Am Ammersee

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Autor: Ernst Ziel
Titel: Am Ammersee
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1878) b 013.jpg


Am Ammersee


Es steht eine Weide am Ammersee.
Die taucht ihr Gezweig in die Fluthen.
„Ade, goldhaariger Schatz, ade!
Nun gilt’s für den König zu bluten.
Traut war es zu kosen, Boot an Boot,
Wenn die Wasser rauschten im Ammerse,
Und über ein Jahr, wer weiß, bin ich todt -
Ade nun, mein Schatz, ade!“

Sie fuhren noch einmal den See entlang
Wohl unter die flüsternde Weide,
Die Herzen so weh, die Herzen so bang -
sie kos’ten in Lust und in Leide.
Ab stieß er den Nachen - er schwenkte den Hut:
Da rauschten die Wasser im Ammersee.
„Dem König gehorchte ein Soldatenblut -
Ade nun, mein Schatz, ade!“

Und über ein Jahr ein Reitergrab
Liegt einsam auf fremder Haide.
Es neigt die Zweige darüber herab
Eine wilde, verwachsene Weide;
Sie seufzt in die Winde - die tragen es fort,
die Wasser rauschen im Ammersee:
„Dein Liebster, der schlummert am Haideort -
Ade nun, mein Schatz, ade!“

Eine Weide, die steht am Ammersee;
Sie taucht ihr Gezweig in die Fluthen;
Es thut wohl kein Herzeleid so weh,
Als um Liebe, um Liebe verbluten.
Nun schimmert’s herauf alabasterweiß
Durch die rauschenden Wasser im Ammersee:
„Goldhaarige Stirn, wir umplätschern dich leis -
Ade nun, mein Schatz, ade!“

Ernst Ziel.



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