im 12. Bd.: F. Ritsert, Die Herren v. Neckarsteinach, als Separatabdruck, Darmstadt 1868––69). ––– H. Sevin, Die Herren von Neckarsteinach. –– Otther, Christliches Leben und Sterben. ––– .4(18mi 7it:-1e C3term. ’1’l1eo1ogorum 1710- p. 264. ––– Riggenbach, Datz Chronicon d. Pt-llikan. –––– Hartmann u. Jäger, Brenz l. ––– Sussann, Kennsingen in der Reformation?-zeit, 1888; Jakob Otter, 1898. -–– Vierordt, Geschichte d. Reformation im Großh. Ba- den 1, 238 ff.; –– Derselbe, Die 7 ersten Jahre au8 der Reform.-Geschichte Bodens, S. 57 ff. –– Pressel, 1znec(1ot8 13rS11tjanz, S. 8––24. –– Röhrich, Kirchengeschichte des ElsasseZ l, 819. ––– Jugendblätter v. G. Weitbrecht, Jahrgang 1888, S. 872 ff.

Joh. Schneider.
Persönliche Werkzeuge