ADB:Wald, Samuel Gottlieb

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Artikel „Wald, Samuel Gottlieb“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), ab Seite 659, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wald,_Samuel_Gottlieb&oldid=822574 (Version vom 25. Dezember 2009, 18:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Walcker, Eberhard Friedrich
Band 40 (1896), ab Seite 659. (Quelle)
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Wald: Samuel Gottlieb W., evangelischer Theologe, † 1828. Eine charakteristische Gestalt der geistigen Atmosphäre Königsbergs im kantischen und nachkantischen Zeitalter ist der Theologe und Kirchenmann Samuel Gottlieb W., welcher einerseits die Blüthe Kant’s und der Königsberger Universität seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts, dann aber auch die Erniedrigung des preußischen Staates durch Napoleon, die Leidenszeit der preußischen Königsfamilie in Königszberg, die Befreiungskriege und das Erwachen einer positiven Erweckung im Protestantismus persönlich mit durchlebte. Unter diesen Verhältnissen hat W. an der Universität in der philosophischen und in der theologischen Facultät, im Kirchenregimente und im Staatsleben stets kräftig mit eingegriffen und eine vielseitige Thätigkeit entfaltet. Er war zu Breslau am 17. October 1762 geboren; sein Vater gehörte dem Kaufmannsstande an. Auf dem Elisabeth-Gymnasium seiner Vaterstadt unter dem Rectorat Arletius’ vorgebildet, bezog er im 20. Jahre seines Alters die Universität Halle, in deren theologischer Facultät noch immer der Kritiker Semler den Ton angab. W. erfreute sich der besonderen Berücksichtigung Nösselt’s, der ihn auch in seinem Hause wohnen und seine Bibliothek benutzen ließ. Schon nach 18-“4jährigem Besuch der Universität Halle gelang es W., sich 1783 als 1sp18gist(–z1– 1egen8 in Leipzig zu habilititen und den Beifall der Studenten sich zu erwerben. Bald erschienen von ihm: „(Jurwe ju 11istorj-1m te1tus 7x-ttj0i11jorum 1)x2mie1is (1783)- „8pj0j1egium mrizrum 1SOti0num Oo(1c1. 17 7er. 1’st. 119b1–. 7ratisiz7i911Sium“ (1784)- dazu. 1786 ein größeres Werk über die Geschichte der Litteratur („Uebersicht der allg. Literatur- und Kunstgeschichte“ l). Daraufhin berief ihn der preußische Cultusminister v. Zedlitz 1786 als ordentlichen Professor der griechischen Sprache nach Königsberg, nachdem er schon vorher zum 19r0kes0r e:ctrzor(lins,rjus in Leipzig ernannt worden war. Königsberg wurde seine zweite Heimath; und nachdem er sich auch mit einer Königs bergerin verheirathet hatte, fühlte er sich um so enger an das „nordische Rom“ gekettet. Hier erhielt er nun neben seiner Professur zunächst das einflußreiche Amt des ersten Inspectors (Directors) des Friedrichscollegs, eines akademischen Gymnasiums, aus welchem Kant hervorgegangen und an welchem Herder gelehrt hatte. 1798 wurde er ferner, während er die griechische Professur beibehielt, noch zum ordentlichen Professor der Theologie ernannt und, nachdem ihn die Erlanger theologische Facultät zum 42* [660] Doctor promovitt, in die Königsberger theologische Facul?ät eingeführt. 1796 zum südpreußischen Consistorialrath ernannt, fand er reiche Gelegenheit, bei ders Einrichtung der „südpreußischen“ Kirchen- und Schulverhältnisse Rath zu ertheilen. 1800 ward er aber statt dessen zum Consistorial- und Schulrath von Ostpreußen befördert. Daneben erhielt er 1802 noch die Professuren der Geschichte und der Beredsamkeit, sodaß er nicht weniger als sechs Aemter in seiner. Person vereinigte. 1806 ließ er sich aber insofern entlasten, als er statt der Professuren der griechischen Sprache, der Geschichte und der Beredsamkeit die der morgenländischen Sprachen erhielt, und 1810 wurde er weiter auch von der Leitung des Fridericianums entbunden. Von da an wirkte er lediglich als Professor, Consistorial- und Schulrath, bis ein plötzlich eingetretener Schlagfluß dem Leben des rüstigen Greises 1828 ein Ziel setzte. – Seiner Denkweise nach war W. vom Kriticismus Semlet’s und Nösselt’s beeinflußt, aber je länger desto entschiedener doch auch dem Supranaturalismus zugewandt, ein Vertreter des rationalen Supranaturalismus, etwa wie seine Zeitgenossen Stäudlin und Tzschirner. Aber W. war überhaupt nicht eigentlich Dogmatiker, sondern pflegte mit Vorliebe die historische Theologie und die Sprachen; auf beiden Gebieten zeichnete er sich durch hervorragende Kenntnisse aus. Als langjähriger Director (oder Präsident) der Königsberger Deutschen Gesellschaft, welche seit 1748 bis zur Gegenwart deutsches Geistesleben im fernen Osten pflegt, hat er sich um den Anbau deutscher Cultur dort recht verdient gemacht. Die positiv religiöse Seite seines Wesens hat sein Sohn, welcher sich dem geistlichen Stande widmete, fortgepflanzt und das Andenken an seinen Vater durch eigene ausgezeichnete Berufsthätigkeit als Pfarrer und Superintendent zu König-5be1g nur um so mehr wach erhalten.

Unter den Schriften Wald’s, von denen die ersten aus der Zeit von 1783 bis6 schon oben erwähnt sind, machte 1821 ein lateinisch geschriebenes, polemisches Osterprogramm viel von sich reden; es hat den Titel: „1)e bs.eresj zbju– r:m(1a qui(1 Sts.tu:-tt eoo1esjz R0ms.110–estb01j08“. Ihm folgte das Programm: „Ueber die Verschiedenheit der römischen und jesuitischen Convertitenbekenntnisse“ (1822). Außerdem erschienen von ihm: „l)jse1–tstjo äe yerz Vj yo0zbutorum 1-0,u0g er m(sMg ju epist01a 19mi1j u(1 13i01mi1108“ (1788); „1)js. (1e Reitz, Scriptjs er SzstsmAte m)–8tjco 8ebs8tismi 1s’remei“ (1793, s. Erlanger th. Doctordiss.); ?rog1–. „kJcc1esjarum er S(:11018run1- qu:-1e in B0rusis Orjentsij mme 8unt- con- 8pe0tus (18O2); Progr. „l)es0rj1Jtjo constjtutj011um S)sn0(181jum Warmjensium“ (1802); Progr. „cJ0118tjtutjOt1um 8y11o(1z1jum cu1men8ium er 1)0mese1njen8jum c1escrjptj0“ (1804); „Beiträge zur Biographie des Prof. Kant“ (1804). – Dazu eine große Menge kleinerer Arbeiten zur Schulgeschichte Preußens, zumal Oftpreußens. Die Titel derselben und der übrigen Schriften Wald’s bei Schmidt (s. unten).

Vgl. (Schmidt’s) Neuer Nekrolog der Deutschen. Sechster Jahrgang 1828. (Ilmenau 1830.) I. Theil, S. 145–152.
P. Tschackert.
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