Aus dem Familienleben des deutschen Kaiserhauses
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Aus dem Familienleben des deutschen Kaiserhauses.
Königin Luise, die Mutter unseres Kaisers, schrieb einst die Worte: „Es ist mein heißester und liebster Wunsch, meine Kinder zu wohlwollenden Menschenfreunden zu bilden; auch nähre ich die frohe Hoffnung diesen Zweck nicht zu verfehlen.“ In einem kurz vor ihrem Tode an ihren Vater gerichteten Briefe heißt es „Unsere Kinder sind unsere Schätze, und unsere Augen ruhen voll Zufriedenheit und Hoffnung auf ihnen. Unser Sohn Wilhelm wird, wenn mich nicht Alles trügt, wie sein Vater einfach, bieder und verständig. Auch in seinem Aeußeren hat er die meiste Aehnlichkeit mit ihm; nur wird er, glaube ich, nicht so schön.“ Dem Urtheile der Mutter über ihren zweitgeborenen Sohn Wilhelm wollen wir das eines Franzosen hinzufügen, welches derselbe zur Zeit des deutsch-französischen Krieges fällte; es lautet: „Der König ist so ruhig, fromm und demüthig und so einfach, innerlich wahr, ein König von Gottes Gnade.“ Stimmen nicht Tausende, welche die Heldengestalt unseres Kaisers sahen, sein freundliches Antlitz betrachteten, mit ihm sprachen, sein Thun und Lassen sich vergegenwärtigen, in dieses Urtheil ein? Der ruhige gewissenhafte Bürger wird seinem Fürsten zwar auch dann den Gehorsam und selbst Achtung vor seiner Würde nicht versagen, wenn derselbe sich in seinem Lebenswandel nicht fürstlich zeigt, aber welche Liebe wird er dem entgegenbringen, der bei Freund und Feind als die Zierde eines Thrones anerkannt wird! In der That, nicht die 81 Jahre, welche für unsern Kaiser am 22. März d. J. verflossen sind, nicht dieses hohe Alter allein, auch nicht bloß die großen Thaten, welche er vollbracht hat, machen ihn Jedem, dessen Herz am rechten Flecke schlägt, so ehrwürdig; auch an den Adel seiner Seele, sein schlichtes, frommes Wesen denken wir, wenn wir zum Geburtstage unseres Reichsoberhauptes mit vielen, vielen Tausenden vom Grund unseres Herzens den Wunsch aussprechen: Seine Gemahlin Auguste (am 30. September 1811 als Prinzessin von Sachsen-Weimar geboren) theilt seit dem 11. Juni 1829, also seit bald 50 Jahren, mit ihm Freud und Leid und hat sich in zahllosen Fällen durch Werke der Liebe und Barmherzigkeit als treue Landesmutter bewährt. Blicken wir hin auf die zwei Kinder, welche sie ihrem Gemahl schenkte, so können wir die große mütterliche Sorgfalt ahnen, mit welcher sie dieselben erzog. Wer kennt ihn nicht und wer würde ihn nicht lieben, wenn er ihn kennt, den Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen, Friedrich Wilhelm? Es ist in hohem Grade anziehend zu lesen, wie sein Schwiegervater, Prinz Albert von Sachsen-Koburg-Gotha, über ihn dachte, als er sich im Jahre 1857 mit seiner jetzigen Gemahlin Victoria verlobte. Er äußerte sich einem Freunde gegenüber:
Vor wenigen Wochen hat auch schon die kronprinzliche Familie ihre älteste Tochter in ihr eigenes Heim geleitet. Und wenn des deutschen Kaisers [84] Enkelin ihre Hand nicht ebenfalls einem Kaisers- oder Königssohn gegeben hat, sondern mit dem Sohne eines deutschen Herzogs ihre Geschicke theilen will, so dürfen wir daraus schließen, daß hier nicht die Rücksicht auf die höhere irdische Ehre, sondern das Herz gesprochen hat. Kronprinzessin Victoria soll gesagt haben: „Meine Töchter sollen nicht heirathen, um Kronen zu tragen, sondern um glücklich zu werden.“ Ein herrliches Wort! Wie lieblich ist das Bild der Kaisersenkelin, welches unsere heutige Nummer enthält! Wie viele Frauen könnten sich ein Beispiel nehmen an der Einfachheit, welche in der kaiserlichen Familie herrscht! Wohl bringt es die Sitte mit sich, daß bei besonderen Gelegenheiten großer Glanz von Seiten des kaiserlichen Hofes entfaltet wird; bei der Schilderung der Vermählungsfeierlichkeiten in unserer vorigen Nummer war davon viel zu berichten, und wohl bekam man da den Eindruck: aber die Hauptsache bleibt doch immer, wie es im Herzen dessen steht, der Purpur und Gold an sich trägt, ja, wie die irdischen Verhältnisse sich nun ein Mal gestaltet haben, an sich tragen muß – gar manches Mal gegen seine Neigung. Wenn Du, freundlicher Leser, das Bild der Tochter unseres Kronprinzen betrachtest, scheint es nicht auch Dir, daß dieselbe ihr Herz nicht an die Güter gehängt habe, welche das Leben vergänglich zieren? Ein hochmüthiges Herz schlägt oft unter einem Bettlergewande, während Demuth hinter Gold sich bergen kann. Des Kaisers einzige Tochter Luise (geboren den 3. Dezember 1838) beglückt seit dem 20. September 1856 Badens edlen Großherzog Friedrich und dessen Volk. Du könntest in Badens schönen Auen, Land auf, Land ab, Dich erkundigen und überall würdest Du hören, wie innig dort das Fürstenhaus geliebt wird. Und nochmals fragen wir im Hinblick auf den deutschen Kaiser selbst, im Hinblick auf die Seinigen, im Hinblick auf all das, was das Deutsche Reich und Volk von denselben erhielt, an denselben hat: Könntest Du Dich ausschließen wollen, wenn am 22. März vieltausendfach das Gebet zum Himmel emporsteigt: |
