ADB:Voigt, Karl Friedrich
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Voigt: Karl Friedrich V., Edelsteinschneider und Medailleur. Geboren 1800 zu Berlin, zeigte derselbe schon in früher Jugend große Neigung zum Zeichnen; da ihn immer mehr die Schönheit der Form als die Farbe anzug, so galt sein Beruf zum Plastiker als entschieden. Bei dem Graveur Vollgold als Lehrling aufgenommen, gewann er große Fertigkeit im Stahlschneiden, Eiseliren und Wacbsbossiren, worin ihn Leonhard Posch unterrichtete. Bald darauf kam V. zu dem Generalmünzwardein Loos, wo er sich als erster Modelleur im Technischen förderte und viele Stempel zu Medaillen schnitt, z. B. mit den Bildnissen der Kronptinzeß von Preußen, deeJ5 Bürgermeistetts Tesdorf von Lübeck und des Staateskanzlers Fürsten von Hardenberg. Daneben schnitzte er auch ein Reliefporträt des Königs Friedrich Wilhem III., sowie einen Amor als Löwenbändiger in Elfenbein. Im J. 1825 erhielt V. den akademischen Preis im Modelliren nach dem Leben und damit ein Stipendium; er ging nun zunächst nach London, wo er mit einer Medaille auf Lord Eldon Beifall gewann, und dann über Paries und Mailand (1826) nach Rom. Hier lernte er das Steinschneiden bei Girometti, welchem er dagegen die Vortheile im Stempelschnitte mittheilte und lieferte mehrere Miniaturarbeiten in Onyx, z. B. die Köpfe der Sappho, des Alexander, des Homer nach der Antike und die BilOnisse des Königs und des Kronprinzen von Preußen nach Rauch’s Büsten, alle in meistethafter Ausführung und vollkommener Aehnlichkeit. Durch Schadow’s Vermittelung wurde ihm der Auftrag, ein Collier von Conchilien mit der Mythe von Amor und Psyche für die Kronprinzessin von Preußen zu schneiden, eine Arbeit, welche den jungen Künstler höchst vortheilhaft bekannt machte; Thorwaldsen nahm sich seiner an und vermittelte die Bestellung eines Stempels zu einer Preismedaille der A08.äemjs. ’1’jbsrj118- welche den Künstler für diese Leistung zum Mitgliede ernannte. Eingeladen von der kgl. Münze in Berlin unter die Bewerber zur Verfertigung eines neuen Thalerstempels mit dem Bildnisse des Königs zu treten, erhielt Voigt’s Stempel den Preis. Weitere Erwähnung verdient eine Medaille, welche zu eiutr die Brandenburger Geschichte illustrirenden Folge gehört und sich auf die Belehnung Ludwig des Brandenburgers mit der Mark bezieht. Durch diese Leistungen erregte V. die Aufmerksamkeit des bairischen Königs Ludwig; V., welcher seiner Heimath besonderen Dank schu1dete, nahm die erneuerte Einladung erst an, als man ihm vom Berliner Ministerium zu seiner Berufung nach München Glück wünschte. Vor seiner Abreise in Rom lieferte V. einen [211] Scudistempel mit den Bildnissen des Papst Pius 7III., wobei der Künstler die Größe der früher sehr dünnen Münzen beschränkte und das nützliche Prägen im Ringe (mit dem schützenden Rand) wieder einführte, eine seitdem bleibend gewordene Verbesserung. In Rom verheirathete sich V. am 30. März 1830 mit Teresia Fiorini, einer durch ihre Porträte gefeierte Miniaturmalerin, die auch alte Meisterwerke mit verständnißinniger Geschicklichkeit zu copiren verstand. In München vollendete V. die schon in .Italien begonnene große Camee mit dem dens Pegasus bäudigenden Bellerophon und begann dann, als erster Münzmedailleur angestellt, die Anfertigung der sogenannten Geschichtsthaler, welche bis zum Jahre 1848 schon auf 37 Stück sich beliefen. Sie tragen auf der einen Seite das Bildniß König Ludwig’s 1., auf der andern ist ein historisches Ereigniß dargestellt, z. B. die Errichtung des Obelisk, daß Standbild für Jean Paul Richter (1841), die Hochzeit des Kronprinzen Maximilian (1842), die Geburt des nachmaligen Königs Ludwig1l. (1845) u. s. w. Der Meister vollendete alle diese Aufträge mit ebenso großer Präcision wie anerkennenswerthem Geschmack. Er hatte sich nach clafsischen Mustern gebildet; auch blieb Thorwaldsen’s Einfluß, besonders in den mythologischen und allegorischen Gestalten unverkennbar. Voigt’s Thätigkeit erweiterte sich alsbald nach allen Seiten, indem er von den meisten deutschen und vielen fremden Fürsten und Staaten mit Anfertigung von Münzstempeln betraut wurde. Bei seiner unermüdlichen Thätigkeit versorgte er nicht allein die „IC0u9ts. regis.“ zu München mit Stempeln zu Verkehrsmünzen aller Art, sein Name stand auch unter den meisten hohen Häuptern dcs ehemaligen deutschen Bundes und ist somit, wie kaum ein anderer Künstlername fast unbemerkt in alle Hände gekommen. Inzwischen schnitt V., dieser „baierische Raibolini“, welcher seit 1841 seinen Wohnsitz wieder nach Rom verlegte, noch viele interessante Gemmen und Cameen; noch manch kostbarer Onyx ging aus seiner Werkstätte hervor. Dazu Ehren- und Gedächtnißmedaillen – eine der schönsten auf die Kunstthätigkeit König Ludwig’s 1. (vgl. Kunstblatt 1848, S. 120), auf Thorwaldsen, Rauch (1846), Cornelius;s, Kaulbach. Von V. ist der Stempel zur großen goldenen Medaille mit dem Bildnisse des Herzogs Maximilian in Baiern; die Preismedaille der kurhessischen Akademie in Hanau mit dem Bilde des Buonarroten; auf die elfhundertjährige Jubelfeier der Gründung des Bisthums Eichstätt (Bonifacius überreicht dem Willibald den Bischofstab 745). Ferner eine Medaille für Bogotes. in Südamerika mit dem von Tenerani gefertigten Standbilde Simon Bolivar’s, auf der Rückseite die Abschaffung der Sklaverei nach einem Relief jenes Denkmals auf die Errichtung des Denkmals für Frhrn. v. Kreittmayr (1845), die Vollendung des Ludwig-Donau-MaimCanals 1846; auf die Enthüllung des Standbildes des Fürstbischofs Julius von Würzburg (1847). Auch viele seiner Freunde, z. B. den Arzt Dr. M. Trettenbacher, überraschte V. mit solchen Ehrenzeichen persönlicher Hochachtung und Dankbarkeit. Zu seinen letzten Werken gehört der Stempel zum Friedensthaler für 1871. Es griff dem alten Mann gewiß schmerzlich in die Seele, daß weitaus der größte Theil seiner Kunstthätigkeit mit der neuen Währung (1874) wieder im Schmelztiegel vernichtet und durch neue Münzen ersetzt wurde, denen, wenigstens theilweise, kein besonderer Kunstwerth und Schönheitssinn uachzusagen war. Wie gerne und bereitwillig hätte er seinen findigen Geist zur neuen Reichiswährung geboten; aber sein Auge war schwach und seine Hand unsicher geworden. Nachdem V. wiederholt zu öfterem Besuch in München geweilt hatte, kam derselbe mit seiner Familie noch einmal im J. 1874 nach der Isarstadt, beschaute gleichsam zum Abschied mit seiner Gattin mit höchstem Interesse und freudiger Bewunderung alle Sammlungen und Kunstanstalten und dachte dann nach Rom über Triest heimzukehrtn. In 14*
[212] dieser Stadt aber überraschteHihn nach kurzen Leiden am 13. October 1874 der Tod. Er hinterließ den bleibenden Namen eines wahren Ehrenmannes und echten Künstlers. Viele Auszeichnungen waren ihm zu theil geworden, zahlreiche Akademieen hatten ihn zum Mitgliede ernannt und geehrt. Vgl. Kunstblatt 1885, S. 419; 1849, S. 46. – Nagler, 1850. IX, 503. – E. Förster, Gesch. der dtsch. Kunst, 1860. 7, 287. – Sepp, Ludwig Augustus,1869, S. 259. – Allg. Ztg. 296 v. 23. Oct. 1874.