ADB:Ursinus, Kaspar Velius

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Artikel „Ursinus, Kaspar Velius“ von Gustav Bauch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 367–369, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ursinus,_Kaspar_Velius&oldid=1681203 (Version vom 31. Juli 2014, 03:19 Uhr UTC)
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Ursinus: Kaspar Velius U. Wahrscheinlich 1493 in Schweidnitz in Schlesien geboren und vermuthlich ursprünglich Kaspar Bernhard genannt, brachte er aus Rom, wo er bei seinem ersten Aufenthalt in der Velia wohnte, den Beinamen Velius mit heim. Schon 1505 bezog er die Universität Krakau, dort widmete er sich alsbald den humanistischen Studien und lernte von Constantius Clariti de Cancellariis Bononiensis auch Griechisch. Der frühreife Jüngling zeichnete sich schon mit 15 Jahren als lateinischer Dichter aus und gewann durch seine Verse die Neigung des Bischofs Johann V. Thurzo von Breslau, der ihn in seine Umgebung zog und für seine weiteren Studien freigebig unterstützte. 1508 ging U. nach Leipzig. Hier gehörte er zu den Schülern des Joh. Rhagius Aesticampianus und trat selbst als Lehrer des Griechischen auf. Etwa 1510 wurde er Secretär des kaiserlichen Locumtenens Bischof Matthäus Lang von Gurk. Mit diesem ging er 1511 nach Italien, studirte vorübergehend unter Scipio Carteromachus in Bologna und blieb, als Cardinal Lang nach Deutschland zurückkehrte, in Rom, um dort seine Studien zu vollenden. Hier erschloß sich ihm der glänzende Kreis der römischen Schöngeister und besonders die sodalitas Coritiana. Er befreundete sich mit Franciscus Arsillus, Janus Vitalis, Joannes Marius Catanaeus, Hieronymus Vidas, Angelus Colotius, Nicolaus [368] Judecus, Lilius Gregorius Gyraldus, Marcus Antonius Casanova, Philippus Beroaldus dem jüngeren, Petrus Bembus, Jacobus Sadoletus u. a. Besonders nahe trat ihm der Historiker Paulus Jovius. In Rom schuf U. zwei größere heroische Gedichte auf die Sporenschlacht von Guinegate und auf den Sieg Sigismund’s I. von Polen bei Orsza. 1514 kehrte er wieder nach der deutschen Heimath zurück und nahm als Secretär Lang’s 1515 an der Fürstenzusammenkunft in Presburg und an dem folgenreichen Wiener Congreß theil. Ueber ein Jahr blieb U. in Wien und in Verbindung mit der Universität und der sodalitas Collimitiana. Collimitius, Vadianns und Rudolfus Agricola junior wurden seine besten Freunde. 1516 sollte er sich Lang wieder anschließen und als Gesandter nach Spanien gehen, aber eine Erkrankung an der gallischen Krankheit stand ihm im Wege. 1517 erhielt er auf Lang’s Fürsprache von Maximilian I. den Dichterlorbeer. In demselben Jahre veröffentlichte Agricola eine Sammlung von Gedichten des U., „Epistolarum et Epigrammatum liber“. in Wien. 1518 ging U. nach Schlesien, und die Gunst Johann Thurzo’s gewährte ihm jetzt ein Kanonikat in Breslau, das ihm erlaubte, den Dienst Lang’s zu verlassen und aufs neue seine Studien in Wien aufzunehmen. Als 1521 dort die Pest ausbrach, begab er sich nach Basel, wo er die Freundschaft des Erasmus von Rotterdam gewann und nach Freiburg im Breisgau, wo er mit Ulrich Zasius nähere Beziehungen anknüpfte. In Basel veranstaltete er 1522 eine Gesammtausgabe seiner Dichtungen. Nach Wien zurückgekehrt, veranlaßten ihn die unerquicklichen Verhältnisse an der verfallenden Universität und besonders das Eindringen der Reformation zu einer zweiten Reise nach Italien, nach Rom. Indessen versuchte Ferdinand I. die Universität wieder zu heben, U. sollte den Lehrstuhl für Rhetorik erhalten; aber erst 1524 trat er in diese Stelle ein und las über römische und griechische Autoren. Im Winter 1525/26 verweilte er in Ofen bei Jakob Piso, und auch hier faßte er Fuß in den litterarischen Kreisen; der Primas Erzbischof Ladislaus Szalkai nahm ihn unter seine Familiaren auf. Als nach der Schlacht bei Mohacs (1526), Ferdinand I. sich aufmachte, um Ungarn für sich in Besitz zu nehmen, wurde U., der Sänger des habsburgischen Hauses, aus seiner Lehrstellung zum Hofhistoriographen berufen und begleitete seinen Herrn, bei der Krönung in Stuhlweißenburg hielt er die Festrede. 1529 entsagte U. dem geistlichen Stande und verheirathete sich in Wien an dem Tage, an dem die Türken vor der Stadt erschienen. Er flüchtete nach Linz und begab sich nach Aufhebung der Belagerung wieder nach Wien, um in königlichem Auftrage an der Reformation der Universität theilzunehmen. 1530 ging er mit nach Augsburg und 1531 zur Krönung Ferdinand’s als römischer König nach Köln; auch hier hielt er wieder die Festrede. Im J. 1531 schrieb er ein Buch über die Schlacht bei Mohacs, das leider nicht erhalten ist. Gegen Ende des Jahres übernahm er die Erziehung der königlichen Kinder, und diese Thätigkeit nahm ihn vollauf in Anspruch. Mitten heraus aus diesem Berufe schied er plötzlich, am 5. März 1539, aus diesem Leben; er fand einen geheimnißvollen Tod in der Donau bei Wien. Nach den Aeußerungen der Freunde in Privatbriefen hat er freiwillig den Tod gesucht, weil er das unleidliche Verhältniß zu seiner zänkischen und treulosen Frau nicht mehr ertragen konnte. Ueber sein liebenswürdiges Wesen, seine reine Denkweise, seine Gewissenhaftigkeit als Prinzenerzieher sind alle Zeitgenossen einig. Wenn auch persönlich mild denkend, war er doch ein entschiedener Gegner der Reformation. Als Historiograph wurde er schon von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt, sein Stil ist fließend und klar, seine Angaben sind zuverlässig, sodaß sein Hauptwerk, die Geschichte Ferdinand’s I., auch Ranke’s Beifall gefunden hat. Leider bricht dieses auch sonst noch lückenhafte Buch, das besonders für die Besitzergreifung [369] Ungarns von Wichtigkeit ist, schon mit dem Jahre 1531 ab; Kollar hat diesen Torso 1762 unter dem Titel „de bello Pannonico libri decem“ herausgegeben. Als humanistischer Dichter ragt U., der wahres Talent besaß, über alle seine schlesischen Landsleute hervor, er ist auch der erste und fruchtbarste Vertreter der Hochrenaissanee in Wien. Seine zahlreichen Veröffentlichungen haben wir in seiner Biographie, Budapest 1886, zusammengestellt.

Gustav Bauch.