Arkona
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Arkona[1].
Die Sonne neigte sich. Zu athmen nach der Schwüle 5
Kein Lüfftchen kräuselte des Meeres Spiegelglätte,Der Seehund sonnte sich auf dem granitnen Bette Und tiefer sank die Sonn’. Getaucht in Rosengluthen, 10
Bespühlt den rauhen Fuß mit düstergrünen Fluthen,Lagst du, der Väter Stolz, der alten Rugia 15
Und schaute schrankenlos fern über Land und See,Ins Unermeßliche. [77]
20
Wie lüstern schlürften ihn der Lunge Röhren ein!Der eingepreßten Brust entstürzten Felsenblöcke, 25
Und tiefer sank die Sonn, von ihrem letzten StrahleErglüheten die grauen Heldenmaale[2] [78]
30
Der Landschaft, sanft verschmolz in blauer PerspectiveDie Ferne, rings umfloß Arkonens Hochaltar 35
„Knie nieder und bet’ an“! Ich sank ins falbe Moos,Und also rang es sich aus meinem Innern loß: 40
„Sey, wer du seyst – du bist! Ja, Wesen, aller Wesen,Ich glaube, daß du bist. Ich glaub’, und bin genesen. 45
Kein Seherblick erspähn, kein Vedam uns entsiegeln,Mag schwärmen der Epopt, mag spötteln der Sophist, [80]
50
Den Himmel jezt erfliegt, zur Tiefe dann sich senkt,Das All, sein eigen Ich, und Dich, du Ewger, denkt. 55
Ich glaube, daß du bist“!
60
Jezt rauscht es fern, der Sturm erwacht, die Wogen grollen,[81]
Es blizt aus Süd’ und West, aus Süd’ und Westen rollen 65
Kam, von Verderben schwer, das Wetter angeflogen,In wildem Aufruhr gohr die Luft, die See, das Land, [82]
70
Der Hagel schlug die Saat, und ein entmastet SchiffZerschellt’ am Felsenriff. 75
Und schüttelt’ Hünenstark der Zweifel Wirbelwind.Gestemmt auf meinen Grimm schaut’ ich mit bitterm Hohne 80
So wird dem Strom ein Kahn, so ward ich dir zum RaubeErinnys Zweifelsucht! Erschüttert war mein Glaube, 85
Erschöpft, zerrissen war des’ Himmels Wolkenschleier,Und über mir erschien in hehrer stiller Pracht 90
Wie äugelte so mild aus dem saphirnen GußDie weisse Azimech, der rothe Regulus! [84]
Es drängte Welt an Welt, es rollte Sonn’ an Sonne, 95
In seines Vaters Arm.
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„O Vater, rief ich aus, o du, in dessen ArmenDer Engel und der Wurm, und Mensch und Milb’ erwarmen, Neukräftig stieg ich nun herab vom Prüfungshügel, 105
In Osten wehten schon des Morgens Saffranflügel,In hochzeitlichem Schmuck lag feyrend die Natur, 110
Ich träuffl’ in ihren Kelch des Mitleids Honigseim,Und ging getröstet heim. Kosegarten.
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- ↑ Rügens und des ganzen Deutschlands äusserstes n. o. Vorgebürge. Jahrhunderte lang die erste Feste mehrerer slavischen Völker und der Hauptsitz des Nationalgottesdienstes im deutschen und scandinavischen Norden.
- ↑ Die Hünen- oder Riesengräber am Strand.
- ↑ O! ist der einzige Laut, mit dem die Nodowessiren das höchste Wesen zu begrüssen wagen.
- ↑ Die hohen waldigten Ufer der Halbinsel Jasmund, welche Arkona gegenüber liegen.
