An den Reichshund

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Textdaten
Autor: Kladderadatsch
Titel: An den Reichshund
Untertitel:
aus: Kladderadatsch, Humoristisch-satirisches Wochenblatt, Jahrgang XXXI, S. 423
Herausgeber:
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Erscheinungsdatum: 25. August 1878
Verlag: A. Hofmann & Co Verlag
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Erscheinungsort: Berlin
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An den Reichshund

Aedler Sultan, Hund der Hunde,
Von dem das Wochenblättlein spricht
Im kleinsten Nest der Erdenrunde,
O Sultan, du gefällst mir nicht!

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Ich kann das Beißen gar nicht leiden,

Das dir im wilden Blute steckt;
Und läßt es sich ganz vermeiden,
So wähl’ doch besser dein Object.

Man weiß, wie beim Congreß dolose

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Getrieben du dein schlimmes Spiel,

Und wie dir Rußlands Gala-Hose,
Die stattliche, zum Opfer fiel.
Vor Knickebeinen, die zum Gehen
Zu schwach sind, wichst du nicht zurück;

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O Sultan, du mußt selbst gestehen,

Fürwahr, das war kein Heldenstück!

Dann hast mit frevelhaften Bissen
Der Herrin, die dir mild gebeut,
Du tückisch das Gewand zerrissen

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Und zähnefletschend sie bedräut.

Die Dame, welche du vor Allen
Ein Freund und Schützer solltest sein,
In blindem Wüthen anzufallen,
Das, Sultan, scheint mir recht gemein!

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Als du den Herrn zur salz’gen Quelle

Begleitet an der Saale Strand,
Schritt täglich über seine Schwelle
Ein Mann in schwärzlichem Gewand.
Zur Tafel war er mitgenommen;

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Allein so oft dies auch geschah,

Nicht hat dein Herr ihn satt bekommen,
Stets war der Würd’ge wieder da.

Stets trat die prallste aller Waden
Im Seidenstrumpf zu dir herein;

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Ach, diese Seidenstrümpfe laden

Zum Anbiß gar verlockend ein!
Doch nichts hört man von neuen Fehden,
Es sprach von dir nicht ein Bericht;
Du Krone aller Quadrupeden,

40
O Sultan, ich versteh’ dich nicht!


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