BLKÖ:Hebbel, Christian Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hazay (Buchdrucker)
Band: 8 (1862), ab Seite: 164. (Quelle)
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Hebbel, Christian Friedrich[BN 1] (deutscher Dichter, geb. zu Wesselburen im Dithmar’schen am 18. März 1813, nach Anderen 1815). Seit 1846 in Wien ansäßig, wo er den größeren Theil seiner bisher bekannt gewordenen Dichtungen schuf, gebührt ihm eine Stelle in diesem Lexikon. Sohn dithmarsischer Bauersleute, welche in knappen Verhältnissen lebten; der Vater, ein strenger, religiöser und arbeitsamer Mann, erzog seine beiden Söhne in alttestamentarischer Weise; nur geistliche Lieder durften im Hause gesungen, nur die Postille gelesen und nur leise gesprochen, nie laut gelacht werden. Die Mutter schien es wieder gewesen zu sein, wie dieß bei den meisten großen [165] Dichtern beobachtet worden, welche die Keime jener Poesie, die später den Ruf des Jünglings und Mannes begründeten, in das Herz des Kindes legte. Sie erzählte ihm die alten Sagen und Geschichten des markigen Volksstammes, der bis zum Jahre 1559 sich von der deutschen Kaiserherrschaft unabhängig zu erhalten gewußt. Dazu gesellte sich mitwirkend die gewaltige elementare Natur des Landes; die Nordsee mit ihren gespenstischen Schrecken, den klappernden Störchen und heiser schrillenden Möven; der wenig freundliche Himmel mit seinen erdfahlen Wolken, und die Natureindrücke des Maß- und Grenzenlosen machten sich in des Dichters Seele unbewußt geltend. Die Bibel war lange Zeit das einzige Buch, auf das er beschränkt war. Er hatte sie im Elternhause lesen gelernt und sie war lange Zeit das Alpha und Omega seiner Bildung, dazu kamen später einige Volksbücher, wie jenes vom gehörnten Siegfried, von der Pfalzgräfin Genovefa, und wir finden in denselben die dem Dichter lieb gewordenen Gestalten, welche er auch später in seinen Dichtungen hat auftreten lassen; wir erinnern an die Judith, an Herodes und Mariamne, an Genovefa, oder wie sie in Wien umgetauft worden, Magellone, u. dgl. m. Er hatte bereits das fünfzehnte Jahr erreicht und kannte die meisten Dichter des Volkes, unter denen er selbst glänzen sollte, kaum dem Namen nach. Er kannte sie nicht, weil in Wesselburen Niemand Bücher besaß, und komisch klingt es, zu vernehmen, wie er sich eines Abends herbeiließ, einen Bekannten in das Haus seiner Geliebten zu begleiten, welches dieser allein zu betreten nicht wagte, um den Preis, über eine Nacht den Faust von Göthe zu erhalten, das einzige Exemplar, welches sich in Wesselburen, und zwar unter der kleinen Büchersammlung des dortigen Pfarrers befand. Mit 15 Jahren wurde H. Schreiber beim Kirchspielvogt seines Geburtsortes, und das ermüdende Geschäft des Registrirens und Copirens stand im gewaltigen Gegensatze zu dem Drängen seines schöpferischen Geistes. Einige Gedichte, welche er in jener Zeit geschrieben und an Amalie Schoppe in Hamburg zur Prüfung geschickt hatte, brachten eine Wendung im Geschicke des Jünglings hervor. Amalie Schoppe nahm die Gedichte in das von ihr herausgegebene Modeblatt auf und lud den jungen Dichter ein nach Hamburg zu kommen, welcher Einladung Hebbel auch folgte. Er zählte damals 22 Jahre, und nun hebt die Periode seiner Ausbildung an, die bei seinem vorgerückteren Alter und ernsten Willen kürzer dauerte. In Hamburg begann er seine Studien, und Rosa Maria[WS 1], Varnhagen’s Schwester, die sinnige Dichterin, sorgte daselbst mütterlich für ihn. Nach einigen Jahren begab er sich auf die Hochschule in Heidelberg, wo er sich vornehmlich dem Studium der Geschichte und deutschen Literatur widmete, welches er dann in München fortsetzte. Schon in Heidelberg versuchte er sich in der ersten größeren Production und schrieb die Novelle „Anna“ (1836). Nach und nach erschienen auch mehrere poetische Arbeiten und die genannte Novelle im Stuttgarter „Morgenblatte“, wo sie die Aufmerksamkeit auf den noch wenig bekannten Poeten lenkten. Aber noch hatte Hebbel nicht gedacht, unter die Literaten zu gehen, sondern betrieb in München anfänglich ernstlich das Studium der Philosophie. Daß dieses einem grübelnden Geiste wie dem seinigen auf die Länge nicht zusagen konnte, begreift sich leicht; so wie sie steht, bot sie ihm nicht den Ariadnefaden, ihn aus ihren Labyrinthen [166] herauszuführen; im Gegentheile, sein reicher, mit den Ergebnissen nie zufrieden gestellter Geist brachte nur neue Verwicklungen in sie. So gab er sie denn auf und studirte eifrig Geschichte, alte und neue Literatur. Zugleich trieb aber sein schöpferischer Genius poetische Blüthen, unter denen mitunter das Duftigste, was er je geschaffen. In diese Zeit seines Aufenthaltes in München fallen neben mehreren philosophischen, doch tief poetischen Gedichten einige novellistische Arbeiten, als: „Eine Nacht im Jägerhause“, „Der Schneidermeister Nepomuk Schlögel auf der Freudenjagd“. „Paul’s merkwürdigste Nacht“ und auch der Roman „Schnock“, der erst nach einigen Jahren aus dem Pulte erlöst wurde, weil sich kein Verleger fand, der ihn drucken wollte. Seinem Münchner Aufenthalte verdankt er auch die Conception seines Drama „Maria Magdalena“, dessen Ausführung aber erst theils in seiner Heimat, theils in Frankreich stattfand. Der äußere Anlaß ward mit einer Scene im Hause eines Schreiners, wo er zur Miethe wohnte, gegeben. Des Schreiners Sohn wurde auf den unbegründeten Verdacht hin, gestohlen zu haben, 24 Stunden in Haft gehalten. Nachdem Hebbel in München die philosophische Doctorwürde erlangt hatte, begab er sich nach Hamburg zurück (1841), und mit diesem zweiten Aufenthalte in der alten Hansestadt beginnt Hebbel’s Wirksamkeit für die deutsche Bühne. In Folge einer literarischen Wette entstand daselbst innerhalb 14 Tagen seine „Judith“. Hebbel hatte mit dem fünften Acte die Arbeit begonnen und demselben die übrigen vier Acte zugedichtet. Diese in verhältnißmäßig kurzer Zeit vollendete Dichtung erregte Aufsehen, und als sie in die Hände der berühmten Crelinger in Berlin kam, ruhte diese nicht eher, als bis das Werk auf die Bühne gebracht ward. Nun folgten „Genovefa“, 13 Jahre später in Wien unter diesem Namen zur Aufführung nicht zugelassen und also „Magellone“ genannt, und der „Diamant“, beide erst später durch den Druck veröffentlicht. Der zweite Hamburger Aufenthalt ist für unsern Dichter nur noch durch die Lebensgefahr, in die er gerieth, bemerkenswerth. Hebbel war nämlich Zeuge des großen Brandes und wurde von dem aufgeregten Pöbel für einen Engländer – diesen legte man die Brandlegung zur Last – gehalten. Sein Plattdeutsch, womit er sich als Einheimischer legitimirte, rettete ihn vor dem Erschlagenwerden. Bald darnach, um die Mitte 1842, begab sich H. nach Kopenhagen, wo ihm sein junger, aber bereits schimmernder literarischer Name vorausgeeilt war. In Kopenhagen verkehrte er viel mit Oehlenschläger und Thorwaldsen, und auch Christian’s VIII. Huld hatte sich der Dichter zu erwerben gewußt. Der König verlieh ihm ein Reisestipendium, um sich in Frankreich und Italien für die Kunst und das Leben zu bilden. 1843 bis Mai 1846 hielt sich H. in Frankreich und Italien auf. In Paris, wo er anderthalb Jahre blieb, beendete er die in Kopenhagen begonnene Maria Magdalena. Mit einem Vorworte über das Verhältniß der dramatischen Kunst zur Zeit, kam das Drama bald nach seiner Vollendung in die Oeffentlichkeit, und es ist schwer zu bestimmen, ob Stück oder Vorwort größeres Aufsehen erregten. Jedenfalls erschwerte Letzteres sehr Hebbel’s Standpunct in der Literatur, denn man erwartete in ihm den Messias des deutschen Drama’s. Darzustellen, wie H. diesen Erwartungen entsprochen, ist nicht die Aufgabe des Lexikographen, aber in den Quellen (S. 172) stehen die Aussprüche der ersten Kritiker der verschiedenen Nationen [167] verzeichnet, auf welche hiermit gewiesen wird. Von Paris begab sich H. nach Italien, und zwar zuerst nach Rom, dann nach Neapel, und nur kurze Zeit lebte er in Palermo. Es muß hier ausdrücklich bemerkt werden, daß H. mit seinen Reisen und mehrjährigem Aufenthalte in Frankreich und Italien durchaus nicht literarische Zwecke verband; H. wollte genießen, und wenn ihm eben einmal die Muse lächelte, wendete er ihr nicht den Rücken, aber verfolgte sie auch nicht, sondern zog es vor, sie bei sich zu erwarten. Ueberhaupt ist es mit dem Dichten bei Hebbel nicht so bestellt wie bei jenen Poeten, die alle Tage ihre Portion Verse fertig haben müssen, wie der Schuster Schuhe, der Schneider Kleidungsstücke. Hebbel dichtet, wenn er Lust hat; hat ihn aber die Schaffenslust ergriffen, dann dichtet er rasch und viel. Von seinen Arbeiten in Italien ist mit Ausnahme seiner Poesien, darunter mehrere epigrammatischen Inhaltes, welche zwei Jahre nach seiner Rückkehr (1848) gedruckt erschienen, nur der Torso eines Drama’s bekannt, über dessen Beendung noch heut’ – also 17 Jahre später – nichts bekannt ist. Es ist der in der Presse oft genannte „Moloch“, ein Drama aus der germanischen Urzeit, wovon er den ersten Act vollendet hat. In Rom verkehrte H. viel mit Malern, wie Gurlitt [Bd. VI, S. 38], Koch, Rahl, dann mit den damals dort weilenden geistvollen Forschern und Aesthetikern Momsen, Hettner und Adolph Stahr. Als er im Frühling 1846 Italien verließ, beabsichtigte er die akademische Laufbahn einzuschlagen und nach Kopenhagen zurückzukehren, wo sein Mäcen, der König, es wohl an neuen Beweisen der Huld nicht hätte fehlen lassen. Hebbel reiste über Wien, wo er im Mai 1846 eintraf. Daselbst machte er Halt und die Liebe fesselte ihn bleibend an diese Stadt. Hebbel hatte im Hofburgtheater das Fräulein Christine Enghaus [siehe die Folgende] in der Rolle der Chrimhild in Raupach’s Nibelungenhort gesehen. Von ihrer Darstellung im hohen Grade ergriffen, suchte er ihre Bekanntschaft zu machen, und schon am 26. Mai 1846 fand Hebbel’s Vermälung mit der Künstlerin Statt. In die Zeit seines 16jährigen Aufenthaltes in Wien, das er seit einigen Jahren nur während der Sommermonate verläßt, um ein kleines Landhaus am reizenden Gmundner See zu beziehen, oder aber wenn er an fremde Hofbühnen reist, um die Aufführung seiner Stücke persönlich zu leiten, fällt eine Reihe dramatischer Arbeiten, von denen nur einige zur Aufführung gelangten, die meisten aber durch den Druck veröffentlicht und verschieden beurtheilt wurden. Es erschienen (die mit einem * bezeichneten wurden auch, doch meistens außerhalb Wien, aufgeführt): *„Herodes und Mariamne“ (1850), „Julia“, „Der Rubin“ und „Das Trauerspiel in Sicilien“ (alle drei 1851), *„Michel Angelo“ (1854), *„Agnes Bernauerin“ (1855), „Gyges und sein Ring“ (1856), und in jüngster Zeit die noch ungedruckte Trilogie *„Die Nibelungen“, zu deren Aufführung der Dichter persönlich nach Weimar gereist ist, wo diese jüngste dramatische Dichtung Hebbel’s mit großem Beifall aufgenommen wurde, und deren Aufführung an den Hoftheatern zu Dresden und Berlin (für den Winter 1861/62) vorbereitet wird. In den letzteren Jahren (1859) erschien auch sein episches Gedicht „Mutter und Kind“, ein Seitenstück zu Göthe’s „Hermann und Dorothea“, welchem von der Tiedge-Stiftung in Dresden der Preis zuerkannt wurde. In neuester Zeit (Sommer 1861) hielt sich H. mehrere [168] Wochen am Hofe des kunstsinnigen Mäcens des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach auf, der dem Dichter die durch Preller’s Tod erledigte Stelle eines Ober-Hofbibliothekars an der großherzoglichen Bibliothek in Weimar und seiner Frau eine Stelle an der dortigen Hofbühne anbot. Hebbel, der sich längere Bedenkzeit erbat, entschloß sich zuletzt, in Wien zu bleiben, da das Gesuch seiner Frau um Entlassung aus dem Verbande des Wiener Burgtheaters abschlägig beschieden, hingegen der Künstlerin ihre bisherigen Bezüge in angemessener Weise erhöht wurden. Ueber seinen letzten Besuch in Berlin (November 1861) berichtet Näheres noch die „Weser-Zeitung“, die Wiener „Presse“ (Nr. 321 im Abendblatte). Hebbel’s letzte That ist sein Gedicht: „An Seine Majestät König Wilhelm I. von Preussen“ bei Gelegenheit seiner Krönung in Königsberg, welches die (Leipziger) „Illustrirte Zeitung“ 1861, Nr. 955, mittheilte. Die öffentliche Meinung über dieses Poem hat sich verschieden, ein Theil mit Entrüstung, dagegen ausgesprochen. Ein zu wenig gekannter österreichischer Poet, Dr. Moriz Rappaport, ausübender Arzt in Lemberg, hat Hebbel in würdiger Weise geantwortet und ihm namentlich den Ausdruck „Bedientenvölker“, den Hebbel unberechtigt auf die Böhmen und die von ihm selbst früher gefeierten Polen angewendet, vorgehalten. Rappaport’s Gedicht brachten die „Oesterreichische Zeitung“ 1861, Nr. 283, unter der Rubrik „Eingesendet“ (!!!) und nach dieser die „Wiener Mittheilungen“ von Dr. Letteris 1861, Nr. 22. Ueber Hebbel’s äußere Erscheinung, über seine Stellung in der deutschen Literatur vergleiche das Nähere unten, wo auch eine chronologische Aufzählung seiner Schriften mitgetheilt wird. Der König von Bayern hat den Dichter mit dem Maximilian-Orden, der Großherzog von Weimar mit dem vom weißen Falken ausgezeichnet.

l. Hebbel’s Werke in chronologischer Folge. Judith. Eine Tragödie in fünf Acten (Hamburg 1841, Hoffmann u. Campe, 8°.). [Vergl. Grenzboten 1847, Bd. II, S. 505; – Börsenhalle. Deutsches Literaturblatt (in Hamburg) 1841, Nr. 40 u. 41.] – Gedichte (Hamburg 1842, Hoffmann und Campe, 8°.). [Vergl. Allgem. Theater-Zeitung 1846, Nr. 85: „Hebbel als Lyriker“. Skizze von Sigmund Engländer; – Telegraph für Deutschland, 1842, Nr. 159; – Literaturblatt. Beilage zu den Sonntagsblättern 1848, Nr. 3. Von Ferd. Kürnberger.] – Mein Wort über das Drama! Eine Erwiderung an Professor Heiberg in Copenhagen (Hamburg 1843, Hoffmann und Campe, gr. 8°.), – Genoveva. Tragödie in fünf Acten (Hamburg 1843, Hoffmann und Campe, 8°.). [Vergl. Grenzboten 1847, Bd. II, S. 504 u. 506; – Telegraph für Deutschland 1842, Nr. 203 u. 204; – Wiener allgemeine Theater-Zeitung 1854, Nr. 19–21. Während sich alle Stimmen gegen diese Dichtung Hebbel’s entschieden aussprachen, stieß der alte Faun Saphir in die Lärmtrompete, nannte sie vollendet und tadelte die tadellose Darstellung.] – Maria Magdalene. Ein bürgerliches Trauerspiel in drei Acten. Nebst einem Vorwort, betreffend das Verhältniß der dramatischen Kunst zur Zeit und verwandte Puncte (Hamburg 1844, Hoffmann und Campe, 8°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1845, S. 1111; – Grenzboten 1847, Bd. II, S. 505; – Hamburger literarische und kritische Blätter 1847, Nr. 71; – Frankl’s Sonntagsblätter 1848, S. 337. Von Kürnberger.] – Der Diamant. Eine Komödie in fünf Acten (Hamburg 1847, Hoffmann und Campe, 12°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1858, S. 905; – Grenzboten 1847, Bd. II, S. 509; – Hamburger literarische und kritische Blätter 1847, Nr. 60, 61, 63.] – Neue Gedichte (Leipzig 1848, Weber, mit H.’s Portr. in Stahlst., 8°.), – Schnock. Ein niederländisches Gemälde (Leipzig 1850, Weber. Mit eingedruckten Holzschnitten, 16°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1850, S. 447; – Europa, von Gust. Kühne 1850, Nr. 10.] – Herodes [169] und Marianne. Eine Tragödie in fünf Acten (Wien 1850, Gerold, 8°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1850, S. 1129; – Presse (Wiener polit. Blatt) 1849, Nr. 96; – Ostdeutsche Post 1849, Nr. 101.] – Ein Trauerspiel in Sicilien. Tragikomödie in einem Act. Nebst einem Sendschreiben an H. T. Rötscher (Leipzig 1851, Geibel, Lex. 8°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1851, S. 1147. Von Henneberger.] – Julia. Ein Trauerspiel in drei Acten. Nebst einer Vorrede und einer Abhandlung: „Abfertigung eines ästhetischen Kannegießers“ (Leipzig 1851, Weber, 8°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1851, S. 1147. Von Henneberger; – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1851, Nr. 214.] – Der Rubin. Ein Märchen-Lustspiel in drei Acten (Leipzig 1851, Geibel, Lex. 8°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1851, S. 1147. Von Henneberger; – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1850, Nr. 561; – Europa, von Gustav Kühne 1850, Nr. 10.] – Erzählungen und Novellen (Pesth 1855, Heckenast, 16°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1856, S. 727. Von Rud. Gottschall.] – Agnes Bernauer. Ein deutsches Trauerspiel in fünf Aufzügen (Wien 1855, Tendler u. Comp., 8°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1855, S. 411; – Prutz, Deutsches Museum 1855, 1. Theil, S. 728; – Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst 1854, Nr. 4.] – Michel Angelo. Ein Drama in zwei Acten (Wien 1855, Tendier u. Comp., 16°.). [Vergl. Blätter für literarische Unterhaltung 1855, S. 1065; – Prutz, Deutsches Museum 1855, 2. Theil, S. 283.] – Gyges und sein Ring. Eine Tragödie in fünf Acten (Wien 1856, Tendler u. Comp., 8°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1856, S. 639; – Abendblatt der Neuen Münchener Zeitung 1856, Nr. 3 und 4; – Ostdeutsche Post 1855, Nr. 299.] – Gedichte. Stark vermehrte und verbesserte Gesammtausgabe (Stuttgart 1857, Cotta, 8°.). [Vergl. Blätter für literar. Unterhaltung 1858, S. 285; – Ostdeutsche Post 1858, Nr. 79; – Schlesische Zeitung 1858, Nr. 139.] – Mutter und Kind (Hamburg 1859, Hoffmann u. Campe, 16°.); erhielt vom Comité der Tiedge-Stiftung in Dresden den Preis von 200 Thlr. [Vergl. Frankfurter Konversationsblatt 1858, Nr. 17; – Wiener Zeitung 1859, Nr. 522. Von Hieron. Lorm.] – Außer den bisher angeführten Werken enthält die „österreichische Reichszeitung“ (Wien 1850) mehrere kritische und touristische Aufsätze; das Morgenblatt und einige Hamburger Journale Gedichte und Novellen, welche jedoch bereits in seine Werke aufgenommen sind; das Prutz’sche deutsche Museum (1854, 2. Theil, S. 25) ein Gedicht „an den Kaiser von Oesterreich“ und ein zweites (1853, 2. Theil, S. 193), „Noch ist Polen nicht verloren“, welches Gedicht mit der Bezeichnung „Bedientenvölker“, die Hebbel den Polen und Böhmen in seinem neuesten bereits in der Lebensskizze erwähnten Gedichte an den König von Preußen beilegt, im Widerspruche steht; ferner bringen Gedichte H.’s von Zeit zu Zeit auch einzelne österreichische Albums und Almanache. In den Jahren 1851–1853 gab er Feuchtersleben’s sämmtliche Werke in 7 Bänden heraus, in deren 7. Bande (S. 221–402) eine ausführliche Biographie und Charakteristik Feuchtersleben’s von Hebbel enthalten ist; – die von Aimè von Wouwermann im Jahre 1850 herausgegebene „Wochenschrift für Kunst und Literatur“ (Gratz, 8°.) enthält S. 109 und 123 den ersten Act eines dreiactigen Schauspiels, betitelt: „Die Schauspielerin“; auch soll sein bereits in Italien begonnenes Drama „Moloch“ über den ersten Act vorgeschritten sein; die „Wiener (amtliche) Zeitung“ enthält in dem der Wissenschaft, Literatur und Kunst gewidmeten Theile des Blattes im J. 1861 eine längere, geharnischte, ästhetisch-kritische Studie über Bodenstedt’s Werk: „Shakespeare und seine Zeitgenossen“; und erst in neuester Zeit (Anfangs 1861) kamen in Weimar seine „Nibelungen“ zur Aufführung, welche aber noch nicht gedruckt erschienen sind.
II. Biographien. Kuh (Emil), Friedrich Hebbel. Eine Charakteristik (Wien 1854,16°.) [eine vielleicht zu weit gehende, jedenfalls nicht genug kritisch gehaltene Verhimmelung des Dichters, an der man jedoch den Respect vor dem überlegenen Geiste gerne hinnimmt]. – Friedrich Hebbel (Kassel, Balde, 16°.) in dem Sammelwerke: Moderne Classiker. Deutsche Literaturgeschichte der neueren Zeit in Biographien, Kritik und Proben. – BrockhausConversations-Lexikon (10. Aufl.) Bd. VII, S. 520. – Europa, redig. von Gust. Kühne (Leipzig, 4°.) 1854, S. 823: „Biographie“ [nach den Angaben der obgenannten Schrift von Emil Kuh]. – Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) V. Jahrg. (1846), Nr. 3: „Biographie“; – [170] Dieselben 1848, Literaturblatt, Nr. 3: „Friedrich Hebbel als Lyriker“, von Ferdinand Kürnberger. – Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) Sp. 51 und Tafel LV sein Porträt. – (Leipziger) Illustrirte Zeitung (Fol.) 1848, in einer der Märznummern, Biographie mit Hebbel’s Porträt, trefflich aber wenig ähnlich in Holz geschnitten von A. Kretzschmar. – Illustrirtes Haus- und Familienbuch (Wien, L. C. Zamarski und C. Dittmarsch, 4°.) Redig. von Braun von Braunthal, 1861, Heft 9, S. 97: „Friedrich Hebbel. Eine Studie“. [Das im Holzschnitte ausgeführte Porträt Hebbel’s, welches an der Spitze dieser Studie steht, ist mehr der Kopf eines Proletariers aus Moabit in Berlin, als der schöne geistvolle unseres Dichters; der Einreihung meines Namens unter Hebbel’s Gegner widerspreche ich; ich bin nicht Hebbel’s, sondern seiner ästhetischen Verirrungen Gegner; auch befremdet es, unter der Cohorte der Ghibellinen, wie der Autor Hebbel’s Freunde nennt, die Namen Derjenigen zu finden, die eben gegen Hebbel’s Verirrungen entschieden aufgetreten, wie Hettner, Henneberger, Ruge u. m. A. Der ungenannte Verfasser dieser mit aller Pietät für H. geschriebenen Studie ist Adolph Foglár.) – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XV, S. 155 [kleiner Artikel mit der irrigen Angabe, daß sich H. mit der Jenny Lutzer verheirathet habe]; III. Suppl. Bd, S. 1339 [ausführlicher biographisch-kritischer Original-Artikel]. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, Carl B. Lorck, 4°.) Erste Serie, Sp. 434 [nach diesem geb. 18. März 1813]. – Westermann’s Jahrbuch der illustrirten deutschen Monatshefte (Braunschweig 1860, Lex. 8°.) Bd. VIII, S. 312–321. [Auf S. 314 Hebbel’s Porträt im Holzschnitt; das beste und ähnlichste, was von Hebbel bisher vorhanden ist; nach dieser Lebensskizze ist H. am 18. März 1815 geboren. Was aber die Biographie betrifft, so dürfte gegen eine Stelle in derselben von allen Dichtern und Schriftstellern Wiens entschieden Protest erhoben werden. Diese Stelle lautet: „Nur Wenige, und zwar bloß die mit dem neuesten Gange der Literatur innig Vertrauten, wußten damals in Wien, was Hebbel sei und bedeute; ja wäre es den meisten Wiener Poeten, den „vaterländischen Dichtern“, wie man an der Donau gern sagt, gleich bekanntgewesen, welch’ ein Vogel dort zu bauen anfange, sie würden denselben dann wahrscheinlich schon im Zusammentragen der Halme und Flocken so sehr gestört haben, wie sie später seinen Gesang durch Ihr Geräusch zu übertäuben sich bestrebten.“ Diese Worte eines anonymen literarischen Strolches werden am besten durch die Thatsache widerlegt, daß Hebbel’s unbedingte Lobhudler meistens in Wien ansäßig gewesen oder doch längere Zeit dort gelebt, wir nennen nur Bruyck, Saphir etc., während jene Kritiker Hebbel’s, welche seinen Genius anerkannten, aber für seine ästhetischen Irrthümer sich nicht zu begeistern verstanden, und ihn also mit Entschiedenheit tadelten, wie Gervinus, Rosenkranz, Hettner, Henneberger, Ruge, Minckwitz, Julian Schmidt u. v. A., dem heiligen römischen Reiche angehören. Ferner wie wenig sich H. durch das Geräusch dieser „vaterländischen Dichter“ stören lassen, beweist die Reihe von Dichtungen, welche er in dieser Periode (1846–1861) eben in Wien oder doch in Oesterreich geschaffen – und was soll’s denn mit diesem, vielleicht ein Schimpf sein sollenden „vaterländischen Dichter“? Gehören nicht Grillparzer, Halm, Lenau, Grün, Zedlitz, Seidl, Frankl, Paoli dazu?]
III. Hebbel’s Porträte, Handschrift und äußere Erscheinung. Außer den bereits angeführten Holzschnitten in der Illustrirten Zeitung und in Westermann’s Illustrirten Monatsheften: 1) Stahlstich von C. Geyer (Leipzig, Baumgartner, 4°.) [mit Facsimile der Unterschrift, gar nicht ähnlich]. – 2) Gemalt von Karl Rahl, geschabt von Christian Mayer in Wien (Beilage zu M. Auer’s Zeitschrift „Faust“, 4°., Wien) [nach dem Bilde in Westermann’s Illustrirten Monatsheften das ähnlichste]. – 3) Gest. von Sichling (Leipzig, J. J. Weber, 8°.). – 4) Stahlstich von Rahl (Würzburg, Stahel’sche Buchhandlung, 16°.). – Die Europa, redig. von Gustav Kühne (Leipzig, schm. 4°.) 1853, S. 696, enthält ein Caricaturporträt H.’s von Herbert K(önig), in der „Gallerie der Zeitgenossen“ Nr. 13. Hebbel sitzt in einem aus Menschenknochen zusammengefügten Lehnstuhl, die Linke an die Stirn gelegt, die Rechte auf einem großen Blatte Papier schreibend, worauf die Worte stehen: Tragoedia infernalis. Neben [171] dem Papiere befinden sich ein von einem Nagel durchbohrtes Herz, ein Tintenglas mit der Aufschrift: Blut, ein Todtenschädel mit der Aufschrift: Streusand. Unter dem Bilde liest man:

Der Tragödiendichter als Weltrichter.
Auf Menschenknochen bau ich meine Dramen,
Und sollte dies Geschlecht auch dr’an erlahmen!
Zum Weltgerichte kam ich freilich noch zu früh;
Das ist im Ernst die bitt’re Ironie!“ –

Handschrift. Hentze (Adolph), Die Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinen (Leipzig 1855, Bernh. Schlicke, kl. 8°.) S. 62 [charakterisirt die facsimilirte Handschrift folgendermaßen: „Düsterblickende, tief einschneidende Buchstaben, unbekümmert, ob die Wunde blutet“]. – Aeußere Erscheinung. Cajetan Cerri, der die meisten Dichter Oesterreichs mit Worten silhouettirt hat, entwirft folgendes Bild von Hebbel: „Gemal der berühmten Hofschauspielerin Enghaus; hohe, schlanke, etwas gebrochene Gestalt; schöner Christuskopf, und im Ganzen echt norddeutsches Aussehen; nachlässiger, schleppender Gang; nicht gesuchte Kleidung; wenig Haar, fein und blond; Schnur- und Backenbart ebenfalls blond; große, hellblaue, fast schwärmerische Augen, forschender Blick und zarte, bleiche, höchst bewegliche Züge; Ausdruck der Miene in ruhigen Augenblicken sinnig, naiv und fast kindlich sanft; wenn man ihn flüchtig sieht, ahnt man kaum, von welchen Dämonen dieser riesige, unruhige, stets schaffende Geist getragen wird; ungemein leidenschaftlich, jähzornig und reizbar, aber, wie alle ähnliche Charaktere, bald wieder beschwichtigt; im hohen Grade selbstbewußt, wie jedes große Talent; lebhafte Mimik, volltönende, steigernde Stimme; grollend, grandios, verneinend; spricht viel, rasch, feurig, höchst geistreich, und verschleudert im Umgang massenhaft die herrlichsten Perlen von Geistesfunken und fantastischen Bildern; der Eindruck seiner Rede ist aber im Ganzen vernichtend, und namentlich für Laien entmuthigend und niederschlagend; zärtlicher Gemal und Vater; als Dichter ein himmelstürmender, urkräftiger Titan, der mit gewaltigem Schritte seine eigene Bahn wandelt und in der deutschen Literatur unverlöschliche Spuren hinterlassen wird.“
IV. Hebbel, in der Literatur. a) Nachweis der wichtigeren kritischen Stimmen über Hebbel als Dichter im Allgemeinen. Die Kritiken über seine einzelnen Werke sind bereits bei jedem derselben angeführt worden. Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1850, S. 731: „Ein Urtheil Friedrich Hebbel’s über Shakespeare“ [welches hier einer berichtigenden Kritik unterzogen wird]; – Dieselben 1851, S. 7: „Hebbel und die Tragikomödie“, von J. Hettner [ein ernstes Wort an Hebbel’s Genius, ihn rechtzeitig noch zur Umkehr ermahnend]; – Dieselben 1858, S. 905: „Hebbel und Jean Paul“ [wird der von Hebbel angenommenen Katastrophe im „Diamant“ eine Scene in Jean Paul’s „Leben Fibel’s“ entgegengestellt, um darzuthun, wie gewagt es sei, derlei Excentricitäten tiefsinnig zu behandeln, und wie richtig Jean Paul in dergleichen den harmlos realistischen Charakter beibehält. – Bruyck (C. von), Dramatische Studien über Friedrich Hebbel’s Julia (Wien 1852, R. Lechner, 8°.). [Eine apologetische Schrift, die über jede Stelle der Hebbel’schen Dichtung in Verzückung geräth. Ein Kritiker in Zarncke’s „Centralorgan“ sagt gelegentlich einer Anzeige der Schrift C. van Bruyck’s über Hebbel’s „Julia“: „Was an H.’s dramatischen Werken wirklich Bedeutendes ist, davon hat van Bruyck keine Ahnung; übrigens wird es keiner Vertheidigung je gelingen, das Factum umzustoßen, daß Hebbel, den sein Talent befähigte, unter den ersten dichterischen Größen seiner Nation einen Ehrenplatz einzunehmen, diesen verschmäht hat, sei es aus verbissenem Eigensinn, wie uns scheinen will, oder aus Mangel an Bildung, und seine Werke, die ein Lieblingsbuch seines Volkes werden konnten, dazu verdammt hat, nur für die Raritätenkammer eines Curiositätensammlers einst ein gesuchter Gegenstand zu sein.“] – La Fama del 1855, Anno XIV, Nr. 101, 102, 103 e 104; – La Fama del 1856, Anno XV, Nr. 6, 16, 17, 18, 19, 42–46, 48 e 49: „Federico Hebel“ (sic). [Beginnend mit der Frage: „Chi sia Federico Hebel“, übergehend auf die Darstellung des Verfalls des deutschen Drama’s und die Versuche seiner Wiederherstellung in den Capiteln: „Decadenza del teatro in Germania“ und „Tentativi di risorgimento. Carattere letterario di Hebel“, geht der Verfasser der Reihe nach Hebbel’s Werke: „Giuditta“, „Il Diamante“; „Maria Maddalena“, „Genoveffa“, „Le Liriche“, „Erode e Marianne“ (sic), „Giulia“, „Una Tragedia in Sicilia“, „Il Rubino“, „Michael Angelo“; „Agnese Bernauer“, durch und schließt wieder mit der Frage: „Ciò che fu e cio che puo essere Federico Hebel“. Der [172] ganze Aufsatz war auch in dem zu Lodi herausgegebenen Journal: „L’Abduano“ 1855, Nr. 24, 25, 26, und 1856, Nr. 30, 32, 33, 35, 36, 37, 39, 40, 41, 42, 46 abgedruckt.] – Frankfurter Konversationsblatt 1848, Nr. 243–245: „Friedrich Hebbel. Eine kritische Perspective von Karl Ohly“. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Literarhistorisch und kritisch dargestellt (Breslau 1855, Trewendt, gr. 8°.) Bd. II, S. 332, 348–364 und 436. – Magazin für die Literatur des Auslandes, herausg. von J. Lehmann (Berlin, kl. Fol.) 1847, Nr. 131, S. 522: „Friedrich Hebbel und die französische Kritik“. [Uebersetzung eines Urtheiles über Hebbel aus der „Revue Indépendente“.] – Minckwitz (Johannes), Der illustrirte neuhochdeutsche Parnaß (Leipzig 1860, Arnold, 8°.) S. 308. – Der Salon. Wochenschrift, red. von Joh. Nordmann (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1854), Bd. 3, S. 26 u. 61: „Grillparzer, Grabbe, Hebbel“, von Alex. Gigl. – Grenzboten (Leipzig, Herbig, Lex. 8°.) 1847, Bd. II, S. 501–513: „Friedrich Hebbel“, von J(ulian) S(chmidt). [Der bekannte literaturhistorische Freund und Gönner Gust. Freitag’s schreibt, indem er Hebbel’s Judith, Genovefa, Maria Magdalena und Diamant einer eingehenden Besprechung unterzieht, und die Bedeutung, welche die Kritik dem Dichter Hebbel zugesteht, anerkennt: „die Kritik hat darin jetzt ihre Schuldigkeit gethan; die Bedeutung Hebbel’s, seine groß gedachte Charakteristik im Gegensatz gegen die marklosen Phantasiegestalten seiner meisten Nebenbuhler ist hinreichend gewürdigt, und ich darf es jetzt vor meinem Gewissen verantworten, wenn ich dem Dichter zurufe: „Du bist auf einem Abwege, von dem man noch nicht gewiß weiß, wohin er führen kann .... Hebbel steht, wie es scheint, auf dem Scheidewege in einer höchst gefährlichen Stellung. Wenn er den bösen Dämon in seinem Innern, diese dunkle Macht, die ihn selber treibt, wie seine Helden, überwindet, so wird er aus der Hand des Volkes den Kranz empfangen, den jetzt sein überreiztes Gefühl vergebens an sich zu reißen sucht. Nur die gemäßigte gesetzlich gebändigte Kraft bleibt Kraft. Der zügellose Ungestüm führt zur Ohnmacht.

Vis consilî expers mole ruit sua:
Vim temperatam Di quoque provebunt
In majus; idem odere vires
Omne nefas animo moventes“
.] –

Schmidt (Julian), Geschichte der deutschen Literatur im neunzehnten Jahrhundert (Leipzig, London, Paris 1855, Herbig, 8°.) Zweite durchaus umgearbeitete vermehrte Auflage, Bd. III, S. 170–212. – Wiener Zeitung 1858, Nr. 77–79; – und 1861, Nr. 86 und 87: „Hebbel über Friedrich Bodenstedt’s „Shakespeare und seine Zeitgenossen“. [Dieser ausführlichen Besprechung aus Hebbel’s Feder geschieht hier vornehmlich deßhalb Erwähnung, weil der zweite Artikel wesentlich polemischer Natur ist und darin der Münchener Professor in ganz entschiedener Manier abgefertigt wird. Die Kritiken Hebbel’s bilden einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Charakteristik und zum Verständniß seines Ich’s. Er liebt die Kraftausdrücke in fast Angst und Schrecken erregender Weise; so sagt er einmal bei Besprechung des Holtei’schen Romans: „Die Vagabunden“: „Der ganze Bettel der sogenannten socialen Novellistik wird von diesem Holtei’schen Werke aufgewogen“. Es möge mit dieser kritischen, von Hebbel über die deutsche Romantik verhängten Verurtheilung vor der Hand genug sein, obwohl es dem Herausgeber an mehreren dergleichen Aussprüchen des Dichters der „Magellona“ nicht fehlt.]
IV. b) Urtheile und Charakteristiken Hebbel’s. Wenn man die Urtheile eines Julian Schmidt, Arnold Ruge, K. Rosenkranz, Hettner, Henneberger u. A. über Hebbel liest, so möchte man verleitet sein, an die wie verabredete kritische Verfolgung des Dichters zu glauben; aber die angeführten Namen bürgen uns dafür, daß dem nicht so ist. In diesen Urtheilen liegt keine Gehässigkeit, wie beispielsweise die „Kölnische Zeitung“ solche offenbarte, als sie anläßlich einer Mittheilung, daß in Gratz eine Gesellschaft von Dilettanten sich gebildet, welche Schauspiele im Irrenhause vor Narren aufführt, die malitiöse Bemerkung beifügte: „daß sie die Stücke von Hebbel dieser Bühne besonders zur Aufführung empfehle“. In den Urtheilen der oben genannten Männer, welche mit aller ihrer kritischen Subjektivität doch zu den besten des deutschen Volkes zählen, in allen diesen Urtheilen, wie verschieden sie lauten, klingt ein und dieselbe Klage über die Verirrung eines großen dichterischen Genius. Der Herausgeber dieses Lexikons hat nach gegentheiligen Ansichten gesucht, aber – wollte er nicht die Uebertreibungen E. Kuh’s hersetzen – keine gefunden. Zum richtigen Verständniß des Hebbel’schen Genius erscheint es also nothwendig, die wichtigsten Aussprüche [173] der Kritik hier folgen zu lassen. Theodor Mundt in seiner „Geschichte der Literatur der Gegenwart“ (2. Aufl., Leipzig 1853, Simion’s Verlag, 8°.) S. 713, schreibt über Hebbel: „Als einen in manchem Betracht verwandten und congenialen Geist haben wir neben Grabbe Friedrich Hebbel aufzuführen, in dem eine bedeutende Ursprünglichkeit des poetischen Talents wirksam ist, und der zugleich von vorn herein die geistigen und künstlerischen Normen in sich trägt, die seinen Productionen auch den äußern Halt verleihen. Die Bestimmung seines Genius suchte er vorzugsweise in der dramatischen Poesie zu ergreifen und zu erfüllen, die er unter dem höchsten Gesichtspunct, als thatsächlichen Entwicklungsproceß der mit ihren Gegensätzen und Widersprüchen kämpfenden Menschennatur, auffaßte und wieder zur Geltung bringen wollte. Er trat zuerst mit der Tragödie „Judith“ (1841) hervor, in der, wie man auch über die Anlage und Durchführung dieses Stückes rechten mag, doch jedenfalls eine große Meisterschaft des dramatischen Styls an den Tag gelegt ist. Der Charakter der Judith, welche der Dichter einen so modernen Umschlag in sich erleiden läßt, indem sie mitten in der an Holofernes zu verübenden nationalen Rachethat von den eigenen Liebesgefühlen zu ihm überwältigt wird, bildet gewissermaßen den Grundstock der Probleme, welche den Dichter überhaupt in seiner Poesie beschäftigen. Seine dramatische Speculation und Grübelei sucht nämlich am liebsten die Dialectik des geistigen und sinnlichen Wesens des Menschen, namentlich in der Geschlechtssphäre auf, und ruft dann diesen urelementaren Widerspruch gern dahin zur Erscheinung, daß er an dem geistigen Element und mitten in demselben die Alles meisternde sinnliche Potenz aufzeigt, während er in der Sinnlichkeit die anbrechende Herrlichkeit und Größe des Geistes feiert. So ist sein Holofernes ein colossales Kraftbild der Sinnlichkeit und als Repräsentant des elementaren Naturprincips zugleich der wahre Mann und Heros, der sich in überlegener Verachtung über den ihn umgebenden Händeln der Welt schaukelt, und dem Judith selbst, die von einem hohen sittlichen Princip ausgeht, und die mit der Stärke eines ganzen Volkspathos bewaffnet ankommt, in Bewunderung und Schwäche unterliegen muß. Noch schlimmer ist der Sturz, welchen Hebbel seiner „Maria Magdalena“ (1844) bereitet, in der eine edle schöne Natur, welche sich den Schicksalsschlägen gegenüber mit ihrer ganzen geistigen Größe bewaffnet, dem rein sinnlichen Moment erliegt, der sie gerade dem von ihr verachteten Manne überliefert. Diese Geschlechtsschicksals-Poesie ist reich an tiefsinnigen und genialen Momenten, wobei die besondere Kühnheit noch darin besteht, daß dieselben gerade durch die dramatische Darstellung und deren scharfe plastische Verwirklichung ausgeprägt werden sollen. In der Auffassung solcher Probleme hat aber diese Poesie nur ein rein pathologisches Interesse. Sie zeigt mit starrem Griffel die tiefsten Leiden der Menschheit auf, ohne den Raum für ihre ideelle Lösung offen zu lassen. Es fehlen hier die großen, eine unendliche Perspective in sich tragenden Dimensionen, in denen die antike Schicksalstragödie und Shakespeare den Sturz der Menschennatur zu zeichnen pflegen. Hebbel strebt sonst darnach die Höhen der antiken und modernen Dramatik durch eine neue Combination zu verbinden und die Energie seines Talents möchte ihm unter allen neueren Dichtern die nächste Anwartschaft auf die Lösung dieser Aufgabe zuweisen. Aber in der „Judith“ und „Maria Magdalena“, wo er mit den äußersten Widersprüchen operirt, bricht er zugleich zu fragmentarisch ab und schließt seine himmelstürmenden Experimente mit einem gewaltsamen Niederschlag der Ideen. In der „Judith“ sind noch die hebräischen Volksscenen als vortrefflich gelungen anzuführen, in der „Maria Magdalena“ aber tritt besonders die Charakteristik des alten Tischlers als eines der meisterhaftesten Gebilde der neueren Poesie heraus. In der Tragödie „Genoveva“ (1843) fehlt es ebenfalls nicht an bedeutenden Charakterzeichnungen und einzelnen hochpoetischen Elementen, aber die Anlage des Ganzen hat keine große Tragweite und ist überdies zu keiner rechten Einheit gelangt, da die moderne Auffassung dem mittelalterlichen und sagenhaften Lebenselement mehr widerstrebt, als dies bei einem hebräischen oder antiken Stoffe der Fall ist. Es folgte darauf die Komödie „der Diamant“ (1847), die Tragödien „Herodes und Mariamne“ (1850), „das Trauerspiel in Sicilien“, eine Tragikomödie (1850), „der Rubin“ (1850), „Julia“ (1851), „Agnes Bernauer“ (1852), in denen es sämmtlich auf eine originelle Eigenthümlichkeit der Composition und auf eine große Manier abgesehen ist, ohne daß es jedoch zu entscheidenden und klar herausgearbeiteten Wirkungen käme. Auch [174] als lyrischer Dichter „Gedichte“ (1842), „neue Gedichte“ (1847) erscheint Hebbel im reichen Ausdruck eines tiefbewegten Dichtergemüthes. Eine geniale Beleuchtung des Künstlerschicksals[WS 2] unter den Bedingungen von Welt und Zeit gibt das kleine Lustspiel „Michael Angelo“ (1851), Auch das niederländische Gemälde „Schnok“ (1850) [nicht „Schnork“, wie es bei Mundt heißt] enthält viele ansprechende und sinnige Züge.“ – Rudolph Gottschall, der sich, ohne Hebbel’s Schwächen zu übersehen, unter seinen Kritikern am meisten auf seine Seite stellt, und sich in eine ausführlichere Analyse der Werke des Dichters einläßt, vergleicht an einer Stelle Hebbel und Grabbe und schreibt: „Beide zeigen eine Vorliebe für das Bizarre; doch es liegt bei Grabbe mehr in der Anordnung und Ausführung, bei Hebbel im Stoffe und im Gedanken; Grabbe wählt vorzugsweise historische Stoffe, Hebbel sociale; bei Grabbe wiegt der Sinn für die geschichtliche, bei Hebbel der Sinn für die ethische Bedeutung vor. Grabbe liebt große Charaktere, Hebbel tiefe; Grabbe gewaltige Collisionen, die äußerlich imponiren, Hebbel verschlungene Probleme, die innerlich beschäftigen; Grabbe zermalmt, Hebbel zerreibt. Wo Grabbe die tragische Keule schwingt, da wirkt Hebbel mit tragischem Gifte von innen heraus. Beide lieben originelle, kräftige, knorrige Bilder, doch ist Grabbe schwunghafter und epigrammatischer, Hebbel bedachtsamer, bezeichnender, aber auch oft gesuchter. Grabbe übertrifft Hebbel bei weitem an Frische, Kraft, glühendem und hinreißendem Dichterfeuer; Hebbel übertrifft Grabbe bei weitem an künstlerischem Verstande in der organischen Gliederung der Dramen, in der architektonischen Vollendung, in der jedes Einzelne dem Ganzen dient. Bei Grabbe ist die dramatische Collision ein Kampf der Kräfte, bei Hebbel ein Kampf der Gedanken; dort ein heroisches Titanenmaß, hier ein geistiges; dort Gestalten von riesigen Dimensionen, hier Gedanken von bedeutender Tragweite; dort kräftig geartete Naturen, die aufeinander platzen, hier fleischgewordene Dialektik in den feinsten Combinationen. Beide Dichter haben das gemeinsam, daß sie sich in den Extremen bewegen und die rechte Mitte der Schönheit und künstlerischen Harmonie verfehlen. Bei Grabbe liegt der Grund hiervon in einer krankhaften Exaltation der Phantasie, welche ihrem entzügelten Schwunge rücksichtslos folgt. Bei Hebbel geht die Vorliebe für das Abnorme, Außergewöhnliche aus einem allzu grüblerischen Verstande hervor, welcher sich dadurch befriedigt fühlt, wenn er die Contraste auf die Spitze treibt, wenn er über jäh aufgerissene Klüfte eine Brücke des Gedankens bauen kann. Ihn fesselt das Phänomenartige, Pathologische; er docirt wie in der Klinik; er fühlt der Menschheit an den Puls und sucht an grellen Krankheitsbildern das Ideal der Gesundheit zu lehren. Doch während wir bei Grabbe oft den Balsamhauch echter, erquickender Poesie fühlen, weht uns bei Hebbel oft eine dumpfe und schwüle Lazarethluft entgegen, in welche uns der Dichter, trotz unseres Unbehagens, mit krampfhafter Nöthigung hineinreißt. Beide Dichter haben dem Häßlichen allzusehr gehuldigt. Bei Grabbe ist das Häßliche in der Regel die Verzerrung des Großen, das sich übernimmt; bei Hebbel die Entwerthung des gesunden und einfachen Empfindens und jeder menschlichen Courantmünze zu Gunsten eines Gefühles, das sich nur in Ausnahmesituationen bewähren kann, und das uns seine kunstvoll aber seltsam geprägten Medaillen als alltägliches Tauschmittel aufdrängen will. Grabbe hätte niemals eine Tragödie von solchem inneren Zusammenhalte und dramatischer Consequenz schreiben können, wie Hebbel’s „Maria Magdalena“; Hebbel nie eine Tragödie von jenem dichterischen Schwunge, jener poetischen Magie, wie Grabbe’s „Don Juan und Faust“. – An einer andern Stelle wirft Gottschall die treffende Bemerkung hin: „Hebbel ist ein großer dramatischer Denker. Um ein großer dramatischer Dichter zu sein, fehlt ihm wenig; aber dieß Wenige ist viel – das Maß und der Zauber der Schönheit.“ – Ueber die „Judith“ sagt er unter Anderem: „So ist „Judith“ keine heroische, sondern eine physiologische Tragödie, überhaupt nur eine eventuelle Tragödie; denn die Heldin verlangt zwar von den Aeltesten Israels das Versprechen, sie zu tödten, sobald es ihr eigener Wunsch sei, doch sie selbst deutet an, daß sie nur dann an dieß Versprechen erinnern werde, wenn ihr Schooß fruchtbar sei. Im entgegengesetzten Falle wird man sich wohl an die Bibel halten dürfen, in der es heißt, daß sie hoch geehrt im ganzen Lande Israel war und ein Alter von hundert und fünfzig Jahren erreichte.“ – Die „Genovefa“ nennt Gottschall die Tragödie der ehelichen Treue; „es ist das Institut der Ehe [175] selbst, gegen welches Hebbel seine dialectischen Löwentatzen kehrt; allerdings, wie immer, ohne directe tendenziöse Angriffe, aber doch als rastlos wühlender Maulwurf in künstlerischen Gängen – eine Zerstörung, die sich unter dem Scheine architektonischer Arbeit verbirgt.“ Dieses kritische Studium der Hebbel’schen Dramen läßt Gottschall in folgender Ansicht über Hebbel gipfeln: „Hebbel ist der größte sittliche Revolutionär von allen deutschen Poeten; aber er verbirgt diesen moralischen Jacobinismus unter der kunstvollen Plastik des Tragikers und hat sich sogar eine eigene ästhetische Theorie zurecht gemacht, um seinen dramatischen Pessimismus zu rechtfertigen. Seine Dramen sind eine Analyse, eine Kritik der Gegenwart; er ist darin paradox, ein dramatischer Proudhon. Das Aufbauen der Zukunft überläßt er indeß, wie billig, dem Entwicklungsprocesse der Geschichte, in den er seine eigenen Tragödien als gährenden Sauerteig hineinwirft.“ – Die Lustspiele Hebbel’s „der Diamant“ und „der Rubin“ nennt Gottschall unbedeutend. „Nichts als romantische Capriccio’s, mit so großen Prätensionen sie auch auftreten mögen.“ – Und wenn er mit wenigen Strichen eine Parallele mit Halm und Hebbel zieht und schreibt: „Hätte Hebbel, mit welchem Halm bei dem größten Gegensatze in der Behandlungsweise, darin Aehnlichkeit hat, daß er psychologische Probleme liebt, den Stoff der Griseldis gewählt, er würde seine scharfen und verletzenden Seiten mit solcher Kraft und Wahrheit herausgekehrt haben, daß die Dichtung gewiß für das große Publikum ungenießbar geworden wäre,“ so hat er mit kurzen aber treffenden Worten die poetische Individualität beider ausgedrückt. – Bemerkenswerth ist das Urtheil eines italienischen Kritikers, der in einer ausführlichen Abhandlung Hebbel’s Werke beurtheilt. Es stand in dem zu Lodi herausgegebenen Blatte „l’Abduano“; darin heißt es unter Anderem Hebbel è troppo sinceramente originale per tôrre a prestito da un sistema falso inaspettati effetti. Egli è austro, egli congiunge ad uno spirito moderno un meraviglioso sentimento delle leggi eternali, vi ha in lui del patrizio, e sebbene sia ardentemente liberale, tutte le follie demagogiche sono castigate ne’ varj suoi drammi. Ch’egli nobiliti questi ispirazioni collo splendore di una poesia sana e potente: oggidì il suo vigore ha qualche cosa di malaticcio e il suo stile, tanto fermo e preciso in assai luoghi è troppo spesso sfigurato da ributtanti colori. Non dimenticatevi, o poeta, dimezzo alle lotte tenebrose la cui pittura e l’oggetto dell’arte vostra, non dimenticatevi di aspirar sempre alla bellezza, all’armonia, all’ideale suprema, il quale tutte cose compone ed assimila! Cio che vi manca non è la forza, non è la fecondità e la audacia, è la serenità. .... Qual’ è oggidì la situazione del teatro tedesco? .... che hanno fatto Roetscher e Vischer, menti elevate, chi ne dubita? ma troppo accostumate alle metafisiche sottigliezze per poter riuscire utili legislatori? Innebbriarono le imaginazioni con mistiche speranze. Tutti i sedicenti riformatori del teatro tedesco obbediscono da una ventina d’anni ad un artificiale inspirazione; da cio il loro precoce sfinimento. Gutzkow, Laube, Halm, Prutz hanno oggidi quasi tutti abbandonato il teatro, ch’eglino avevano l’ambizione di rigenerare. ... I teorici troppo a lungo spaziarono fra nuvole vaporose; ora vi ha d’uopo di un poeta e l’esempio sara di gran lunga più feconde che il precetto. Dopo cosi incredibile abuso della metafisica dell’arte, non vi ha che un ispirato inventore che sia capace di rianimare il teatro e imprimergli un durevole precedimento. Hebbel sentesi capaci à ciò? Egli e almeno quel solo che abbia abbastanza di vigore e di fede per tentarlo. Le opere le più rimarchevoli che siensi recentemente applaudite, procedono da sua inspirazione e sono il „Sansone“ di Gärtner, „il Forestiere“ di Otto Ludwig, „Il Gladiatore di Ravenna“ di Halm. ... Giudici severi tendono gli occhi sovresso lui, ne dissimulano la lor confidenza nel suo avvenire. Federico Hebbel è un albero (come dice Gervinus) è un albero vivace, un tronco pieno di sughi, che è affaticato e come soffocato da liane, da rovi e da altre parassite“. Noi vogliamo sperare con Gervinus che l’albero già sbarazzato da que’ vincoli, alzerà nobilmente la cima nella sua natale foresta. Deve ben bastare all’autore di „Giuditta“ la gloria di continuare i suoi maestri Goethe e Schiller: cercando di divenire come gli si prediceva, il poeta drammatico di un secolo il mistagogo [176] dell’ umanità, Hebbel cesserebbe d’essere tedesco, senza guadagnare nel resto del mondo ciò che perderebbe nella patria suo. Sia la sua immaginazione semplice, sia sereno l’animo suo; il suo teatro, rinunciando alle misteriose pretensioni, non si preoccupi che dell’ Allemagna ed egli darà un poeta all’Europa.“ Ein leider nicht genannter Berliner Kritiker (aber mit Bestimmtheit nicht Herr Rötscher, über, dessen Verhältniß zu Hebbel wie über jenes Hebbel’s zu ihm, zur Zeit als Hebbel in Berlin war (um 1850) und seine Berliner Eindrücke in der „Oesterreichischen Reichszeitung“ veröffentlichte, die Hamburger „Jahreszeiten“ zu wiederholten Malen aufklärende Mittheilungen brachten) schreibt in der „Berliner Reform“, 1850, in welcher er eine kleine Abhandlung über Hebbel’s „Herodes und Mariamne“ veröffentlichte, das folgende: „Hebbel’s dramatische Dichtungen, wie bedeutsam sie aus den Larven und Mißgeburten Anderer, als die einzigen, hervorragen, in denen ein poetischer Lebenshauch athmet, eine dramatische Ader schlägt; das Grundgebrechen, „Unwahrheit des tragischen Motivs“, haben sie mit den übrigen gemein, freilich mit der Maßgabe, daß bei den gewerblichen Bühnentrödlern die Ausgangsmomente ihrer dramatischen Verwicklungen nächst der Unwahrheit auch noch kindisch sind und abgeschmackt, während Hebbel’s Voraussetzungen aus einem Raffinement entspringen, das mit dem sophistischen Verderbniß der französischen Schule und Romantik zusammenhängt. Motiviren jene Macher anschauungslos, gedankenwidrig, zu viel; verfälschen und verwässern sie die abgefeimten Beweggründe labyrinthisch zernagter Leidenschaften, wie sie in den Sittenschilderungen der Franzosen im Schwunge sind, schwächen und verseichten sie solche Motive zur abschmeckendsten Schaalheit; so wirken sie bei Hebbel dagegen in ursprünglicher Schärfe als echter, an der französischen Quelle erneuerter Impfstoff. Bei ihm ist das falsche Grundmotiv fast immer geistreich; haut goût zwar, doch blasirte Gaumen andüftelnd, bizarr, erkünstelt, wunderlich, barok, selten stumpf und abgeschmackt. Hebbel’s dramatische Prämissen treten in Widerspruch mit deutscher Gemüthsart, wo sie an die Wirklichkeit anknüpfen und da und da, wo sie auf imaginärem Boden spielen, vernichten sie wieder in soferne jede logische Charakteristik und Psychologie, als sie die Elemente moderner Abgefeimtheit und klügelnder Sophistik in phantastische Charaktere verlegen und zu unmöglichen Katastrophen sich hinaustreiben lassen. Immer aber versteht es sein Talent, den halbverwesten Stoffen, die er in die dramatische Retorte schüttet, ein Brenngas von der intensivsten sonnigsten Leuchtkraft zu entlocken.“ In der weiteren kritischen Entwicklung wird Hebbel mit Grabbe parallelisirt und als Seitenstück zu Gottschall’s Gegenüberstellung Hebbel’s und Grabbe’s heißt es dort: „Hebbel hat vor Grabbe den Stil voraus, den schlichten, geistig klaren, volksmäßigen Ton und Ausdruck, aber nur in der Prosa. Greift seine tragische Muse zum Jambus, glaubt man einen Nachahmer Grabbe’s zu hören, mit dem er dann in Dunkelheit und fantastischer Unform zu wetteifern scheint, ohne sich mit ihm in der Gedrungenheit und Blitzeswirkung des Ausdrucks, und noch weniger an glühendem Ernst, individueller Ursprünglichkeit und einer bis an die Gränze des aufrichtigen Wahnsinns kometenhaft hyperbolisirenden Begeisterung messen zu können. Hebbel’s Zeichnenstift hört nie auf, zugleich ein Rechnengriffel zu sein. Grabbe war in der Poesie wie im Lieben niemals nüchtern. Oft macht Hebbel den Eindruck eines ernüchterten Grabbe, von dessen Wahnsinn er nichts behält, als die – Methode.“ – Minckwitz, abweichend von den bisherigen Kritikern, welche Hebbel’s Genius anerkennen, wenn sie auch seine Verirrungen nicht verschweigen, spricht Hebbeln Alles rundweg ab und stellt ein Urtheil auf, unter welches nur Minckwitz seinen Namen setzen mag: „Wie es diesem Autor an gesundem Geschmacke, an Natürlichkeit, Einfachheit und Klarheit der Darstellung im Lyrischen gebricht, indem seine „Gedichte“ meist zwecklos, ohne tieferen Gehalt, ungenau, schwülstig und selbst unverständlich erscheinen, so treten auf dramatischem Gebiete diese Fehler noch greller heraus. Der Mangel an frühzeitiger classischer Bildung äußerte sich hier wieder einmal in vollem Umfange seiner Nachtheile. Die Dramen Hebbel’s verstoßen im Ganzen wie im Einzelnen nicht allein schnurstracks wider die Anforderungen echter Kunst, sondern die Charaktere derselben sind so durchaus ungenügend, verkehrt, toll und abgeschmackt, daß denselben jeder eigentliche Werth abgesprochen werden muß, und daß man in ihnen, einzelne Personen in der „Maria Magdalena“ vielleicht ausgenommen, nirgends die Spur von wahrem poetischen Talent dargelegt findet, [177] denn in seinem Haschen nach Originalität spricht sich kein Genie aus; er ist originell, aber nicht im guten Sinne. Die frühen Schwächen des jugendlichen Schiller, die Seltsamkeiten Shakespeare’s tausendfach überbietend, fast in den scheingenialen, burschikosen Ton des unglücklichen Dramatikers Grabbe und der neueren Nachäffer desselben verfallend, giebt er nichts als Karrikaturen oder, wie in seiner sehr untragischen „Judith“ puppenkomödienartige Charaktere, die gemein, eckelhaft und widerwärtig sind. Idealische Größe und echt poetische Anschauung ist ihm fremd; alles ist bei ihm zerflossen und zerfahren, ausgenommen die auf den gemeinen Haufen berechnete theatralische Wirkung; auf drastische Wirkung hat es Hebbel lediglich abgesehen, alles Uebrige ordnet er diesem Zwecke unter.“ – Hettner bemerkt in einem Aufsatze: „Hebbel und die Tragikomödie“, aus Anlaß dessen, daß Hebbel sich beschwert, sein „Trauerspiel in Sicilien“ sei nicht verstanden worden, da man es für eine Tragödie, statt für eine Tragikomödie gehalten habe: „Das Geheimniß der Hebbel’schen Tragikomödie ist die Criminalgeschichte. Und damit ist dieser neuen, mit so viel Pomp angekündigten Kunstgattung ihr Urtheil gesprochen. Traurig genug; aber wenn irgendwo, so kann man an Hebbel die Pathologie unserer Zeit studieren. Eine reiche ursprüngliche Dichternatur durch falsche Geniesucht zu carikirter Maßlosigkeit, ja zu fratzenhafter Höflichkeit aufgestachelt – wahrlich eine solche Erscheinung wäre tragisch, wenn man nicht versucht sein sollte, nach Hebbel’s eigenem Vorgange, sie lieber tragikomisch zu nennen,“ [Blätter f. lit. Unterhaltung 1851, S. 8.] – Arnold Ruge in einem Aufsatze, betitelt: „Der Geist unserer Zeit“, welcher in der periodischen Schrift: „Das Jahrhundert“ 1857, S. 17, abgedruckt stand, schreibt über Hebbel: „Das Talent zu charakterisiren und seine rohe Welt psychologisch richtig und interessant zu entwickeln ..., besitzt auch Hebbel, der Dramatiker, ein Mensch, der eine ehrliche Neigung zur Poesie hat, aber immer bis über die Ohren in den Schmutz taucht, um ihre Perlen dort zu suchen; er hat Charaktere und ihre Entwicklung, oder vielmehr die Entwicklung des Drama’s durch die Charaktere, wie in der „Maria Magdalena“ hervorgebracht, aber es ist immer ein Wurm darin; der Fehltritt der Heldin, der Maria Magdalena z. B.. ist nicht erklärt, weder aus dem Charakter, noch aus Umständen. Und alle Producte Hebbel’s fallen aus der Region heraus, wo der Mensch erst ein menschliches Interesse einflößt. Ohne Gemeinheit geht es nicht ab, und wenn er ganz gemein sein will, wird er verrückt und abgeschmackt, wie in „dem Diamanten“, „der Kuh“ (eine Novelle Hebbel’s), „dem Trauerspiel in Sicilien“ oder wie diese Tollhausproducte heißen.“ – Henneberger (August), Das deutsche Drama der Gegenwart (Greifswalde 1853), beurtheilt neben anderen Dramatikern der Gegenwart auch Hebbel; Henneberger geht mit dem Dichter sehr scharf in’s Gericht und zählt Hebbel’s Sündenregister (bis 1853) ziemlich vollständig auf. Eigenthümlich stimmt es aber nach einer sechs Seiten langen ganz unbarmherzigen Strafpredigt zu vernehmen: daß der also Gescholtene schließlich dennoch ein ganz vortrefflicher Kerl sei. – Ein Kritiker des Hebbel’schen Stückes: „Gyges und sein Ring“ schreibt in den „Blättern für literar. Unterhaltung 1856, S. 640: „Hebbel hat sich wahrlich über die Stimmung des deutschen Publikums seiner Production gegenüber nicht zu beklagen; es könnte aber ein Tag kommen, wo seine Launen die glänzende Gestalt, in welcher er sie zu bannen weiß übersetzen lassen und die allgemeine Bewunderung sich von ihm wendet; die „Agnes Bernauerin“ wird nicht vergessen werden, denn sie ist warme pulsirende Menschheit und Deutschheit; ... Hebbel aber – wir rufen es ihm geradezu entgegen – versündigt sich an seinem Genius, wie an der deutschen Nation, wenn er statt für die letztere zu arbeiten und zu schaffen, seinen literarischen Launen die schönsten Jahre seiner dichterischen Schöpferkraft opfert.“ – Taillandier, der wie bekannt, sich viel mit deutscher Literatur befaßt und für seine Lucubrationen immer Spalten in der „Revue de deux mondes“ zur Verfügung hat, sagt unter anderem über Hebbel: „Ein Dichter der Zukunft ist auch Friedrich Hebbel, ein echter Dichter, mächtige Phantasie, aber durchaus entblößt von dem Gefühle der Realität, ohne welche das Theater unmöglich ist. Eines von den Dingen, welche diese „Dichter der Zukunft“ kennzeichnen, ist ihr Widerwille gegen die Bedingungen der Bühne. Damals brachte Hebbel seine Werke auf die Bühne und er that es oft mit einer besonderen Kühnheit, er verhehlte nicht seine Verachtung der scenischen Convenienzen. Ich weiß nicht, wann die Generation kommen wird, für welche Hebbel seine Dramen verfaßt hat; gewiß ist es, daß heut zu [178] Tage für einen solchen Dichter ein Publikum von Eingeweihten erforderlich wäre. Der Verfasser der „Agnes Bernauer“ hat einen Augenblick hoffen lassen, daß er sich zu einer natürlicheren Poesie gewendet habe; er fiel bald zurück und tiefer als je in das System der Mythen und Symbole. Sein letztes Drama, „der Ring des Gyges“. würde das nöthig haben, was die Dichter commentarius perpetuus, nennen.“ – Wenngleich Karl Rosenkranz in seiner „Aesthetik des Häßlichen“ (Königsberg 1853, Bornträger, 8°.) S. 109 u. f., nur das „Häßliche“ in Hebbel’s „Julia“ in Betracht zieht, so ist sein Ausspruch doch zu bezeichnend, um hier nicht mitgetheilt zu werden. „Hebbel, der Dichter des Pessimismus und der Bizarrerie, wie Henneberger ihn treffend genannt hat, möge uns gestatten, an seiner Julia nachzuweisen, wie das Tragische, wenn es die Knoten seiner Widersprüche weder recht schürzt noch recht löst, schon in das Komische umzuschlagen anfängt, jedoch weil es noch zu ernst und gewichtig ist, vorerst häßlich bleibt.“ Nun bringt Rosenkranz eine Analyse des ganzen Stückes, und nachdem er diese Analyse gegeben, fährt der Kritiker fort: „So endet diese durch das Talent ihres Urhebers bis in die kleinsten Züge hinein verzerrte Tragödie, deren Inhalt wir mit schlichten Worten angegeben haben und dabei doch nicht verhüten konnten, nicht schon komische Streiflichter darauf fallen zu lassen. Wir bezweifeln nicht im Geringsten den subjektiven Ernst der ethischen Tendenz, den Hebbel in seinem Vorwort mit so großem Pathos verkündet, doch lassen wir uns dadurch nicht bestechen und erkennen, daß diese Tragödie im Grunde durch die Art ihrer Disharmonie eine gräßliche Komödie, ein Ungeheuer von Scheincontrasten ist. Wir wollen von crasseren Motiven, die in dieser Tragödie vorkommen und oft höchst komischer Beschaffenheit sind, wegsehen; wir wollen nur bei den fundamentalen Verhältnissen bleiben, so sind sie nicht tragisch, sondern komisch. Daß ein Mädchen, welches sich heimlich hat schwängern lassen, als Königin der Jungfrauen bei einem Feste erscheinen soll, ist gewiß komisch. Daß ein Vater, dessen Tochter, wie er glaubt, mit ihrem Liebsten durchgegangen ist. die Stadt durch einen Scheintod und einen Scheinsarg seiner Tochter täuscht, ist gewiß komisch. Daß ein deutscher Graf nach wüst durchgenossenem Leben eine hypochondrische Anwandlung zur Tugend bekommt und seinem blasirten Leichnam noch die Ehre anthun möchte, zu irgend etwas Nützlichem, wohl gar Edlem, zu dienen, ist gewiß komisch. Daß ein schwangeres Mädchen in einem Lande, worin es doch auch Gendarmen gibt, so ohne weiteres zu Fuß umherirrt und todessehnsüchtig im Waldesdunkel einem Banditen durch eine vorgehaltene Börse die Lust sie zu tödten, beibringt, statt daß man erwarten sollte, er werde sich der Börse auch ohne Mord versichern und das Mädchen als eine schöne Beute zu seiner Lust zwingen, ist gewiß komisch. Daß Bertram und Julia eine Ehe schließen, die doch keine ist; er, um doch, bevor er stirbt, sich noch zu etwas Gutem brauchen zu lassen; sie, um doch ihre Ehre durch einen Gatten zu salviren, das ist gewiß komisch. Daß endlich alle drei Liebhaber, jeder von seinem Standpunct aus den andern anerkennend, ja verehrend, sich auf dem Schloß in Tirol trefflich vertragen und der Graf Antonio und Julia die angenehme Aussicht gibt, nächstens zu ihrer Bequemlichkeit für immer zu verschwinden, nun, das ist gewiß komisch. Komisch! Ja, im Aristophanischen Sinne, so weit derselbe auch die ethische Nullität in sich faßt, nicht aber in dem weitern auch Aristophanischen Sinn der heitern Ausgelassenheit der absoluten Nullität, die ohne Prätension ist. Vielmehr sind diese corrupten Verhältnisse im feierlichsten Ernst mit großwortigen Reden behandelt, so daß statt seligen Lächelns nur die Trübseligkeit in uns aufkommt, eine mißrathene Tragödie vor uns zu haben.“ – Da denn im Vorstehenden schon Vergleichungen Hebbel’s mit Grabbe und Halm gegeben worden, so möge hier noch insbesondere, da sie kurz ist, und als Curiosum, eine Parallele Hebbel’s mit Klesheim Platz finden. Der Contrast ist grell und gerade in dieser Gegenüberstellung des unbedeutenden Dialectreimers und des titanischen Dramatikers und Dichters liegt eine tiefe Ironie: „Hebbel baut sich sein Haus aus Granit und Eisen, Klesheim macht sich sein „Nesterl“ aus Zweiglein, Waldmoos und Rosenblatteln. Die Charaktere Hebbel’s sind aus Verstandes-, die Klesheim’s aus Gemüths-Combinationen construirt. Während die Hebbel’schen Menschen größtenteils herzlos sind, hat bei Klesheim Alles ein „Herzerl“, das Roserl, der Maikäfer und auch die „gelbe Ruabn“. Während Hebbel die socialen und geschlechtlichen Dissonanzen[WS 3] aufdeckt und consequent festhält, sucht sie Klesheim conventionell auszugleichen. Klesheim läßt seine „Liebesleut“ eigentlich mehr „busserln“ als Hebbel, nur vertuscht Ersterer die Folgen, während Letzterer sie mit auffallender Ostentation bloßlegt. Hebbel [179] läßt seine Maria Magdalena im dritten Acte um die Heirat betteln, während Klesheim sein „Deandl“ im „Marzi Veigerl“ schon nach sechs Wochen heiraten läßt. Eigentlich frivol in der Rede wird Hebbel nie, während es Klesheim nicht verschmäht, manchmal ein Zötchen zu reißen.“

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hebbel, Christian Friedrich [s. d. Bd. VIII, S. 164], gestorben zu Wien 13. December 1863 um 6 Uhr Morgens. Hebbel’s „Nibelungen“ sind nach ihrer Aufführung in Weimar auch im Drucke erschienen und dann im Wiener Hof-Burgtheater mit glänzendem Erfolge zur Aufführung gelangt. Jedoch wurden an letztgenannter Bühne nur das Vorspiel und der erste Theil gegeben. Seit längerer Zeit bereits leidend, suchte und erwartete der Dichter im Jahre 1863 Genesung von seinem Sommeraufenthalte in Gmunden, was sich leider nicht verwirklichte. Nach Wien zurückgekehrt, begab er sich nach Baden bei Wien, aber auch der dortige Aufenthalt brachte keine Wirkung hervor. Nach Wien zurückgebracht, schien sich nach wochenlangem schweren Leiden die von allen Seiten ersehnte Besserung einzustellen; aber es war nur eine Täuschung, denn wenige Tage später endete der große Dichter unter den schmerzlichsten Leiden, nachdem er in seinem Sterbejahre die Feier seines 50. Geburtstages begangen hatte, zu welcher ihm von fern und nah, von Einzelnen wie von Vereinen die sinnigsten Beweise von Theilnahme gegeben wurden. Die letzte Huldigung, welche noch bei Lebzeiten seinem Genius erwiesen wurde, war die von Berlin aus erfolgte Zuerkennung des mit kön. Patent vom 9. November 1859 gestifteten dramatischen Preises 1000 Thaler in Gold nebst einer goldenen Denkmünze im Werthe von 100 Thalern in Gold. In seinem Nachlasse befand sich nur das Drama „Demetrius“, von dem vier Acte vollendet und der Entwurf des fünften vorhanden sind. Außerdem besteht der Nachlaß aus mehreren im letzten Jahre, oft im heftigsten Leiden, geschriebenen Gedichten und aus zahlreichen Tagebüchern, deren Druck aber, wie es verlautet, nur im kleinsten Auszuge möglich sein dürfte. Eine Gesammtausgabe seiner Werke (bei Hoffmann und Campe in Hamburg) begann der Verewigte selbst noch in seinem Todesjahre vorzubereiten. Ob sie jetzt, nach seinem Tode, da seine Werke bei verschiedenen Verlegern erschienen sind, zu Stande kommt, muß dahingestellt bleiben. Der Verlust Hebbel’s ist für die deutsche Literatur um so mehr bedauernswerth, als er seinen geistigen Läuterungsproceß eben beendet zu haben schien und nach seinem jüngsten Werke – der Nibelungen-Trilogie – zu schließen, die deutsche Dichtung eine Folge von großen Werken zu gewärtigen hatte. Sein Wunsch, ohne Gepränge in aller Stille begraben zu werden, ging nur in soferne nicht in Erfüllung, als sich Niemand in Wien, der die Bedeutung des Dichters zu würdigen weiß, abhalten ließ, ihm das letzte Geleite zu geben. Dadurch gestaltete sich seine Beerdigung einigermaßen anständig; aber von einem Zuge zu träumen, wie er bei Strauß und Lanner sich einfand, wird Niemand einfallen, der die hiesigen Verhältnisse kennt. Schließlich sei noch bemerkt, daß in letzterer Zeit in den Journalen Mittheilungen über einen Sohn Hebbel’s enthalten waren. Dieser Irrthum entsprang aus einem Mißverständnisse. Bei den verschiedenen Wiener Studentenverbindungen [429] „Libertas“, „Olympia“, „Silesia“ u. a. führt jedes Mitglied neben seinem wirklichen auch einen angenommenen Namen. Ein Studirender der Technik hatte – wohl aus Begeisterung für den Dichter – sich den Verbindungsnamen Hebbel beigelegt, und aus diesem Umstande entstand der obige Irrthum. Hebbel hinterläßt aus seiner Ehe mit der Hofschauspielerin Christine Hebbel nur eine Tochter Christine.
    Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 343 Morgen- und Abendblatt; 344 Abendblatt 345 [im Feuilleton des Morgenblattes]; 346, 347 Morgen- und Abendblatt. [Die gedachten Nummern d. Bl. bringen Nachrichten über Hebbel’s letzte Krankheit, Tod, Bestattung, Testament und seinen Nachruf.] – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1863, Nr. 344, 345, 349. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1862, Nr. 1006, S. 263 [mit H.’s wohlgetroffenem Porträt]; dieselbe 1864, Nr. 1074. – Constitutionelle österreichische Zeitung 1863, Nr. 582. – Ost-Deutsche Post (Wiener Blatt) 1863, Nr. 344. – Europa, herausgegeben von Gustav Kühne, 1864, Nr. 1. – Unterhaltungen am häuslichen Herd, herausg. von Fränzel, 1864, Nr. 1. – Protestantische Blätter für das evangelische Oesterreich. Herausgegeben unter Mitwirkung von Buschbeck, Haase u. A. 1863, Nr. 37–39. – Prutz (Rob.), Deutsches Museum (Leipzig, 8°.) 1864, Nr. 1. – Mährischer Correspondent 1863, Nr. 289: „Zu Hebbel’s Nachlaß“; Nr. 294: „Reminiscenzen an Friedrich Hebbel“. – Morgenblatt der bayerischen Zeitung 1863, Nr. 349. – Zeitung für Norddeutschland 1863, Nr. 4552 u. 4570. – Porträte und Photographien. 1) Photographie in kl. Fol. in K. v. Jagemann’s „Gallerie österreichischer Zeitgenossen“; – 2) in Visitkarten-Format von Angerer und Schlossarek; – 3) in ganzer Figur in gr. 4°, und in Visitkarten-Format von Emil Rabending (1862). – Von Hebbel’s Leiche wurde durch Fernkorn eine Todtenmaske abgenommen. [Bd. 8, S. 428 f.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Rosa Maria Assing (Wikipedia).
  2. Vorlage: Künstlerschickschals.
  3. Vorlage: Disonanzen.