An die Freude (Schiller)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Schiller
Titel: An die Freude.
Untertitel:
aus: Thalia - Erster Band,
Heft 2 (1786), S. 1–5
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum: November 1785
Erscheinungsdatum: 1786
Verlag: Georg Joachim Göschen
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Erstdruck der Ode.
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bild
[[Bild:|250px]]
Bild
{{{EXTERNESBILD}}}
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Link zur Indexseite


[1]
I.
An die Freude.




Freude, schöner Götterfunken,
     Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken
     Himmlische, dein Heiligthum.

5
Deine Zauber binden wieder,

     was der Mode Schwerd getheilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
     wo dein sanfter Flügel weilt.

Chor


Seid umschlungen, Millionen!

10
     Diesen Kuß der ganzen Welt!

     Brüder - über'm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.

Zeilenumbruch für die Labeled Section Transclusion

[2]

Wem der große Wurf gelungen,
     eines Freundes Freund zu seyn;

15
wer ein holdes Weib errungen,

     mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
     sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle

20
     weinend sich aus diesem Bund!


Chor


Was den großen Ring bewohnet,
     huldige der Simpathie!
     Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte tronet.

25
Freude trinken alle Wesen

     an den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
     folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben

30
     einen Freund, geprüft im Tod.

Wollust ward dem Wurm gegeben,
     und der Cherub steht vor Gott.

Chor


Ihr stürzt nieder, Millionen?
     Ahndest du den Schöpfer, Welt?

35
     Such ihn überm Sternenzelt,

über Sternen muß er wohnen.

Zeilenumbruch für die Labeled Section Transclusion

[3]

Freude heißt die starke Feder
     in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder

40
     in der großen Weltenuhr.

Blumen lockt sie aus den Keimen,
     Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
     die des Sehers Rohr nicht kennt.

Chor


45
Froh, wie seine Sonnen fliegen,

     durch des Himmels prächtgen Plan,
     laufet, Brüder, eure Bahn,
freudig wie ein Held zum Siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel

50
     lächelt sie den Forscher an.

Zu der Tugend steilem Hügel
     leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
     sieht man ihre Fahnen wehn,

55
Durch den Riß gesprengter Särge

     sie im Chor der Engel stehn.

Chor


Duldet mutig, Millionen!
     Duldet für die beßre Welt!
     Droben überm Sternenzelt

60
wird ein großer Gott belohnen.

Zeilenumbruch für die Labeled Section Transclusion

[4]

Göttern kann man nicht vergelten,
     schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
     mit den Frohen sich erfreun.

65
Groll und Rache sei vergessen,

     unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Thräne soll ihn pressen,
     keine Reue nage ihn.

Chor


Unser Schuldbuch sei vernichtet!

70
     ausgesöhnt die ganze Welt!

     Brüder- überm Sternenzelt
richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
     in der Traube goldnem Blut

75
trinken Sanftmut Kannibalen,

     Die Verzweiflung Heldenmut --
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
     wenn der volle Römer kraißt,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:

80
     Dieses Glas dem guten Geist.


Chor


Den der Sterne Wirbel loben,
     den des Seraphs Hymne preist,
     Dieses Glas dem guten Geist
überm Sternenzelt dort oben!

Zeilenumbruch für die Labeled Section Transclusion

[5]
85
Festen Mut in schwerem Leiden,

     Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
     Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königstronen

90
     Brüder, gält es Gut und Blut, -

Dem Verdienste seine Kronen,
     Untergang der Lügenbrut!

Chor


Schließt den heilgen Zirkel dichter,
     schwört bei diesem goldnen Wein:

95
     Dem Gelübde treu zu sein,

schwört es bei dem Sternenrichter!

Rettung von Tirannenketten,
     Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,

100
     Gnade auf dem Hochgericht!

Auch die Toden sollen leben!
     Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
     und die Hölle nicht mehr seyn.

Chor


105
Eine heitre Abschiedsstunde!

     süßen Schlaf im Leichentuch!
     Brüder - einen sanften Spruch
Aus des Todtenrichters Munde!

Persönliche Werkzeuge
In anderen Sprachen