ADB:Stoll, Maximilian

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Artikel „Stoll, Maximilian“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), ab Seite 404, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stoll,_Maximilian&oldid=564388 (Version vom 25. Dezember 2009, 15:17 Uhr UTC)
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Stoll: Maximilian St., Arzt, Kliniker und eines der Häupter der älteren Wiener Schule, geboren am 12. October 1742 im schwäbischen Orte Crzingen und † in Wien am 23. Mai 1787, war der Sohn eines armen Wundarztes, von dem er schon als neunjähriger Knabe chirurgischen Unterricht erhielt. „Nur sein• unüberwindlicher Widerwille vor den kleinen chirurgischen [405] Verrichtungen befreite ihn endlich nach anderthalbjähriger Prüsung aus den Schranken der Barbierftube, die er nun mit der lateinischen Schule des Ortes vertauschte“. Vom 13. Lebensjahre ab etwa bezog er die Jesuitenschule in Rottweil, trat 1761 gegen den Willen seines Vaters in den Jesuitenorden ein und kam nach beendigtem Noviziat nach Ingolstadt, sowie 1765 als lehrender Magister nach Hall in Tirol. Hier erregte er infolge seiner freieren Anschauungen, aus denen er kein Hehl machte, Verdacht bei seinen Vorgesetzten und wurde aus diesem Grunde nach Eichstädt versetzt, wo er namentlich, weil er sich viel mit dem Studium der deutschen Litteratur beschäftigte, bald in ein derartiges Zerwürfniß mit seinen Oberen gerieth, daß er 1767 auf seinen Wunsch aus dem Orden entlassen wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in seiner Vaterstadt widmete er sich dann in Straßburg und ein Jahr später in Wien dem Studium der Heilkunde. Hier wurde er ein eifriger Schüler de Haen’s und der von diesem empfohlenen einseitigen therapeutischen Methoden. 1772 erlangte er die Doctorwürde und bald darauf das Physicat des Honter Comitats in Ungarn. In letzterer Stellung fand er um diese Zeit reiche Gelegenheit zu Beobachtungen über zweckmäßige Behandlung von Fieberkranken und wurde selbst in der Aus übung seines Berufs vom Wechselfieber ergriffen. Dies veranlaßte ihn 1774 aus jener Gegend wiederum nach Wien überzusiedeln, wo er namentlich unter den dort weilenden zahlreichen Griechen, deren Sprache ihm durchaus geläufig war, eine große Clientel fand. Zugleich begann er in aller Stille, ohne formell dazu von der Facultät befugt zu sein, Studenten in die ärztliche Praxis einzuführen. Auf Empfehlung Molitor’s wurde er 1776 an Stelle von Holzbauer Arzt am Dreifaltigkeits Hospital, wo er bis 1784 auch als klinischer Lehrer thätig war. Nach Aufhebung desselben und nachdem es auf Veranlassung des Kaisers Josef mit den übrigen Wiener Hospitälern zu dem „Allgemeinen Krankenhause“ vereinigt war, erhielt St. nur zwölf Betten zum klinischen Unterricht, während ihm Quarin vorgezogen wurde und die eigentliche Direction dem letztgenannten übertragen wurde. Auf Wunsch Stoerck’s übernahm St. auch den Unterricht der Wundärzte. Uebrigens war St. seit 1780 auch ein eifriger Anhänger und Verbreiter der Pockenimpfung. Sein Tod erfolgte nach eintägiger Krankheit an Apoplexie. – In der Geschichte der Medicin sind Stoll’s Arbeiten besonders durch die darin documentirte sorgfältige Beobachtung der epidemischen Krankheitsconstitutionen denkwürdig. Die Lehre von der chronischen Pneumonie bezw. Phthifis verdankt ihm gleichfalls mannichfache Bereicherung. Die bedeutenderen Schriften von St. sind betitelt: „R8tio n1S(1en(1i ju 11osocomj0 p1•zOtj(:o 7jl1(10bo11e11Sj“ (7 Theile, Wien 1779–90; deutsch in 5 Bänden, Breslau 1787–95); „Kpl10risn1i c1e (:ogn080en(1js St our-m(1js kebrjbus (Wien 1786; Pavia 1792, 1822; französisch von Mahon und Corvisart, Paris 1809, 1855); „Ueber die Einrichtung der öffentlichen Krankenhäuser“ (Wien 1788); „1)isertstj0nes mj morb0S cl1ro11j0os 1J8rtj11entO8“ (6c1. .J. 1JJ)sr(-1„ 2 Bände, Wien 1788–1792; deutsch von demselben, 1788–91). Auch ist St. Herausgeber der „0psi–s t post11umer Auto11ij cle l7lAe1r (Wien 1779) und von Ger. van Swieten’s „0011Stjtutjous epj(1Smio-ste er m0rbj p0t.jsj1v11m 1.ug(1uni B5-1.t.8– y0rum 0b8S1–mti“ 1l ’1’om.

Vgl. Biogr. Lexikon etc. 7, 550.
Pagel.
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