ADB:Sturm, Johann Christopherus

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Artikel „Sturm, Johann Christopherus“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), ab Seite 39, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sturm,_Johann_Christopherus&oldid=565556 (Version vom 11. Dezember 2009, 01:07 Uhr UTC)
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Sturm: Joh, Christophorus St., namhafter Philosoph – occasionalistischer Cartesianer – des 17. Jahrhunderts, ist am 3. November 1635 in Hilpoltstein, einem der neuburgischen Pfalz benachbarten Städtchen, geboren; sein Vater stand bei dem damals dort 1esidirenden Pfalzgrafen Johann Friedrich in Diensten. Die bei den geringen Mitteln des Vaters begründeten Bedenken gegen eine gelehrte Erziehung des gemerkten Knaben wußte dessen Taufpathe, der fürstliche Rath und Secretär Paix, niederzuschlagen. Den Schulunterricht genoß St. im fränkischen Weißenburg, wo der Rector Hupfer ihn in sein Haus aufnahm, und in Nürnberg, wo er über drei Jahre als Amanuensis bei dem Antistes Wulffer wohnte. Die Gunst des letzteren ermöglichte ihm ein achtjähriges Studium. Er ging 1656 nach Jena, wo er am 27. Jan. 1658 den Magistergrad und bald darauf die kaOu1tsts ä0oe11c1i erwarb, philosophische und mathematische Collegia hielt und Disputationen leitete. Er setzte 1660 seine Studien in Leyden fort, nahm. über Hamburg, Magdeburg und Leipzig nach Jena zurückgekehrt, seine Vorlesungen wieder auf und zog auch die Theologie in den Kreis seiner Studien hinein. Dann lebte er als Hauslehrer bei Wulffer in Nürnberg, später bei seinem Vater in Oettingen, wo derselbe im fürstlichen Hofdienst angestellt war, und war vom Juni 1664 cm fünf Jahre lang Pastor in Deiningen. Im J. 1669 erhielt er die durch Abdias Trew’s Tod erledigte Professur der Mathematik und Physik in Altdorf, die er, mehrere Rufe nach auswärts ablehnend, mit berühmten Gelehrten durch wissenschaftlichen Briefwechsel verbunden und im Genusse eines ausgebreiteten Ruhmes, der seine Bescheidenheit nicht zu vermindern vermochte, bi-8 an sein Lebensende bekleidete. Er war zweimal Rector der Universität, neunmal Decan der philosophischen Facultät. Im November 1664 vermählte er sich mit Barbara Johanna Kesler († 1679), in zweiter Ehe 1680 mit Maria Salome Höchstetter († 1691), in dritter mit der Wittwe Dorothea Elisabeth Göring; 6 Söhne und 7 Töchter wurden ihm geboren. Beschwerden der Krankheit blieben ihm fremd, bis ein Sch1agf1uß ihn traf, der Lähmung der rechten Seite und am 26. October 1703 den Tod zur Folge hatte. – Unter Berufung auf eine Rede von J. H. Müller (in den Kotz 88.or0rum 88„0cu18,rju111 KOsä. .41r(j. 1727, p. 248) rühmt Apin unsern Denker als einen genauen Kenner der aristotelischen und der scholastischen Philosophie und als einen Mann von selbständigem Urtheil, der auch an der cartesianischen Lehre die Schwächen wol erkannt, von den leeren Wortkämpfen der Gelehrten und von allem Parteiwesen sich ferngehalten, durch eine versöhnlich eklektische Richtung (l’11y8jO8.e 0o110j1i:-m“j0js (z011umj1m, Nox. 1685) sich Achtung gewonnen, den Werth der Erfahrung zu würdigen gewußt, durch sorgfältige und klug ersonnene Experimente (niedergelegt in dem O011egjum (zurj08um 0zc1xzerj– z13enta1e- No1-. 1676 und 1701, II. Theil 1685) die Physik erheblich gefördert, l)1ermit den Beifall nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes erworben und durch ausgezeichnete, alletorten eingeführte Hülfsmittel („M8tt168is oompe11c1jA.rja rsb111js c:omizro11e118:–-t Alt. 1670, VI. Aufl. von seinem Sohn [40] 1714, deutsch v. Ehrenberger 1717 ; „M8.t1198is enu016zta„“ Nor. 1689; „1lls„t11S8js ju7S11j1js “ 2 Bde., N0r.1699, deutsch 1704) das Studium der Mathematik neu belebt habe. Er liebte es, aus der Betrachtung der Natur Beweise für das Dasein und die Eigenschaften Gottes zu schöpfen und ließ keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen, die geistige und unsterbliche Natur der Seele einzuschärfen. In der von Boyle (’1’rs„Ow.tus (1S jpset v8-tum- 1682) angeregten Frage nach einer dem modernen Geiste entsprechenden Umgestaltung des Begriffes der „Natur“, an dessen Stelle der des Mechanismus zu treten habe, spricht sich St. (1)e usturas zgsntjs j(1O1o, 1692) für Vetwerfung der Natur als eines Mittelwesens zwischen Gott und Welt und für die Annahme einer den Dingen inwohnenden „göttlichen Kraft“ aus. Auf den Widerspruch des Kieler Professors der Medicin G. Chr. Schelhammer (N8tur:-1- 8jbi er me(:1j(zis yj11(1ics.ts„, 1697) antwortet St. mit der Abhandlung „1)e no-tum Sidi j11ostsum yj11(1i0ata“ (1698), welche die Passivität der Materie betont. Gegen Schelhammer’s Replik N-:tu1–5te yjnc1jcs.ts.e 7jn(1ic:zti0 1702 schrieb St. eine „RS8x10118i0- qus9 msl1tsm Saum ubO1–jus S1- ponit St t0tj oo11t1079rsie19 ku1Sm i111pO11it“. Diese war ursprünglich für die Einleitung des zweiten Bandes der hypothetischen Physik bestimmt, ist jedoch erst als Nachtrag zu der Biographie Sturm’s von Apinus 1728 S. 229–236 zum Druck gelangt. Apin ordnet Sturm’s Schriften in fünf Gruppen. Zuerst führt er S. 218 f. in chronologischer Reihenfolge 25 Dissertationen aus der Zeit von 1657 bis 1702 auf. Dann 27 Abhandlungen, welche unter dem Titel „1’bj10– 8op11jz eO1OOti(r-r (Altorf, Bd. 1 1686, 1l 1698) vereinigt wurden, darunter „1)(s (s.rtsjAnis er cJArtsjmijsm0“ (1677). „1)S mztt10matjs er 1118.tl19ms„tj0js (1678) und die beiden Aufsätze zum Streit über den Naturbegriff. Hierauf 25 Schriften unter der Ueberschrift „0rations„ epistO1ae er tr-Act:-ttus y:-1rjj“„ von denen zu den oben citirten noch folgende genannt seien: „8Oje-11tjs (:08mjcz 8jy8 88tron0miu t:1m t11(z0rj(:8, qusmi 8p118Srj08.tsbu1is (:ompre11Sns (Altd. 1670 u. ö.); „?11zsi0a e1eOtjy8. 8iye b)siJot116tiOz“ (N0rimb. 1697); „1911zsjOa erote– 111zrjOz“ (Norjmb. 1704, deutsch Hambg. 1713). Sodann drei posthume Werke: „Vorstellung von der lügenhaften Sternwahrsagerei“, herausgegeben von seinem Sohn (Coburg 1722); (4) -„1?’r-1esiectj0nes0a(1emjc:1e- c-C1. 1)zy. -41go(suNO1–“ (1722); „1911zsjO:-1S e19otjy8e Sis e b)7p0t11. t0mus 1l cum pm9t“. 011r. W016i“ (Norj111b. 1722). Endlich fünf 111O(1jts worunter jenes letzte Wort im Streit mit Schelhammer.

Vgl. Sig. Jar. Apinus, R’jts0 pr0kes0rmi1 p11i10S0p11ias, qui 8„ 00r1(1its 8.OzäSmiz A1t0rö118„ AC1 11un0 us(1ue c1ie111 01zr118ru11t (m. Bildnissen), N0rjmb. er .41t(j- 1728, S. 209 f. Apin verweist auf Chr. Steph. Scheffel, Prof. d. Medic. in Greifswald, Sammlung von Briesen an Schelhammer nebst dessen yjts 1737, S. 57–59. – Georg Baku, Der Streit über den Naturbegriff am Ende des 17. Jahrh., in der Zeitschr. f. Philosophie und philos. Kritik, Bd. 98, S. 162-–190, Halle 1891.
R. Falckenberg.
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