ADB:Troilo, Franz Ferdinand von

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Artikel „Troilo, Franz Ferdinand von“ von Paul Pfotenhauer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 634–635, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Troilo,_Franz_Ferdinand_von&oldid=1702091 (Version vom 23. April 2014, 18:32 Uhr UTC)
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Troilo: Franz Ferdinand v. T., Palästinafahrer. Aus einem alten tiroler Adelsgeschlechte, von welchem ein Zweig zu Ende des 16. Jahrhunderts nach Oberschlesien kam und späterhin nach seinem dortigen Stammgute Lassoth sich zubenannte. Fr. F. v. T. war der zweite von den drei Söhnen des kaiserlichen Raths Franz Gottfried v. T. auf Lassoth und der Ursula Juliana geb. v. Strachwitz. Jahr und Tag seiner Geburt, die etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts fällt, sind unbekannt. Nach eigener Angabe hat er auf verschiedenen Schulen und Universitäten sich ausgebildet und studirt, dann während eines Zeitraumes von vierzehn Jahren Reisen durch Deutschland und Italien unternommen und nachdem er an mehreren Fürsten- und Herrenhöfen sich aufgehalten und vorübergehend auch in spanischen Kriegsdiensten gestanden, einem innern frommen Verlangen genügend, dem gelobten Lande wiederholt Besuche abgestattet. Dadurch nun, daß T. diese in die Jahre 1666–1670 fallenden Fahrten in einem „Orientalische Reisebeschreibung“ betitelten, 1676 zu Dresden gedruckten, 1717 in Leipzig und Frankfurt neu aufgelegten Werke ausführlich und anschaulich geschildert und in demselben über seine merkwürdigen Erlebnisse [635] und Schicksale eingehend berichtet hat, gebührt ihm unter den zeitgenössischen Reisebeschreibern ein hervorragender Platz.

Im Laufe des Jahres 1670 gelangte T., mit der Würde eines Ritters des Ordens vom heiligen Grabe geschmückt, in seiner oberschlesischen Heimath glücklich wieder an, von Geschwistern und übrigen Anverwandten freudig bewillkommnet, und verblieb daselbst, auf den Familiengütern sich aufhaltend, bis zum Jahre 1673, in welchem er dann sich nach Dresden begab, um in kursächsische Dienste einzutreten. 1676, als die „Orientalische Reisebeschreibung“ in obengenannter Stadt im Druck erschien, befand sich T. daselbst als Kammerjunker und Fähndrich der Leibgarde zu Fuß. 1678 den 11. November verheirathete er sich mit Hedwig Sophie v. Polenz a. d. H. Tzschernowitz in der Niederlausitz, welche 1687 starb, nachdem sie ihrem Gatten vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter, geboren hatte; die spätere Ehe mit einer Unbekannten scheint kinderlos geblieben zu sein. 1680 als Capitänlieutenant bei der Festung Alt-Dresden auftretend, erscheint T. dann seit Ende des Jahres 1682 als Commandant des befestigten Schlosses Stolpen, in dem in der Folgezeit die bekannte Gräfin Cosel viele Jahre lang bis zu ihrem Tode (1765) gefangen saß. Letztere Eigenschaft bekleidete T. nachweislich noch am 29. Mai 1689 und da als sein Nachfolger Hans Wolf v. Schönberg am 1. November 1694 erstmalig genannt wird, muß ersterer in der Zwischenzeit von seinem Posten als Commandant von Stolpen zurückgetreten sein. Damit, daß Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen am 30. December 1695 seinem „lieben Getreuen Franz Ferdinand von Troilo“, dem aber irgend ein dienstlicher Charakter in dem Rescripte nicht beigelegt wird, auf vorgängiges Ansuchen die Bestellung eines Curators für seine vier Kinder bestätigt, schließen unsere Nachrichten über den Besprochenen. Das Datum seines Todes ist ebenso wenig, wie das seiner Geburt bisher festgestellt und soll in den Anfang des 18. Jahrhunderts fallen.

Nach Mittheilungen aus dem Haupt-Staatsarchiv zu Dresden; von Büchern außer der „Orientalischen Reisebeschreibung“: Sinapius, Schlesische Curiositäten, Th. II (1728) S. 1066. – Gauhe, Adelslexikon Th. II (1740) Col. 2597. – Zedler, Universallexikon, Th. 45 (1745) Col. 1079. – C. Chr. Gercke, Historie der Stadt und Vestung Stolpen (Dresden u. Leipzig 1764) S. 292 fl.
P. Pfotenhauer.