ADB:Widmann, Johannes

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Artikel „Widmann, Johannes“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), ab Seite 355, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Widmann,_Johannes&oldid=630895 (Version vom 11. November 2009, 22:30 Uhr UTC)
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Band 42 (1897), ab Seite 355. (Quelle)
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Widmann: J o h annes W. Von Eger, Mathematiker gegen 1500, Geburtslind Todesjahr sind unbekannt. Zur Bestimmung seiner Lebenszeit dienen Urkunden der Universität Leipzig, aus welchen hervorgeht, daß W. im Wintersemester 1480 in die Matrikelliste eingetragen wurde, und zwar als paupcr, d. h. mit einem Armuthszeugnisse, daß er 1482 Baccalaureus, 1485 Magister unter Erlassung der Kosten wurde. Ein von W. verfaßtes Werk: „Behende und hübsche Rechnung auf allen Kauffmannschafft“ wurde 1489 in Leipzig bei Konrad Kacheloffen gedruckt, und spätere Drucke desselben Buches von 1508, “ 1519, 1526 in Pforzheim, Hagenau, Augesburg lassen dessen weite Verbreitung erkennen. Ein handschriftlicher Sammelband, der in Widmann’s Besitz war, befindet sich in der Dresdner Bibliothek, und Einträge in demselben lassen erkennen, daß W. (nach seiner Erlangung der Magisterwürde, also nach 1485) in Leipzig mancherlei Vorlesungen ankündigte, eine über das Rechnen auf den Linien, eine zweite über Zissernrechnen, eine dritte über Algebra. Wir wissen sogar, daß die letztere zu Stande gekommen ist, jedenfalls die erste algebraische Vorlesung an einer Universität, von deren Abhaltung sich eine Spur erhalten hat. Wie diese Thatsache geeignet ist, ein günstiges Vorurtheil für Johannes W. Von Eger zu erwecken, so steht auch sein oben genanntes Werk obenan unter - den in Deutschland verfaßten mathematischen Schriften vom Ende des fünfzehnten Jahrhunderts und gehört mit seinem vielseitigen Inhalte zu den Büchern, welche ihre Zeit geschichtlich kennzeichnen, ohne ihr allerdings vorauszueilen. Bei W. hat man die erste gedruckte Anwendung der Zeichen –s– und – gefunden, deren ersteres freilich handschriftlich schon im vierzehnten Jahrhundert als Abkürzung für die Conjunction er vorkommt. Bei W. finden sich zahllose Namen einzelner arithmetischer Aufgabengruppen, bei ihm Ueberbleibsel der Geometrie des römischen Wasserbaumeisters Julius Frontinus u. s. w.

Vgl. Drobisch, 1)e .Jozn11js Wjämsi111i 1Dgsrs.vi 00mpsnäj0 msjtbm9tjos 1nsr(:8t0rum (1840). – Bald. Boncompagni im BunStj11o B0110omps.gnj llc, 188–210. – Treutlein, Deutsche Coß im Supplementhefte zur Zeitschr. Math. Phys. )c?c1s’, besonders S. 62 flgg., 110 flgg., 118 flgg. – C. J. Gerhardt, Geschichte der Mathematik in Deutschland (1877) S. 80–36. – Cantor, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik 1l, 209 flgg. und mehr.

Cantor.
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