Anfangs - Gründe aller Mathematischen Wissenschaften/Die Fortification
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Anfangs-Gründe
der
Fortification
oder
Krieges-Baukunst.
Der erste Theil,
von den
Grundregeln der Fortification
Die 1. Erklärung.
1.
Die Fortification oder Kriegs-Baukunst ist eine Wissenschaft, einen Ort dergestalt zu befestigen, daß sich wenige gegen viele, die ihn belagern, mit Vortheile wehren können. Der 1. Zusatz.
2. Die Manier, zu befestigen, muß also nach der Beschaffenheit der Artaquen eingerichtet werden. Der 2. Zusatz.
3. Die Werke an einer Festung müssen der Gewalt des größten Geschützes, das man in den Attaquen brauchet, so viel möglich widerstehen können. Der 3. Zusatz.
4. Die Besatzung soll auf den Werken nicht allein wider die Stückkugeln, sondern auch wider Bomben, Granaten und andere Feuerkugeln zulänglich bedeckt seyn; der Feind aber muß [572] sich nirgend um die Festung einige Bedeckung finden. Der 4. Zusatz.
5. Es muß demnach um die Festung kein erhabener Ort seyn, der nicht aus einem anderen kan gesehen und bestrichen werden. Der 1. Lehrsatz.
6. Die Defension soll in der Nähe auf einen Musquetenschuß eingerichtet werden. Beweis.
Die Defension aus Musqueten ist geschwinder als aus Stücken, und nicht so kostbar. Die Kraft einer Stückkugel ist in der Weite, wo eine Musquete hinträgt, um so viel stärker: ja man kan auch in solcher Weite mit gutem Nachdruck Cartetschen brauchen (§. 31. Artill.) Zusatz.
7. Die Linie, welche einen beängstigten Ort secundiret, muß von ihm nicht einen Musquetenschuß abliegen. Der 2. Lehrsatz.
8. Die Festung muß an allen Orten gleich stark fortificiret seyn. Beweis.
Sie ist verlohren, so bald der Feind sich an einem Orte einen offenen und sicheren Gang in dieselbe gemachet. Denn wenn sich wenige in einer Festung gegen viele wehren sollen (§. 1.); so findet man keine so starke Besatzung darinnen, die nach so vielen Bemühungen, als die Defension [573] erfordert hat, noch in dem Stande seyn könte, den Feind wieder herauszuschlagen: wie sich denn auch solches anderer Umstände halber (z. E. wegen des Proviants und der Munition) nicht wohl würde thun lassen. Ist nun die Festung an einem Orte schwächer, als an dem andern; so wird der Feind sie an dem schwachen attaquiren, und ist die Stärke an den übrigen Orten vergebens. Der 3. Lehrsatz.
9. Wenn ein Ort fortificiret wird, so muß man einen Wall um ihn aufwerfen. Beweis.
Der Feind greifet einen Ort mit dem groben Geschütze an, und also muß man sich auch mit dem groben Geschütze gegen ihn wehren, folgends Stücke auf die Festung pflanzen können. Da nun die Stücke nicht allein wegen ihrer Länge einen ziemlichen Raum einnehmen, sondern auch zurücke laufen, wenn sie gelöset werden; so kan man nicht, wie vor Alters, ehe das Geschütze erfunden wurde, mit einer Mauer zufrieden seyn, sondern man muß einen breiten Wall von Erde aufwerfen. W. Z. E. Der 1. Zusatz.
10. Damit man zu dem Walle Erde habe; so soll ein Graben um den ganzen Wall von aussen herum gehen. Der 2. Zusatz.
11. Weil die Besatzung für dem feindlichen Canoniren sicher seyn soll (§. 4.); so muß der Wall gegen das Feld höher seyn als gegen die Stadt. [574]Der 3. Zusatz.
12. Daß das Erdreich wohl zusammen hält; so muß man ihn sowol gegen den Graben, als gegen die Stadt abhängig machen. Die 2. Erklärung.
13. Den hohen Theil des Walles IG, dadurch die Besatzung wider die Stückkugeln des Feindes bedecket wird, nennet man die Brustwehre (Parapet). Der 1. Zusatz.
14. Sie muß also 6 bis 7 Schuh hoch, und, damit sie einen Canonenschuß aushalten kan, 20 bis 24’ dicke seyn. Der 2. Zusatz.
15. Damit die Soldaten von dem Walle feuren können, so machet man die Brustwehre gegen das Feld 2 bis 3 Schuhe niedriger als gegen die Stadt, und daran ein oder auch wol zwey Banquets oder Bänklein, 3 Schuhe breit, 1¹/₂. Die 3. Erklärung.
16. Den niedrigen Theil des Walles gegen die Stadt AI, darauf die Besatzung sich befinder, und die Stücke gepflanzet werden, nennet man den Wallgang (Terreplain). Zusatz.
17. Die Breite muß wegen der Stücke 24 bis 30’ seyn. Die 4. Erklärung.
18. Die Schräge AB, PC und HN, welche der Wall beiderseits bekommet, nennet man [575] die Böschung, Abdachung oder Droßirung (Talud): die Linie BA oder DC und MN ihre Anlage. Unterweilen heisset auch wol die Anlage DC und MN die Böschung. Die 1. Anmerkung.
19. Für gutes Erdreich ist die Anlage der äusseren Böschung MN der halben, für mittelmäßiges ²/₃, und für schlimmes der ganzen Höhe des Walles gleich. Hingegen die Anlage der inneren DC mag man auch im guten Erdreiche der Höhe DA gleich machen, im mittelmäßigen und schlimmen noch grösser. Die 2. Anmerkung.
20. Wenn man eine Futtermauer hat, wie in unserer Figur nach Vaubans Manier genommen wird, rechnet man im guten Erdreich auf 6’, im mittelmäßigen auf 5’, im schlimmen auf 4’ der Höhe, einen Schuh für die Anlage der Böschung. Das Mauerwerk selber bekommet ¹/₆ bis ¹/₉, oder auch wol, wenn es nicht das beste ist, ²/₅ der Höhe zu seiner Böschung. Der 4. Lehrsatz.
21. Der Wall muß lieber etwas niedrig, als gar zu hoch gemachet werden. Beweis.
Wenn der Wall hoch ist, so kan der Feind bald unter die Stücke rücken. Ueber dieses gehen die Schüsse nicht mit dem Horizont parallel. Es ist aber bekannt, daß die Horizontalschüsse mehr als die anderen rasiren, das ist, wegnehmen, was sie unterweges finden. Der 5. Lehrsatz.
22. Der Wall kan nicht in einer Linie, oder auch wie ein Vielecke nach den Seiten [576] des Platzes fortgeführet werden; sondern es müssen hin und wieder einige Werke über den übrigen Wall weiter herausgeleget werden. Beweis.
Eine jede Linie an der Festung soll von einer andern können bestrichen werden (§. 5.). Wolte man nun um die Festung den Wall in einer Circullinie, oder in einer andern krummen in sich selbst laufenden Linie, oder auch nach den Seiten des Platzes in Gestalt eines Vieleckes herumführen; so könte keine Linie die andere secundiren, wenn sie beängstiget würde. Die 5. Erklärung.
23. Die Werke, welche über den Wall, der nach der Seite des Platzes aufgeworfen worden, weiter herausgeleget werden, heissen Bollwerke oder Basteyen (Bastions). Der 6. Lehrsatz.
24. Die Bollwerke müssen spitzig zulaufen. Beweis.
Man lasse sie nicht spitzig zulaufen, sondern man gebe ihnen die Gestalt eines viereckichten Thurmes, als ABDC. Ziehet von beiden Seiten die äussersten Defenslinien FE und GE; so bleibet an dem Bollwerke ein Triangel BED, der von den secundirenden Linien nicht kan bestrichen werden, und dahin sich der Minirer, so das Bollwerk sprengen will, sicher logiren kan. Da nun dieses ungereimt ist (§. 5.); so muß das Bollwerk spitzig zulaufen, wie BED. W. Z. E. [577]Die 6. Erklärung.
25. Die Linien AN und AF, welche die Bollwerks-Pünte A formiren, heissen die Gesichtslinien (Faces). Zusatz.
26. Damit der Feind, der die Festung an den Facen attaquiret, daselbst keinen Vortheil zum Unterminiren und Stürmen finde, muß die Pünte nicht allzugroß, und also nicht über 30 Ruthen seyn; damit sie aber zu einer Contrebatterie wider den Feind dienen kan, muß sie nicht allzuklein, und also nicht unter 24 Ruthen seyn. Die 7. Erklärung.
27. Der mittlere Wall zwischen zwey Bollwerken wird die Cortine (la Cortine) genennet. Der 7. Lehrsatz.
28. Die Bollwerke können nicht aus blossen Facen bestehen. Beweis.
Denn es kämen todte Winkel; welches der Hauptmarime (§. 5.) zuwider ist. Es sind auch die Bollwerke nicht geräumig genug. Die 8. Erklärung.
29. Also sind ausser den Facen noch zwey andere Linien zu den Bollwerken kommen, nemlich NO und EF, welche die Bollwerke an die Cortine anhängen, und die Flanquen oder Streiche (les Flanes) genennet werden. [578]Der 1. Zusatz.
30. Weil die Flanquen nicht allein einander selbst, sondern auch eine jede die Face des überstehenden Bollwerks defendiren; so sind grosse besser als kleine. Der 2. Zusatz.
31. Weil die geraden Schüsse gewisser sind, als die schiefen; so soll die Flanque auf der Defenslinie perpendicular stehen: zumalen da man auch mehr Stücke darauf pflanzen und mehr Mannschaft daran stellen kan, als wenn sie von eben der Grösse ist, und einen schiefen Winkel machet. Der 3. Zusatz.
32. Damit sie nun aber dem Feinde nicht zu sehr in Augen lieget; soll der untere Theil IG bis in LK 2 bis 3 Ruthen zurücke gezogen werden. Der 4. Zusatz.
33. Weil die Flanque KL die Face CB von dem überstehenden Bollwerke defendiret; so muß sie der Feind nicht eher zu sehen bekommen, als bis er sich in die Breche an der Face leget. Darum sollen die Linien BI und BG, nach welchen die Flanque IG zurückgezogen wird, aus der Bollwerkspünte B, oder, da die Breche eben nicht an der Bollwerkspünte, sondern etwas besser herunter geschossen wird, die obere Linie BI auch wol aus einem andern Puncte der Face gezogen werden. Der 5. Zusatz.
34. Wenn die Flanquen nach einer geraden Linie aufgeführet werden, so kan der Feind eine Batterie dagegen aufwerfen, davon er alle Puncte [579] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 579.jpg [580] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 580.jpg [581] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 581.jpg [582] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 582.jpg [583] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 583.jpg [584] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 584.jpg [585] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 585.jpg [586] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 586.jpg [587] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 587.jpg [588] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 588.jpg [589] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 589.jpg [590] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 590.jpg [591] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 591.jpg [592] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 592.jpg [593] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 593.jpg [594] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 594.jpg [595] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 595.jpg [596] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 596.jpg [597] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 597.jpg [598] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 598.jpg [599] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 599.jpg [600] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 600.jpg [601] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 601.jpg [602] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 602.jpg [603] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 603.jpg [604] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 604.jpg [605] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 605.jpg [606] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 606.jpg [607] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 607.jpg [608] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 608.jpg [609] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 609.jpg [610] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 610.jpg [611] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 611.jpg [612] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 612.jpg [613] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 613.jpg [614] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 614.jpg [615] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 615.jpg [616] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 616.jpg [617] Seite:Anfangsgründe der Mathematik III 617.jpg |