Benutzer:A. Wagner/Canaletto-Mappe
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Die ersten Anläufe zur baulichen Verschönerung Dresdens liegen bereits in der Zeit Herzog Albrechts, der nach dem grossen Stadtbrande von 1491 durch Gewährung von Baumaterial und Steuerfreiheit zur Aufführung steinerner Neubauten an Stelle der damaligen Holz- und Fachwerkhäuser ermunterte. Sein Sohn Herzog Georg errichtete selbst ein hervorragendes Gebäude in dem neuen Thorhause am Schlosse, dem sogenannten Georgenschlosse. Den Umbau und die Vergrösserung des alten Residenzschlosses setzte dann Kurfürst Moritz unter Aufwendung bedeutender Mittel fort, bis endlich Christian I. das ganze Werk durch Anfügung des nach der Schlossstrasse zu gelegenen Flügels vollendete. Von dem äusseren Schmucke des Gebäudes und namentlich den zahlreichen Giebeln blieben bis auf unsre Zeit nur die der Süd- und Westseite erhalten, während das übrige durch eine Feuersbrunst im Jahre 1701 und durch den 1718 ausgeführten Erneuerungsbau vernichtet wurde. Kurfürst August erbaute das Zeughaus, das in seiner reichen Ausstattung mit Kriegsmaterial lange Zeit eine Merkwürdigkeit von europäischem Rufe war, und legte die letzte Hand an die von Georg und Moritz errichteten neuen Festungswerke, förderte auch die Verbesserung der Strassen durch Herstellung von Pflaster und Schleussen. Zu einer glänzenden Leistung aber schwang sich das ausgehende 16. Jahrhundert noch in dem durch Christian I. aufgeführten prächtigen Stallgebäude mit dem Stallhofe auf. Die Nachfolger beschränkten sich auf das Ausgestalten des bisher Geschaffenen, ohne Neues in Angriff zu nehmen. Johann Georg I. liess den von seinem Vater begonnenen Bau des prunkvoll ausgestatteten Lusthauses auf der Jungfernbastei vollenden, das 1747 durch eine Pulverexplosion zerstört worden ist. Zugleich erhielt durch ihn der von Kurfürst August begründete und von seinen Nachfolgern erweiterte Jägerhof seinen Abschluss. Nach langer Unterbrechung aller Bauthätigkeit durch den dreissigjährigen Krieg kam es dann erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts noch zu einer Schöpfung von hervorragendem Werthe, der Anlage des Grossen Gartens und der Erbauung des Garten-Palais unter Johann Georg II. So war für die Verschönerung unsrer Stadt schon Bedeutendes geschehen, aber alles trat in den Schatten vor den Werken der nun beginnenden Glanzzeit unter August dem Starken. Dieser ebenso kunstsinnige wie prachtliebende Fürst war bestrebt, Dresden zu einer würdigen Bühne für die glänzende Rolle zu gestalten, die er zu spielen gedachte. Die für das Land unheilvolle Erwerbung der polnischen Königskrone hatte für die Hauptstadt einen ungeahnten Aufschwung im Gefolge. Wie einst Moritz seiner Rangerhöhung Rechnung getragen, indem er das alte Markgrafenschloss in eine kurfürstliche Residenz verwandelte, so schuf August ganz Dresden zu einem Königssitze um, der den Vergleich mit der Stadt Ludwigs XIV. nicht zu scheuen brauchte. Die grossartigen Entwürfe Augusts zum Bau eines neuen Königsschlosses auf dem jetzigen Theaterplatze, zu denen der Schlossbrand vom Jahre 1701 den Anstoss gab, sind freilich nicht zur Ausführung gelangt, aber gleichzeitig und im Zusammenhange damit entstand ein Werk, einzig in seiner Art und mit nichts in der Welt vergleichbar: der Zwinger. Zum Schauplatze für die rauschenden Feste des Hofes bestimmt, ist dieses Bauwerk ein künstlerisches Denkmal der phantastischen Sinnenlust jener Zeit, das noch heute den Ruhm seines grossen Erbauers Pöppelmann und des kunstverständigen königlichen Bauherrn verkündet. Und neben diesem Meisterstück des Barockstils nahm der König zahlreiche andere grosse Bauten in Angriff: das Prinzen-Palais am Taschenberge, die stattliche Hauptwache auf dem Neumarkte wurde errichtet, der Grosse Garten erweitert und verschönert, die Elbbrücke erneuert und verbreitert, endlich auf dem Boden des durch Brand zerstörten Städtchens Altendresden ein ganz neuer, grossartig angelegter Stadttheil geschaffen. Hier erstand in wenigen Jahrzehnten eine Reihe hervorragender Gebäude, die der Neustadt bis auf die jüngste Zeit das Gepräge gegeben haben: das mächtige Japanische Palais, die Ritterakademie, die grossen Kasernen, das Blockhaus, die Dreikönigskirche. Schliesslich wurde unter Augusts förderndem Einfluss auch noch das gewaltige Bauwerk begonnen, das mit seiner majestätischen Kuppel dem Stadtbilde für alle Zeiten seine schönsten Linien gegeben hat: die Frauenkirche, George Bährs herrliche Schöpfung, der von Anfang an der Stolz und die Liebe der ganzen Bevölkerung zugewendet war. Diesem aus der eignen Kraft des Bürgerthums hervorgegangenen Gotteshause hat Augusts des Starken Sohn und Nachfolger August III. ein andres gegenübergestellt, das dritte architektonische Prachtstück jener Epoche: die katholische Hofkirche. Aber von fremden Künstlern erbaut und mit fremdartigen Gestalten geschmückt, wird es dem Herzen des Dresdners immer fremd bleiben, so oft auch seine reizvollen Formen das Auge fesseln. In dieser Hofkirche hat sich die selbständige Bauthätigkeit Augusts III. schon fast erschöpft; nur einige Umbauten, wie die des Prinzen-Palais und des Zeughauses, sind noch durch ihn hervorgerufen worden. Dagegen hat dieser Fürst mit Eifer und Glück die Erweiterung und Vergrösserung der von seinem Vater ererbten Kunstsammlungen betrieben, denen unsre Stadt vielleicht mehr noch als der natürlichen Lage und den Werken der Baukunst ihren Weltruhm verdankt. Bedeutend war aber auch die Umgestaltung, die Dresden damals an städtischen und Privathäusern erfuhr. In beiden Stadttheilen erstanden neue Rathhäuser, die Adelsfamilien liessen sich prächtige Stadtwohnungen erbauen und die vermögende Bürgerschaft eiferte ihnen nach. Diese Adelspaläste mit ihren einfachen aber edeln Fassaden, ihren luftigen Treppenhäusern, ihren lichten Höfen und schönen Brunnenanlagen, diese Bürgerhäuser mit ihren zierlichen Erkern und ihrem wohlvertheilten massvollen Schmuckwerk sind noch heute zahlreich erhalten und geben Zeugniss von dem alle Kreise durchdringenden feinen Geschmacke der Barock- und Rococozeit. Und welch ein Bild bunten Lebens und Treibens erfüllte diesen Rahmen! Hat sich doch die Bevölkerung Dresdens in den ersten fünfzig Jahren des vorigen Jahrhunderts auf das Dreifache gesteigert, waren doch bei einem Besuche, den August der Starke 1732 den Bauten in der Neustadt abstattete, dort allein gegen 2000 Künstler und Arbeiter in Thätigkeit. Eine geschäftige Menge drängte sich in den Strassen, und durch sie hindurch bahnten sich die Lastfuhrwerke mit Baumaterial und Waaren, die Reisewagen der herbeiströmenden Fremden, die Portechaisen der Vornehmen ihren Weg, während den Karrossen des hohen Adels und den sechsspännigen Staatskutschen des Hofes mit ihren Vorreitern und Läufern alles grüssend Platz machte. Ging es bei der Abwesenheit des königlichen Hofes in Polen hier etwas stiller zu, so ward es bei seiner Rückkehr um so lebendiger in der Stadt. Züge von Kameelen und Maulthieren mit Mohren und anderem fremden Volke brachte der Hofstaat mit sich; Kavaliere aus allen Ländern Europas kamen herbei, um die Freuden eines glänzenden Hoflebens mitzugeniessen. Zu jedem Karneval, bei jedem fürstlichen Besuche, bei jeder Verlobung, jeder Vermählung, jeder Kindtaufe am Hofe veranstaltete der König wochenlang dauernde Festlichkeiten, und diese spielten sich nicht bloss im Schlosse ab, sondern die Maskenfeste und Wirthschaften wurden öffentlich im Zwinger, im Stallhofe, auf dem Altmarkte abgehalten, die Aufzüge zu den Ringrennen, die Schlittenfahrten mit all ihrem bunten Aufputz bewegten sich durch die Strassen der Stadt, und auch in nächtlicher Stunde fand die Schaulust des Volkes in Illuminationen und Feuerwerken Befriedigung. Dazu die Paraden eines zahlreichen, prächtig uniformirten Militärs, die häufigen Festaufzüge der bei dem herrschenden Luxus blühenden Handwerke, die Schaustellungen des herbeiströmenden Volkes der Komödianten, Klopffechter, Seiltänzer, Gaukler und Bärenführer – kurz, es war ein Leben, wie es nur der leichte Sinn jenes genussfreudigen Geschlechts hervorzubringen vermochte, wie es aber auch vor dem kalten Windhauch ernster Ereignisse sofort verschwinden musste. In diese kunst- und lebensfrohe Welt stellt die Mehrzahl der hier dargebotenen Blätter uns hinein. Etwas Neues ist es nicht, was sie bringen, im Gegentheil, unsre Stadt hat keine bildlichen Darstellungen aus ihrer Vergangenheit aufzuweisen, die so altbekannt, aber freilich auch keine, die so schön und inhaltreich wären wie die Gemälde Canalettos. Länger als ein Jahrhundert schon sind sie die Freude der heimischen Kunstkenner und Geschichtsfreunde gewesen, und nachdem man neuerdings eine verkehrsreiche Strasse dem Künstler zu Ehren benannt hat, ist sein Name auch noch volksthümlich geworden. Und er verdient es; was er geschaffen hat, wird nie veralten und immer neuen Geschlechtern Genuss und Anregung bieten. Von dem Lebensgange und der Thätigkeit Canalettos sind nur dürftige Nachrichten auf uns gekommen: Julius Meyer hat sie in einem vortrefflichen Aufsatze seines Künstlerlexikons (3. Band, Leipzig 1885), dem wir hier im Wesentlichen folgen, zusammengestellt. Bernardo Belotto war am 30. Januar 1720 zu Venedig geboren. Ein Neffe und Schüler des schon bei seinen Lebzeiten berühmten venezianischen Architekturmalers Antonio da Canale genannt Canaletto, dessen Beiname auf ihn überging, wandelte er anfangs ganz in dessen Bahnen, hat sich aber später zu selbständiger Meisterschaft emporgeschwungen. Nach Beendigung seiner Lehrzeit in Venedig begab er sich um 1740 zu weiterer Ausbildung im Architekturzeichnen auf einige Jahre nach Rom und arbeitete dann in verschiedenen Städten Oberitaliens; aus dieser Zeit sind von ihm mehrere Gemälde vorwiegend landschaftlichen Charakters in Turin und Mailand erhalten. Hierauf verliess er auf immer sein Vaterland und siedelte nach Deutschland über. Um 1745 scheint er sich zunächst in München aufgehalten zu haben; darauf deutet eine in der dortigen Pinakothek vorhandene grosse Ansicht dieser Stadt hin. Seit 1747 finden wir den Künstler in Dresden. Wahrscheinlich hatte ihn hierher nicht der König, sondern dessen Minister und Günstling Graf Brühl berufen. Für dessen neuerbautes Palais malte er in den Jahren 1747 bis 1755 21 grosse Bilder mit Ansichten von Dresden und Pirna. Bei Brühls Tode 1763 war aber noch kein einziges bezahlt; sie wurden vom Hofe angekauft und dem Künstler dafür ein Honorar von 4200 Thalern, durchschnittlich also 200 Thaler für das Bild, bewilligt. Daneben war Canaletto jedoch auch unmittelbar vom König August III. beschäftigt worden und führte schon 1748 den Titel eines Hofmalers; fünf von den in der königlichen Galerie befindlichen Bildern mit Ansichten von Dresden wurden 1751 von ihm unmittelbar dahin geliefert. Im Jahre 1758 wurde er vom kaiserlichen Hofe nach Wien berufen, um dort Ansichten von der Stadt und den kaiserlichen Schlössern zu malen; 13 von diesen Gemälden sind noch in den Wiener Museen vorhanden. Dann scheint er, bevor er nach Dresden zurückkehrte, im Auftrage des Königs etwa zwei Jahre in Warschau gearbeitet zu haben. 1764 wurde er mit einem Jahresgehalte von 600 Thalern als Lehrer der Perspektive an der neu eröffneten Dresdner Akademie der Künste angestellt; da er der deutschen Sprache ganz unkundig war, bediente er sich beim Unterrichte der Hülfe seines Sohnes. Der Künstler befand sich hier in fortwährender Geldnoth und erhielt deshalb 1765 eine Gratifikation von 200 Thalern gewährt, wurde aber dabei auch an seine Verpflichtung zu unentgeltlicher Ablieferung eines Gemäldes erinnert; als solches ward die Ansicht des eingestürzten Kreuzthurms übernommen. Da er seiner Schulden wegen den Wunsch hatte, seine Kunst anderwärts reichlicher zu verwerthen, wurde ihm Ende 1766 ein Urlaub nach St. Petersburg bewilligt. Er ging nach Warschau und erhielt auf erneutes Bitten den Urlaub mit Gehalt bis Ende 1767 verlängert, 1768 aber wurde ihm seine Entlassung zugestellt. (Vergl. M. Wiessner, die Akademie der bildenden Künste. Dresden 1864). Nun blieb er in Warschau als Hofmaler des Königs Stanislaus II. August und hat dort neben zahlreichen Architekturbildern auch das zur gräflich Raczynskischen Sammlung in der Nationalgalerie zu Berlin gehörige grosse Gemälde von der Wahl des Königs Stanislaus geschaffen, das auf der rechten Seite unter vielen Portraits auch den Künstler selbst, in rother Kleidung, darstellt.[1] In Warschau ist er am 17. Oktober 1780 gestorben. – Ausser den genannten befinden sich noch viele Gemälde und Federzeichnungen von seiner Hand in verschiedenen Galerien und Privatsammlungen, so in Darmstadt, Frankfurt a. M., Schwerin, St. Petersburg, Brüssel, im Haag, und zwar meist venezianische Ansichten, in der Sammlung Liechtenstein zu Wien aber auch zwei kleinere Ansichten von Pirna und vom Königstein. Canalettos Werke weisen ihm einen Platz unter den besten Architekturmalern aller Zeiten an. J. Meyer rühmt an ihnen die „Sorgfalt der Ausführung, die frei von aller Peinlichkeit ist und vielmehr die grössten Schwierigkeiten spielend zu überwinden scheint; daher bei liebevoller Vollendung eine Breite der Behandlung, eine Leichtigkeit der Hand, die den befreienden Eindruck eines ganz mühelosen Schaffens macht; dazu endlich ein Gefühl für Gesammtwirkung, welches alles Kleinste nicht sowohl unterordnet als zur Fülle und Lebendigkeit des Ganzen mitsprechen lässt, indem es die naive Freude an der köstlichen Sauberkeit des Details offen bekennt“. Meyer sagt weiter: „Für die malerische Behandlung der architektonischen Formen und Linien lässt sich eine geeignetere Art kaum denken. Man hat behauptet, dass Belotto sich der Camera obscura bediente, um in seine architektonischen Veduten jene Klarheit und Sicherheit, sowie jene Richtigkeit der Perspektive zu bringen, welche in der That der Bestimmtheit der Photographie nichts nachgiebt. Dem mag so sein; allein nur ein malerisch angelegtes Auge war im Stande, dieses in festen Linien gezeichnete Bild in Bewegung und Fluss zu bringen, gleichsam den flüchtigen und doch vollen überzeugenden Schein des Lebens darüber auszubreiten. Dazu bedurfte es der Künstlernatur, die über eine vollständig geübte Hand mit Freiheit verfügte. In beidem vereinigt aber, der exakten Bestimmtheit des Bildes und dem Schein freien Lebens, besteht der ganz eigenthümliche Reiz der Gemälde Belottos. Hierzu wirkt nun ganz wesentlich die besondere Art mit, wie er alle Dinge, alle Form und Gestalt in ein bestimmtes Medium von Licht und Luft setzt. Mit sicherem Gefühl wählt er durchgängig eine Beleuchtung, welche das reizvolle Spiel des architektonischen Details zu voller Wirkung und zugleich durch einfache breite Licht- und Schattenmassen das Ganze in grossen gegliederten Formen zu harmonischer Erscheinung bringt. Es ist ein scharfes Licht, oft volles Sonnenlicht mit starken Schlagschatten, in das er seine Architekturen setzt, ein Licht, wie es der Norden in heiteren Apriltagen bei kühlem Ostwind oder der geklärte Himmel nach derben Regengüssen zeigt. . . . . Allerdings erhält durch dieses kühle scharfe Licht die Farbenwirkung eine gewisse Härte, es fehlt ihr zumeist der Reiz der überleitenden Töne eines zarten, die Gegensätze mildernden Helldunkels. . . . . aber es ist erforderlich, um die köstliche Durchbildung der Detailformen in der Gesammtwirkung noch deutlich mitklingen zu lassen, die kleinsten, mit reizender Sauberkeit gezogenen Profile nicht in einem Ungewissen Helldunkel oder in einem malerischen Ungefähr aufzulösen, sondern dem Ganzen als ein wesentlich mitsprechendes Glied einzufügen. Ein solches Licht aber verlangt eine ganz reine klare Luft, in der alle Umrisse fest und sicher bestehen, alle Gliederungen sich abzeichnen. Weil in einem solchen Medium die Konture nicht verschwimmen, kein Objekt in unklare oder nebelige Ferne zurücktritt, hat man dem Künstler die Luftperspektive absprechen wollen: sehr mit Unrecht, wie jedes Auge sieht, das unbefangen in seine Bilder eingeht. Es lässt sich darin mit Behagen und voller Sicherheit, seinen Weg zu finden, „spazieren gehen“; es zieht den Beschauer förmlich hinein, umherzuwandeln unter der engen Halle des Stadthauses, auf den Marktplätzen, in den fern und abseits gelegenen Gässchen; und die verschiedenen Kirchthürme erheben sich hinter- und nacheinander mit so zierlicher Bestimmtheit in die blaue Luft, dass sich ihre Entfernungen und Abstände mit mathematischer Sicherheit berechnen lassen. Und so bewegt sich auch die Staffage, auf welche sich Belotto trefflich versteht und die er mit Vorliebe in bunter Menge, ein rühriges, fröhliches Völkchen, anbringt, bald im vollen Sonnenlichte, bald in den tiefen Schlagschatten, auf Strassen und Plätzen, jeder an seiner richtigen Stelle, in der Nähe und Ferne, ohne einander umzurennen oder sich im Wege zu stehen“. In unsrer königlichen Galerie befinden sich von Canaletto im Ganzen 37 Oelgemälde, darunter 18 Ansichten von Dresden und 11 von Pirna mit dem Sonnenstein, erstere in den Jahren 1747 bis 1766, letztere zwischen 1752 und 1755 gemalt. Sie bergen einen wahren Schatz geschichtlicher Erinnerungen aus unsrer vaterländischen Vorzeit in sich. Zumal Dresden darf sich glücklich schätzen, gerade aus den Tagen seines grössten äusseren Glanzes so prächtige, in allen Einzelheiten genaue Darstellungen seiner hervorragendsten Oertlichkeiten und Bauten, sowie seines Strassenlebens zu besitzen. Man kann diese Gemälde als eine von Künstlerhand geschriebene Schilderung Dresdens im Zeitalter der beiden Könige August II. und III. bezeichnen. Was der leichtlebige, aber mit hohem Kunstsinn begabte August der Starke und sein Sohn theils selbstschaffend, theils anregend für die Verschönerung unsrer Stadt gethan, das taucht hier in seiner ganzen Pracht vor uns auf. Aber es fehlen auch nicht die Zeugen der unheilvollen Folgen, die zuletzt mit der mehr auf Macht und Prunk als auf das Wohl des Volks bedachten Herrschaft dieser Fürsten verknüpft waren: die Trümmer der Kreuzkirche und der Vorstädte, Bilder des Kriegselends und der Verarmung. Canaletto ist jedoch nicht nur als Maler, sondern in bedeutendem Umfange auch als Radierer thätig gewesen. Von seinen Dresdner Ansichten hat er 15, von den Pirnaischen 6 in Kupfer geätzt. Ausserdem giebt es von ihm eine radierte Darstellung der Ruinen der Pirnaischen Vorstadt nach deren Niederbrennung in den Jahren 1758 und 1759 nach einem im Besitz des Prinzen Xaver befindlich gewesenen Oelgemälde, dessen jetziger Verbleib nicht bekannt ist, und zwei radierte Ansichten vom Königstein, zu deren einer wohl das erwähnte Bild in Wien als Original zu betrachten ist. Die Kupferplatten dieser sächsischen Ansichten gingen um die Mitte unsers Jahrhunderts aus dem Besitze des königlichen Kupferstichkabinets in den eines Berliner Kunsthändlers über, der neue Abzüge davon anfertigte; nur von den beiden die Kreuzkirche und die Frauenkirche darstellenden Hochblättern giebt es keine solchen neuen Abzüge. Eine genaue Beschreibung der Canalettoschen Radierungen mit allen Abdrucksverschiedenheiten giebt Rudolph Meyer in seiner Schrift: Die beiden Canaletto (Dresden 1878). Mit flotter und sichrer Hand in der Art von Federzeichnungen ausgeführt, spiegeln diese vorzüglichen Radierungen, die nur in unwesentlichen Einzelheiten, namentlich der Staffage, von den Oelgemälden abweichen, die dargestellten Oertlichkeiten malerisch und wirkungsvoll wieder. Ihr geschichtlicher Werth, ihre Schönheit und die grosse Seltenheit einiger von ihnen lassen die gegenwärtige Vervielfältigung gewiss als einen Gewinn erscheinen. Unsre Sammlung giebt diese 24 Blatt Radierungen, von denen die meisten in sehr grossem Massstabe gehalten sind, auf halbe Grosse der Gegenstände verkleinert wieder. Ihre Nummernfolge entspricht einem Gange von Neustadt-Dresden über die Augustusbrücke, durch den Zwinger hinaus auf die Ostra-Allee, zum Wilsdruffer Thore herein nach dem Altmarkte, von da herüber nach dem Neumarkte, in die Pirnaische Vorstadt und endlich hinaus nach Pirna und Königstein. I. Der Neustädter Markt[Bearbeiten]von der Hauptwache aus aufgenommen 1750. Links erscheint das Eckhaus an der Grossen Meissner Gasse, wo damals im dritten Obergeschoss der Hofmaler Dietrich wohnte. In der Mitte des Platzes steht das von dem Hauptmann L. Wiedemann in Kupfer getriebene und vergoldete, im Jahre 1736 errichtete Reiterstandbild Augusts des Starken, dessen Sockel unvollendet geblieben war und 1884 durch einen neuen ersetzt worden ist. Links am Eingange in die von diesem Fürsten angelegte Hauptallee sieht man das im Abbruch begriffene Gewandhaus mit den Fleischbänken, an dessen Stelle von 1750 bis 1754 das neue Rathhaus erbaut wurde; neben dem Gewandhause weiter in die Allee hinein die Schule, die bis 1851 den Platz des heutigen Hotels zum Kronprinz einnahm; am Ende der Häuserreihe, beim Schwarzen Thore, die in den Jahren 1732 bis 1739 erbaute Kirche, noch ohne Thurm, den sie erst von 1854 bis 1859 erhalten hat. Rechts am Eingange der Allee steht das aus dem Jahre 1527 stammende alte Rathhaus, dessen Abbruch 1755 erfolgte; am Mittelfenster des Obergeschosses hängen die zwei Schandflaschen für zanksüchtige Weiber, die sich jetzt im Museum des Alterthumsvereins befinden. Rechts vom Rathhause eröffnet sich ein Einblick in die Breitegasse (jetzt Kasernenstrasse), an deren Ende die von 1725 bis 1731 erbaute Ritterakademie sichtbar ist. Im Vordergrunde sind Sturmfässer für Feuerlöschzwecke, sowie Trödelbuden aufgestellt. (Oelgemälde in der Königlichen Galerie, Katalog Nr. 612.) II. Die Neustadt mit dem Japanischen Palais[Bearbeiten]von der unterhalb der königlichen Ställe gelegenen Wiese aus aufgenommen 1747. Links zeigt sich das Holländische, später Japanische Palais, vom Feldmarschall Grafen von Flemming durch Jean de Bodt 1715 bis 1717 erbaut, dann von August dem Starken erkauft, zur Aufbewahrung von Kunstschätzen bestimmt und von 1723 bis 1730 erweitert und mit zwei neuen Seitenflügeln und einer Hauptfassade nach dem Platze zu versehen. Rechts im Vordergrunde liegt, von der katholischen Hofkirche überragt, der Zwingerwall und die Bastion Sol oder der Feuerwerksplatz mit dem Ausfallthore, wo nach dem Abbruche der Festungswerke seit 1818 die Calberlasche Zuckersiederei, jetzt Hotel Bellevue, erbaut wurde. (Oelgemälde Nr. 607 in der Königlichen Galerie, jedoch mit der Abweichung, dass die katholische Hofkirche noch von Baugerüsten umgeben ist.) III. Die Brühlsche Terrasse[Bearbeiten]von der Mönchswiese (nicht, wie die Unterschrift des Bildes sagt, Ostrawiese) beim gräflich Hoffmannseggschen Hause aus aufgenommen 1747. Links erblickt man auf der Terrasse, von der Frauenkirche überragt, die gräflich Brühlsche Galerie, später Doublettensaal genannt, zuletzt Ausstellungsgebäude, abgebrochen 1886; weiter nach rechts auf der vorspringenden Ecke den Pavillon, in dem sich von 1828 bis 1833 die polytechnische Schule und sodann Rietschels Bildhauerwerkstatt befand. Rechts davon ragt die Gartenseite des seit 1737 erbauten Brühlschen Palais hervor. Im Vordergrunde am Elbufer beim Wiesenthore hat sich Canaletto selbst, mit Zeichnen beschäftigt, in Gesellschaft der Hofmaler Alexander Thiele und Dietrich dargestellt; in der Nähe steht der durch grossen Leibesumfang bekannte Sopransänger Niccolo Pozzi genannt Niccolini im Gespräch mit dem Leibarzt Philippe de Violante und einem Kammertürken, zu denen noch der Hofnarr Joseph Fröhlich in der ihm eigenthümlichen Tracht hinzutritt. (Oelgemälde Nr. 602 in der Königlichen Galerie.) IV. Die Altstadt mit der Elbbrücke[Bearbeiten]vom Garten des Japanischen Palais aus aufgenommen 1748. Die Brücke, als steinern schon 1287 erwähnt, erscheint hier in der Gestalt, die sie durch den unter August dem Starken in den Jahren 1727 bis 1731 vom Oberlandbaumeister M. D. Pöppelmann ausgeführten Umbau erhalten hatte, wobei die frühere steinerne Zinneneinfassung durch eiserne Geländer ersetzt und das im Jahre 1670 zwei Pfeiler näher nach dem Schlosse zu errichtete Kruzifix auf dem höchsten Pfeiler aufgestellt worden war. Rechts stellt sich die katholische Hofkirche in der vollen Seitenansicht dar, dahinter ein Theil des Schlosses mit dem Thurme und den dreistöckigen Giebeln des Westflügels. Vorn liegen die Reste des beim Bau der Hofkirche abgetragenen Walles nach der Bastion Sol hin, wo man später eine Reihe kleiner Häuser errichtete, die grösstentheils von katholischen Geistlichen bewohnt wurden und auf die man den Namen des beim Kirchenbaue auf dem jetzigen Theaterplatze angelegt gewesenen „Italienischen Dörfchens" übertragen hat. Links von der Hofkirche erblickt man die Vorderseite des Schlosses, überragt vom Kreuzthurme, sowie das damals noch mit hohem Giebel versehene Fürstenbergsche Haus an der Ecke der Augustusstrasse. (Oelgemälde Nr. 606 in der Königlichen Galerie.) V. Der Schlossplatz mit der katholischen Hofkirche[Bearbeiten]vom Brühlschen Garten aus aufgenommen 1748. Links ist der Nordflügel des Schlosses in der ihm nach dem Brande von 1701 gegebenen Gestalt dargestellt, ohne die früheren Giebel und noch ohne das später aufgesetzte dritte Obergeschoss; der Schlossthurm in der Form, die er unter Johann Georg II. erhalten hatte; die jetzigen beiden Nebendurchgänge am Georgenthore sind noch nicht vorhanden. Die Mitte nimmt die Hofkirche ein, von Gaetano Chiaveri seit 1738 erbaut, 1751 eingeweiht, mit 78 Heiligenstatuen, von Mattielli nach Torellis Zeichnungen gefertigt. Da der Thurm erst 1757 vollendet wurde, stellt das Bild noch das Projekt dar. Der später hergestellte hölzerne Verbindungsgang zwischen Kirche und Schloss fehlt noch. Hinter der Kirche erscheint der Zwingerwall und die Bastion Sol; rechts ein Theil der Brücke, von der beim Beginn des Kirchenbaues ein Bogen zugeschüttet worden war. Ueber die Brücke hinweg bietet sich ein Blick auf das Japanische Palais, Neudorf und die Berge der Lössnitz. Auf dem Schlossplatze ist ein königlicher Wagen mit Vorreitern und Läufern zu bemerken. (Oelgemälde Nr. 608 in der Königlichen Galerie, worauf jedoch die Hofkirche von den Gerüsten umgeben dargestellt ist.) VI. Der Zwingerhof[Bearbeiten]vom westlichen Mittelpavillon aus aufgenommen 1758. Der von M. D. Pöppelmann in den Jahren 1711 bis 1722 erbaute, aber nicht vollendete Zwinger war von August dem Starken zum Schauplatz von Hoffestlichkeiten bestimmt; in späterer Zeit diente er als Zimmerhof, bis ihn König Friedrich August der Gerechte reinigen und die Orangerie darin aufstellen liess. Nach der Elbseite, wo jetzt das Museum steht, war der Zwinger durch eine einstweilige, mit Bogenfenstern bemalte lange Wand abgeschlossen, von der ein Stück, davor ein Bretterhaufen, auf dem Bilde zu sehen ist. In den Pavillons waren damals die Königliche Bibliothek, das Kupferstichkabinet und andere Sammlungen untergebracht. Von den unterhalb der Galerien hinlaufenden Wasserkünsten sind nur die leeren Becken erhalten geblieben. Die auf den Galerien stehenden zahlreichen Sandstein-Figuren und Gruppen sollen während des siebenjährigen Krieges herabgestürzt worden sein; einige davon schmückten bis 1890 den Garten des Prinz Max-Palais auf der Ostra-Allee. – Ueber den Zwinger herausragend erblickt man links zunächst einen Giebel des Schlosses (mit 1 bezeichnet) und davor das 1664 erbaute älteste Opernhaus (2), das von 1708 bis 1751 zum Hofgottesdienst benutzt wurde, dann als Ballspielhaus, seit 1808 als Archivgebäude diente und 1888 abgebrochen worden ist. Links vom östlichen Mittelpavillon ist der 1756 erbaute Westflügel des Prinzenpalais (3) und dahinter die Spitze des Kreuzthurms, rechts davon das Dach der Sophienkirche sichtbar. An den rechten Langpavillon stösst das 1718 erbaute, 1849 abgebrannte grosse Opernhaus (4) an, dem sich weiter nach rechts hin das Adamsche Haus und der Thurm des Wilsdruffer Thores anschliesst. (Oelgemälde Nr. 629 in der Königlichen Galerie.) VII. Die Zwingergalerie[Bearbeiten]von der Ostra-Allee her aufgenommen 1758. Die linke Seite nimmt der noch jetzt erhaltene Zwingerwall (Bastion Luna) ein, daran anstossend die Zwingergalerie mit dem westlichen Eingangspavillon, zu dem eine hölzerne Brücke über den Wallgraben führt. Hinter dem Pavillon erscheint das Opernhaus, dann die Sophienkirche, wie sie bis zum Umbau von 1864 bestand, und die Spitze des Kreuzthurms. Das Gebäude quer vor dem Graben diente von 1748 bis 1879 als Hofwaschhaus und ist erst 1894 abgebrochen worden. Weiter rechts erhebt sich das 1744 erbaute Adamsche Haus, worin sich von 1844 bis 1864 eine Spiegelfabrik befand, die jetzige Waldschlösschen-Restauration, und sodann der Thurm des Wilsdruffer Thores. Rechts giebt das Bild ein Stück der nicht lange vorher angelegten Ostra-Allee mit dem jetzt noch stehenden Theatermalerhause wieder. Der Wallgraben wurde bei dem im Jahre 1811 begonnenen Abbruche der Festungswerke zugeschüttet. (Oelgemälde Nr. 609 in der Königlichen Galerie.) VIII. Das Wilsdruffer Thor[Bearbeiten]von der heutigen Annenstrasse her aufgenommen 1750. Die Postsäule im Vordergrunde stand auf dem freien Platze, wo jetzt die Strasse „am See“ in die Annenstrasse einmündet; der Obelisk ist noch vorhanden und dient als Aufsatz eines Brunnens im kleinen Hofe der Feuerwehr-Hauptwache. Das Häuschen am äusseren Ende der Thorbrücke ist das Accishaus, das später vergrössert worden ist, die jetzige Gambrinus-Restauration am Eingange der Wettinerstrasse. Die zum Theil im Bau begriffenen Häuser im Vordergrunde links sind die der jetzigen Zwingerstrasse. Jenseit des Wallgrabens erblickt man links den Zwinger, dann nach rechts hin das Opernhaus, überragt von dem Thurme der katholischen Hofkirche und dem des Schlosses, weiter das Adamsche Haus, endlich den in dieser Gestalt aus der Zeit Christians II. herrührenden Thurm des Wilsdruffer Thores und davor das Hauptwasserhaus der Plauenschen Wasserleitungen. Die den Vordergrund rechts einnehmende Saturnusbastion lag etwa an der Stelle des heutigen Telegraphenamtsgebäudes. Die daraufstehenden taubenschlagähnlichen Bauwerke sind Luftössen für die darunter gelegenen Kasematten. Das im Jahre 1573 unter Kurfürst August hergestellte Bildwerk an der Festungsmauer links vom Thoreingange stellt das sächsisch-dänische Alliancewappen und darüber eine Justitia dar. Die Ausfüllung des Grabens und Einebnung des Walles erfolgte seit 1811; der dadurch entstandene Platz hiess der Demolitionsplatz, jetzt Postplatz und Antonsplatz. – Die in der Unterschrift des Bildes gebrauchte Bezeichnung Porte d’Italie beruht auf einem Missverständniss des der deutschen Sprache nicht mächtigen Künstlers, der unter dem Wilschen d. h. Wilsdruffer Thor ein „Welsches“ Thor verstand. (Oelgemälde Nr. 611 in der Königlichen Galerie.) IX. Der Altmarkt[Bearbeiten]von der Schlossstrasse her aufgenommen 1752. Die linke Seite nimmt die östliche Häuserreihe des Marktes ein, beginnend mit dem Pflugschen Hause, einst dem grössten der ganzen Stadt, das in die Badergasse und grosse Kirchgasse hinein reichte und beim Baue der König Johann-Strasse gefallen ist. Der davor stehende Justitia-Brunnen war 1653 errichtet und ist 1888 abgebrochen worden. Das nächste Haus nach rechts gehörte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der berühmten Bildhauerfamilie Walther; auch der Kanzler Nikolaus Krell soll damals hier seine Wohnung gehabt haben und 1591 bis zu seiner Ueberführung auf den Königstein darin bestrickt worden sein. Das Eckhaus rechts an der Frohngasse war im 16. und 17. Jahrhundert ein Gasthaus „zum goldenen Löwen“, im 18. „zur goldnen Kanne“; es ist bei der Beschiessung 1760 mit abgebrannt. Auf der Südseite des Marktes das dritte Haus von der Kreuzkirche her, dem Bürgermeister Christian Weinlig und seinen Nachkommen gehörig, ist von dem Bildnissmaler Anton Graff und später vom Komponisten Weber bewohnt worden. Das Eckhaus an der Schreibergasse rechts wurde nach dem Abbruche des frei vor der Schössergasse auf dem Markte stehenden alten Rathhauses von 1707 bis 1709 einstweilen als Rathhaus benutzt. Das davor stehende kleine Portechaisenhaus, 1746 erbaut, ist 1878 abgebrochen worden. Am Ende der Seegasse zeigt sich das seit 1550 vermauert gewesene, seit 1747 wieder eröffnete Seethor, damals das Neue Thor genannt. Auf der Westseite des Marktes, der rechten des Bildes, ist das von 1741 bis 1744 erbaute, mit einem Thürmchen geschmückte neue Rathhaus hervorzuheben; die davor lagernden Waarenballen deuten auf die im Erdgeschoss untergebrachte Rathswaage hin. Zahlreiche Sturmfässer sind an verschiedenen Stellen des Marktes aufgestellt. Die an den meisten Häusern über dem Erdgeschoss angebrachten kleinen Dächer dienten zum Schutze für die aussen vor den Verkaufslokalen ausgelegten Waaren. (Oelgemälde Nr. 614 in der Königlichen Galerie.) X. Der Altmarkt[Bearbeiten]von der Seestrasse her aufgenommen 1752. Das erste Haus links, in dem sich, nach der davor stehenden Schildwache zu urtheilen, die Wohnung eines hohen Offiziers befand, ist das später dem Buchhändler Arnold gehörige. Daran grenzt das alte Gasthaus „zum goldnen Ringe“, bis 1872 Hotel de l’Europe, wo im Jahre 1711 der Zar Peter der Grosse zweimal Wohnung genommen hatte. Der Blick in die Schlossstrasse zeigt an deren Ende einen Theil des Schlosses, überragt vom Thurme der katholischen Hofkirche. Das Eckhaus an der Schlossstrasse war im 16. und 17. Jahrhundert der Gasthof „zum goldnen Schwert“. Die Ostseite des Marktes ist hier nur bis zur Marienapotheke wiedergegeben. Im Vordergrunde ragt rechts ein Theil des Portechaisenhauses hervor. Bemerkenswerth sind die damals noch zahlreichen altdeutschen Dachgiebel. Der Platz ist vom Wochenmarktverkehr belebt. (Oelgemälde Nr. 615 in der Königlichen Galerie.) XI. Die Kreuzkirche[Bearbeiten]von der südöstlichen Ecke des Altmarktes her aufgenommen 1757. Die Kirche war von 1492 bis 1498 erbaut, der Thurm damals aber unvollendet gelassen. In den Jahren 1579 bis 1582 wurde der obere Theil des Thurmes von der Stelle an, wo unterhalb der ersten Galerie die helleren Steinlagen beginnen, aufgesetzt, auch das Portal vorgebaut und die Form der Fenster verändert. Die Glocken, die sich bis dahin an der Stelle befunden hatten, wo sich noch die zugemauerte kreisrunde Oeffnung zeigt, wurden höher gebracht und Kanonen auf den Thurm gestellt, die bei hohen Festen Freudenschüsse abgaben. Durch Blitzschlag wurde 1669 der obere Theil des Thurmes zerstört, aber 1673 in der früheren Form wieder hergestellt. – Auf der linken Seite des Bildes tritt das Eckhaus am Altmarkte hervor, wo in unserm Jahrhundert Ludwig Tieck wohnte. Die vorspringende Ecke am Eingange zur Kreuzstrasse bildet das von 1720 bis 1724 erbaute Vitzthumsche, später dem Feldmarschall Grafen Rutowski gehörige Palais, das 1786 durch Brand zerstört wurde. Gegenüber ragt hinter der Kirche eine Ecke des alten Superintendenturgebäudes hervor. Die Thurmuhr zeigt die zweite Nachmittagsstunde, die Besucher der Mittagspredigt verlassen die Kirche. (Oelgemälde Nr. 616 in der Königlichen Galerie.) XII. Die Ruinen des Kreuzthurms[Bearbeiten]von der Superintendentur aus aufgenommen 1765. Bei der Beschiessung Dresdens durch König Friedrich II. von Preussen wurden am 19. Juli 1760 mittags 1 Uhr aus einer der hinter Zinzendorfs und der Hoheiten Garten aufgestellten Batterien fünf Bomben gegen den Kreuzthurm geworfen, von denen die dritte zündete. Seit 10 Uhr morgens schon brannte die benachbarte Kreuzgasse, um 4 Uhr nachmittags stürzte der obere Theil des Thurmes auf das Dach der Kirche und in kurzer Zeit lag diese in Trümmern, während der untere Theil des Thurmes stehen blieb. Nachdem am 16. Juli 1764 der Grundstein zur neuen Kirche gelegt worden, war man bereits bis zur Aufstellung der grossen, die Säulenfüsse bildenden Quadersteine gelangt, als am 22. Juni 1765 früh 7 Uhr unvermuthet die hintere Wand des alten Thurmes, mit dessen Ausbesserung man beschäftigt war, zusammenstürzte. Es musste nun zur Abtragung des Thurmes verschritten und zu diesem Zwecke ein Gerüst aufgeführt werden. Das Bild stellt dar, wie ein Arbeiter auf langer Leiter die Höhe erklimmt, um die Vorbereitungen hierzu zu treffen; eine grosse Zuschauermenge umsteht den Bauplatz. Die innere Konstruktion des Thurmes lässt die verschiedenen baulichen Umgestaltungen erkennen. – Links auf dem Bilde erblickt man einen Theil der alten Kreuzschule, dahinter die Ruinen der bei der Beschiessung abgebrannten Häuser. Im Hintergrunde erscheint über den Häusern des Altmarktes die Spitze des Wilsdruffer Thorthurms. Rechts zeigt sich ein schmales Stück vom Rutowskischen Palais. (Oelgemälde Nr. 638 in der Königlichen Galerie.) XIII. Der Neumarkt[Bearbeiten]von der Moritzstrasse her aufgenommen 1750. Das Haus links ist das Eckhaus am Ausgange der Frauenstrasse, dessen mit einem Kinderfries geschmückter Erker aus der Zeit Herzog Georgs noch heute erhalten ist. Gegenüber steht das 1591 bis 1592 erbaute alte Gewandhaus, mit seiner 200 Ellen langen, mit drei Giebeln geschmückten Hauptfront von der Frauenstrasse bis zum Jüdenhofe reichend; seine oberen Räume dienten bei den Jahrmärkten als Verkaufshalle für Tuchhändler, Kürschner und Schuhmacher, sowie bei den Landtagen zu den Sitzungen der Ritterschaft und sonst zu Theateraufführungen, während sich im Erdgeschoss die Fleischbänke befanden. Es wurde nach Vollendung des neuen Gewandhauses 1770 an den Staat abgetreten und der hier sichtbare Theil im Jahre 1800 abgebrochen. – Der Einblick in die Augustusstrasse zeigt ein Stück des Brühlschen Palais, das erst später bis zur Fischergasse (Brühlschen Gasse) weitergeführt worden ist. Das vor der Frauenkirche stehende Gebäude ist die 1715 erbaute Hauptwache (Corps de Garde), die bei der Beschiessung 1760 mit zerstört wurde; davor bei dem Schilderhause ist ein Galgen zur Hinrichtung militärischer Verbrecher und der zum Strafreiten dienende hölzerne Esel aufgestellt. Rechts steht der zum Andenken an den Sieg Johann Georgs III. bei Wien 1683 errichtete, 1866 nach dem Jüdenhofe versetzte Viktoriabrunnen, dessen Beckenrand damals mit zahlreichen Vasen geschmückt war. In der Nähe erblickt man Vogelhändler und Hökerinnen, dahinter Schleiferbuden, im Vordergrunde links auf einer Bühne einen Quacksalber, der durch einen Guitarrespieler und einen Possenreisser das Publikum zum Kaufe seiner Heilmittel anlockt. (Oelgemälde Nr. 613 in der Königlichen Galerie.) XIV. Der Neumarkt[Bearbeiten]vom Jüdenhofe her aufgenommen 1749. Links die Königliche Gemäldegalerie: als Stallgebäude unter Kurfürst Christian I. durch Paul Puchner in den Jahren 1586 bis 1591 errichtet und mit reichbemalten Fassaden und vielen Giebeln ausgestattet, erhielt das Gebäude im Aeussern eine neue Gestalt im Jahre 1729 durch August den Starken, indem dieser die grosse Freitreppe vorlegen und das obere Stockwerk ausbauen liess, um es zu Hoffesten und Wohnungen für hohe Gäste zu benutzen. In den Jahren 1744 bis 1747 wurde das Obergeschoss zur Aufnahme der Gemäldegalerie hergerichtet und, nachdem diese 1855 in das neue Museum übergeführt worden, von 1872 bis 1876 nochmals einem Umbaue unterzogen. – Das dem Galeriegebäude gegenüber an der Ecke der Augustusstrasse gelegene Haus mit den zwei Giebeln, vor dem ein Reisewagen steht, ist der Lindenbergsche Gasthof, der 1760 abbrannte und, seit 1813 mit dem nächsten Hause nach rechts vereinigt, das jetzige Hotel „Stadt Berlin “ bildet. In der Mitte erscheint die Frauenkirche, davor die Hauptwache mit dem Galgen und dem Esel; die Wachmannschaft ist vor dem sich vorüberbewegenden königlichen Wagenzuge ins Gewehr getreten. Weiter nach rechts bietet sich ein Einblick in die Pirnaische Gasse, die jetzige Landhausstrasse. Die rechte Bildseite nimmt der Westflügel des Gewandhauses ein, worin sich der Rathskeller befand. (Oelgemälde Nr. 610 in der Königlichen Galerie.) XV. Die Frauenkirche[Bearbeiten]von der Hauptwache aus aufgenommen 1757. Die Kirche wurde an Stelle des aus dem Mittelalter stammenden, 1727 abgebrochenen alten Gotteshauses vom Rathszimmermeister George Bähr seit 1726 erbaut; nach seinem 1738 erfolgten Tode wurde statt der von ihm als Krönung des Gebäudes geplanten steinernen Pyramide 1740 eine Laterne mit Holzdach aufgesetzt. Die gewaltige Steinkuppel widerstand im Juli 1760 den Bomben der preussischen Belagerer, während diese das davorstehende Hauptwachgebäude zerstörten. Das Haus rechts hinter der Kirche führte den Namen die „Glocke“. Weiter öffnet sich ein Einblick in die Rampische Gasse, an deren unterem Ende das 1729 vom Feldmarschall Grafen Wackerbarth erbaute spätere Kurländer Palais, das 1764 vom Chevalier de Saxe durch Knöffel zu seiner jetzigen Gestalt umgebaut wurde. Eine Abtheilung Garde du Corps reitet die Rampische Gasse hinunter. Auf der rechten Seite sind singende Kreuzschul-Kurrendaner vor einem Hause aufgestellt. (Oelgemälde Nr. 617 in der Königlichen Galerie.) XVI. Die Ruinen der Pirnaischen Vorstadt[Bearbeiten]aufgenommen 1766. Der Vordergrund stellt die aus der wiederholten Niederbrennung der Vorstadt am 10. November 1758 und 30. August 1759 herrührenden Häuserruinen entlang der Contreescarpe (jetzt Amalienstrasse) etwa von der Drehgasse bis zur äusseren Rampischen Gasse (jetzt Pillnitzer Strasse) dar. Links bemerkt man die stehengebliebene Fassade vom Palais des Generals von Fürstenhof am Festungsgraben (jetzt Amalienstrasse 11 und 13), rechts davon die Brühlsche Terrasse mit dem Hofgärtnereigebäude, dahinter die Festungswälle der Neustadt und die Weinberge der Lössnitz, rechts im Hintergrunde die Loschwitzer Berge. Die Ruinen sind von Menschen und Hausthieren belebt, die sich dort wohnlich eingerichtet haben. XVII. Das Dohnaische Thor in Pirna[Bearbeiten]am Ausgange der Dohnaischen Strasse, vom Innern Ende der Breiten Strasse aus gesehen. Dieses Thor, durch welches man von Dresden kommend die Stadt betritt, ist 1811 abgebrochen worden. Die Ausfüllung der von Steingeländer eingefassten Wallgräben begann 1841 und war 1869 beendet; ihre Stelle nehmen jetzt Gärten und Promenaden ein. Jenseit des Grabens ist die an das äussere Thor sich anschliessende, mit Thürmen besetzte Stadtmauer sichtbar, hinter der, vom innern Thorthurme ausgehend, eine zweite, höhere Mauer lief; der Raum zwischen beiden hiess der Zwinger. Diese Befestigung schliesst sich an die des Sonnensteins an, indem sowohl die Wallmauer wie die äussere und innere Stadtmauer den Berg hinaufgeführt sind. Ueber dem äussersten Gatterthor ragt der Rathhausthurm, weiter nach rechts die Stadtkirche hervor. (Oelgemälde Nr. 621 in der Königlichen Galerie.) XVIII. Das Oberthor in Pirna,[Bearbeiten]auch das Steinische Thor genannt, am obern Ausgange der Burgstrasse, von der Königsteiner Strasse aus gesehen. Im Hintergrunde links ist der Rathhausthurm sichtbar, in der Mitte die Stadtkirche, rechts der Sonnenstein, etwas unterhalb desselben der Weisse Thurm, auch Schwedenthurm genannt, weil nach der Eroberung der Stadt durch die Schweden im Jahre 1639 zwischen ihnen und der Schlossbesatzung heftig um diesen Thurm gekämpft wurde; sein Unterbau ist nebst einem Stück Stadtmauer am Wege nach der Schlossschänke heute noch zu sehen. – Auf dem Raume hinter dem schindelgedeckten kleinen Hause rechts vom Stadtthore steht jetzt das Eingangsthor zu dem Genesungshause der Heilanstalt, dessen Gartenanlagen sich den Berg hinaufziehen. (Oelgemälde Nr. 624 in der Königlichen Galerie.) XIX. Der Sonnenstein nach Süden[Bearbeiten]von der Höhe der Königsteiner Strasse her aufgenommen. Die Burg oder das Schloss von Pirna, urkundlich schon 1269 genannt, trägt erst seit etwa 1530 den Namen Sonnenstein. Die Verstärkung seiner Werke zu einer eigentlichen Festung erfolgte kurz nach 1670, dagegen wurde es als solche schon 1764 wieder aufgegeben. Die Einrichtung des Schlosses zur Irrenheilanstalt fand 1811 statt; die Gebäude wurden seitdem für diesen Zweck verändert, erweitert und zum Theil neu aufgeführt. Das Bild zeigt rechts die nach Südosten und Südwesten gewendete Rückseite des Schlosses, unterhalb desselben den Schwedenthurm, weiter nach links die Stadtkirche und sodann den Thurm des Oberthores. Von hier führte aus der Tiefe die Königsteiner Strasse durch das auf der rechten Bildseite dargestellte Thor der äussern Festungswerke des Schlosses herauf. Hinter dem Thurme des Oberthors ist der Rathhausthurm, dicht daneben der Thurm des Schiffthors, weiter nach links der des Elb- oder Brüderthors und die ehemalige Dominikanerkirche mit ihrem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Thurme, aber noch ohne Spitze, sichtbar. Darüber erscheinen in der Ferne die Thürme von Dresden. (Oelgemälde Nr. 620 in der Königlichen Galerie.) XX. Der Sonnenstein nach Nordwesten[Bearbeiten]mit dem Gefängnissthurme, auf dessen Fundamenten jetzt ein neuer Flügel des Schlosses aufgebaut ist. Das an diesen Thurm angelehnte Haus ist die noch bestehende Schlossschänke, die Bastion davor jetzt Restaurationsgarten. Links unterhalb der Festung ragt die Stadtkirche, seit 1504 erbaut und 1546 von Meister Wolf Blechschmidt vollendet, aus den Häusern hervor. Die Mitte des Bildes bietet einen Durchblick nach dem jenseits der Elbe gelegenen Dorfe Copitz und den Weinbergen von Pillnitz. (Oelgemälde Nr. 625 in der Königlichen Galerie.) XXI. Die Schiffthorvorstadt in Pirna[Bearbeiten]vom linken Elbufer oberhalb der Stadt her gesehen, jetzt die Gegend des Steinplatzes. Im Vordergrunde erscheint ein alter, jetzt zugeschütteter Winterhafen, links hoch oben das Schloss von der Nordseite, rechts über der Elbe die Felsen und Weinberge des Dorfes Posta. (Oelgemälde Nr. 626 in der Königlichen Galerie.) XXII. Pirna mit dem Sonnenstein[Bearbeiten]von den Postaer Höhen aus gesehen. Auf dem linken Elbufer liegt die Schiffthorvorstadt, darüber das Schloss, von dem der Mittelbau und die zwei vorgeschobenen Bastionen aus dem 17. Jahrhundert noch unverändert erhalten sind. Im Mittelgrunde erscheint die Stadt, überragt von der Stadtkirche, rechts im Schatten die Postaer Obstgärten und Weinberge. (Oelgemälde Nr. 618 in der Königlichen Galerie.) XXIII. Der Königstein nach Westen[Bearbeiten]von der Neuen Schänke aus aufgenommen. Der Königstein, unter diesem Namen bereits 1241 urkundlich erwähnt, gehörte während des Mittelalters den Königen von Böhmen, kurze Zeit auch den Burggrafen von Dohna, denen er in der Dohnaischen Fehde 1404 vom Markgrafen Wilhelm von Meissen abgenommen wurde. Herzog Georg errichtete 1516 auf dem Felsen ein Cölestinerkloster, das aber schon 1524 wieder einging. Zur Festung wurde der Platz durch Kurfürst Christian I. ausgebaut und später immer mehr verstärkt. – Auf der linken Ecke erblickt man das Türkenthürmchen, darauf folgen nach rechts hin die Georgenburg und das Kommandantenhaus, sodann die Dächer der in neuerer Zeit abgebrochenen Kasernen, endlich das Glockenthürmchen am sogenannten Hörn. Im Vordergrunde rechts zieht sich die alte Strasse zur Festung hinauf. Dem Königsteine gegenüber erscheint links der Lilienstein. XXIV. Der Königstein nach Süden[Bearbeiten]von dem nach der Papiermühle im Bielathale führenden Wege aus aufgenommen. Die Festungsecke links ist das Horn. Ueber den Bäumen in der Mitte des Bildes ist das Dach der Kaserne, worin sich die Unterkommandantur befand, sichtbar, rechts davon über dem am Fusse des Felsens gelegenen Holzhofe ein Krahn, in der Nähe ein Wachthürmchen, noch weiter rechts der hohe Giebel des alten Zeughauses.
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