Barrikaden-Lieder
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Barrikaden-Lieder
1. Auf, Notre-Dame von Paris!
[5] Es bergen sich, bleich und erschrocken,
Die Schergen der Königsmacht!
Schon läuten Sturm die Glocken
Von Notre-Dame in die Nacht!
Entfalte die heiligen Trikoloren!
Heil dir, Notre-Dame von Paris!
So oft geknechtet, betrogen,
Erhebe dich siegend und frei!
[6] Die Trümmer der Tyrannei!
Du schützende Heil'ge der Nationen,
Du würfelst auf's Neu' mit zerschmetterten Kronen;
Heil dir, Notre-Dame von Paris!
Ein Volk, zur Freiheit erwacht!
Es läuten die Hochzeitglocken
Von Notre-Dame in die Nacht!
Du Braut, von dem siegenden Volke erkoren,
Heil dir, Notre-Dame von Paris!
2. Allons, enfans de la patrie!
[7] Allons, enfans de la patrie,
Zum drittenmal, zum letztenmal!
Es loht die letzte Dynastie
Auf in der Freiheit Wetterstrahl!
Du ruhst nicht mehr in Frieden;
Zertrümmert ist der Julithron;
Es schickt die freie Nation
Des letzten Königs Enkelsohn
[8] Allons, enfans de la patrie!
Das alte, stolze Lied ertönt!
Die Freiheit ruft! Jetzt oder nie!
Tod allen, welche sie verhöhnt!
Die blutigen Gerichte!
Trüb ist und kalt der Februar,
Nicht heiß, wie einst der Juli war;
Doch ohne Sonne reift dies Jahr
3. Ein Hoch der Republik!
[9] Die Tuillerieen stehn in lichten Flammen!
Die Krone schmilzt; das Scepter bricht zusammen.
Du stolzes Haupt der neuen Geldbarone,
Der Freiheit Aktien steigen über Nacht.
Nicht eine Thräne der gefall'nen Macht!
Es jauchzt die siegende Gewalt,
Die deinen Thron zerbrach;
Und eines Volkes Jubel hallt
[10] Ade, ade, du Königsmacht,
Du kehrst nicht mehr zurück!
Es tönt in blut'ger Schreckensnacht:
Ein Hoch der Republik!
Als über ihm des Volkes Fluch gewittert,
Als er in Cherbourg einst an Frankreichs Strande
Den letzten, thränenschweren Abschied nahm,
Als er den letzten Blick zum Vaterlande
Wie der Bourbons geweihte Macht
Mit ihrem Glanz und Ruhm;
So rasch versinkt jetzt über Nacht
Das Bürgerkönigthum!
Der Orleans Geschick;
Und triumphirt an ihrem Grab:
Ein Hoch der Republik!
Ja, muth'ger noch, als in den Julitagen,
Fluch über sie, die Frankreichs Heil verrathen,
[11] Europas Freiheit mäklerisch verkauft;
Entweiht des Volkes schönste Heldenthaten,
Mit seiner Väter teurem Blut getauft!
Dein feiles Reich ist aus!
Mit seiner gold'nen Wucht versank
Das reiche Königshaus!
Es folgt des Volkes Hohn und Spott
Dies Königthum ward bankerott;
Ein hoch der Republik!
4. Die Pariser Barrikaden.
[12] Werft des letzten Königs Büste
Nur getrost hinein in die Flammen;
Und des Thrones Brettergerüste
Brecht mit hohlem Klang zusammen!
Wo die bleiche Armuth erfriert!
Länger wird hier sich kein Herrscher spreizen.
Der mit feilen Verräthern regiert.
Mit dem Fluche des Volkes beladen.
[13] Seht, wie hoch von den Barrikaden
Nieder die rothe Fahne weht!
Reißt von dem Throne die rothen Bezüge,
Die von gleitendem Golde blitzen!
Macht daraus ehrliche Freiheitsmützen!
Schwenket sie hoch zu des Tages Feier,
Grüßet der Freiheit Genius!
Schmückt den alten Sclavenbefreier,
Nur das Volk ist von Gottes Gnaden,
Heilig nur, was ihm gefällt!
Die Pariser Barrikaden
Lehren es der erschrock'nen Welt.
Laßt das Schwert in der Scheide nicht rosten,
Bittet um ihren heiligen Segen,
All' ihr Volker in Westen und Osten!
Die Propheten der Menschenrechte
[14] Während das Reich der Herren und Knechte
Über Nacht in Trümmer zerfällt!
All' ihr Volker, seid eingeladen!
Feiert der Freiheit Siegeslauf!
Flammt ihr blutiger Morgen auf.
5. Das Reformbankett.
[15] Ihr habt es selbst heraufbeschworen.
Des Schreckens blutiges Phantom!
Nun ruft's euch donnernd in die Ohren:
Die weisen Konsuln sind verloren;
Ja, alles, alles sinkt danieder,
Was sie gepflegt in ihrem Wahn.
Und seine Krater öffnet wieder
Der alte, flammende Vulkan!
Schon klopft an euren morschen Thron
Mit ehernem, gewicht'gem Finger,
Das Schreckenskind: Revolution!
Ihr glaubtet längst, die bleiche Braut
Doch sie zerreißt den Schleier,
Und naht zur Hochzeitfeier!
Sie erhebt sich von ihrem Todtenbett,
Trifft euch mit zerschmetternden Strahlen!
Und ihr müsst die Zeche bezahlen!
Herbei zu dem Bankett, ihr Gäste!
Ihr Blousenmänner, kommt herbei!
Die Neige trinken wir bei'm Feste,
Vom letzten Mahl der Tyrannei!
Der Becher kreist von Mund zu Munde,
Voll von der Freiheit Feuerwein!
Begeistrung macht mit ihm die Runde,
[17] Jetzt wird das Volk sich selbst bewirthen,
Und eure Brocken braucht es nicht;
Wenn es entzückt des Friedens Myrthen
In seine blut'gen Lorbern flicht!
Und mit dem Tod sein Sieg erkauft.
Ihr trinkt den Todesbecher!
Träumt süß, ihr wackern Zecher!
Denn auch der Thron wird ein Todtenbett,
Es muß bei dem blut'gen Reformbankett
Der Konig die Zeche bezahlen!
6. Abd el Kader in Frankreich.
[18] Enge Mauern, enge Thürme – Kerkerluft so dumpf und schwer!
Drüben liegt die freie Wüste, drüben liegt das weite Meer;
Wo in heißen Glutenwirbeln die Sahara steigt und fällt;
Wo der Atlas riesenkräftig eines Himmels Säulen hält!
„Wie? ist dies das Land der Freiheit, dieses der Verheißung Land?
„Selbst der Räuber in der Wüste ehrt des Gastes heil'ges Recht;
„Doch in Ketten wirft den Fremdling dies entartete Geschlecht!
[19] „O du feurig Kind der Steppen, du gedankenschnelles Roß!
„Nimmer sprühen deine Nüstern todesmuthig in dem Kampf,
„Wenn an der Kabylen Spitze uns umwogt der Pulverdampf.
„Ferne irren die Gedanken in dem unermess'nen Raum,
„Und des Atlas Gipfel ragen stolz hinein in meinen Traum!
„Frei hernieder sahn die Blicke in die freie, weite Welt.
„Fluch dem Tag, an dem die Woge mich an diese Küsten trug:
„Fluch dem falschen Volk der Franken, welches mich in Fesseln schlug!
„Wär' ich freien Tod gestorben in des Meeres heil'ger Flut,
Trauernd sitzt der bleiche Emir, seinen Koran in der Hand;
In den Bart rollt ihm die Thräne um das ferne Vaterland.
Plötzlich weckt aus seinen Träumen ihn ein lauter Jubelschall;
Hörner schmettern von den Thürmen, Trommeln wirbeln auf dem Wall!
Das ist eines Volks Reveille, das zur Freiheit jetzt erwacht.
Tröste dich, du Wüstenkonig! And're Throne stürzen ein,
Über deine Kerkermeister bricht jetzt das Gericht herein.
Und der Emir hört die Kunde! Himmelan den Blick gewandt,
„Bei dem Barte des Propheten! Frankenvolk, ich wünsch' dir Glück!
„Groß ist Allah, groß ist Allah! Hoch die neue Republik!“
7. Die freie Donau
[21] Wien, du altes, deutsches Herz,
Pochst mit heft'gem Schlag;
Östreichs Aar stiegt himmelwärts,
Licht im lichten Tag.
Tönen durch die Mitternacht;
Und die wilden Glocken stürmen,
Bis ein großes Volk erwacht.
Greiser Held der Kabinette,
Sonst zerschmettert dich die Kette,
Die der Aufruhr jetzt zerbricht.
[22] Machtlos sind die Bajonette,
Wenn des Volkes Willen spricht!
Donaufluß, durch das freie Land;
Denn der Knechtschaft Zölle und Brücken
Hat ein siegendes Volk verbrannt!
Wien, du alte Kaiserstadt,
Dem Verräther Schach und Matt,
Schach dem Metternich!
In der Freiheit Prater feiert
Jetzt ein blutig Festgelag!
Wird beschimpft am hellen Tag.
Greise Sphinx der Diplomaten,
Stürze in des Abgrunds Nacht!
Deine Räthsel sind errathen,
Fessellos zu großen Thaten
Ist ein schlafend Volk erwacht!
Donauweibchen, du schönstes von allen,
Sprenge die Gruft mit Zauberschlag!
Steig' empor zu dem goldenen Tag!
Wilde Nacht bei Fackelschein
Und bei Waffentanz!
Zeugen wird der letzte Stein
Stolze Villa, prächt'ge Hallen,
Tempel üpp'ger Schwelgerei'n!
Deine Säulen müssen fallen.
Deine Säle stürzen ein!
Wogt des Volkes wilde Flut,
Wo die lustbethörten Zecher
Einst geschwelgt im Übermuth;
Jeder Tropfen in dem Becher
Donau, brause durch glückliche Lande,
Die kein Mächt'ger in Fesseln zwängt!
Grüße jubelnd den Pfahl der Schande,
Wo das Bild des Ministers hängt!
8. Den Berliner Helden.
[24] Umsonst hat lange schon an uns're Pforten
Die Freiheit angeklopft mit Flehensworten.
Jetzt sprengt sie glorreich die verschloss'nen Thor
Und schwingt die blutbefleckte Trikolore.
Um all' die Opfer, die im Kampf gefallen,
In festlichen Chorälen trüb und dumpf,
Ein Grabgesang den theuern Heldensöhnen;
Dann soll der Freiheit blutiger Triumph
Sie, die das Vaterland mit Schmach beladen,
Entfliehn von dem entheiligten Altar!
Es haben die Berliner Barrikaden
[25] Die Schande ausgelöscht auf immerdar.
Selbst wenn's im heil'gen Zorn gewitternd grollt.
Und seine Thaten bleiben hochgepriesen.
So lang das Rad der Weltgeschichte rollt!
Ja, fluggelähmt mit bleiernem Gefieder
Der Geist des Lichts, der Preußen groß gemacht.
Er war verkauft an das Gezücht der Nacht!
Des freien Geistes heil'ges Priesterthum
Ward von dem heuchelnden Geschlecht verrathen,
Die Wissenschaft und des Gedankens Thaten!
Des Mittelalters prahlende Vasallen,
Die Don-Quixote längstentschwund'ner Zeit
Sie bauten ihre Tempel und Walhallen
Sie schmähten selbst des großen Friedrichs Geist,
Den Geist von fesselloser Lichtgedanken.
So mußte Preußens Genius verwaist,
Beschimpft im Flug ermatten und erkranken,
Mit der gesenkten Fackel einsam trauern.
[26] Doch jetzt habt ihr die blut'ge Schlacht geschlagen,
Und wild nahm das Verderben seinen Lauf;
Das alte Preußen ward zu Grab getragen.
Es schwingt, zur geist'gen Herrschaft auserkoren,
Der deutschen Freiheit heil'ge Trikoloren!
Voran im Streit wird es das Banner tragen.
Um die Kosacken aus dem Land zu schlagen,
Das Menschenrecht, die Bürgerfreiheit schirmen.
Glorreiche Sonne uns'res Vaterlands,
Aus blutigem Gewölk emporgestiegen!
Heil, Freiheit, dir in deinem Siegerkranz;
Jetzt soll es noch ein schwarzer Flor verschleiern;
Noch sind die Herzen schweigend und gepreßt!
Eh' wir das Fest der Auferstehung feiern,
Ruft uns der Tod zu seinem ernsten Fest!
Die Kämpfer für ein freies Vaterland,
Die Kämpfer der Berliner Barrikaden,
Das schwarzrothgoldne Banner in der Hand!
Kartätschenhagel schmettert hundert nieder;
[27] Zum blut'gen Freiheitskampf, ihr theuern Brüder;
Das Herz ist ganz, ob auch das Auge bricht!
Die Furien des Bürgerkrieges wüthen;
Mit Blut und Feuer tauft der große Tag!
In wildem Sturm auf euren Sarkophag!
Die Freundschaft und die Liebe mögen weinen
In stummem Schmerz an euern Leichensteinen.
Ein dankbar Volk in heil'ger Freude reicht
Herbei, herbei, ihr alten Veteranen,
Ein eisern Kreuz auf eurer Heldenbrust!
Begrüßt der Jugend ruhmgekrönte Fahnen,
Begrüßt des neuen Lebens Werdelust!
Mit Vorwärts für das Vaterland zum Streit;
Uns soll der neue Marschall Vorwärts führen;
Das ist der siegesfrohe Geist der Zeit!
Die neue Sonne winkt zu gold'nen Tagen,
Das alte Preußen ward zu Grab getragen;
Und glorreich steht das freie Preußen auf.
9. Den Russen.
[28] Es wird der deutsche Himmel trüb und trüber,
Von Osten weht ein rauher Sturm herüber.
Aus Osten, aus der Heimath der Barbaren,
Dem unermess'nen Reich des großen Czaaren.
Ihr Liven, Finnen, rüstet euch zum Kriege!
Auf aus des Eises unbegränzten Öden,
Vom fernen Nordpol naht, ihr Samojeden!
[29] Laßt nur durch ew'ge Nacht die Sterne flimmern,
Laßt Weib und Kind in schneeumstarrten Hütten,
Und schirrt das flücht'ge Rennthier an den Schlitten.
Euch winkt der Czaar mit stolzer Herrschermiene,
Ihr Steppenvölker aus der Ukraine!
Zum Kampf! Zum Kampf! Ihr Hettmanns der Kosacken!
Rückt zahllos an mit dem Nomadenvolke,
In dumpfem Brausen, eine Sturmeswolke,
Auf Deutschlands Flur verheerend euch zu senken,
Ihr wollt, ihr Dschengiskane der Kosacken,
Den Fuß uns setzen auf den Sclavennacken!
Die Geißel Gottes, seine Flammenruthe,
Lehrt ihr das Evangelium der Knute.
Als Hofnarr bei den wilden Lustbarkeiten,
[30] Und Kunst und Wissenschaft - ihr wollt sie schleppen
Als Sclavinnen in eure wüsten Steppen!
In Staub wollt ihr das heil'ge Banner treten,
Und Wahrheit wird, was tausend Zeichen sagen:
Der blut'ge Morgen wird von Osten tagen!
Doch hier, dicht vor den Thoren der Barbaren,
Wird unser Volk die deutsche Ehre wahren.
Die beutelustigen Tartarenprinzen.
Mögt in Ukasen zürnend ihr gewittern:
Der deutsche Geist wird nicht vor Knechten zittern!
Wir laden euch zu blut'gen Kampfesspielen;
10. Schwarzrothgold.
Phantasie eines gefangenen Burschenschafters.
[31] Die Wetterwolken lagern auf dem Meere,
Gleich einem zornerfüllten Racheheere!
Es ringen aus dem dunkeln Schoß
Sich züngelnd gold'ne Blitze los!
So springen sie hinunter in die Fluten;
Es glüht nur, wie der letzte Friedenstraum,
Das Abendroth am fernen Himmelssaum.
Du schwarze Nacht von Graus und Tod,
[32] Du gold'ner Blitz, du träumerisches Roth,
O schwarzrothgold, du heil'ge Trikolore!
Natur schwingt dich in stürmischem Bewegen;
Dem alten Banner jauchzt das Herz entgegen!
Ich fühl's durch meine Adern stürmisch beben!
Die heil'gen Schwüre ew'ger Treue,
Und der Begeist'rung Gotterweihe,
Der Thatendrang, die Lebenslust,
Das alles ist auf einmal jung geworden,
Das jauchzt Natur in stürmischen Akkorden,
Das jauchzt Natur in tausendstimm'gem Chore:
O schwarzrothgold, du heil'ge Trikolore!
Ja Deutschland ruht im schwarzen Leichentuche:
Die dunkle Trauer ziemt dem Vaterlande;
Schwarz ist die ew'ge Farbe seiner Schande!
Die Jugend harrt das Schwert in ihren Händen;
[33] Roth stammt der Freiheit Feuer in die Weite;
Roth ist das Opferblut im heilgen Streite.
Auf in die Zukunft; sprengt die morschen Schranken;
Denn euer ist die Zukunft, ihr Gedanken!
Denn golden, golden sind der Hoffnung Sterne!
Ob wir in Qual, ob wir in Fesseln ringen:
Die Freiheit naht; sie naht auf Blitzesschwingen;
Zerschmelzt die Eisenketten, sprengt die Thore:
11. Die hohe Braut.
[34] Von den fürstlichen Vasallen
Sei die Fürstenbraut begrüßt.
Die der König der Walhallen
Jetzt in seine Arme schließt!
In der Scheide ruh' das Schwert!
Frechen Hochverraths ist schuldig
Wer er die hohe Braut nicht ehrt.
[35] Einen Brautschmuck süßer Lieder
Ja, er legt die Krone nieder
Auf der Liebe Hochaltar.
Deutsche Kronen gottesgnädig
Fallen täglich jetzt im Preis!
Schmück' dich mit dem Lorberreis!
Schmücke mit der Dichtung Kränzen
Duftig frisch das milde Haupt;
Und mit neuen Liebeslenzen
Land des Südens, voll Entzücken;
Wo Siciliens Himmel blaut,
Mögst du an das Herz sie drücken.
Lola, deine hohe Braut!
Eine Tänz'rinn überdreist.
[36] Die das Regiment der Frommen
Siegend aus dem Lanb verweist!
O ihr Schüler des Loyola,
Süßer ist die Nacht der Lola,
Als der Jesuiten Nacht.
Ehern waren eure Ketten;
Sanft und leicht ihr Rosenband,
Tanzt sie euch hinaus zum Land.
Klosternonnen, Ordensritter!
Weicht der Tänz'rinn leichtgeschürzt!
Euer Kelch war ernst und bitter;
Schönheit, fort mit allen Schleiern!
Du besiegst die Chlerisei!
Lola bringt das Licht den Baiern;
Lola macht die Baiern frei!
Volk der Baiern, juble laut!
Hoch die kühne Amazone,
Hoch die stolze Konigsbraut!
Rom, dein Gott ist alt geworden!
Treibt mit deinem stolzen Orden
Keckes Spiel zum Zeitvertreib.
Jene flüchtige Gazelle,
Die im Flug die Glieder wiegt;
Deinen Gott hat sie besiegt.
Eine neue Gnadensonne
Hat den Träumenden entzückt!
Eine irdische Madonne
Steigt, ihr Heil'gen, aus der Nische!
Aus ist eure Zauberkraft,
[38] Heilig nur des Lebens Frische,
Wilde Glut der Leidenschaft.
Flieht der Fürst voll Trunkenheit;
Ferne rauschen dumpfe Wetter,
Und es grollt der Geist der Zeit.
Noch zur Zeit steigst du vom Thron,
Flieh die kühne Amazone,
Flieh' der Völker hohe Braut!
12. Den Lichtfreunden.
[39] Das Licht! Das Licht! Wird es die Welt erretten.
Und schmelzt sein gold'ner Strahl die schweren Ketten
Der Sclave, den des Morgens Strahlen wecken.
Verflucht das Licht, und ruft die Nacht herbei!
Denn nur in seinen Träumen ist er frei.
Das Elend braucht den Schein der Sonne nicht;
Den Herrn der Welt allein gehört das Licht.
Golden in den Prunkpallästen
{{idt}[40] Scheuchen das Gespenst der Nacht!
Doch Erlösung bringt dem Knechte
Nur der Rachegeist der Nächte,
Nur des Dämons finstre Macht!
Das Feuer nur zerschmelzt die Sclavenketten!
Das Licht läßt sich versperren und verhängen;
Das Feuer lodert durch den Schooß der Nacht,
Im Freiheitjauchzen, in des Sturms Gesängen,
Tyrannenburgen trifft der Wetterstrahl;
Zum Aschenkruge wird der Goldpokal!
Auf dem Schutte, auf den Trümmern,
Wird in gold'nen Lettern schimmern
Festlich jauchzt zu deinen Ehren
Auf zertrümmerten Altären
Ein errettetes Geschlecht!
Zahm, wie das Licht, sind eure Proteste;
Bezeugt's, ihr blut'gen Stürmer der Bastille,
Die ihr zerstört der Knechtschaft morsches Joch!
[41] So spricht des Volkes souverainer Wille;
Das ist sein weltbewegender Protest!
Bei Sturmesglockenklang die Völker ein!
Ein Protest zerbrach die Ketten,
Trotzte kühn den Bajonetten,
Jagte feile Söldner fort!
Des Jahrhunderts fernsten Söhnen,
Mirabeau, dein Donnerwort!
Steig' auf, Robespierre, so bleich und düster
Der Freiheit opferlust'ger Hohenpriester!
Der ehernen Gedanken starres Grab;
Und deine Priesterinn, die Guillotine,
Die dir die letzte, heil'ge Ölung gab:
Nach schwülem Tag ein blutig Abendroth,
Der nur darf Protest erheben,
Der, wie du, mit seinem Leben,
Seinem Blute unterschreibt!
Fort mit schwanken Federzügen,
Der ein Sclave ist und bleibt!
Schon fällt des Wahnes, fällt des Glaubens Schranke;
Der einz'ge Herr der Welt ist der Gedanke!
Der schmückt umsonst sich mit des Geistes Blüthen,
Und keine Lorbern blühn dem Abberiten.
Der geistlos sich mit schalen Phrasen bläht!
Er ist ein Freund des Lichts, und sieht in's Licht
Behutsam mit verhülltem Angesicht.
Schwaches Licht für schwache Herzen,
Matter Glanz für matten Geist!
Zu dem Feuer laßt uns beten.
Das in flammenden Kometen
