Alexis und Dora
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Alexis und Dora.
Idylle.
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Alles deutet die glücklichste Fahrt, der ruhige SchifferRuckt am Seegel, gelind, das sich statt seiner bemüht: [2]
Alle Gedanken sind vorwärts gerichtet, wie Flaggen und Wimpel, 10
Niedersinken, es sinkt jegliche Freude vor ihm.Auch dir ist es verschwunden das Schiff, das deinen Alexis, 15
Nur Ein Augenblick war’s in dem ich lebte, der wiegetAlle Tage, die sonst kalt mir verschwindenden, auf. [3]
Nur Ein Augenblick war’s, der letzte, da stieg mir ein Leben, 20
Phöbus, mir ist er verhasst dieser alleuchtende Tag.In mich selber kehr ich zurück, da will ich im stillen 25
Klage dich Armer nicht an! – So legt der Dichter ein Rätzel,Künstlich mit Worten verschränkt, oft der Versammlung ins Ohr. [4]
Jeden freut die seltne Verknüpfung der zierlichen Bilder, 30
Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn.Ach warum so spät, o Amor, nahmst du die Binde, 35
Leere Zeiten der Jugend! und leere Träume der Zukunft!Ihr verschwindet, es bleibt einzig die Stunde mir nur; [5]
Ja sie bleibt, es bleibt mir das Glück! ich halte dich Dora! 40
Und das Mütterchen ging feyerlich neben dir her.Eilig warst du und frisch, zu Markte die Früchte zu tragen 45
Oftmals hab’ ich gesorgt, es möchte der Krug dir entstürzen,Doch er hielte sich stet auf dem geringelten Tuch. [6]
Schöne Nachbarinn! so war ich gewohnt dich zu sehen, 50
Nicht der entfernteste Wunsch sie zu besitzen sich regt.Jahre! so gingt ihr dahin! Nur zwanzig Schritte getrennet 55
Alles rührte sich schon, da kam ein Knabe gelaufen,An mein väterlich Haus, rief mich zum Strande hinab. [7]
Schön erhebt sich das Segel, so sprach er, es flattert im Winde, 60
Segnend, die würdige Hand mir auf das lockige Haupt,Sorglich reichte die Mutter ein nachbereitetes Bündel. 65
Deines Gartens, du lächeltest mir und sagtest: Alexis!Sind die lärmenden dort deine Gesellen der Fahrt? [8]
Fremde Gegenden wirst du besuchen und köstliche Waaren 70
Dankbar bezahlen, schon oft hab’ ich die Zierde gewünscht.Stehen war ich geblieben und fragte, nach Weise des Kaufmanns, 75
Immerfort tönte das Rufen der Schiffer, da sagtest du freundlich:Nimm aus dem Garten noch einige Früchte mit dir! [9]
Nimm die reifsten Orangen, die weißen Feigen, das Meer bringt 80
Und die goldene Last zog das geschürzte Gewand.Oefters bat ich: es sey nun genug! und immer noch eine 85
Schweigend begannest du nun, geschickt, die Früchte zu ordnen,Erst die Orange, die schwer ruht, als ein goldener Ball, [10]
Dann die weichliche Feige, die jeder Druck schon entstellet, 90
In die Augen und mir ward vor dem Auge so trüb.Deinen Busen fühlt ich an meinem! den herrlichen Nacken! 95
Amors Hände fühlt ich, er drückt uns gewaltig zusammen,Und aus heiterer Luft donnert es dreymal. Da floß [11]
Häufig die Thräne vom Aug’ mir herab, du weintest, ich weinte, 100
Mich nicht tragen, ich rief: Dora! und bist du nicht mein!Ewig sagtest du leise. Da schienen unsere Thränen, 105
Wie er mich trieb! Wie ich dir die Hand noch drückte! zu SchiffeWie ich gekommen? Ich weiß, daß ich ein Trunkener schien! [12]
Und so hielten mich auch die Gesellen, sie schonten den Kranken, 110
Mit dem Donner des Zevs! ja! sie stand neben dem ThronSeine Tochter die Göttinn der Liebe, die Grazien standen 115
Bringe dem fremden Hafen mich zu, damit mir der Goldschmied,Aus der Werkstatt, sogleich, reiche das himmlische Pfand; [13]
Warlich es soll zur Kette werden das Kettchen, o Dora! 120
Spangen sollen dir reichlich verzieren die Hand,Da wetteifre Rubin und Smaragd, der liebliche Saphyr 125
Seh ich Perlen, so denk ich an dich, bey jeglichem RingeKommt mir der länglichen Hand schönes Gebild in den Sinn. [14]
Tauschen will ich und kaufen, du sollst das schönste von allem 130
Was ein häußliches Weib freuet, das bringt er dir auch.Feine wollene Decken, mit Purpursäumen, ein Lager 135
Bilder der Hoffnung, o täuschet mein Herz! o mäßiget, Götter!Diesen gewaltigen Brand, der mir den Busen durchtobt. [15]
Aber auch sie verlang ich zurück die schmerzliche Freude, 140
Schreckt den Verbrecher so, in der Verzweiflung Gefild,Als das gelassne Gespenst mich, das mir die Schöne von Ferne 145
Lockt sie auch ihn nach der Laube? und folgt er? o macht mich, ihr Götter.Blind, verwischet das Bild jeder Erinnrung in mir. [16]
Ja ein Mädchen ist sie! und die sich geschwinde dem einen 150
Donnere schrecklicher! triff! – halte die Blitze zurück!Sende die schwankenden Wolken mir nach! im nächtlichen Dunkel 155
Nun, ihr Musen, genug! vergebens strebt ihr zu schildern,Wie sich Jammer und Glück wechseln in liebender Brust. [17]
Heilen könnet ihr nicht die Wunden, die Amor geschlagen Göthe.
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