Antwort auf einen Brief des Malers Oskar Coester
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
- [24] ANTWORT AUF EINEN BRIEF
- DES MALERS OSKAR COESTER
- Ein Wort auf das, was du gesprochen.
- Stütz guten Kopf in gute Hand
- Und laß dein Herz ans Weinglas pochen:
- Heimat ist kein begrenztes Land.
-
5Auch wo man Muttersprache spricht,
- Ist Heimat nicht.
- Mich deucht, es will auch nichts besagen,
- Ob einer seine Heimat kennt.
- Denn Lüge ist, was auf Befragen
-
10Das Heimweh uns als Heimat nennt.
- Ein schmutzig Loch kann rührend sich verkneifen,
- Und höchste Würde kann zur Blase reifen.
- Stich fest in das Humorische!
- Heimat? Wir alle finden keine,
-
15Oder – und allerhöchstens – eine
- Improvisatorische.
- Es kommt auch gar nicht darauf an. – –
- Ich danke dir für den Vergleich
- Mit einem braven Reitersmann.
-
20Man tue möglichst, was man kann.
- [25] Coester, du bist von Gott aus reich.
- Schäum aus, was du zu schenken hast;
- Das Letzte wäre dir noch Last.
- Und warte frech, doch fromm auf Leiden.
- Denn du wächst neben dem Jahrhundert.
-
25Du bist der größre von uns beiden.
- Ich habe dich so oft bewundert. –
- Wie kläglich ist es zu beneiden. –
- Du wurdest leider mir von fern
- Noch lieber, als du warst im Nahen.
-
30Nun, da wir lange uns nicht sahen,
- Bild ich mir ein: Du hast mich gern.
- Ach bitte komme bald zurück
- Mit offnem, unverwitzeltem Vertraun.
- Ich wünsche dir fürs neue Jahr viel Glück,
-
35Eine Frau (zur Hochzeit mich einladend)
- Und andre große Nebenfraun
- Und was du sonstens wichtig brauchst.
- Daß du nie was anders, als wie badend,
- Auch für Minuten nur untertauchst.
