BLKÖ:Zeiler, Martin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 281. (Quelle)
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Noch ist erwähnenswerth:

1. Martin Zeiler (geb. zu Ranten nächst Murau im Judenburger Kreise am 17. April 1589), der seiner Geburt nach dem Lande Steiermark und seiner vieljährigen Thätigkeit nach dem Kaiserstaate angehört. Sein Vater, protestantischer Pfarrer zu Ranten, war ein Schüler des berühmten Melanchthon und ein sehr wohlhabender Mann, der nebst verschiedenen Gütern zwei Häuser in der Stadt Murau, Wirthschaften und das Bürgerrecht daselbst besaß, weshalb sich der Sohn auf seinen Schriften öfter Muraviensis nannte. Als dann unter Ferdinand II. die kirchliche Reaction in Steiermark statthatte, machte Pastor Zeiler alle seine Habe zu Barem, und als 1603 der Sekkauer Fürstbischof Martin Brenner, die „undurchdringliche Aegide des Christenthums“, wie ihn Schmutz nennt, und der Sturmbock, der das Gebäude des Lutherthums in Steiermark mächtig erschütterte, mit den Gratzer Inquisitoren und einer Bedeckung von 300 Bogenschützen, geführt von Ritter Christoph von Prankh, gegen das ketzerische Murau anrückte, floh er mit Frau und Kindern und seiner gesammten in Geld verwandelten Habe aus dem Lande und fand in Ulm eine bleibende Stätte. Dort starb er als Pestilenzprediger im Jahre 1609. Der Sohn Martin zählte, als er ein Flüchtling mit seinem Vater die Heimat Steiermark verließ, 14 Jahre. Im Reich bildete sich derselbe an verschiedenen Hochschulen, vornehmlich an jener zu Wittenberg, die er 1608 bezog. Im Jahre 1612 begab er sich nach einer Reise, auf welcher er Anhalt, Braunschweig, Westphalen besuchte, nach Linz in Oberösterreich, wo er den jungen Freiherrn Jacob Franz von Herberstein, Johann Gall von [282] Wiedendrieß, die Grafen Sigismund und Friedrich von Tattenbach, den Grafen von Ortenburg, einen Herrn Teuffel zu Gunderdorf und zwei Freiherren von Altheim unterrichtete, Auf Ersuchen der oberösterreichischen Landstände lehrte er auch an der öffentlichen Schule, aber nur acht Monate. 1613 reiste er mit seinen Zöglingen auf die damals berühmte fürstlich Rosenberg’sche Schule zu Sobieslaw in Böhmen, vorzüglich in der Absicht, die čechische Sprache zu lernen. Als sich dann die adelige Gesellschaft zerstreute, blieb er bei den Grafen Tattenbach, ging mit ihnen auf das Schloß Zeillern in Niederösterreich, 1617 nach Eg-Wannschutz in Mähren und nach anderthalb Jahren beim Ausbruch des böhmischen Krieges nach Straßburg, wo er zwei Jahre blieb. 1260 machte er mit seinen Zöglingen eine Reise durch Frankreich und andere Länder und kam erst 1622 mit ihnen nach Zeillern zurück. Nahezu zehn Jahre war er in Diensten des Grafen von Tattenbach gestanden, dann ersuchte er um seine Entlassung, reiste nach Steiermark, Krain und ging auf das Anerbieten des damaligen Statthalters von Innerösterreich Balthasar Göller von Schwanenberg und Georg Ehrenreichs von Eybiswald ein, Beider Söhne in Erziehung zu übernehmen. Mit denselben reiste er dann nach Linz, wo sich eine adelige Schule befand. Im Jahre 1623 wurde er kaiserlicher Notar, und als 1624 in Linz die Religionsveränderung statthatte, begab er sich mit seinen Zöglingen nach Ulm, wo er den Unterricht mit ihnen fortsetzte, 1627 nach Tübingen, 1628 nach Straßburg und dann nach Altorf. Von da reiste er mit seinem Zöglinge Schwanenberg und einem zweiten, Joh. Karl von Gloyach, nach Italien, wo er in Venedig und Padua mit ihnen längeren Aufenthalt nahm und an letzterem Orte von der deutschen Nation zum Syndicus der juristischen Facultät erwählt wurde. 1629 legte er sein Syndicat nieder, und als seine Zöglinge heimkehrten, reiste er durch Tirol über Augsburg nach Ulm, wo er sich bleibend niederließ, 1630 das Bürgerrecht erlangte, sich vortheilhaft verheiratete, 1633 Oberaufseher des Gymnasiums, 1641 Censor der historischen und philosophischen Schriften und 1643 Inspector der deutschen Schulen wurde. Die ihm vom Rathe der Stadt Ulm angebotene Professur der Geschichte und der Moral lehnte er ab, um Muße für seine schriftstellerischen Arbeiten zu behalten. Seine Aemter versah er in rühmlichster Weise bis zu seinem am 6. October 1661 erfolgten Tode. Seine meist geographischen Schriften erwarben ihm großen und verdienten Ruhm, denn sie besitzen heute noch – mindestens historischen und culturhistorischen Werth. Fürsten, Grafen und Gelehrte suchten in Ulm den berühmten Geographen auf, der auf seinen ausgedehnten Reisen so viele Länder und Menschen gesehen und alles Bemerkenswerthe aufgezeichnet hatte, um es dann in seinen Werken zu verwerthen. Zu Anfang der Vierziger-Jahre trat er mit dem damals berühmten Kupferstecher Matthias Merian zu Frankfurt a. M. in Verbindung, und gewiß erscheint der Muth dieser beiden Männer bewundernswerth, trotz der stürmischen Kriegszeiten – es war gerade das dritte Jahrzehent des dreißigjährigen Krieges, da aller Handel und Wandel, Wissenschaft und Kunst darniederlagen – mit solchen Werken, welche ebenso Mühe als Kosten verursachten, vor die Oeffentlichkeit zu treten. Aber sie haben das Wagniß auf das rühmlichste bestanden, wobei noch zu bemerken ist, daß Zeiler in seiner Jugend bereits den Gebrauch des rechten Auges verlor und nun nur mit dem einen Auge tief in die Nächte arbeitete und alle seine Werke, viele derselben selbst dreimal, mit äußerst schöner Schrift niederschrieb. Die Zahl seiner oft sehr umfangreichen Schriften erhebt sich auf 45, die meisten derselben sind in Folio herausgekommen und in den unten verzeichneten Quellen aufgezählt. Für uns haben nur folgende näheres Interesse: „Descriptio Hungariae oder die Beschreibung des Königreichs Hungarn“ (Ulm 1646, 8°.); eine verbesserte Auflage (1660, 8°.); vermehrt durch Johann Beza (Leipzig 1664, 8°.); wieder vermehrt durch A. Rübeln (Leipzig 1694, 8°.); – „Descriptio regni Poloniae oder Beschreibung des Königreichs Pohlen“ (Ulm 1647, 8°.; vermehrt 1657, 1663, eine lateinische Ausgabe 1659, 12°.); – „Topographia Austriae oder Beschreibung von Oesterreich, Steyer, Cärndten, Crain, Tyrol“ (Frankfurt a. M. 1649. Fol.): der Anhang mit Merian’s K. K. ebd. 1656, 1678. Fol.; – „Topographia regni Bohemiae, Moraviae et Silesiae oder Beschreibung der vornehmsten Stätt und Plätz in dem Königreich Böhmen und einverleibten Ländern Mähren und Schlesien“ (Frankfurt a. M. 1650, 1659 [283] mit Merian’s KK., Fol.); – Zeiler’s wahrscheinlich erstes Buch wurde zu Linz 1628 gedruckt und ist eine Übersetzung aus dem Französischen mit dem Titel: „Theatrum tragicum oder des Herrn Franzen, von Rosset wunderliche und traurige Geschichte“, welches dann oft noch gedruckt und nachgedruckt wurde; eine 6. Auflage erschien zu Ulm 1648. Das französische Original „Histoires tragiques“ erschien um 1623 und wurde später wiederholt aufgelegt. Die Franzosen selbst wissen über Francois de Rosset so viel wie nichts. Eine von Zeiler’s interessantesten und gar nicht mehr gewürdigten Schriften sind seine „Siebenhundert Episteln oder Sendschreiben von unterschiedlichen politischen, historischen und anderen Materien, deren vollständigste aus seinem Nachlaß mit einem 7. Hundert vermehrte Auflage in Ulm 1683 in Folio erschien. Zeiler’s Sterbejahr ist in dem Chronograph: DoCtVs ZeyLer HorItVr enthalten. Er starb kinderlos und mit ihm erlosch sein Geschlecht. [Wollaib (Marx). Leichenpredigt bey dem Tode M. Zeiler’s (Ulm 1661, 4°.). – Zedler’s Universal-Lexikon. Bd. LXI, Sp. 708 bis 710 mit reicher Literatur. – Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthum (Wien, Doll, 4°.) Jahrgang 1809, Intelligenzblatt Mai, Sp. 237 und Intelligenzblatt September, Sp. 136. – Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, Doll, 8°.) Jahrgang 1810, Bd. III, S. 341 u. f. – Winklern (Johann Baptist von). Biographische und literarische Nachrichten von den Schriftstellern und Künstlern, welche in dem Herzogthume Steiermark geboren u. s. w. (Gratz 1811), Franz Ferstl, 8°.) S. 275–278. – Hager’s Geographischer Bildersaal. Bd. II. – Porträts. 1) Joh. Arnold del., A. Khol sc. (8°.). – 2) Andr. Schuech del., Sebast. Fürst sc. (kl. Fol.).] –