ADB:Tiersch, Otto

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Tiersch, Otto“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 288–289, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tiersch,_Otto&oldid=1700958 (Version vom 22. Dezember 2014, 18:27 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 38 (1894), S. 288–289. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juni 2011, suchen)
GND-Nummer 117378623
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|38|288|289|Tiersch, Otto|Franz Brümmer|ADB:Tiersch, Otto}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117378623}}    

Tiersch: Otto T., Lehrer und Musiktheoretiker, wurde am 1. September 1838 zu Kalbsrieth im Weimarischen geboren und trat nach genossener Vorbildung in das Seminar zu Weimar ein, um sich zum Lehrer auszubilden. Hier empfing auch sein schon frühe bekundetes Interesse für Musik durch den Unterricht des bekannten Orgelvirtuosen und Componisten, Prof. Töpfer, nachhaltige Anregung und sein Talent für Musik große Förderung, so daß diese Kunst bald in den Vordergrund seiner Studien trat. Nachdem er seit 1858 in seiner thüringischen Heimath als Lehrer gewirkt, ging er 1861 als Privatlehrer nach Berlin und trat hier 1866 in den Gemeindeschuldienst. Seine Persönlichkeit fand im Kreise seiner Amtsgenossen sehr bald gerechte Würdigung und als sich 1871 die Berliner Lehrerschaft zu einem Bezirksverbande des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins zusammenschloß, übertrug sie bald an T. den Vorsitz in demselben; 1876 wurde T. an die Spitze des Deutschen Lehrervereins berufen, der unter seiner umsichtigen und tactvollen Leitung sich um 30 000 Mitglieder vermehrte, und erst zunehmende Krankheit zwang ihn, nach 14 Jahren (1890) den Präsidentenstab niederzulegen. Neben seiner amtlichen und Vereinsthätigkeit fand T. noch Zeit, seine Studien auf dem Gebiete der Musik fortzusetzen und deren Resultate in mehreren Schriften niederzulegen. Er ist hier Vertreter eines neuen Harmoniesystems, das sich von Jahr zu Jahr trotz des Widerstands der conservativen Theoretiker immer mehr Bahn bricht. In seiner ersten Schrift „System und Methode der Harmonielehre, gegründet auf fremde und eigene Beobachtungen“ (1868) tritt er schon, weiter bauend auf die Arbeiten eines Hauptmann und Helmholtz als freier und selbstständiger Forscher auf, der den Schüler auf selbstständige Bahnen lenken will. Die praktische Durchführung seiner wissenschaftlichen Theorie bietet er in seinem „Elementarbuch der musikalischen Harmonie- und Modulationslehre“ (1873). Andere hierher gehörige Werke von T. sind „Lehrgang für den homophonen Vokalsatz“ (1876); „Praktisches Lehrbuch für Kontrapunkt und Nachahmung“ (1879); „Klaviersatz und Accompagnement“ (1881); die mit L. Erk verfaßte „Allgemeine Musiklehrer“ (1885) u. a. Alle diese Arbeiten betrachtete T. nur als Vorstudien für eine geplante abschließende Arbeit „Die Instumentations- und [289] Kompositionslehre“; erfüllt von dem großen Gedanken an diese Schöpfung ist er am 1. November 1892 aus dem Leben geschieden.

Sonntagsblatt der Preußischen Lehrer-Zeitung, Jahrg. 1882, S. 726. – Die Selbsthilfe. Vereinsblatt. Jahrg. 1892, S. 185.
Fr. Br.