Beschreibung des Oberamts Gmünd: Gmünd

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Autor: Karl Eduard Paulus der Ältere unter Mitarbeit von seinem Sohn Eduard und - für das Geschichtliche - von Hermann Bauer
Titel: Gmünd
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aus: Beschreibung des Oberamts Gmünd, 1870
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Erscheinungsdatum: 1870
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Erscheinungsort: Stuttgart
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B. 175 Ortsbeschreibung,

in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 26 Gemeinden oder Schultheißereien jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt. Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen und III. des Steuerkatasters, des Gemeinde und Stiftungshaushalts.


Gmünd,*)

Oberamtsstadt, Gemeinde I. Klasse mit Eisenbahnstation, ferner mit Becherlehen, Haus, Dreifaltigkeitshaus, Haus, Freimühle, Haus, Fuggerle, Haus, Galgenberg, Haus, Georgishof, Hof, Gotteszell, Haus, Hohlenstein, Haus, St. Josephkapelle mit Haus, Klarenberg, Haus, St. Katharina, Haus, Kleemeisterei, Haus, Kroatenhaus, Haus, Kunstmühle, Haus, Klosterhof, Hof, die 14 Krähenhäuser, Hof, St. Leonhardskirche mit Haus, Lohmühle, Haus, Pfenningmühle, Haus, Rehnenhof, Hof, Rinderbacher=Mühle, Haus, obere Sägmühle, Hof, untere Sägmühle, Haus, Schleishäusle, Haus, Siechenberg, Haus, St. Salvatorkirche mit Haus, Sternhalbe, Haus, Bogelhöfe, zwei Höfe, Walkmühle, Haus, Zeiselberg, Haus, und 79 einzelne Wohnhäuser. Einwohner 9067, worunter 2076 Evangelische mit einer Pfarrei, 8 eigener Konfession und 22 Israeliten. – Kath. Pfarrei; die Katholiken in Rehenhof sind nach Wetzgau eingepfarrt. **)

Die Oberamtsstadt Gmünd liegt unterm 27 0 27’ 36’, 21“ östliche Länge und 48 0 47’ 57, 55“ nördlicher Breite (Kirchthurm der St. Johanniskirche), 14 geometrische Stunden östlich von Stutt= ____________

  • ) Literatur: Haid, Beiträge zur Geschichte und Geographie von Gmünd, in Fabris Beiträgen zur Geographie 1794, I. 8. ; Rück, Geschichte und Beschreibung der Reichsstadt. Gmünd. 1802; W. A. Stütz, Beiträge einer medicinischen Topographie der Reichstadt Gmünd, - in der medic. Topographie der Stadt Gmünd, 1813; M. Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd. Gmünd 1867. Eine alte Abbildung der Stadt bei Merian.
    • ) Die Zahlen der Einwohner beziehen sich auf die ortsanwesende Bevölkerung.

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gart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt 1119, 6 württembergische Fuß = 324, 7 Meter (Erdfläche am Thurm der St. Johanniskirche), 1083, 7 W. J. = 310, 4 M. (Wassersiegel der Rems unter der Straßenbrücke beim Bahnhof), 1110, 4 w. J. = 318,1 M. (Bahnhof Schwellenhöhe). Die Stadt ist der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts mit dem Oberamtsphysikat und der Oberamtspflege, des Kameralamts, des kath. Dekanatamts, des Revieramts, eines Postamts, einer Bahnhofverwaltung mit Gelegraphenstation, einer Hochbauinspektion, einer Straßenbauinspektion, eines katholischen Schullehrer = Seminars, einer Taubstummen=Anstalt und eines Blinden=Asyls. Eine gerichtliche Strafanstalt (Zuchthaus) befindet sich in Gotteszell. Ueberdies wohnen in der Stadt ein Umgeldskommissär, ein Oberamtswundarzt, ein Oberamtshierarzt, 5 ausübende Aerzte, 4 Rechtskonsulenten und der Oberamtsgeometer; auch befinden sich daselbst 2 Apotheken.

Ferner garnisonirt hier seit dem Oktober 1868 ein Bataillon Infanterie (gegenwärtig das zweite des achten Regiments), von dem auch die Wachen für das Zuchthaus Gotteszell gegeben werden. Den Sommer über wird abwechselnd eine Artillerieabtheilung nach Gmünd kommandirt, welche daselbst in dem sog. Schießthal ihre Schießübungen vorzunehmen hat; die Mannschaft wohnt in Feldbaracken, welche bei Gotteszell auf einem 7 Morgen großen, von der Stadt unentgeltlich zur Benützung überlassenen Platze im Jahr 1868 errichtet wurden. Der Stadtkommandant hat seinen Sitz in der Stadt und wohnt in einem Privathause.

An der Stelle, wo von Südosten her der Waldstetterbach, von Norden der Wetzgauerbach und von Nordosten der Sulzbach in die noch jugendliche Rems münden und zu ihrer Erstarkung wesentlich beitragen, liegt die altehrwürdige, ehemalige Reichsstadt Gmünd die ihren Namen den hier einmündenden Gewässern verdankt. Die Lage der in die Thalweitung zwischen der Rems und dem Waldstetterbach hingebauten Stadt ist durchaus eben und gehört zu den schönsten Städtelagen des Landes; zunächst erheben sich von den wiesenüppigen Thalebenen mild geformte, ziemlich hoch ansteigende Gehänge, welche durchaus mit Baumgärten, Wiesen und Waldungen kultivirt sind und frei von Ackerland frischgrün in die Thäler hinabschauen, was einen besonders freundlichen Eindruck hervorruft; nur die in neuerer Zeit sich so massenhaft eindrängenden Hopfengärten stören einigermaßen die landschaftlichen Reize und bringen in die mildschöne Gegend einen etwas starren, steifen Zug. Nördlich der Stadt ziehen sich ganz nahe zu ihr üppige Waldungen und gestatten herrliche schattige Spaziergänge. Auf dem Bergrücken zwischen der Rems und dem Waldstetterbach führt eine kräftige Pappelallee hinan, die der Landschaft vortrefflich ansteht; eine besondere Schönheit und Eigenthüm=

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lichkeit der Gegend bilden die um die Stadt gelegenen Gärten mit ihren Villen, wie auch die zahlreichen, hinter Baumgruppen versteckten Einzelhäuser und Höfe, welche sich malerisch zerstreut in der Thalebene, besonders aber an dem Thalgehängen lagern und die Gegend so freundlich beleben, eine Erscheinung, die keine andere Stadt in Württemberg in solcher Mannigfaltigkeit und Schönheit aufzuweisen vermag. Ersteigt man nur mäßige Anhöhen zunächst der Stadt, so genießt man nicht allein einen herrlichen Blick über die Stadt selbst, sondern auch in die lieblichen mattenreichen Thäler, hinter denen bald die großartigen Vorberge der Alb, Staufen, Rechberg und Stuifen, auftauchen, und steigt man noch höher hinauf, so erscheint ein großer Theil des Nordwestabfalls der Alb und bildet einen kräftigen Hintergrund der Landschaft. Von den Aussichtspunkten in der Umgegend der Stadt nennen wir: Den Salvator, die Villa von Buhl auf dem Hohlenstein, das Hardt, den Straßdorfer Berg, die Vogelhöfe und die Köhlerhütte; letztere im Wald gelegen, erlaubt durch Lücken zwischen üppigen Waldbäumen reizende Blicke über die Stadt und an die drei Vorberge der nahen Alb. Gmünd selbst mit seinen Ringmauern, großartigen Kirchen und zahlreichen Thürmen erscheint von außen gesehen als eine sehr ansehnliche, im Mittelalter wohl befestigte Stadt die sich, ungeachtet schon mancher Schmuck ihres ursprünglichen Aussehens im Laufe der Zeit fallen musste, dennoch ihr altehrwürdiges Gepräge noch gut erhalten hat und die von vielen Seiten recht malerische stattliche Ansichten bietet.

Die Stadt, welche in die innere ummauerte Stadt (Altstadt) und in die ebenfalls mit Mauern, Gräben und Zwingern umgebenen Vorstädte zerfällt, ist im allgemeien unregelmäßig angelegt und mit Ausnahme einiger breiten Straßen, wie die Bockgasse, Ledergasse, vordere und hintere Schmidgasse, der Entengraben u., von mäßig breiten, häufig schmalen Straßen und Gässchen durchzogen, die indessen durchgängig reinlich gehalten, theils macadamisirt, theils mit klein gefügtem Pflaster versehen sind. Von Gassen werden in Urkunden genannt: die Utighofergasse im Jahr 1347, die Räbergasse 1348, die Milchgasse 1368, die Ldergasse 1415, Schmidgasse 1431, die Klingharts= und Pfeiffersgasse 1435, die Barfüßergasse 1516 und außerhalb der Stadt die Siechengasse 1348. Von öffentlichen Plätzen sind außer dem schönen Marktplatz noch die beiden Kirchplätze, der sog. kalte Markt, der Platz beim Kornhaus und der in der hintern Schmidgasse zu nennen. Um den Marktplatz gieng ein Burgfriedensbezirk mit höheren Strasen für darin begangene Unbill.

An den Straßen und Plätzen lagern sich theils ganz gedrängt, ohne Zwischenräume, theils durch Gärten und Hofräume unterbrochen, die im allgemeinen freundlichen, mitunter sehr ansehnlichen Gebäude, welche häufig nicht in gerader Linie neben einander, sondern das

Beschr. v. Württemb. 51. Heft Oberamt Gmünd 12 __

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eine über das andere Haus vorstoßend, staffelförmig hingebaut sind; sie stammen meist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, manche auch aus früherer Zeit, und sind theils im Renaissancestil, häufiger noch im Rococostil erbaut. Besonders war es in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Baumeister Heinrich Keller aus Dinkelsbühl, der in Gmünd eine Reihe von jöchst geschmackvollen und reichverzierten steinernen Rococohäusern erbaute, die als Muster eines edel gehaltenen Zopfstils gelten können und der inneren Stadt ihr eigenthümliches, festliches und so sehr anmuthendes Gepräge verleihen. Neben diesen ganz aus Stein und anderen aus starkem Eichenbalkenwerk aufgeführten Gebäuden haben beinahe alle Häuser steinerne Unterstöcke mit architektonisch schönen Eingängen, über denen Wappen oder sonstige Verzierungen sich befinden; die Holzthüren sind häufig mit gutem Schnitzwerk reich verziert. Einen besondern Schmuck bilden die, großentheils von dem alten Schmiedmeister Storr, kunstreich gearbeiteten Eisengitter an den Fenstern der unteren Stockwerke und über den Hausthüre, die Wirthschilde und Siegelhalter, auch haben sich an den Dachrinnen noch schöne Wasserspeier und auf den Firstgiebeln Wetterfahnen und andere hübsche Bekrönungen erhalten. Gar viele Häuser wurden erneuert und gerade nicht geschmackvoll, meist graublau oder gelb getüncht, aber dennoch hat sich ihre ursprüngliche Bauweise nicht ganz verdrängen lassen, namentlich an den älteren Gebäuden, bei denen ein Stockwerk über das andere vorstößt.

Die ehemalige Befestigung, Ummauerung der Stadt ist auf ziemliche Strecken noch erhalten und lässt sich auch wo sie abgegangen, noch genau verfolgen; sie läuft und lief um die innere, ursprüngliche Altstadt: von dem ehemaligen inneren Eutighofer Thor (später Bocksthor), über dem sich ein fester Thurm erhob, Bocksthorthurm, hinter der Oberamtei (ehemaliges Augustinerkloster) und dem Ludwigskloster hin bis zum ehemaligen Pulverthurm, weiter an dem Kapuzinergarten (jetzt Irrenanstalt); hier ihre südöstliche Richtung in eine nordöstliche ändernd, lies sie bis an die Scheuer des Kreuzwirths, wo das innere Waldstetter Thor mit Thurm, Bäuerlesthurm genannt, stand; von hier bis zum Garten des Gerbers Schabel, wo abermals ein Thurm stand, weiter bis an das sog. Thörle, ein noch bestehender kleiner Eingang für Fußgänger, an dem ebenfalls ein Thurm sich erhob, und von da hinter dem Judenhofe vorbei bis zum Königsbronner Hof (jetzt Holzmagazin); hier wendet sie sich gegen Norden bis zum abgegangenen inneren Rinderbacher=Thorthurm, auch Diebsthurm genannt, weiter hinter der Schmalzgrube und dem Franziskanerkloster hin (dem Entengraben entlang); hier eine nordwestliche Richtung annehmend, zieht sie über den kalten Markt bis zum Hahnenwirthshaus, wo ein Thorthurm, St. Nikolausthurm, stand, von da in westlicher Richtung an dem Spital vorüber __

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bis zum abgegangenen Arenthorthurm beim Weisenhaus, weiter in südwestlicher Richtung bis zum Bogenbergle, wo sich ein Einlaßthörchen mit Thurm bestand und endlich wieder zum Bocksthor beim Taubstummen=Institut.

An dieser inneren Stadtmauer lies ein Zwinger mit Graben, der vom sog. Thörle bis zum Königsbronner Hof theilweise noch erhalten ist; die Mauer selbst besteht noch in ziemlich großer Ausdehnung. Die Befestigung war verstärkt durch Wassergräben, in welchen ein Arm des Waldstetterbachs von dem Waldstetterthor an bis hinter das Spital lief, während der Rems=Mühlbach dem Höferlinsbach folgte und sodann längs des kalten Markts im Stadtgraben bis zum Hahnenbach floß. Erst Kaiser Sigmund erlaubte 1414/1415 die Stadtmauer zu durchbrechen und einen Mühlgraben innerhalb der Stadt bis zum Spital zu führen, wo er mit dem alten Stadtbach oder Thierbach sich vereinigte, der 1531 mit Eichenholz eingefaßt wurde, heutzutage größtentheils überwölbt ist.

Außerhalb der ursprünglichen Stadt (Altstadt) bildeten sich allmählich Vorstädte, welche als Eutighofer=Waldstetter=, Rinderbacher=, St. Johann= und Kapellen= oder gewöhnlicher St. Leonhards=Vorstadt in Urkunden genannt werden. Der Name Arenvorstadt kommt nicht vor, wohl aber gab es Häuser vor dem Thor, z. B. das schon 1485 abgegangene Arenbad und die Fischhäuser.

Alle diese Vorstädte wurden um ihrer gestiegenen Bedeutung willen wahrscheinlich gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts zur Stadt geschlagen und ummauert.

Die äußere Stadtmauer ist an manchen Stellen noch erhalten und theilweise noch mit dem ursprünglichen Umgang versehen, auch der außerhalb an ihr hinziehende Stadtgraben und Wall ist noch auf größere Strecken sichtbar. Die Befestigung läuft und lief in südlicher Richtung von dem äußeren Bocksthor oder Eutighofer Thor, das mit einem Thurm versehen war, bis zum Ziegelgäßle (auf dieser Strecke standen 4 Halbrondele, von denen eines noch erhalten ist), von hier gegen Osten ziehend zum Waldstetter= jetzt abgegangenen Thorthurm bis an die Ecke bei der Zeiselmühle, wo sie sich gegen Nordwesten wendet und sich alsdann bei dem sog. Thörlesthurm an die alte (innere) Stadtmauer anschließt, von der sie am Königsbronner Hof rechtwinkelig wieder abgeht und an den Königsthurm hinzog. Dieser sehr ansehnliche halbrunde über 100, hohe Thurm, der gegen die Stadt hin offen ist, hat eine erhöhte Lage und beherrscht die ganze Stadt. Von da lief die äußere Stadtmauer in nordöstlicher Richtung bis an ein Halbrondel und hier sich gegen Nordwesten wendend bis an den viereckigen, mit eienem Zeltbach bedeckten Rinderbacher Thorthurm, der gegen 100’ hoch, und mit einem spitzbogigen Durchgang versehen ist; an seiner Außenseite sind ziemlich hoch oben

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die Wappen der Stadt angebracht. Von dem Rinderbacher Thorthurm weiter an den viereckigen, mit spitzem Zeltdach versehenen Wasserthurm, der gegen die Stadt hin offen und bis zum Anfang des Daches 60’ hoch ist; unter demselben läuft ein Arm der Rems in die Stadt und setzt daselbst die Mühlerke in Bewegung. Von da an den schönen Schmiedthorthurm, der eine Höhe von 60’ mit dem spitzen Zeltdach aber, aus dem eine sog. Laterne emporstrebt, wohl von 100’ hat; etwa in der Mitte des Thurms läuft ein Rundbogenfries und im obersten Stockwerk sind die Wappen der Stadt angebracht; über einem Fenster desselben steht die Jahreszahl 1498. Die Straße führt nicht mehr durch den Thurm, sonder ist in neuerer Zeit zur Erleichterung des Verkehrs an demselben vorbei geführt worden. Von dem Schmied=Thorthurm an den Krepplesthurm, wo sich die Stadtmauer gegen Westen wendet, und weiter an den Faulthurm, an den hinter dem Spital stehenden Thurm, an abgegangenen Thurm hinter dem Gasthaus zum rothen Ochsen bis an den abgegangenen Georgenthurm hinzieht; von hier in südlicher Richtung bis zum Lederthor (Untere Thor), das einen Thurm hatte, weiter zum fünfeckigen Thurm, sog. Knöpflesthurm, und endlich wieder bis zum Bocksthor.

Der fünfeckige Thurm, nach seiner Figur so genannt, indem eine fünfte Ecke von der quadratischen Grundform gegen Außen, gegen die Angriffsseite vorsteht, ist der schönste an den Stadtmauern Gmünds und bildet eine besondere Zierde der Stadt; er ist über 100’ hoch, gegen die Stadt hin offen und hat 7 ½’ dicke Mauern; an den 3 äußern der Angriffsseite zugekehrten Ecken streben oben erkerartige Thürmchen empor, deren Zeltdächer, wie auch die Spitze des Hauptdachs, mit Knöpfen versehen sind, daher er im Munde des Volks der Knöpflesthurm genannt wird.

Dem fünfeckigen Thurm gegenüber stand ein Thorthurm mit Fallbrücke und Fallgatter, der zur weiteren Vertheidigung der jetzt in eine steinerne umgewandelten Brücke angelegt war.

Die Stadtmauern und die an ihr stehenden Thürme sind durchaus mit kräftigen Buckelquadern erbaut; auf der Stadtmauer war ein auf hölzernen Stützen ruhender, mit Ziegeln gddeckter Umgang hingeführt; um auf demselben um die ganze Stadt zu gelangen, waren 4119 Schritte nöthig. Die Thürme waren zum Theil gegen das Innere der Stadt offen, damit der etwa eindringende Feind sich nicht so leiht darin festsetzen konnte. Ueber sämtlichen Thoren erhoben sich feste Thürme und vor denselben bestanden Zugbrücken, die über den Stadtgraben führten. Zwischen dem Stadtgraben und dem Waldstetterbach, vom Eutighofer bis zum Untern Thor, bestand ein ummauertes Vorwerk.

Ueberblickt man die ganze, theils noch vorhandene, theils abge=

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gangene Umfriedung der Stadt, so entfaltet sich das Bild einer im Mittelalter sehr festen und ansehnlichen Stadt (s. auch die angefügte Zeichnung der Stadt Gmünd nach Merian vom Jahr 1643).

Die Stadt hatte an der inneren und an der äußeren Stadtmauer je 5 Hauptthore, die an der innern sind schon längst abgegangen, sie hießen: Eutighofer=, Waldstetter=, Rinderbacher=, Kapellen= und Arenthor; ein sechstes Thor „St. Josenthor“ und auch ein St. Josensteg kommen in Urkunden vor und waren wohl beim sog. „Thürlenssteg“. Die Thore an der äußeren Stadtmauer aber bestehen noch, dagegen mussten ihre Thürme mit Ausnahme des Rinderbacher und des Schmied=Thorthums im Laufe dieses Jahrhunderts fallen. Ueberdies besteht noch das sog. Thörle, das nur dem Durchgang der Fußgänger dient.

Zur Sicherheit der Stadt waren Thorwarte bestellt und auch in Friedenszeiten 10 Mauerwächter; die Thorschlüssel kamen Nachts zum Amtsbürgermeister und vorkommenden Falls sollte der Schultheiß öffnen und wieder schließen. Den Tag über waren an jedes Thor zwei Bürger als Wachen verordnet.

Auf dem Königsthurm, auf dem sog. Knöpflesthurm und auf dem Schwindelthurm saßen je zwei Wächter; zugleich dienten einige Thürme als Gefängnisse, z. B. der Diebsthurm, der Kreuzthurm u. Bei den inneren Streitigkeiten im vorigen Jahrhundert forderten die Bürger unter anderem ein besseres Gefängniß.

Die zwischen der inneren und äußeren Stadtmauer gelegenen, durch größere Gärten von einander getrennten Vorstädte haben jetzt folgende Benennungen und Lagen: 1) die Eutighofer Vorstadt, im Westen der Stadt gelegen, dehnt sich von dem innern bis zum äußeren Bocksthor und südlich davon über den sog. Acker, an den sich der ehemalige Turniergraben, jetzt Bleiche, anschließt; 2) die Gebaldi=Vorstadt bei der Waldstetter Gasse zwischen dem inneren und äußeren Waldstetter Thor im Süden der Stadt; 3) die Rinderbacher Gasse zwischen dem inneren und äußeren Rinderbacher Thor im Südosten der Stadt; 4) die St. Leonhard=Vorstadt dehnt sich im Nordosten der Stadt vom Schmied=Thorthurm bis zum ehemaligen Nikolausthurm und 5) die St. Georgi=Vorstadt im Nordwesten der Stadt beim Lederthor.

Rings um die Stadt führen angenehme Spaziergänge, und seit der neuesten Stadterweiterung (1870), bei der noch weitere Theile der Mauern fallen mussten, ist eine Promenade und eine breite, mit Häusern und Gärtchen zu besetzen, Ringstraße in Angriff genommen.

Oeffentliche Gebäude.

Wir beginnen mit den Kirchen a) innerhalb der Stadt: 1.) die Stadtpfarrkirche zum h. Kreuz steht so ziemlich in der Mitte der Stadt, auf ihrer erhabensten Stelle und wurde

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zum Lobe des am Kreuz erhöhten Heilands und zur Ehre der in den Himmel aufgenommenen Maria begonnen am 16. August (alten Datums) 1351, und eingeweiht am Matthäustage 1410. In der Vorhalle des nördlichen Hauptportales steht folgende Inschrift in schönen altgothischen Majuskeln: anno. dmi. MCCCLL ponebatur. primus. lapis. pro. fundamento. hujus. chori. XVI. kal. (?) augusti. Die Kirche von 2793’ Flächenraum, innen 270’ 9” (w. J.) lang und 77’ 4“ breit, bis zum Scheitel der Gewölbe 75’ 5“ hoch, ist nach dem Ulmer Münster das großartigste und schönste Denkmal gothischer Baukunst in Württemberg. Vierzehn hohe und schlanke Rundsäulen tragen die reichen Netzgewölbe der drei gleich hohen Schiffe, acht die noch reicheren Gewölbe des Thores, um das sich die Seitenschiffe als ebenso hoher Umgang herumziehen, begleitet von zehn halb so hohen Kapellen, die, von schönen Rippenkreuzgewölben überspannt, sich zwischen den Strebepfeilern einwölben. Am Anfang des Thores standen früher zwei Zierthürme, die am Charfreitag des Jahres 1497, den 22. März, Nachts 10 Uhr zusammenstürzten. Im Innern der Kirche liest man über dem Triumphbogen des nördlichen Seitenschiffes, gegen den Chor hin, folgende Inschrift: anno. dni. 1497. am karfreitag. zu. nacht. send. zwen. thurn. an. disem. gotshaus. gefallen. Der Einsturz der beiden Thürme, die gewiß von großer Schönheit waren, erfolgte dadurch, daß an der zwischen beiden eingesprengten Mauer einige Steine herausgenommen wurden; die Kirche litt damals starken Schaden, ein Theil der Gewölbe und Arkadenbögen und mehrere Säulen wurden zertrümmert. Schon vorher jedoch müssen die Thürme baufällig gewesen sein, denn schon im Jahre 1496 requirirten die Gmünder den Kirchenmeister Matthäus Böblinger von Eßlingen, wie aus einem Dankschreiben an Bürgermeister und Rath zu Eßlingen vom 22. März 1496 hervorgeht (s. Hassler in den Jahrbüchern für Kunstwissenschaft II. S. 122). Bei Erneuerung der Kirche wurden auch die verschont gebliebenen Gewölbe, einfach=schöne und kräftige Rippenkreuzgewölbe, wie sie sich in den Chorkranzkapellen noch erhielten, bis gegen die Säulenkapitelle hin abgebrochen, und reiche sternartige Netzgewölbe dafür gesetzt, gehalten in dem lebhaften, doch ausartenden Geschmacke jener Zeit; die Rippen überschneiden sich an allen Knotenpunkten. Die eingestürzten Arkadenbögen wurden ähnlich den früheren, nur mit sich kreuzenden Rundstäben, die Kapitelle der Säulen mit krauserem Laubwerk wieder hergestellt. Die neue Einwölbung der Kirche ist ohne Zweifel von Osten nach Westen vorgenommen und im Jahre 1521 vollendet worden. Diese Jahreszahl steht nämlich auf einem steinernen Bande, das sich um den Knotenpunkt des westlichsten Sterngewölbes des Mittelschiffes schlingt. Im Chore sind die Sterngewölbe sogar mit Maßwerken ausgegliedert,

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und mit vielen Schlusssteinen geschmückt. Wo die beiden Thürme gestanden, wurden in den üppigen spätgothischen Formen zwei Kapellen erbaut, die auf der Südseite als abgeschlossene Sakristei, die auf der Nordseite als gegen das Innere der Kirche offene Taufkapelle; an ihrer Westwand steht innen 1502. Sehr bemerkenswerth ist noch, daß bei der letzten Erneuerung der Kirche in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts unter dem Fußboden des vor der Taufkapelle liegenden Joches des nördlichen Seitenschiffes die Grundmauern eines romanischen Thurmes, von 13’ Länge im Lichten und mit Halbsäulen in den Ecken, ausgegraben wurden; ein Beweis, daß früher ein romanischer Bau hier stand. Ueber den Baumeister der Kirche s. S. 187.

Betrachten wir nun die Kirche genauer; zuerst von außen. Die Westseite (Schauseite) des mit Einem riesigen spitzen Giebeldache bedeckten thurmlosen Gebäudes ist dreigegliedert; zwischen den schlanken mittleren Strebepfeilern öffnet sich ein schönes, großes Doppel=Portal, dessen Lünette und hoher Schutzgiebel mit sehr edlem Maßwerk ausgeziert sind; weiter oben, unter dem Umgange, durchbrechen drei herrliche Rundfenster die ernsten Mauerflächen, und über dem mit zierlichem Steingeländer versehenen Umgange erhebt sich, etwas zurückgesetzt, der mächtige schlanke Giebel, auch wieder reich und klar durch kräftiges Stab= und Maßwerk gegliedert. Zu Seiten des Portales stehen links St. Martin, eine schöne aus der Johanniskirche herübergebrachte Statue, und rechts St. Ulerich (aus St. Leonhard), am Mittelpfosten aber Madonna mit dem Kinde (auch aus der Johanniskirche), ein Kunstwerk von höchstem Werth, wenn auch noch etwas befangen in der herben Weise der Frühgothik, aber von lebendigster und schönster Bewegung und großartig stolzer und reicher Gewandung. Das holdgelockte Kind hält in der Linken einen Apfel, und drückt mit der Rechten ein Täubchen an die Brust der Mutter.

An den Langseiten der Kirche haben sich , wie an der Facade, hohe schlanke schöngebildete Strebepfeiler, die vorne je einen Baldachin mit einer heiligen=Bildsäule tragen, und dazwischen laufen die hohen, außerordentlich schön gefüllten Fenster, deren Stäbe mit zierlichen Kelchkapitellchen geschmückt sind. Als Bekrönung dient das Geländer des Umganges. Am langen halbzwölfeckig geschlossenen Chor erscheinen außen, der inneren Anlage entsprechend, zwei Fensterreihen übereinander, mit zwei Umgängen; seine auch mit Heiligen=Bildern geschmückten Strebepfeiler entwickeln sich erst an dem weiter zurückgesetzten zweiten Geschoß und endigen in reiches Spitzsäulenwerk. Ueber den Spitzbögen der oberen Fenster wölben sich rundbogige, mit prachtvollem steinernem Laubwerk geschmückte Entlastungsbögen. Derselbe Schmuck zieht in der Kehle des Kranzgesimses hin. Kühne phantastische Wasserspeier ragen überall zu Seiten der Strebepfeiler heraus.

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Zwei stattliche Portale öffnen sich in der Mitte der Seitenschiffe und zwei sehr reiche, die Hauptportale, zu beiden Seiten am Anfang des Chores. Vor dem in das südliche Seitenschiff mündenden spannt sich zwischen die Strebepfeiler ein schönes kräftiges Rippengewölbe, dessen vier Rippen von Konsolen mit den vier scharf gearbeiteten Evangelistensymbolen ausgehen; im Bogenfelde sind zwei figurenreiche Gruppen, der Tod und darüber die Krönung Mariä; das entsprechende Portal an der Nordseite, dessen Vorhalle aus großen, geraden, auf einem Flachbogen ruhenden Steinplatten gebildet ist, zeigt im Bogenfelde die Anbetung und darüber die Geburt Christe, und am Eingang in zwei über=lebensgroßen sprechend bewegten Gestalten den englische Gruß. Sämtliche Gestalten haben noch die alte Bemalung und sind in jener großartigen, feierlichen, ausdrucksvollen Weise gehalten, die jenem Jahrhundert eigen ist, und mit allem Ernst in den Bewegungen und in den Zügen der Gesichter doch eine stille Anmuth verbindet. Die beiden Portale am Choranfang sind die eigentlichen Prachtpforten der Kirche und beide mit hohen Vorhallen versehen. Das südliche hat in der Wölbung seiner Vorhalle eine Reihe von Reliefs, welche die Schöpfungsgeschichte (z. Th. erneuert) und die Geschichten Adams und Noah’s darstellen. Am Eingange selbst stehen Moses und Iesaias (dieser von Holz) und in der tiefen Leibung auf schwalbennesterartigen Konsolen über einander zehn Propheten, in der zweiten Reihe sehr schöne Engel mit Marterwerkzeugen. Im Bogenfelde selbst zeigt sich das jüngste Gericht in drei Bilderreihen; oben thront Christus, daneben di zwei posaunenden Engel des Weltgerichtes und darunter sitzen auf ihren Stühlen die zwölf Apostel; ganz unten schaut man die Auferstehung der Todten und die Abführung in Himmel oder Hölle. Das Gewölbe der Vorhalle des nördlichen Prachtportals wurde beim Einsturz der Thürme zertrümmert, musste neu aufgeführt werden und zeit jetzt ein außerordentlich reiches spätgothisches Netzgewölbe mit vielfach sich drehenden, windenden und verschränkenden Rippen; an den Seitenwänden der Vorhalle stehen die schönen, vor einigen Jahren leider erneuerten Bildsäulen der klugen und der thörichten Jungfrauen, dann in der Thürleibung wieder in zwei Konsolenreihen hinter einander sind Darstellungen der Martyrien der Apostel und anderer Heiliger. Das Bogenfeld erfüllen in drei Reihen Scenen aus der Leidens= und Erlösungsgeschichte. Diese Darstellungen in kleinem Maßstab stammen auch aus der Zeit der Erbauung der Kirche, erreichen aber nicht den hohen Stil der schon genannten; doch fehlt es im Einzelnen nicht an schönen und ergreifenden, z. Th. sogar humoristischen Zügen. Die Kirche ist aus einem etwas derbkörnigen, weißlichen aber dunkelgrau werdenden Keupersandstein erbaut, die Skulpturen und alle feineren Zierden sind aus einem trefflichen fein=

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körnigen, nie verwitternden gelben Liassandstein gefertigt. Die Steinmetzzeichen sind theils die im vierzehnten Jahrhundert üblichen, theils spätgothische; letztere an den Theilen, die durch den Einsturz der beiden Thürme schadhaft geworden waren und erneuert werden mussten. Zwischen Schiff und Chor wurde auf dem noch alten, so tüchtig als schön gezimmerten Dachstuhle im Jahre 1774 ein hölzerner Dachreiter mit zwei kleinen Glocken errichtet.

Betreten wir nun die Kirche durch das Westportal: in wunderbarer schlanker Schönheit der Verhältnisse ziehen die drei gleichhohen Hallen der Schiffe gegen den noch höheren, von den Seitenschiffen rings umzogenen Chor, der, durch seinen Kapellenkranz noch weiter vertieft und gegliedert, einen prachtvollen Abschluß gewährt.

Es ist ein herrlicher, ganz harmonischer Raum, in dem die hier als Gewölbstütze angewandte einfache, hohe Rundsäule, mit niedrigem, von zwei Blattkränzen umlegtem Kapitell, eine der schönsten Formen der Baukunst, zu ihrer vollsten Wirkung kommt. Die Fenster des Chores sind mit neuen, zum Theil ganz tüchtigen Glasgemälden erfüllt und werfen ein wohlthuendes feierliches Licht in das Heiligthum; sie wurden meist von Genossenschaften und Privaten gestiftet und die besten darunter von Ludwig Mittermaier aus Lauingen (+ 1864) gefertigt. Die ganze Kirche hat jetzt eine treffliche Farbe, weil sie bei der seit 1850 unter Leitung des Architekten Rieß vorgenommenen Restauration von ihrer Tünche befreit wurde, und nun das schöne Korn des Sandsteines überall zu Tage tritt; dageben sind die Altäre glücklich vertheilt und alle in gothischem Geschmacke gefasst. Die Kosten belaufen sich bis jetzt auf 77,000 fl., wozu die baupflichtige Kirchen= und Schulpflege 48,000 fl., die Einwohnerschaft, Katholiken wie Protestanten, durch freiwillige Gaben 29,000 fl. beitrug.

Der Haupt (Hoch)altar, um 9 Stufen über den Boden des Schiffes erhöht, ist ganz neu in gothischem Stil errichtet und wird vorn von einer Menge Spitzsäulen und kleinen Heiligen=Gestalten belebt. An der Rückseite ist er als Flügelaltar gestaltet und zeigt auf den Flügeln die Leidensgeschichte, und in der Mitte das große, schöne Reliefbild Christus am Delberg, hier mit dem Namen des Meisters H. Wörmann, München 1861. In der mittleren Halle des Chores stehen zwei reiche Rococobeichtstühle und auf jeder Seite eine Reihe von Chorstühlen in einfach edler Renaissance, die im Jahre 1550, - diese Jahreszahl, sowie das Monogram A D steht an der Brüstung des ersten Stuhles rechts, - aus verschieden farbigen Maserhölzern gefertigt wurden; sie zeigen eine korinthische Pilasterordnung mit ausnehmend gestreich und schön behandelten Blätter=Kapitellen,und oben erheben sich in langer Reihe halblebensgroße Heiligengestalten aus späterer Zeit. Von demselben Meister stammt gewiß auch die höchst geschmackvoll eingelegte, mit der Jahreszahl 1551 versehene Kanzel;

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die Felder ihrer achteckigen Brüstung sind mit perspektivischen Architekturen geschmückt; diese Kanzel, ein so seltenes Muster echter und strenger Renaissance, wurde im 17. Jahrhundert mit verschiedenen lastenden Zuthaten, z. B. mit dem als Kanzelstock dienenden Giganten versehen und zwar von dem Schreinermeister Peter Albrec, (Albrecht), einem eingewanderten Franzosen, der urkundlich im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts an Chorstühlen und Kanzel thätig ist, und dessen Monogramm P. A. samt Jahreszahl 1718 an der Brüstung des ersten Chorstuhles links zu lesen ist. Von ihm sind ohne Zweifel die oben auf dem Chorstühlen stehenden geschnitzten Heiligen=Figuren gefertigt. Als ein ganz großartiges Werk muß sodann genannt werden die Orgel samt ihren Emporen, die ganze Westseite bis zum Gewölbe hinauf einnehmend. Zu unterst die große steinerne Empore noch mit gothischen Netzgewölben, denen der Kirche ähnlich, und mit sehr schöner steinerner Balustrade in frühem Renaissancestil; an einem ihrer Pfeilerchen steht 1552 und unten am Kapitell einer der Wandsäulen steht: michel setzts stettmaister knecht. Auf dieser Empore baut sich eine zweite hölzerne auf. Gewaltige, in großartigem und meisterhaftem Zuge aus je Einem Eichenklotz geschnitzte Giganten tragen angestrengt auf ihrem Racken die mit Kranzgewinden und prächtiger, der untern steinernen, ähnlicher Balustrade geschmückte zweite Empore und hierauf steht, in fast überreicher Fassung von Engeln und Frucht= und Blumengebinden, die riesige Orgel mit 33 Registern, erbaut 1688 von Paulus Prescher aus Nördlingen. Das Orgelgehäuse ist aus Lindenholz im Jahr 1688 in Gmünd gefertigt, während der herrliche Emporenbau bis zur Orgel aus Einer Zeit, nämlich aus den Jahren 1552 und folgenden, zu stammen scheint.

In der ersten Kapelle, an der Südseite des Thors, stellt das holzgeschnitzte Mittelbild des Altares Maria mit Christi Leichnam, mit Magdalena und Johannes dar, ein Werk (angeblich nach Albrecht Dürer) von ganz trefflicher Bewegung und tief ergreifendem Ausdruck.

In der zweiten Kapelle, der Sebaldskapelle, steht der berühmte, von dem Nürnberger Patrizier und Magistratsrath Sebaldus Schreier und seiner Frau Margaretha Kammermeisterin aus Gmünd gestiftete Sebaldus=Altar. In der Mitte ein großes, flach in Holz geschnittenes Bild, S. Sebaldus groß, und unten knieen kleiner die andachtsvollen Gestalten der Stifter mit ihren schönen Wappen. Auf der Predella sind die 14 Nothhelfer gemalt, auf den Flügeln des Altars die Legende des h. Sebaldus; diese Gemälde, namentlich die der Predella und die äußeren der Flügel, sind von hervorragender Schönheit und werden dem Martin Schaffner zugeschrieben. Im Baldachin des Altars steht ein altes, jüngst hieher versetztes Holzbild, die Hinrichtung der h. Apollonia. Gegenüber hängt an der Wand eine gemalte Tafel, worauf die nach dem Einsturz der Thürme stark be=

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schädigte Kirche dargestellt ist und zur Beisteuer gegen Ablaß aufgefordert wird mit der Inschrift: Alle die ir hilf und steur reichend zuo dißem würdigen gotts Hauß die erlangend von vill Cardineln legatten Erzbischoffen in ainer sum ablas Drex Daussent Dreyhunder Und Zwaintzig tag. 1503. Anno 1612 Renoviert. Daneben stehen auf Konsolen die Gipsabgüsse der Brustbilder von Peter und Heinrich Arler, ersteres aus dem Dome zu Prag, letzteres aus der Certosa bei Pavia. Ueber diese sogenannten Arler, soweit sie Gmünd betreffen, ist das Sicherste und Glaubwürdigste wie folgt:

Heinrich Parlier (Werkführer) von Boulogne (Bolonia) wurde vor 1333 nach Schwäbisch Gmünd berufen, um allda eine Kirche u. dgl. zu bauen. Ihm wurde dort 1333 der Sohn Perter geboren, welchen Kaiser Karl IV. von Gmünd nach Prag berief (1356), um den begonnenen Bau der Domkirche nach Matthias von Arras weiter zu führen, was dieser auch bis 1386, wo dieselbe in der Hauptsache vollendet wurde, erfüllte. Peter hatte nach dem Zeugniß des Hradschiner Stadtbuchs mehrere Söhne einer derselben mochte wohl der bei dem Bau der Mailänder Kirche im Jahr 1391 – 92 beschäftigte Heinrich gewesen sein (f. Stälin, Wirtemb. Geschichte, Band III. S. 751. Anm. 3).

Die h. Kreuzkirche in Gmünd ist 1351 begonnen, und zwar nach dem Entwurfe jenes Heinrich von Boulogne und der junge Peter mochte in seiner Jugend daran beschäftigt gewesen sein. Aus dem Gebäude selbst geht hervor, daß es von einem Baumeister ersten Ranges entworfen und ausgeführt wurde, einem Manne, der die damals übliche Bauweise in neuer und genialer Art auffasßte; auch die Thatsache, daß der junge Peter in die Residenz des kunst und prachtliebenden deutschen Kaisers Karl IV. als Dombaumeister berufen wird, spricht dafür, daß diese Architektenfamilie eines sehr großen Ruhmes genoß. Ferner ist unstreitig, daß das Gebäude sich viel mehr zum damaligen französichen, als zum deutschen Stile hinneigt; und in wirklich genialer Weise ward hier die französische Choranlage mit der deutschen Hallenkirche verschmolzen.

In der dritten Chor=Kapelle steht der sogenannte Annenaltar, in dessen Schrank sich ein von der Johanniskirche herübergebrachtes sehr bedeutendes gothisches Holzbild befindet, die h. Anna mit Christus und Maria. Dieser Schrank steht auf einem spätgothischen Flügelaltar, der in der Mitte Maria mit den beiden Johannes in runden Figuren, auf den Seiten die Geschichte Christi in etwas gedrungenen Reliefdarstellungen enthält; die Außenseiten der Flügel zeigen sehr gut gemalte Heilige. An der Wand gegenüber hängen zwei schöne Todtenschilde, einer von Niclas Gaisberg, k. k. österreichischer Rath, gest. 26. August 1541; der andere von einem Vogt Spett von Thimnau, gest. 2. März 1541.

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In der vierten Kapelle, der frühern Rechberg’schen, steht auf dem neugothischen Altar das schöne große Crucifix aus dem 16. Jahrhundert, das sich früher auf dem Kreuzaltare befand.

Die fünfte Kapelle enthält den Antonius=Altar mit den alten Holzfiguren des Johannes, Nicolaus und der Barbara, hier hängt auch der sehr schöne Todtenschild des Rathes Eydtelhans von Haußen zu wagenhoffen, gest. 17. December 1622.

In der sechsten, der mittleren Kapelle, steht aus seinem Sandstein gehauen, das heilige Grab, zur Zeit der Erbauung der Kirche verfertigt, ein Werk von hoher großartiger Auffassung und von edler höchst ergreifender Durchführung, das zum Besten gehört was die Bildhauerei damaliger Zeit geschaffen hat; auffallend erinnern diese stark aber immer schön stilisirten Gestalten wieder an französische Weise. Christi Leichnam, in großem Maßstabe, liegt, von einem Gewand in weitem Wurfe halb umschlagen, in der offenen Grabkiste, (der Tumba), an der außen die drei betäubten Krieger kauern; hinter der Tumba stehen, Salbgefässe in den Händen, die anmuthreichen hohen Gestalten der drei trauernden heiligen Frauen, und weiter außen zwei jugendliche Engel mit gar lieblichen lockigen Häuptern; die alte Bemalung wurde kürzlich erneuert. An den Seitenwänden sind zwei große, etwas übermalte figurenreiche Fresken, auch in jenem alten, strengen und mächtigen Stile gehalten, (wohl aus der Zeit der Einweihung des Chors 1410) rechts die Kreuzigung, mit den Frauen, Johannes, vorne die würfelnden Landsknechte, auf dem andern Bilde Maria mit dem Leichnam Christi, Johannes, die Frauen, Joseph von Arimathia und Nicodemus. Namentlich Maria, sowie das Haupt Christi sind von zwingender Gewalt des Ausdrucks.

Die siebente Kapelle besitzt einen neugothischen Altar und einen Todtenschild des Doktor Leonhard Kager, gest. 20. Februar 1616, und seiner Gemahlin Katharina Orenbergerin, gest. 28. Juni 1614.

In der achten Kapelle befindet sich der Geburt Christi=Altar, dessen Flügel Gemälde von mittlerem Werth aus dem Ende des 16. Jahrhunderts zeigen; ferner ein Todtenschild des Bürgermeisters Caspar Debler, gest. 10. November 1557, und daneben jene Kanonerkugel, die am 26. November 1546 im schmalkaldischen Krieg bei der Belagerung der Stadt hereingeschossen wurde.

In der neunten Kapelle hängen die Todtenschilde des Arztes Lenhart Haug, gest. 26. November 1546 und des Wolff Jäger der Otter Obrister Stettmäuster, gest. 23. Juni 1586; auf dem Fußboden liegt das aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammende rothmarmorne Denkmal des Johannes Stailler; mehr ist daran nicht zu lesen.

In der zehnten und letzten Kapelle steht der Josephsaltar, neu, doch mit dem schönen alten gothischen Mittelbilde Maria mit Christi

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Leichnam, früher am Rechberg’schen Altare; und hier befinden sich ein trefflicher Todtenschild des Anthoni Fugger, gest. 13. April 1616, und ein im Renaissancegeschmack gehaltenes Steindenkmal des schon genannten Eytel Hans von Haußen zu Wagenhoven, gest. 17. December 1622 und seiner Gemahlin Veronica Vötterin von Frickhenhaußen, daneben steht das im spätest gothischen Stil gehaltene eines Geistlichen; die Inschrifttafel fehlt.

In der Taufkapelle befindet sich ein theilweis erneuerter großer prachtvoller Altar aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, mit sehr schön und fein, wenn auch abenteuerlich sich rankenden und krümmendem Schnitzwerk und einer Menge von Heiligenfiguren. Das große Mittelbild ist von leuchtender Schönheit und zeigt trefflich gruppirt die Mütter Christi, Salomons und Isaaks mit ihren Kindern. Ganz unten am Altare ruht in tiefem Schlummer der Stammvater Jeffe, aus dessen Herzen der Wurzelstamm wächst, sich als großer Baum über den ganzen Altar entfaltend, auf seinen Zweigen die Brustbilder Propheten des alten Bundes und oben die h. Dreieinigkeit tragend. In die Fenster der Kapelle sind vier alte schöne Glasgemälde eingesetzt, geweiht von den Stiftern des Sebaldus=Altars; sie zeigen Maria, S. Sebald, die Bilder, Wappen und Namen der Stifter und die Jahreszahl 1505. Die Bogenfelder der vier Seitenportale sind innen mit hübschen gemalten Epitaphien, aus dem 17. Jahrhundert, geschmückt.

Schließlich ist noch zu bemerken die reiche und zierliche Sakristeipforte und das daneben sich erhebende höchst reich verzierte Treppenthürmchen, beide in spätgothischem Stil; ferner ein erst kürzlich erneuertes und hier aufgestelltes Bildstöcken, mit schönen Skulpturen aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts; und endlich die schöne, an der Nordwand des Choranfangs auf einer Konsole stehende Rüstung des bekannten Bürgermeisters Rauchbein. Bemerkenswerthe Werke des Rococostiles sind endlich noch der am Choranfang hängende Marienleuchter und die zwei schmiedeisernen Weihkesselträger.

Die Sakristei, der Taufkapelle gegenüberliegend, besteht aus mehreren, mit reichen spätgothischen Netzgewölben überspannten Räumen; im westlichsten Theile sind die Gewölbe herausgenommen worden, ebenso wurden an diesem und dem daran stoßenden Raume die gothischen Fensterchen durch hässliche Ovale ersetzt hier werden die vielen prachtvollen Messgewänder aufbewahrt, noch wichtiger aber sind die in der auf der Nordseite gelegenen Paramentenkammer befindlichen heiligen Gefässe, wohl der reichste Schatz in Württemberg, von dem wir nur die bedeutendsten und schönsten Stücke nennen: Ein über 3’ hoher Kreuzpartikel aus dem 14. Jahrhundert. Eine 4’ hohe sehr schöne spätgothische Monstranz mit dem Zeichen M O, 20 Mark Silber schwer; sie stellt einen Hochaltar vor; zwei kleinere ältere in sehr edlem Stile. Eine 5’ hohe Monstranz

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aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, in Augsburg verfertigt, 40 Mark Silber schwer. Eine kleinere, im Frührenaissancestil gehaltene, 2 ½ hohe, sehr geschmackvolle, sie stammt aus der Schweiz und ist 18 Mark Silber schwer.

Ein einfach=schönes silbernes und vergoldetes Eiborium, das Kaiser Karl V. der Stadt Gmünd schenkte, mit der Inschrift: Carolus V. me dono dedit 1552.

Ein herrlicher goldener Kelch mit Emailbildchen, dann eine Vatene und zwei Kännchen (Silber und vergoldet) im besten Renaissancestil. Eine große silberne Renaissance=Lampe, 17“ im Durchmesser. Eine beinahe lebensgroße, schön in Silber getriebene Madonna, 150 Mark Silber schwer.

Gegenüber der Nordseite des Chors steht der jetzige Glockenthurm, ursprünglich ein sehr altes, ganz schlichtes viereckiges Steinhaus, worauf in dem ungeheuren Dachstuhle vier große Glocken hängen. Die größte hat die Umschrift in gothischen Minuskeln: zu unser frowen ere liut man mich. Hans eger von reitlingen gos mich. lucas. matheus. johannes. anno domini 1445. Auf der zweiten stehen in gothischen Minuskeln die Namen der vier Evangelisten und anno domini 1456. Die dritte hat in gothischen Majuskeln die Namen der vier Evangelisten, die vierte in derselben Schrift: Ave Maria gracia plena dominus tecum. Die beiden letzteren Glocken sind ohne Zweifel so alt wie die Kirche.

Außen an der Südseite der Kirche stehen steinerne Grabdenkmäler aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wovon die bedeutendsten:

1) Eine Grabplatte, auf deren Wappenschild eine Distel ausgehauen ist, mit der Umschrift: anno dom. 1524. uff. sant. benedict. tag. starb. der eren. vest… warbeck. dem got gnad.
2) Anno domini millesimo CCLXXXIIII. obitt berchtoldo klebzagel. primus magister civium; dem Stile nach wurde diese Grabplatte gleichzeitig mit der erstgenannten verfertigt.
2. Die Johanniskirche; sie reicht mit ihrer Ostseite an das südliche Ende des Marktplatzes und ihre noch aus alter Zeit stammenden Theile wurden, ihrem Stile nach, am Ende des zwölften und im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts im spätromanischen Geschmack erbaut. Der Sage nach und nach jener (sehr späten) früher über dem Triumphbogen befindlichen Inschrift soll die Kirche gestiftet sein von der Herzogin Agnes, der Gemahlin Herzogs Friedrichs I. von Hohenstaufen (+ 1105), welche auf der Jagd ihren Ehring an dieser Stelle verloren und wunderbarer Weise wieder erhalten habe. Die Inschrift lautete: Invento Agnetis annulo Laureacenses posteritati me edificaverunt. Am Ende liegt aber dieser Sage doch eine gewisse geschichtliche Wahrheit zu Grunde, soviel nämlich, daß die ursprüngliche Anlage des Chores in den Anfang des zwölften Jahr=

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hunderts zu setzen ist. An die Stelle des alten Chores wurde nämlich ein gothischer gesetzt und hiebei zum Theil die Steine der ursprünglichen Abside verwandt, welche, namentlich die zum Fundament wieder benützten, , unzweifelhaft einen früheren Stil zeigen, als alle übrigen Theile der Kirche. Wenn beim gegenwärtigen durchgreifenden Umbau der Kirche der gothische Chor niedergerissen werden wird, so finden sich wohl hiefür noch weitere Anhaltspunkte.

Seit dem Sommer 1869 wird, hauptsächlich durch die rastlosen Bemühungen des Kaplan Pfizer und des Stadtbaumeisters Stegmaier, die Kirche wieder in die Form zurückgebaut, die sie unter den Hohenstaufen, die jedenfalls an ihrer Erbauung großen Antheil nahmen, hatte, in die schöne Form der dreischiffigen, flachgedeckten Basilika mit hohem Mittelschiffe; dessen war sie verlustig gegangen durch die Eingriffe, welche sich das fünfzehnte und achtzehnte Jahrhundert in das edle Bauwerk erlaubten. In der spätgothischen Zeit nämlich wurden die Seitenschiffe der Kirche erhöht und mit dem Hauptschiff unter ein Dach gebracht, die östlichen Theile aber schon vor 1400 niedergerissen und durch einen gothischen Chor ersetzt. An den Wänden der Seitenschiffe und der Facade wurden viele der romanischen Fensterchen vermauert, und dafür große gothisch gefüllte eingebrochen. Das Innere blieb damals so ziemlich unberührt und ward erst in der Zopfzeit mit überreichen, aus Stuck und Zeug gemachten Rococogewölben, mit großen Gipsstatuen und Fresken erfüllt, und was das Schlimmste war, in die Wände des Oberschiffes breite Ovalfenster hineingeschlagen, welche der Festigkeit des ganzen Gebäudes nicht wenig schadeten. Zum großen Glück unternahm man im vorigen Jahre die Erneuerung der Kirche, eines der merkwürdigsten und schönsten Denkmale nicht blos in Schwaben, und wir erschauen nun wieder eine dreischiffige, langgestreckte, hohe Pfeilerbasilika von sehr edlen Verhältnissen und höchst reichem und wirksamem bildnerischem Schmuck.

Beginnen wir nun mit der Westseite (Schauseite), die auf den freien Platz gegen die frühere Dominikanerkirche heraussteht. Schlank und schön steigt hier die Front des Mittelschiffes über die der Seitenschiffe empor, und wird wie diese von wagrechten und an den Giebelsäumen von schräg hinlaufenden Rundbogenfriesen belebt; diese Friese machen eine um so reichere und bessere Wirkung, weil ihre Bogenfelder alle von immer wechselnden Pflanzen= oder Thiergebilden erfüllt sind; aber auch an den Lisenen, die zu den Friesen hinaufgehen, sind in Menge kleine Skulpturen ausgemeißelt, überhaupt die ganze Facade und, wie wir sehen werden, die ganze Kirche samt Thurm ist mit figürlichem Schmuck in einem ganz seltenen Reichthume gedeckt, die Ornamente selbst sind wieder bis ins Feinste ausgeführt, diamantirt u. f. m.; siehe anstehend Theile aus den wagrechten Friesen der Westseite des Mittelschiffes.

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Die hohe Wand des Mittelschiffes wird von einem (neu eingesetzten) Radfenster durchbrochen. Zwei rundbogige Portale führen hier in die Kirche, eines in das südliche Seitenschiff, das andere, das Hauptportal, n das Mittelschiff, doch steht diese nicht in der Are desselben, sondern um 4 ¼ Fuß zu weit nördlich; mit drei Eintreppungen, in deren Ecken schön kapitellirte Rundsäulen stehen, tieft es sich ein und hat im Bogenfeld ein Relief von sehr urthümlicher romanischer Arbeit: Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, und gegen die Enden hin steht, ganz flach gemeißelt auf einer Seite ein Eichbaum auf der andern ein Lindenbaum; in den Wipfeln sitzen Vögel. Johannes hat als Zeichen des Schmerzes die rechte Schläfe in die rechte Hand gelegt. Ganz oben im Giebel des Hauptschiffes sieht man einen Mönch mit derselben , auch mit Rundsäulen geschmückten Nebenportales sitzen auf Thronen zwei männliche Statuen (die Köpfe sind abgeschlagen), auch höchst alterthümlich mit byzantinisch eng neben einander herlaufendem Gefältel der Gewande; der eine hat einen Bischofsstab, der andere, ohne Zweifel Petrus, einen großen Schlüssel

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in der Hand; zu Seiten Petri ist ein Adler, zu Seiten des Bischofs eine Schneiderscheere flach ausgeschafft. Die Pforte war bis dahin vermauert durch eine große, hübsche, spätgothische Grabplatte, worauf die Gestalt eines Geistlichen und am Rand umher die Inschrift: Anno. gracie. (1050) (d. h. 1500) Obijt. johannes. kirssenesser. caplan. ad. sanctum. spiritum. cui anima. requiescat. in pace. hierauf folgt ein langes, nicht zu enträthselndes Wort. Der Grabstein gehört einem, noch im Jahre 1496 in Lautern gewesenen Pfarrer Joh. Kirssenesser. (S. die Ortsbeschr. von Lautern). Außer den schon angeführten Skulpturen bedecken zum Theil sehr verwitterte Darstellungen die Lisenen, die glatten Umrahmung des Hauptportals ist in der Kapitellhöhe noch zu erkennen ein Centaure, der den Bogen spannt und hinüberschießt nach einem andern, der sich mit dem Schilde deckt und sein Schwert schwingt; dann sind endlich an der Wand über dem Hauptportal zu schauen, die Darstellung einer Hirschjagd, dann St. Georg, den Lindwurm mit der Lanze tödtend, und weiter oben der Teufel, ein Männlein, (das Volk sagt, den Baumeister), an der Nase packend. (Näheres siehe die Aufnahmen im XII. Jahresheft des Württemb. Alterthumsvereins, Taf. 41 -41).

Betrachten wir nun die Langseite der Kirche. In langer und stolzer Reihe ziehen sich an den schön gefügten Quaderwänden des Oberschiffes je elf bedeutende, gedrückt spitzbogige Fenster hin, ihre tiefe Einschrägung wird außen von kräftigem Rundstab gefasst, und als Bekrönung der Wände läuft ein Bahnschnittfries und ein trefflich abschließendes Kranzgesimse hin, bestehend aus starkem geflochtenem Rundstab und hoher, auch mit Flechtwerk verzierter Kehle. Wenige Hochschiffwände romanischer Bauten wirken so schön und harmonisch. Von ähnlich edler Pracht sind die Wände der Seitenschiffe, und zwar ist hier die Nordseite, wo das Veitskirchlein stand, einfacher gehalten, als die zur Schauseite angelegte des höheren und breiteren Südschiffes. An der Nordseite theilen flache, zum Theil mit verwitterten Skulpturen bedeckte Wandstreifen die von vielen ganz schmalen geschlossen wird durch einen schönen, mit Skulpturen erfüllten Rundbogenfries, und ein reiches, dem am Oberschiff ähnliches Krönungsgesimse. Das Gesimse wurde, wie das des Oberschiffes, meist aus alten Stücken, der Rundbogenfries streng nach alten Mustern gefertigt. An der Südseite vertreten frei vor die Mauer gestellte, am schlanken Schafte zierlich gewirtelte Rundsäulen die Stelle der flachen Wandbänder; sie haben weiche gedrückte Vasen mit Eckblättern und hohe mit Blättern umlegte Kapitelle, nur die Säulen an beiden Ecken sind Beschreib. v. Württemb. 51. Heft. Oberamt Gmünd. 13

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noch die ursprünglichen, die Fenster dieselben wie an der Nordseite, aber ein noch reicherer (auch neu gearbeiteter) Rundbogenfries und ein noch reicheres Krönungsgesimse vollenden den edlen prächtigen Eindruck dieser ganz als Schauseite behandelten Wand. Dazu kommen noch zwei Rundbogen=Portale. Das eine, mehr westlich gelegen, enthält im Bogenfeld sehr erhaben gearbeitet zwei (Hohenstaufische) Löwen und darüber in der Mitte einen Kopf (wie es scheint einen Mönchskopf), der zwischen einer Schneiderscheere, (der selben wie am Nebenportal der Westseite) herausragt. Die Kapitelle der hier angebrachten Säulen haben eine eigenthümliche, hochschlanke, kolbenartige Form, die von flach und sauber geschafften kleinblättrigen Pflanzen umrankt und umflochten wird. Das andere mehr östlich gelegene Portal hat kein Bildwerk; ihm entspricht am Nordschiff ein ganz ähnliches. Dann aber ist zu nennen am Strebepfeiler der südwestlichen Ecke ein höchst merkwürdiges romanisches Bildwerk: Maria mit dem Kinde, darüber schwebt an der Untenseite des Strebepfeiler=Schutzdaches ein segnender Engel. Maria mit dem Kind ist in sehr gestreckten Verhältnissen gehalten und erinnert lebhaft an ein byzantinisches Mosaik. Das Kind segnet mit der Hocherhobenen rechten Hand und greift mit der linken

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nach einem Apfel, den die Mutter in der hohlen rechten Hand hält. Die Arbeit ist neben aller Ursprünglichkeit eine äußerst saubere, die Gewänder sind gar fein gefältelt und alle Bänder, Gürtel, Säume u. s. m. sehr zart und zierlich ausgeführt (s. vorstehende Abbildung).

Ganz von derselben Hand gearbeitet war die in der Nähe der Madonna in die Wand des Südschiffes eingelassene und eines der Fenster verdeckende Reliefplatte. Sie wird an der neu zu errichtenden Aptis der Kirche wieder angebracht werden und enthält Christus am Kreuz, mit stark gekreuzten Beinen; neben steht Maria und Johannes, dieser auch mit jener Geberde des Schmerzes, und unterhalb des Kreuzes hängt an einem doppelten Strick Judas, eine Schaale mit den dreißig Silberlingen in der Hand haltend.

Ferner hocken auf den meisten Brüstungen der Fensterchen des Südschiffes Gethiere (Löwen, Hunde, Drachen u.) und oben in einigen Spitzbögen der Fenster (des südlichen Schiffes, sowie der südlichen Wand des Mittelschiffes) sitzen schlanke Falken; ferner an allen Giebelenden ragen herrlich stilisirte, sich zwerghaft zusammmenduckende, langbärtige Gestalten heraus, und endlich sind noch hervorzuheben: unter der schon genannten Madonna die flachausgemeißelten zwei Windhunde samt einem ins Horn stoßenden Jäger. Die beiden Hunde sind von trefflicher, naturwahrer Bildung. Alle diese Bildwerke, wie auch die Ornamente und Gesimse zeigen zum Theil noch sehr deutliche Spuren von bunter Bemalung. Als Bausteine sind dieselben Arten verwendet, wie an der h. Kreuzkirche.

Ist nun der Anblick der Kirche mit ihren edlen und leichten Verhältnissen und ihrem so reichen und wohlangebrachten Schmuck in hohem Grad erfreuend und, so wird dieser Eindruck noch mächtig gesteigert durch den frei an der Nordwand des hohen Chores sich erhebenden Glockenthurm, den sog. Schwindelstein (bis zum Knopf 158’ hoch). Es ist der prachtvollste und schönste romanische Thurm im Schwabenlande und blieb ganz unberührt vom Sturm der Zeiten stehen, als höchstes und stolzestes Denkmal der Blühte der Stadt Gmünd unter den ihr so sehr zugethanen hohenstaufischen Kaisern. Sein erstes Geschoß, viereckig, würfelförmig, fast fensterlos, aber von reich diamantirter Lifenenstellung und von prächtig gefülltem Rundbogenfriese belebt, bildet eigentlich nur den großartigen Sockel, worauf der eigentliche Körper des Thurmes mit einem zweiten, sehr hohen, hanz schmucklosen Geschosse durch vier groß Schrägen ins Achteck hinangeht, von hier an in zwei sehr reichen, von spitzbogigen Arkaden=Fenstern durchbrochenen Achtecks=Geschossen sich weiter entwickelt und mit schlankem achteckigem Zeltdache sich abschließt. Breite, vielgegliederte, reichskulpirte Gurtgesimsstreifen machen den Thurm vollends zum lebendigen Ganzen; und an ihm ist nun der Reichthum an abenteuerlichen

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Thiergestalten am größten; sie kauern auf allen Kapitellen, ziehen sich rings um Kämpfer und Friese; auf dem breitesten, gerad unter dem Dachgesims hinlaufenden, ist eine ganze Jagd auf wilde Thiere dargestellt (s. auch die obenstehende Abbildung der zwei obersten Geschosse des Thurms).

Auch der innere Bau des höchst gediegen und mit sehr starken

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Mauern aufgeführten Thurmes ist schön und merkwürdig. Das untere Geschoß, zur Sakristei dienend, wird von einem auf kurzen Ecksäulen ruhenden Kreuzgewölbe mit starken Rippen von breiter Leibung überspannt; die Wände des zweiten, sehr hohen Geschosses werden durch sehr gespitzte Bögen entlastet. Das dritte und vierte Geschoß ist zusammengefasst zu einem hohen tempelartigen Raum, in dessen acht Ecken schlanke Rundsäulen aufsteigen und aus ihnen schwingt sich ohne Kapitelle ein schönes achtrippiges Sterngewölbe. Am Schlussstein desselben ist ein Druidenfuß ausgemeißelt. Die Gewölberippen haben ein weitvorspringendes Profil, bestehend aus steiler Kehle, an der ein starker Rundstab mit Steg hervortritt. Säulchen und Rippen sind schon ganz gothisch gebildet, und die Vollendung dieses Raumes, sowie des hohen Dachhelmes, mag tief in das dreizehnte Jahrhundert hineinfallen. Wenn einmal der gothische Chor niedergerissen ist und die neue, im Stil des Thurms und der Kirche gehaltene halbrunde Abside vollendet dasteht, ist die Kirche ein Denkmal spätromanischer Kunst einzig in seiner Art und wird nach allen Richtungen hin die schönsten und bedeutendsten Ansichten gewähren.

Das Innere der Kirche streckt sich als eine schlanke, hohe Pfeilerbasilika hin; die Seitenschiffe gehen bis zum Triumphbogen und endigen hier platt, das Mittelschiff setzte sich hinter dem Triumphbogen als ebenso breiter und gewiß auch als ebenso hoher Chor (Altarraum) fort und schloß mit einer halbrunden Abside, die nun wieder erbaut werden soll und mit ihrer großen Halbkreisnische den würdigsten Abschluß des einfach edlen, sonst ganz flachgedeckten Raumes geben wird. Die Verhältnisse sind weit und zierlich; die Arkadenpfeiler, je sieben auf jeder Seite, feingebildet, und an den vier Kanten von schlanken Knaufsäulchen gefasst, die das rings umher laufende Kämpfergesims tragen helfen. Dieses besteht aus hoher, von kräftiger Platte bedeckter Schräge, worauf linien= oder meist pflanzenhafte Muster gar sauber und geschmackvoll ausgemeißelt sind; die Rundform der Kantensäulchen schwingt sich als einfassender Stab in den Arkadenbögen umher. Ueber den Arkadenbögen zog sich früher eine schön skulpirte, hohe steinerne Gurte hin, die in der Zopfzeit weggespitzt und nun wieder erneuert wurde; Theile einer ähnlichen, mit schönen Palmetten geschmückten, fanden sich noch im südlichen Seitenschiffe. Der weite lichte Triumphbogen, ganz wie die Arkadenbögen behandelt, ist noch erhalten und zeigt an seinem nördlichen Kämpferkapitell zwei sich mit den Schwänzen verschlingende Drachen. Die Kirche erhält ihr Licht hauptsächlich aus der stolzen Fensterreihe des Hochschiffes, hat also fast lauter Oberlicht, was immer von der feierlichsten Wirkung ist. Die Länge der Kirche bis zum Triumphbogen beträgt 116’, die Höhe des Mittelschiffes 53’, die Breite der Kirche an der Westwand 62’, beim Triumphbogen 67’, die Breite des

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Mittelschiffes westlich 29’, östlich 31’ (d. h. die Hälfte der ganzen westlichen Breite der Kirche). Die Höhe des nördlichen Seitenschiffes beträt 20,5’, die Breite westlich 12’, östliche 13’, die Höhe des südlichen Seitenschiffes 24’, die Breite westlich 14’, östlich16’.

Auffallend und wohl nie mehr ganz zu ergründen sind diese großen Unregelmäßigkeiten des Grundrisses. Dazu kommt noch, daß das Hauptportal um 4 ½ Fuß zu weit nördlich sitzt, ferner trifft die Verlängerung der Chorare so ziemlich in die Mitte desselben. Man begann wohl mit Rücksicht auf den ältesten Theil, nämlich die Chorabside, den Bau der Westseite, deren Formen auch noch, außer den am Chor gefundenen skulpirten Steinen, die alterthümlichsten sind; die Arkaden des Mittelschiffes baute man unstreitig von Westen nach Osten, denn die letzte Arkade, die achte, ist enger und spitzbogig, sie musst nur 10,8’, während die übrigen alle rundbogig sind und 11,6’ messen. Ein weiteres Räthsel ist ferner, daß am Westende der nördlichen Arkadenreihe kein Pfeiler, sondern eine halbe Würfelknaufsäule mit schweren Ecknollen steht.

Daß das nördliche Seitenschiff schmäler, niederer und einfacher gehalten wurde, mag auch darin seinen Grund haben, weil auf dieser Seite das Veitskirchlein stand, während die Wand des südlichen Seitenschiffes als eigentliche Schauseite behandelt und auch parallel mit der alten Chorwand geführt wurde.

Die Ausführung des Baues bis hinab zu dem breiten Grundgemäuer ist äußerst sorgfältig, besteht durchweg aus feingefügtem glattgeschafften Quadern; die Thore haben gewaltige steinerne Oberschwellen, die von Rundbögen entlastet werden. Steinmetzzeichen finden sich besonders häufig an den Wänden des Hochschiffes, im Thurm und an den Arkadenpfeilern. Es sind die gewöhnlichen, spätromanischen; an einem der Arkadenpfeiler ist auf beiden Seiten groß eingeritzt ein Dreieck, worin ein großer, eleganter Spitzhammer sitzt, dann eine große Zange u. f. m. Noch wären zu erwähnen die beiden trefflichen Laubwerkskonsolen, auf denen früher die im strenggothischen Stil gehaltenen Beldsäulen, Maria und St. Martin standen, die jetzt das Westportal der h. Kreuzkirche schmücken; ferner die große eherne und versilberte Lampe, worin das ewige Licht brennt, ein merkwürdiges, sehr altes Werk mit drei sirenenartigen Gestalten; dann das auch im Chor befindliche Oelbild aus dem 17. Jahrhundert, worauf die Legende von der Stiftung der Kirche und im Hintergrund eine Ansicht der Burg Hohenstaufen samt Umgebung sehr fleißig und ausführlich dargestellt ist; die Unterschrift des Malers lautet: Johann Georg Scherlen Maler. Die Kirchenstühle sind in schönem Rococo ausgeführt; auf dem Chorboden liegt ein alter Grabstein, das Brustbild eines Geistlichen mit Kelch. Schließlich sei noch der Abendmahlskelch in der Sakristei genannt, an dem das sehr alte winzige Bildchen

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S. Veits angebracht ist; er stammt aus der uralten, leider 1807 abgebrochenen Veitskapelle, die nördlich von der Johanniskirche stand und eine Unterkirche besaß. An den Arkadenpfeilen finden sich noch Spuren von sehr alten Fresken.

Von den vier Glocken auf dem Thurm hat die größte in gothischen Minuskeln die Umschrift: franz. puicfen. meister. von. eslingen. gos. mich. von. cristus. gepurt. 1400 und 33 ior. iesus. maria. Die zweitgrößte ist sehr alt und zeigt die vier Evangelistennamen in altgothischen Majuskeln. Die dritte wird das Marienglöckchen genannt und aht die Umschrift: S. Johannes Baptista. Ora pro nobis 1692; endlich das sog. Todtengläckchen mit der Umschrift: Franziscus Kern in Augsburg gegossen 1711.

Früher bestanden an der Johanniskirche Kramläden, die 1785 neu aufgebaut und neuerdings befestigt wurden.

3. Die Franziskanerkirche (Kirche des ehemaligen Franziskaner=Klosters, jetzigen Schullehrer=Seminars). Dieses einst so herrliche, angeblich 1208 von Walter von Rinderbach gestiftete Gebäude wurde in der Uebergangszeit vom romanischen in den gothischen Geschmack erbaut und in der Zopfzeit stark verändert. Die geräumige Kirche bestand, nach Art dieser Bettelordenkirchen, aus einem großen weiten flachgedeckten Schiffe und einem strengen hohen gewölbten Chore. Doch wurde sie auf Grund einer romanischen (wohl nie fertig gewordenen ) Anlage errichtet, wie das kraftvolle, mit Wulsten belebte rundbogige Portal der Westseite, sowie die Lifenansätze an der Ostwand des Chores, beweisen. Ueber dem Chor erhob sich ein in diesem Jahrhundert abgebrochener Thurm, der jetzt durch einen hölzernen Dachreiter ersetzt ist.

An der Nordseite ist zum größten Theil das in ganz schlichtem Rococostil gehaltene ausgedehnte Kloster angebaut und nur gegen die Nordwestecke hin steht die Mauer frei und zeigt hier noch einen vermauerten romanischen Eingang. Die Südwand des Schiffes wurde in der Zopfzeit, ist auf die spätromanische Sockelwulst und das oben wieder angebrachte alte Kranzgesimse niedergerissen und neuaufgeführt und mit langen, gedrücktbogigen Fenstern versehen. Am hohen, geradgeschlossenen, mit Streben besetzten Chore dagegen sind die herrlichen, schlanken, je zu drei gruppirten Spitzbogenfenster (ältesten gothischen Stils) erhalten, wenn auch zum Theil vermauert. Innen ist das Schiff in eine flachgewölbte Halle mit reichen Zopfstuckaturen und Oelgemälden an Wänden und Decke umgewandelt; auch der Chor wurde ganz verzopft, aber hier erkennt man noch unter dem schwerfälligen Rococo die edlen Rippenkreuzgewölbe, die auf reichen, schön kapitellirten, von prachtvollen Laubbwerkkonsolen getragenen Säulenbündeln ruhen; sie zeigen die wundervolle, so feine als kräftige Ornamentik damaliger Zeit in ihrer Vollendung. Die Kirche

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ist innen 160’, lang und 45’ 3“ breit. Den halben Chor erfüllt ein gewaltiger tempelartiger Zopfaltar. Die beiden tüchtigen Seitenaltäre enthalten große Oelbilder von J. G. Strobl. 1764. An der Nordseite stehen einige hübsche Grabplatten im Renaissancestil, worunter eines der Familie Wollmarth, und nahe am westlichen Eingange findet sich das ganz treffliche Grabmal eines Ritters mit desselben hocherhaben gearbeitetem Brustbild von äußerst feinem und sprechendem Ausdrucke und der Umschrift: Anno dmi. 1534 iar an sant ursula dag starb der edel und vest Jörg gronbeck zu niedern buirn. dem got gnad. Im Chore zieht sich schönes, mit Brustbildern geschmücktes und aus dem Ende des sechszehnten Jahrhunderts stammendes Chorgestühl hin.

In der Sakristei nördlich am Chorende befindet sich das Portrait des J. Laib, mit der Unterschrift: Jacobus Laib Quardianus 1620 Civitatem Gamund. in Vera Fide Servavit, pro reformatione Monasterii in propria Oersona Collegit Eleemosinae Summam 11948 Flor.

Nördlich stößt an die Sakristei die geräumige St. Antoni=Kapelle; sie trägt keine Spuren ihrer früheren Bestimmung mehr, und wurde zur Zeit des Umbaues in das Refectorium verwandelt, das gleich der Kirche in reichem Rococostil gehalten ist. Zwischen der Antonikapelle nun, der Sakristei und der Kirche befindet sich ein Raum, mit der Grabplatte des vom h. Franziskus von Assist nach Gmünd gesandten Bruders David, bis jetzt von einem kleinen Holzstall verdeckt. Es ist eine schlanke, trapetzförmige, mit zwei beweglichen eisernen Ringen versehene Steinplatte mit der Umschrift:

Candide lector. hoe sub lapide requiescunt ossicula Davidis fraterculi qui a Sancto Francisco huc missus septem cum fratribus. anno dn. 1208.

Die Zahl 1208 steht auf der Platte selbst über dem oberen Ring, in spätgothischen (arabischen) Ziffern, und auch die Umschrift wurde, wie die Schriftzeichen untrüglich beweisen, erst am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gefertigt; die Grabplatte selbst mag jedoch die ursprüngliche sein; sie lag früher in der Antonikapelle über der Erde erhöht und mit eisernen Leuchtern versehen, auf denen Kerzen brannten, wenn die Gläubigen beim Grabe des im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Bruders ihre Andacht verrichteten. In demselben Raume sind an der nördlichen Wand noch zwei hübsche Grabmälchen zu bemerken, des Antoni Stahl (+ 1759) und seiner Gemahlin, geb. Deblerin (+1770).

Alle bis jetzt genannten Kirchen werden von der städtischen Kirchen= und Schulpflege unterhalten.

4. Die protestantische Kirche (Kirche des ehemaligen

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Augustiner=Klosters) unsern (nordwestlich) von der Heilig=Kreuzkirche gelegen.

Die sehr große, 1758 im Zopfstil vollendete Kirche ist außen ganz einfach, bietet aber innen einen großartigen, reich und schön geschmückten Raum, einschiffig, flachgewölbt, mit polygongeschlossenem Chore, und ganz bedeckt mit Stuckaturen und Fresken; diese stellen das Leben des h. Augustinus dar. Am bedeutendsten sind die beiden riesigen Deckenfresken an der des Schiffes steht der Name des Malers: Joh. Anwander invenit et pinxit 1757. An der Nordwand des Chores ist ein sehr hübsches marmornes Grabsteinchen eines Senfft von Sulpurg +1515 eingemauert. Der große, mit vielen Säulen geschmückte Hochaltar zeigt ein gutes Oelbild: Augustinus schmettert drei Irrlehrer nieder. Die Kirchen= und Chorstühle sind in tüchtigem Rococo geschnitzt.

5. In ähnlichem, nur noch prächtigerem Stile ist die im Jahre 1762 von Baumeister Keller aus Dinkelsbühl vollendete Dominikanerkirche gehalten, die jetzt leider samt dem austoßenden, auch hübsch und großartig erbauten Kloster zu einer Kaserne verwendet wird. In die Kirche wurden mehrere Böden hineingezogen: von dem obersten aus erblickt man noch die herrlichen Deckenfresken, welche auch von Joh. Anwander gemalt wurden, im Jahre 1764, und diejenigen der Augustinerkirche an Schönheit noch übertreffen. In dem jetzt ganz weißgetünchten, 1284 gegründeten, 1724 neu gebauten Kloster erhielt sich eine Freske nur an der Decke des schönen steinernen Treppenhauses: Erzengel Michael mit dem bösen Feind unter sich.

b. Außerhalb der Stadt liegen:

1. Die Kirche zu St. Leonhard mit Messnerhaus beim Friedhof an der Straße nach Gotteszell gelegen; leider wurde auch dieses treffliche Gebäude in den Jahren 1776 – 1779 verzopft; es ward im 14. Jahrhundert aus Almosen und Opfern in hohen Verhältnissen und einfachen gothischen Formen erbaut. Die schönen Spitzbogenfenster sind jetzt halb vermauert und in das Innere, das einst im Schiffe eben gedeckt, im Chore gewölbt war, sind nun flache, reich mit Stuckaturen und Gemälden geschmückte Zopfgewölbe eingezogen. Die Kirche, innen 69’ lang und 34’ breit, ist aus sehr schönem Quaderwerk ausgeführt und an der Westseite, dessen Steingiebel mit einem außerordentlich schönen, gothischen Steinkreuze geziert ist, durch das hier anstoßende Meßnerhaus verbaut. An der Südseite des Schiffes steht 1471, ohne Zweifel das Jahr einer Restauration und über dem Eingang ist ein altes Steinbild der Mutter Gottes und neben das späte, unbedeutende des h. Leonhard aufgestellt. Der Chor hat schlanke, schlichte Strebepfeiler, die mit alterthümlichen Giebelblumen bekrönt sind. Das Innere der Kirche

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enthält kolossale Zopfaltäre und gut geschnittenes Stuhlwerk. Die Unterhaltung der Kirche hat die Schul= und Stiftungspflege.

2. Die Salvatorkirche. Etwa 1/8 Stunde nordwestlich von der Stadt liegt auf einem vorgeschobenen Hügel am Abhange des sogenannten Neppersteins diese weithin sichtbare berühmte Wallfahrtskirche mit dem daneben stehenden Beneficiathaus, von wo man eine reizende Aussicht in das Remsathl und an die Vorberge der Alb genießt. Von dem Thal aus schlängelt sich den Berg hinan bis zur Kirche ein schön angelegter Weg, woran Bildstöckchen und Stationen, die Leidensgeschichte Christi in Holzskulpturen zeigend, angebracht sind.

An der fünften Kapelle, worin Pilatus seine Hände in Unschuld waschend dargestellt ist, fließt das Herziesu=Brünnlein mit sehr reinem und frischem Wasser.

Nicht weit davon ist bemerkenswerth ein sehr hübsch gearbeiteter steinerner Bildstock mit der Jahreszahl 1601. Weiter oben gelangt man zu den drei Kreuzen, Christus zwischen den Schächern; das Bild Christi ist von beachtenswerther Schönheit und mag aus der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts stammen. In der großen, ganz mit Muscheln ausgelegten Kapelle daneben zeichnet sich unter vielen Heiligen=Bildern durch die Größe des Stils eine noch aus gothischer Zeit stammende Pieta (Maria mit dem Leichnam des Herrn) aus.

Die Kirche ist ganz in den hier sehr mächtig anstehenden Stubensandsteinfelsen gehauen und besteht aus zwei Kapellen übereinander; die untere ist 39’ lang und 20’ breit, die obere 30’ lang, 14’ breit und noch mit einer nicht in den Fels gehauenen Vorhalle, 28’ lang, 20’ breit, versehen. Ihre jetzige Gestalt erhielt die Salvatorkirche im Jahre 1617 – 1620.“ Im Jahre 1616 stiftet Heinrich Pfennigmann aus Gmünd, Pfarrer in Sulzfeld am Main, zur Erweiterung der Kirche 200 Gulden. Die erste Anlage des Salvators scheint in sehr frühe christliche Zeit zurückzugehen; hinter dem Thurm wird noch eine Felsengrotte gezeigt, worin vor grauer Zeit der erste Bewohner, ein Anachoret, gewohnt haben soll; noch vor vierzig Jahren wohnte in der Grotte eine hochbetagte Frau bis an ihr Ende.

An der Außenseite (gegen Süden) ist der natürliche Fels stehen gelassen und in demselben sind verschiedene Nischen und Oeffnungen, sowie Thiere, Figürchen, Laubwerk und andere Zierrathen eingehauen; auch baut sich eine Kanzel heraus und darunter springt aus dem Felsen ein klarer, lebendiger Quell, der Mosisbrunnen, in eine steinerne Schale. Die untere, einfach überwölbte Kapelle enthält di alten, vielbesuchten wunderthätigen Bilder Christi, der Maria und des

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Johannes; sie sind von schweren und unentschiedenen Formen und auch aus dem natürlichen Felsen gemeißelt. Eine neuere Inschrift dabei sagt : Dieß Kreuz wurde ausgehauen etlich Jahr ehr Gmünd mit einer Mauer umgeben war, und ist renovirt worden im 6. Jahr der Regierung Mathias. Die obere Kapelle bildet einen sehr hübschen Raum, von zwei flachen Rippenkreuzgewölben überspannt, auf deren Schlusssteinen Reichsadler und Einhorn sehr schön ausgehauen sind. Den Altar schmückt ein werthvolles Bild,m die Schmerzensmutter, mit der Jahreszahl 1536, aus der Herrgottsruh=Kapelle stammend; rechts steht in einer Art Grotte aus dem Fels herausgehauen ein großer erneuerter Oelberg, und an der Ostwand eine sehr hübsche epitaphienartige Gedenktafel mit Christus am Kreuz, gefertigt von Casp. Vogt. Die Kirchenstühle zeigen in beiden Kapellen hübschen Rococostil. Westlich am Kapellenfelsen, der vor einigen Jahren ganz frisch überarbeitet ward, steht ein achteckiger, dreistockiger Glockenthurm, erbaut in schlichter Renaissance; er hat über dem Eingang eine mit schönen Skulpturen versehene Inschrifttafel: „Als Anno 1617 diser stain oder capel Renoviertt worten. sein heren stettmaister in der Regierung gewesen. Jacob spindler Balthas pfiningman und marttini grieb.“ Auf der Tafel steht man einen Crucificus und die drei knienden Gestalten der Genannten und im Hintergrund die drei Kaiserberge. Auf dem Thurm hängen drei Glocken; auf der größten steht: Fusa a Jos. et Nie. Arnoldt in Dünkelsbihl. 1780., auf der andern: goss mich Christian Victor Herold in Nürnberg. 1763; die dritte Glocke ist unzugänglich.

Im Jahr 1770 wurde für den Salvator von dem Handelsherrn und Kassier Debler eine jetzt mit der Kirchen= und Schulpflege verbundene betächtliche Stiftung gemacht und auch das Benficiathaus erbaut. Sie hat auch das Recht, aus ihren Mitgliedern den Pfarrer von S. Salvator zu wählen; dieser hat freie Wohnung auf dem Berge und muß wöchentlich dreimal in der Kirche Messe lesen. Außerdem hat die Stahl=Storr’sche Familie noch ein zweites Beneficiat daselbst (f. auch unter den hist. Theil).

3. Die St. Katharinenkirche, 1/8 Stunde westlich von der Stadt beim Katharinen=Spital gelegen ; sie ist zu Anfang des 14. Jahrhunderts gegründet und wurde in der Zopfzeit umgebaut, durch die Nordseite führt ein hübsches Portal. Das Innere ist mit Fresken und einem tüchtigen Renaissance=Altar geschmückt, dessen Mittelbild die Enthauptung der h. Katharina vorstellt; im Chor sieht man noch ein schönes, gothisches Sakramentshäuschen. Auf dem First sitzt ein sog. Dachreiter, in dem eine alte gothische Glocke hängt. Die Unterhaltung hat die Kirchen= und Schulpflege.

4. Die Kirche in Gotteszell (s. unten).

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Von Kapellen stehen noch:

1. Die Kapelle zur Herrgottsruhe am Friedhofe, eines der merkwürdigsten Bauwerke in einem aus Gothik


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Meist. Geh. Meist. Geh. Barbiere . . . . 6 3 Kleemeister . . . . 1 1 Band= und Borten

 wirker .  .  .  .          3                2     Korbmacher .  .  .  .   3                --

Baumwollenweber . 3 14 Küster . . . . . . . 4 2

Beindreher u. Bein= .

 ringler                      11           13      Kupferschmide  .  .  .  3                 2

Blechmacher . . . . 1 -- Lakirer . . . . . . . . 2 2 Blumenmacher . . . 3 -- Leineweber . . . . . 2 2 Brodbäcker . . . . . 29 33 Litzenschuhmacher . 2 -- Büglerinnen . . . . . 2 -- Lohnmezger . . . . . 1 -- Bürstenbinder . . . . 5 3 Lumpensammler . . . 3 -- Buchbinder . . . . . . 8 2 Maler . . . . . . . . 1 -- Büchsenmacher . . . . 1 -- Messerschmide . . . 3 3 Färber . . . . . . . . 1 -- Metalldreher . . . . . 1 3 Feilenhauer . . . . . 1 -- Mezger . . . . . . . 27 13 Fischer . . . . . . . 2 -- Musiker . . . . . . . 4 1 Flaschner . . . . . . 6 6 Mühlarzt . . . . . . . 1 -- Frachtfuhrleute mit Nadler . . . . . . . . 3 --

    4 Pferden .  .  .  .    1               1      Näherinnen .  .  .  .  .  . 16            2

Gärtner . . . . . . . 2 2 Nagelschmide . . . . 1 -- Graveure (in Bein) . 1 1 Ochsenmezger . . . . 5 7 Glaser . . . . . . . 6 7 Orgelmacher . . . . . 1 -- Grobschmide . . . . 9 14 Optikus und Mecha= Großuhrmacher . . . 3 1 nikus . . . . . . . 4 5 Hafner . . . . . . . . 5 7 Pfeifenmacher . . . . 2 -- Hauderer mit Pferdevermiether . . . 3 --

      2 Pferden .  .  .   12               --      Pflästerer .  .  .  .  .  .  .    3               3
      4 Pferden .  .  .     2           --      Putzmacherinnen .  .  .    9              4

Holzmesser . . . 6 -- Rothgerber . . . . . . 8 12 Hutmacher . . . 3 3 Rothgießer . . . . . . 1 1 Kammacher . . . 2 2 Seifensieder . . . . . 3 4 Kaminfeger . . . 2 2 Seiler . . . . . . . . 3 -- Kleinuhrmacher. 2 -- Sattler . . . . . . . . 7 6

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                       Meist.                       Geh.                                        Meist.               Geh.

Schäfer . . . . 17 6 Wascher u. Wasch= Schirmmacher . 3 2 rinnen . . . . 12 -- Schlosser . . . . 9 16 Zeugmacher . . . . 1 -- Schneider . . . 18 15 Ziegler . . . . . . . 3 6 Schreiner . . . 18 25 Zinngießer . . . . . . 2 -- Schuhmacher . 88 30 Zimmerleute . . . . 5 30 Seckler . . . . . 4 2 Zuckbäcker . . . . . 4 2 Siebmacher . . 2 -- Apotheker . . . . . . 2 4 Steinhauer . . . 11 24 Buchhandlungen . . . 1 4 Tapezirer . . . 2 1 Buchdruckereien . . . 2 4 Tüncher . . . . 5 10 Schildwirthschaften 33, worunter Tuchmacher . . 2 3 25 Brauereien. Wagner . . . . 4 3 Speisewirthschaften 14. Weißgerber . . 1 -- Schenkwirthschaften 7.

Handelsgewerbe.

Kaufleute 52 mit 47 Gehilfen. Banquier 1 „ 1 „ Krämer, Kleinhändler und Viktualienhändler 45. Hausirer 6.

Innerhalb der Stadt befinden sich: die Judenmühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, die Niklosenmühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, die Zeiselmühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang; außerhalb der Stadt: die Freimühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, die Pfenningmühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, die Rinderbacher Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang und die Klostermühle mit zwei Mahlgängen, einem Gerbgang und einer Säge.

An eigentlichen Sägmühlen sind vorhanden: die obere Sägmühle mit zwei Sägen, einem Mahlgang, einem Gerbgang du einer Oelpresse; die Riesmühle mit vier Sägen. Ueberdies bestehen noch: eine Knochenmühle mit acht Stampfen, eine Walkmühle mit vier Stampfen und eine Lohmühle mit vier Stampfen.

Die Nebengewerbe sind ganz unbedeutend: im Blindenasyl werden Strohflechtarbeiten u. gefertigt und im Inland abgesetzt.

Dem Gewerbe untergeordnet ist die Landwirthschaft, welche willkürlich und so rationell, als es die natürlichen Verhältnisse erlauben, betrieben wird; man trachtet dem Boden das Möglichste abzugewinnen, und sucht dessen Ertragsfähigkeit neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch durch die Anwendung von Kompost, Gips, Knochenmehl, Asche u. zu steigern. Von verbesserten Ackergeräthen haben neben dem gewöhnlichen Wendepflug der Brabanterpflug, die eiserne Egge, die Repssämaschine ausgedehnten Eingang gefunden;

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die Dreschmaschine wird nur von größeren Grundbesitzern angewendet. Die Düngerstätten sind zweckmäßig angelegt.

Zum Anbau kommen vorherrschend Dinkel, weniger Roggen, Gerste und Haber; in der ganz angeblümten Brache baut man gewöhnlich Hack= oder Hülsenfrüchte. Von Handelsgewächsen wird hauptsächlich Hopfen in großer Ausdehnung gebaut, weniger Reps, Mohn, Flachs und Hanf. Der Hopfen kommt beinahe durchaus nach außen zum Verkauf; es sind dermalen 300 Mrg. dem Hopfenbau eingeräumt, etwa weitere 50 Mrg. besitzen hiesige Bürger auf angrenzenden Markungen, und das ganze Hopfenerzeugniß beläuft sich in mittleren Jahren auf 1200 – 1500 Centner. Der Futterkräuterbau beschränkt sich meistens auf dreiblättrigen Klee und Luzerne. Von dem Getreideerzeugniß kann selbstverständlich nichts verkauft werden, dagegen findet bedeutende Einfuhr von Getreide statt.

Von großer Ausdehnung ist der Wiesenbau, welcher mit geringen Ausnahmen ein gutes, mitunter vortreffliches Futter liefert, das größtentheils nach außen abgesetzt wird. Die Wiesen, von denen etwa 140 Mrg. bewässert werden können, sind zwei, zuweilen dreimähdig.

Was den Gartenbau betrifft, so hat Gmünd eine Menge schöner Privatgärten aufzuweisen, unter denen der Maier’sche, Forster’sche und Köhler’sche Garten, wie auch der Hohlenstein, die beiden Villen Ott und Deyhle u. wegen ihrer schönen Anlagen besonders sich auszeichnen. Der Hohlenstein, dem Stadtrath Buhl gehörig, war früher eine Einsiedelei und ist, wie schon oben bemerkt wurde, zu einer der schönsten Gartenanlagen umgeschaffen worden.

Der Gemüsebau wird nur für das örtliche Bedürfniß getrieben. Die in starkem Zunehmen begriffene Obstzucht wird schwunghaft getrieben; man pflegt von Kernobst vorzugsweise Luiken, Goldparmäne, Reinetten, Breitputzen, Bratbirnen, Knausbirnen, und von Steinobst Zwetschgen und Pflaumen. Das Obst wird in der Stadt verbraucht und namentlich zu Obstmost, der vor einigen Jahrzehenten ist fast ganz unbekannt war, verwendet.

Früher wurde auch Weinbau getrieben, denn im Jahr 1561 kommt der Verkauf eines Weinbergs vor.

Ueber die der Gemeinde und Hospitalpflege gehörigen Waldungen, Güter, Allmanden u. s. unten.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden; die Stadt hat das Weiderecht auf der Brach= und Stoppelweide, gab aber in neuester Zeit den Grundeigenthühmern Gelegenheit, diese Last gegen eine Entschädigung von 5 fl. per Morgen abzulosen, wovon viele Güterbesitzer Gebrauch gemacht haben, so daß das Weiderecht von keiner Bedeutung mehr ist.

Was die Viehzucht betrifft, so ist die der Pferde von keinem

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Belang, ebenso die Pferdehaltung, dagegen wird die mit Leinthaler Race (sog. Wochten) sich beschäftigende Rinderviehzucht eifrig betrieben und durch drei tüchtige Zuchtstiere unterhalten und verbessert. Mit Rindvieh, namentlich auch mit gemästetem, treibt man lebhaften Handel nach Stuttgart, Mannheim, Straßburg u. Der größte Theil des Milcherzeugnisses wird in der Stadt abgesetzt, indessen ist das Bedürfniß so groß, daß noch viel Milch von außen bezogen werden muß.

Die Schafzucht wird mit Ausnahme eines Ortsbürgers nur von fremden Schäfern auf Pachtgütern getrieben; man hält die feinere spanische Bastardrace, von der den Sommer über nur 200, den Winter über aber 3500 Stücke auf der Markung laufen. Die Wolle wird hauptsächlich auf dem Krichheimer Wollmarkt abgesetzt, während der Abstoß der Schafe nach Straßburg geht.

Das Fischrecht in der Rems und ihren Seitenzuflüssen steht theils dem Staat, theils einzelnen Privaten zu und ist um wenige Gulden verpachtet; es kommen nur Weißfische und Barben, seltener Karpfen oder Forellen vor.

Was den Aktivhandel betrifft, so besteht derselbe hauptsächlich in den oben angeführten Fabrikaten; eingeführt werden vorzugsweise Kolonial= und Wollwaaren, Eisen, Wein, Salz u. Die Durchfuhr findet auf der Eisenbahn statt und hat für den Ort keinen Werth (s. auch den allgemeinen Theil S. 114).

Die Stadt ist berechtigt, in den Monaten April, Oktober und December Krämermärkte (je drei Tage), im Januar, März, April, Juni, Juli, September, Oktober und December Viehmärkte, und im December einen Roßmarkt abzuhalten. Die Märkte sind von Bedeutung, besonders der im Oktober stattfindende sog. Ursulamarkt. Eine Vermehrung der Viehmärkte steht bevor.

Je am Mittwoch und Samstag werden Wochenmärkte abgehalten. Am Mittwoch ist zugleich Fruchtmarkt, der jedoch von keiner Bedeutung ist.

Als Verkehrsstraßen sind aunzführen: 1. Die seit 1861 in Betrieb befindliche Eisenbahn (Remsthalbahn). 2. Die Staatsstraße von Stuttgart nach Gmünd und weiter über Aalen und Bopfingen nach

   Nürbnberg geht mitten durch die Stadt; von ihr zweigt die Staatsstraße nach Gaildorf und
   Hall ab.

3. Vicinalstraßen bestehen nach Herlikofen, Ober=Bettringen, Waldstetten, Unter=Brettringen

  Straßdorff, Wetzgau und Wüstenrieth. Ueber die Rems führen 3 steinerne Brücken, welche 
  der Staat zu unterhalten hat, eine steinerne Brücke über den Waldstetter Bach und 4
  hölzerne Stege sind von der Stadt zu unterhalten.

An den Kirchen der Stadt besorgen die gottesdienstlichen Verrichtungen: ein katholischer Stadtpfarrer (Dekan) und 7 katholische

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Kaplane, von denen einer zugleich Hausgeistlicher am Zuchthaus Gotteszell, und einer Rektor am katholischen Schullehrer = Seminar ist; ferner ein evangelischer Stadtpfarrer, zugleich Vorstand des Taubstummen= und Blinden=Institut.

Von Unterrichtsanstalten befinden sich in Gmünd außer den schon im allgemeinen Theil S. 122 ff. genannten folgende:

1.) Die katholische Volksschule mit 7 ständigen und 4 unständigen Lehrern. 2.) Die evangelische Volksschule mit 2 ständigen und einem unständigen Lehrern. 3.) Zwei Industrieschulen mit 5 Lehrerinnen. 4.) Eine evangelische Kleinkinderschule zählt gegen 50 Zöglinge, unter denen auch

    katholische; die Anstalt wird meist durch freiwillige Beiträge unterhalten, und die Leitung 
    besorgt ein Vorstand mit 8 Ausschußmitgliedern.

5.) Eine katholische Kleinkinderschule, die in den Händen der Barmherzigen Schwestern ist. 6.) Eine Sonntags=Gewerbeschule mit 2 Lehrern. 7.) Das Privatlehrerinnen=Seminar, eröffnet im Jahr 1860, welches zum Zweck hat, katholische Jungfrauen für den Volksschuldienst vorzubereiten, jedoch ist es auch Jungfrauen, welche sich nicht für das Lehrfach vorbereiten wollen, gestattet, in einzelnen Fächern Unterricht zu nehmen.

Außer dem Vorstand, welcher jährlich 235 fl. Belohnung vom Staat erhält, ertheilen noch 
vier an anderen Anstalten angestellte Lehrer unentgeltlich Unterricht. Die Anstalt, welche
unter der Oberschicht des königl. katholischen Kirchenraths steht, zählt gegenwärtig
7 Zöglinge.


Minder vermögliche Zöglinge erhalten auf ihre Bitte eine jährliche Staatsunterstützung von 60 – 80 fl.

Als weitere öffentliche Anstalten, namentlich Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine nennen wir, außer den schon im allgemeinen Theil S. 123 ff. theilweise nur im Allgemeinen aufgeführten und den beiden großen Stiftungsverwaltungen (Hospitalverwaltung und Kirchen= und Schulpflege, s. unten), noch folgende:

1.) Der Leichen=Verein, im Jahre 1842 mit dem Zwecke gegründet, den Mitgliedern nach

    deren Tode 30 fl. Beitrag zu den Beerdigungskosten zu leisten. Der Verein zählt am 
    1. Juli 1866 2796 Mitglieder und besaß ein Kapital von 13,247 fl. Je nach dem Alter
    entrichtet ein Mitglied monatlich 1 – 10 kr. ; als Eintrittsgeld ist der sechsfache Betrag der
    monatlichen Einlage zu zahlen. Seit dem Bestehen des Vereins sind für 592 Sterbefälle a
    30 fl. 17,760 fl. ausgezahlt worden.

2.) Der allgemeine Kranken=Verein, seit 1854 bestehend, unter=

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stützt die Mitglieder in Krankheitsfällen; das Eintrittsgeld richtet sich je nach dem Alter und beträgt 1 – 4 fl., und der wöchentliche Beitrag ist auf 4 kr. festgestellt. Am 31. Dec. 1866 waren es 356 Mitglieder, und der Verein besaß ein Kapital von 1838 fl. In den ersten 26 Wochen der Krankheit werden 3 fl., in den weiteren 26 Wochen 1 fl. 30 kr. gereicht. Nach Ablauf eines Jahres hört die Unterstützung auf.

3.) Der Kranken=Verein der Gold= und Silber, Semilor=Arbeiter und Graveure besteht seit 1846, zählte am 31. Dezember 1866 462 Mitglieder und besaß ein Kapitalvermögen von 3972 fl. 28 kr.; an Eintrittsgeldern sind je nach dem Alter 30 kr. bis 10 fl. zu bezahlen, und der wöchentliche Beitrag beläuft sich auf 5 kr. Der Verein reicht in Krankheitsfällen in den weiteren 26 Wochen 2 fl., und von da an vier Jahre lang wöchentlich 1 fl. Mit dem Ablauf von 5 Jahren hört jede Unterstützung auf. Während der ganzen Krankheitszeit hat das Mitglied noch unentgeltliche ärztliche Hilfe anzusprechen.

In einzelnen Fabriken, wie z. B. bei Erhard u. Söhne, bestehen ähnliche Unterstützungs=Vereine, die jedoch nicht von großer Bedeutung sind.

4.) Die Genossenschaft des Spar= und Vorschuß=Vereins besteht seit 1863 und zählt 192 Mitglieder. Jeder in Gmünd wohnende unbescholtene Mann, der das 18. Jahr zurückgelegt hat, kann als Mitglied aufgenommen werden. Das Eintrittsgeld ist auf 1 fl. festgesetzt, und die wöchentliche Einlage besteht in 6 kr. als Minimum, in 1 fl. als Marimum. Das Vermögen betrug 1866 7190 fl. 5.) Der Pius=Verein, der zunächst eine religiöse Tendenz hat. Von geselligen Vereinen sind besonders zu nennen: das Museum, der Bürgerverein, das Kasino, der Gesellenverein, zwei Turnvereine, drei Liederkränze, die Bolzschützen=Gesellschaft und die Schützengesellschaft, welch letztere im Jahre 1865 mit Hilfe der Stadtgemeinde ein Schießhaus und eine Schießstätte in freundlichem Stil im Taubenthal errichten ließ.

Das städtische Theater befindet sich in der sog. Schmalzgrube. Der Gemeindehaushalt ist geordnet, und der Vermögensstand der Gemeinde folgender: 1.) Die Stadtpflege besitzt an Waldungen 2242 7/8 Mrg., von denen 537 2/8 Mrg. auf der Markung Gmünd, 524 6/8 Mrg. auf der Mark. Weiler, 515 3/8 Mrg. auf der Mark. Bargau, 407 3/8 Mrg. auf der Mark. Bartholomä, 234 3&8 Mrg. auf der Markung Wetzgau, und 23 6/8 Morgen auf der Markung Huffenhofen liegen. Hierunter befinden sich 681 6/8 Mrg. Nadelwald, die übrigen 1561 1/8 Mrg. sind mit Laubhölzern bestockt. Nach dem periodischen Nutzungsplan von 1863 / 72 ist der jährliche Ertrag zu 649 Klastern und

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20,880 St. Wellen berechnet. Nach dem neuesten Nutzungsplan wird jedoch bei dem ausgezeichneten Stand der Waldungen eine sehr beträchtliche Mehrnutzung in Ausicht gestellt. Nach der Rechnung von 1864 /65 betrug der Holzerlös 17, 808 fl., und nach der von 1865 /66 16,655 fl.

Sämtliche Gemeinde= und Stiftungswaldungen ( s. unten), zusammen 4198 Mrg. 13 Rth., werden von einem Stadtförster rationell bewirthschaftet, namentlich hat sich der dermalige Forstbeamte Huttelmaier um die Emporbringung und Erhaltung derselben große Verdienste erworben.

An Gütern besitzt die Stadtpflege nur 59 5/8 Mrg., die mit Ausnahme von 2 2/8 Mrg. Wiesen auf Muthlanger Markung, auf Gmünder Markung liegen; sie sind um 1212 fl. verpachtet.

Das Pflastergeld trägt der Gemeinde eine jährliche Pachtsumme von 1415 fl. ein.

Die Jagd der Gemeine, sowie der beiden Stiftungspflegen, ist um 118 fl. jährlich verpachtet, nämlich die der Stadtpflege um 81 fl., die der Hospitalpflege um 36 fl., und die der Kirchen= und Schulpflege um 1 fl. 38 kr.

An Allmanden befanden sich bis jetzt 104 Morgen, welche in 730 Parzellen unter die Bürger gegen Entrichtungen von 6 kr. vertheilt waren; in neuester Zeit wurden sie zu Gunsten der Stadtpflege verkauft und werden nun in Zukunft einen ungleich höheren Ertrag gewähren.

Die Gebäulichkeiten der Stadtpflegen sind für 62,475 fl. in der Brandversicherung.

An Kapitalien besitzt sie:

gewöhnliche Aktiv=Kapitalien 102,375 fl. 27 kr. Gefällablösungs=Kapitalien 19,505 fl. 10 kr. Lehentablösungs=Kapitalien 485 fl. 44 kr.

                                                                                                          ______________
                                                                                        122,366 fl. 21 kr.
Unter den Aktiv=Kapitalien befindet sich eine Stiftung des Gustach von Westernach, Statthalter zu Mergentheim und Kommenthur zu Kapfenburg, vom 6. Juni 1613 mit 4000 fl., nach der für einen Jahrestag an das katholische Stadtpfarramt 50 fl. und an die Freiherrn von Westernachische Familie zu Kronburg in Bayern 140 fl. jährlich abzugeben sind.

Die laufenden Einnahmen der Stadtpflege betrugen nach der Rechnung pro 1864 /65 83,022 fl. 2 kr. Die Ausgaben aber 97,694 fl. 20 kr.; unter den Einnahmen sind die Gemeinde= und Korporationssteuern begriffen.

Weder die Einnahme der Stadtpflege, noch die der beiden an=

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dern großen Verwaltungen der Hospitalpflege und der Kirchen= und Schulpflege (s. unten) reichen zur Bestreitung der Ausgaben hin, so daß die drei Pflegen beständig an Deficits leiden und daher ein sehr beträchtlicher Gemeindeschaden umgelegt werden muß; er betrug im Jahr 1866 /67 23, 00 fl., herrührend von den Deficits der Stadtpflege mit 12, 932 fl., der Hospitalpflege mit 5, 831 fl., der Kirchen= und Schulpflege mit 4, 237 fl.

Schulden hat die Stadtpflege nach dem neuesten Stand (1. Mai 1867) 55,000 fl., welche in Jahreszielern von 11000 fl. nebst Zinsen abzutragen sind.

2.) Die Hospitalpflege. Der Ursprung des Spitals zum heiligen Geist ließ sich bis jetzt nicht ermitteln, ist aber jedenfalls sehr alt, denn aus vorhandenen Dokumenten ist ersichtlich, daß ihm schon im Jahr 1269 von Bischof Herrmann von Augsburg der Konsens zu Erbauung einer Kirche ertheilt, daß er 1280 von dem Röm. König Sigmund in den Schutz aufgenommen, und daß er im Jahr 1398 von König Wenceslaus von allen auswärtigen Gerichten eximirt wurde. Seine Erweiterung rührt in der Folge von vielen zum Theil sehr ansehnlichen Stiftungen und selbst erkauften Fonds her.

Zur reichstädtischen Zeit wurde das Spital=Vermögen durch besondere Pfleger, die unter der Aufsicht des Magistrats standen, verwaltet, und zwar bestanden statt der gegenwärtigen unter Einem Verwalter stehenden Hospitalpflege 5 besondere von einander unabhängige Pflegen, von welchen jede einen eigenen Rechnungsführer hatte, nämlich:

1. die Hospitalpflege, 2. die Reichsalmosenpflege, 3. die Sct. Leonhardspflege, 4. die Armenleutpflege, 5. die Armenkastenpflege.

Diese sämtlichen Pflegen wurden, als die Reichsstadt im Jahre 1803 an die Krone Württemberg überging, in eine Verwaltung, die Hospitalpflege, vereinigt und auch von dieser Zeit an durch einen Rechnungsführer verwaltet.


Zum Hospital gehörten auch die Heiligenpflegen von nachbenannten in Lehenverband gestandenen Ortschaften:

Dewangen, Lautern, Mögglingen, Ober=Bettringen und Weiler.

Das Vermögen dieser Pflegen wurde durch eigne Lokal=Stiftungspfleger verwaltet. Die hiesigen Spital=Vorsteher führten die Ober=Administration, bis obige Pflegen im Jahr 1803 an die betreffenden Amtsorte zurückgegeben werden mussten.

Bei der Staatsveränderung im Jahr 1803 hat das Hospital=Vermögen dadurch eine bedeutende Veränderung erhalten, daß von den bei der vormaligen Separatkasse (jetzt Oberamtspflege) gestandenen verzins=

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224

lichen Aktiv=Kapitalien „zu Herstellung des öffentlichen Credits“ durch die Organisations Kommission von der Reichsalmosenpflege 17,331 fl. 34 kr. von der Sct. Leonhardspflege 32,200 fl. -- kr. ____________

                                                   49,531 fl. 34 kr.

in Abzug dekretirt wurden.

Neben den oben aufgeführten 5 verschiedenen Armenpflegen bestand noch eine weitere, rien zu Armenzwecken bestimmte besondere Verwaltung, die Sct. Katharinenpflege, welche eine jährliche Einnahme von 9,323 fl. 27 kr. abwarf. Auch diese musste „zum Besten der alt Gmünd’schen Schuldenzahlungskasse“ 68,021 fl. Kapitalien mit einem jährl. Zinsen=Ertrag von 2,342 fl. nachlassen, so daß sie nur noch 6,981 fl. ertrug.

Diese Einnahme wurde der neu errichteten Kirchen= und Schulpflege zugewiesen. Der Hospitalpflege aber verblieben nichtsdestoweniger die Versorgung der im Sct. Katharinen=Spital untergebrachten Armen und die Unterhaltung des Katharinen=Spital=Gebäudes.

Nach dem Organisations=Etat von 1803 bestanden die Einnahmen der Hospitalpflege in 25,166 fl. 49 kr. aus eigenen Gütern, Gebäuden, Waldungen, Aktiv=Kapitalien und Lehenzinsgütern, an deren Stele jetzt die Ablösungs=Kapitalien getreten sind, und es erträgt das Vermögen des Spitals dermalen, d. h. nach der Rechnung pr. 1865 /66 in Wirklichkeit 32,771 fl. 16 kr. Es besteht aus 1618 6/8 Mrg. 18,6 Rth. Waldungen, 536 4/8 Mrg. 17,7 Rth. Güter, Gebräuchlichkeiten im Brand=Versicherungs=Anschlag vo 83,375 fl., und 175,662 fl. Aktiv=Kapitalien, nämlich: 43,603 fl.Zehen=Kapital.

                                                                                                           36,714 fl.Gefäll=Ablösun
                                                                                                           90,515 fl. andere Kapitali
                                                                                                             4,830 fl. verzinsliche Zie

und Vorschüsse _________

                                                                                                          175,662 fl.

Von den Spitalwaldungen befinden sich 747 6/8 Mrg. 46,9 Rth. auf der Markung Gmünd, 870 7/8 Rth. 19,7 Rth. auf der Markung Bartholomä. Unter denselben Waldungen befinden sich:

   68 4/8 Mrg. 32,2 Rth. Laubwald,
 536 3/8 Mrg. 33,2 Rth. Nadelwald,
 142 6/8 Mrg. 29,1 Rth. gemischter Wald.                                           
                                                                   

Nach dem periodischen Nutzungsplan von 1863 /72 werden aus diesen Waldungen jährlich genutzt 576 Klaster und 17,280 Wellen. Nach dem Ergebniß pro 1865 /66 beläuft sich der Holzerlös auf 11, 749 fl. 51 kr. An Gütern besitzt der Spital auf hiesiger und auf benachbarten Markungen:

 161 7/8 Mrg. 31,3 Rth. Meiereien (Schafgüter),
 124 6/8 Mrg. 33,9 Rth. Wiesen mit Obstbäumen,
 218 7/8 Mrg. 38,4 Rth. willkürlich gebaute Aecker,
   30 6/8 Mrg.   5,1 Rth. Weiden und Oedungen.

____________________

 536 4/8 Mrg. 12,7 Rth.

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hievon sind: 14 1/8 Mrg. 0,0 Rth. als Besoldungstheile verliehen, 42 3/8 Mrg. 1,5 Rth. werden für den Spitalhaushalt und die Farren=

                                             haltung selbst abministrirt, und

480 Mrg. 11,2 Rth. sind im öffentlichen Aufstreich verpachtet, und gewähren zusammen einen Gesamtertrag von 9,699 fl. 46 kr. Das Spital besitzt noch in der Rems zwischen Gmünd und Lorch ein Fischwasser, das um 3ö6 kr. pr. Jahr verpachtet ist. Auf dem Spital=Vermögen ruht die Verbindlichkeit, den gesamten Armen=Aufwand der hiesigen Stadt, soweit nicht noch andere LokalStiftungen stiftungsgemäß daran Theil nehmen, zu bestreiten; außerdem sind demselben noch folgende weitere Stiftungen einverleibt worden: 1) Die Stiftung des Conrad von Hohenrechberg, welcher nach dem Stiftungsbrief d. d. Samstag vor dem Sct. Nikolaitag 1328 einen Hof zu Sachsenhof unter der Bedingung legirt, daß der Nutzen davon alle Jahre am Weihnacht Abend unter die armen Siechen im Hospital von Bett zu Bett ausgetheilt werden solle. Der Zinsen=Ertrag beträgt 21 fl. und wird in der angegebenen Weise jedes Jahr vertheilt.

2) Am Neujahrsabend sind an die hiesigen Armen 58 fl. 22 ½ kr. zu vertheilen , welche von verschiedenen Stiftern herrühren.

3) Augustin Kaiser’sche Stiftung, Erprämonstratenherrs des Klosters Roth, 100 fl. Kapital mit der Bestimmung, daß alle Jahre an seinem Sterbtag (22. Dezember) der Zins hieraus unter die dürftigsten Armen ausgetheilt werden solle (Stiftungsurkunde vom 20. und 28 Januar 1814). 4) Die Stiftung des Elias Berlin, österreich. Oberlieutenants u., Stiftungsurkunde von Lätare anno 1638, Stiftungskapital 300 fl. mit der Bestimmung, daß der Zins jedes unter den armen Leuten, so dem Gottesdienst beiwohnen, und für den Herrn Stifter dessen lebendige und todte Befreundete eifrig Gott anrufen und bitten, distribuirt werden. 5) Johannes Dreher’sche Stiftung von 1689, Stiftungskapital 100 fl. mit der Bestimmung, daß der Zins hieraus alle Jahre an die am Gründonnerstag jeden Jahres gespeist werdenden 12 ältesten Männer hiesiger Stadt vertheilt werde. 6) Lorenz Holzwarth’sche Stiftung, 370 fl. betragend mit der Bestimmung, den Zins an die Armen von der Holzwarth’schen und Krausschen Familie zu vertheilen. 7) Kaspar Malz’sche Stiftung von 1627, mit 100 fl. und der Bestimmung wie bei Nr. 5. 8) Stiftung des Kapiteldekans Johann Schleicher vom Jahre 1666, mit 200 fl.; der Zins hieraus ist an 100Arme, welche je 6 kr. erhalten, zu vertheilen. 9) Stiftung des Sebastian Storr von 1699, mit 100 fl. und der Bestimmung , daß der Zins jedes Jahr am Grundonnerstag an die 12

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ältesten Männer, welche in einem bestimmten Jause hier gespeist werden, vertheilt werde. 10) Stiftung des Eustach von Westernach, Statthalter zu Mergentheim und Kommenthur zu Kapfenburg, vom 16. Juni 1613. Stiftungs Kapital 1000 fl. mit der Bestimmung, daß der Zins hieraus jedes Jahr auf Montag oder den Aftermontag nach der Allerheiligen Dreifaltigkeit, oder da es „verhinderlicher Ursachen nit mag geschehen“ auf Sonntag der Octava corporis Christe an 300 armen Menschen zu Almosen gegeben werden solle, was jedes Jahr zuvor auf der Kanzel verkündet werden solle. 11) Stifung des Hafners Anton Vorgt, 200 fl. betragend, mit der Bestimmung, daß der Zins jährlich an arme Verwandte des Stifters vertheilt werden soll. 12) Stiftung der Ignaz Kuhn Wittwe, Ursula, geb. Seibold, von Jahr 1812 mit 628 fl. 6 kr; der Zins soll jährlich auf den 28. November zu Belohnung einer armen Person verwendet werden, welche die den zur Tageszeit vorkommenden Provisionen der Kranken das Sanctissimum zu begleiten hat. 13) Stiftung des Erdekans Johann Schleicher vom 2 Januar 1666, Stiftungskapital 600 fl., mit der Bestimmung, daß der jährl. Zins daraus einem zum Studiren tauglichen jungen Menschen Schleicher’schen Geschlechts zufallen soll. 14) Stiftung der Genovefa Ridolph, Wittwe des Goldarbeiters Michael Rudolph vom Jahr 1827, mit 350 fl.; der Zins=Ertrag ist zur Vertheilung unter die Armen bestimmt. 15) Stiftung des Kaufmann Eligius Manhöfer vom 6. April 1843, Stiftungskapital 3000 fl., mit der Bestimmung, daß von den jährlichen Interessen zwei der ärmsten Manhöfer’schen Anverwandten in die höchste Pfründe mit wöchentlich 1 fl. 15 kr. aufgenommen werden. 16) Stiftung des Johann Michael Kuttler, Walshornwirths in Gmünd, vom Jahr 1753; Stiftungskapital 1000 fl., mit der Bestimmung, daß zu ewigen Zeiten der Bedürftigste aus der Kuttler’schen oder Sporer’schen Freundschaft die gewöhnliche Pfründe dagegen zu genießen habe. Dieser jeweilige Pfründer soll schuldig und verbunden sein, das hanze Jahr hindurch alle Wochen Einen Dreißiger zu beten und so oft man das hochwürdigste Gut zu einem Kranken trägt, dasselbe mit auferbaulicher Andacht begleiten; sollte aber eine solche Person Krankheits oder Gebrechlichkeits halber nicht mitgehen können, so solle selbe bei jedem Unterlassungsfall Einen Dreißiger zu beten schuldig sein. 17) Benefiziat Burkhard=Jehlin’schen Stiftung; Stiftungskapital 2000 fl. mit der Bestimmung, da´der Zins zur Unterhaltung von zwei armen Pfründnern aus der Jehlin= und Jageisen’schen Verwandtschaftt verwendet werden soll. 18) Stiftung des August Neuber, gewesenen Kaufmanns und Steuer=

227

Einbringers, vom 4. Mai 1849, im Betrag von 150 fl., deren Zinsertrag zur wöchentlichen Almosen=Austheilung verwendet werden soll. 19) Stiftung der Frau Anna Strasser, Hans von Hortheims Wittwe dahier, laut Stiftungsreverses d. d. Sct. Hieronymustag 1443. Dieselbe hat dem Spital 2000 Pfund Heller zu Unterhaltung der 8 ärmsten gebrechlichen Personen also legirt, da´um den Zins a 3 0/0 mit jährlich 60 Pfund Hellern denselben täglich 2 Maas Wein (ausgenommen in der Fastenzeit), 50 Stück Eier wöchentlich, alle Sonntage 4 Pfund Kalbfleisch zu Braten, auch jährlich 50 Pfund Aufschnitt gereicht und daneben eine Magd unterhalten werden soll, die sonst Niemand als ihnen diene. 20) Stiftung des verstorbenen Dekans Hofmeister vom 18 Mai 1857; Stiftungskapital 100 fl. mit der Bestimmung, daß der Zins hieraus jährlich den etwaigen armen Nachkommen des Kaufmann Anton Majer in der Schmidgasse zu verabfolgen sei; im Fall kein armer Verwandter desselben mehr vorhanden wäre, soll der Zins zum Besten des Instituts der barmherzigen Schwestern verwendet werden. 21) Nach einer Urkunde vom Jahr 1499 ist die Gräflich von Rechbergische Familie berechtigt, für den dem Spital zugeflossenen Vermögenstheile zwei ihrer Herrschaft angehörigen Personen die Pfründe im hiesigen Spital zu ertheilen. 22) Stiftung des Jakob Storr, weil Bürgermeisters dahier, d. d. Ostern 1681; Stiftungskapital 200 fl. mit der Bestimmung, daß jedes Quartal eine heilige Messe für den Stifter gelesen und der Zins an die der Messe beiwohnenden Hospitaliten vertheilt werden soll 23) Stiftung des M. Johann Schleicher laut Testaments vom 2. Januar 1666, mit der Bestimmung, daß alle Quatember 2 fl. 57 kr. an die Hospitaliten vertheilt werden sollen. 24) Nach Stiftungsbrief vom 9. Dezember 1561 haben sich Bürgermeister und Rath zu gmünd gegen Bürgermeister und Gericht in Canstatt, Schultheiß und Gericht in Münster, Schultheiß und Gericht in Lorch verbindlich gemacht, jährlich und zu ewigen Zeiten auf Sct. Nicolaus, des heiligen Bischofs Tag, 4 Stück schwarzwollen gesiegelt Tuch a 11 Bd. (zusammen 112 Ellen) anzukaufen und solche gegen Quittung ohne weitere Kosten an besagte Orte zur Bertheilung an die ärmsten Personen (jung oder alt) abzugeben. Bei Verlust des Tuchs darf kein Geld dafür genommen oder abgegeben werden. 25) Laut Stiftungsbrief vom 15 . Dezember 1562 sind für 100 fl. Hauptgut jählich an Sct. Luciä der heiligen Jungfrau und Mätyrintag an Schultheiß und Gericht zu Lorch 4 fl. zu bezahlen, wofür Schuhe zu kaufen und unter die ärmsten und bedürftigsten Leute auszutheilen sind. 26) Vermöge eines von Thomas Haas, gewesenen Chorherren zu Baknang ausgestellten Stiftungsbriefs vom 30. Juni 1558 hat derselbe 3100 fl. unter der Bedingung legirt, daß der Zins zu Ankauf von Tuch

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verwendet und hievon 2/3 an die armen bürftigen Leute ui Gmünd und 1/3 an die von Backnang vertheilt werden soll. 27) Laut Testament vom 14. Juli 1833 hat der verstorbene Kaufmann und Salzfaktor Ferdinand Debler 2000 fl. mit der Bestimmung übergeben, daß das Interesse hieraus zum Ankauf von 900 – 1000 Stück birkener Wellen zur Austheilung an die Armen verwendet werden soll. 28) Auf herkommen beruht die Verpflichtung des Spitals, jedes Jahr am Tage Allerseelen 42 Laib Schwarzbrod an die Armen und 1 Laib Meißbrod an den Pfarrmeßner auszutheilen. 29) Vermöge Stiftungsreverses des Magistrats vom Aftermontag nach dem Sonntag Jubica 1575 hat Anna Köhlerin dem Spital 1000 fl. und zwei verfallne Zinse dergestalt vermacht, daß der Abzins jährlich an ihre armen Verwandten und Andere ausgetheilt werden soll. 30) Die Wittwe Erescenz Walter, eine geborne Geiger, hat vermöge letztwilliger Verordnung vom 20. Nov. 1852 folgende Vermächtnisse ausgesetzt: 1) zum Besten von 4 armen Wittfrauen, welche keine Unterstützung genießen, 1000 fl.; für ein hiesiges Mädchen, welches wenigstens 8 Jahre als Magd gedient und sich dann verehelicht hat, 1000 fl.; 3) ferner für ein Mädchen, welches den Beruf einer barmherzigen Schwester ergreift, 1000 fl. Von diesen 3 Vermächtnissen sollen jedes Jahr die Zinse zur Vertheilung kommen.

Stiftungen für Studirende und Handwerker.

31) Johann Urban. gewesener Goldschmied, und seine Ehegattin, weil. Anna Klara Dreherin, haben vermöge Testaments vom 26. Juni 1763 1ßßß fl. Kapital unter der Bestimmung legirt, daß wenn von der collateral absteigenden Freundschaft des Stifters oder der Stifterin ein Jung oder Knab vorhanden, der fähig zum Studiren und dem Studiren wirklich mit Fleiß und Nutzen obliegt, so soll einem solchen Studenten mit 30 fl. unter die Arme gegriffen werden. Wenn keine Studenten vorhanden sind, soll der Zins an Handwerkslehrlinge, und wenn hier kein Bedürfniß obliegt, an arme Anverwandte vertheilt werden. 32) Leopold Geiger, gewesener Kaufmann, hat in seinem Testament vom 22. Dez. 1834 die Verfügung getroffen, daß aus 1000 fl. Kapital, die er dem Spital vermache, der Zins für einen armen Waisen oder andern armen Knaben von hier, welcher die Goldschieds=Profession erlernt, als Lehrgeld verwendet werden soll. 33) Eligius Mayhöfer hat in seinem Testament vom 6. April 1843 1000 fl. dem Spital mit der Bedingung vermacht, daß der Zins zur Bezahlung von Lehrgeldern für arme verwaiste Handwerkslehrlinge, namentlich an solche, welche dem Stifter oder seiner Frau verwandt sind, verwendet werden soll.

Das Vermögen sämtlicher vorstehender Stiftungen ist, wie schon bemerkt, dem Hospital incorporirt.

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Die Meßstiftung glaubt man übergehen zu dürfen, weil sie keinen allgemeinen Charkter haben.

Die wirklichen Ausgaben des Spitals belaufen sich nach der Rechnung pro 1865/66 auf – 36,069 fl., nämlich:

a) allgemeiner Aufwand 13,952 fl. und zwar für Besoldungen 1,810 fl.

                    Farrenhaltung                                                           1,000 fl.
                    jährliche Stiftung                                                      1,011 fl.
                    Steuern                                                                      2,265 fl.
                    Aufwand auf Waldungen                                          3,212 fl.
                  Baukosten                                                                 4,160 fl.

b) Armenaufwand 22,117 fl. und zwar für Verpflegung der armen im Spital 15,134 fl.

                  außer dem Spital                                                       6,109 fl.
                  Waisen                                                                          814 fl.

Mit dem Spital ist verbunden eine Krankenanstalt für Dienstboten und ein Waisenhaus wies nach die Zahl von 156 Personen, 76 Pfründner, 32 Männer, 44 Weiber, 4 eingewiesene hiesige Peronen, 35 fremde Kranke, einschließlich der Dienstboten und Arbeitsgehilfen, 27 Waisen, 14 weibliche, 13 männliche, 12 barmherzige Schwestern, 1 Magd und 1 Knecht; zusammen 156 Personen. Hievon wurden als krank in den Krankenzimmern verpflegt und behandelt 31 männl. (incl. 6 Dienstboten), 44 weibl. (incl. 3 Dienstboten), zusammen 75 Personen

Die mit dem Spital in Verbindung stehende Krankenanstalt für Dienstboten wurde im Jahr 1860 gegründet. Sie hat den Zweck, dem zur dienenden Klasse gehörigen Theil der hiesigen Einwohnerschaft gegen einen bestimmten Jahresbeitrag unentgeltliche Aufnahme in den Spital und vollständige Verpflegung durch Arzt, Medizin, Kost u. dgl. zu sichern.

Verpflichtet zur Theilnahme an dieser Anstalt sind (mit den hienach benannten Ausnahmen) alle zur dienenden Klasse gehörige Personen, männlichen und weiblichen Geschlechts, welche im Bezirk der hiesigen Stadt in Dienste stehen, namentlich die Gewerbsgehilfen, und alle in Gmünd sich befinden männlich und weibliche Dienstboten.

Ausgeschlossen von der Anstalt sind: die Fabrikarbeiter, sowie die Gehilfen der Gold= Silber= und Semilor=Arbeiter und Graveure; ferner dem Militär angehörige Personen, die nicht beurlaubt sind.

Berechtigt zur Theilnahme, aber nicht verpflichtet sind: alle Gewerbsgehilfen, sowie alle männlichen und weibliche Dienstboten, welche bei ihren Eltern in Arbeit oder im Dienst stehen, sämtliche Lehrlinge ohne Unterschied, Gehilfen von Beamten und Kaufleuten und Apothekern, und solche Diener, welche in einem nach Tagen und Wochen wechselnden Dienst Verhältniß stehen.

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Als Beitrag hat jeder (Männer wie Frauen) 2 fl. 36 kr. jährlich zu entrichten, die Lehrlinge aber nur 1 fl. 30 kr.

Die Verpflegung auf Rechnung der Anstalt dauert 90 Tage lang. In dem Etatsjahr 1865/66 wurden im Ganzen 221 verpflegt, nämlich 116 männliche, 105 weibliche Personen mit 3524 Verpflegungstagen; im Durchschnitt war also eine Person 16 Tage im Spital.

Der Spital leidet noch an einem Grundstocksabmangel von 52,330 fl., welche Summe aber eine wesentliche Verbindung erfahren wird, wenn einmal die Komplerlasten bereinigt sind.

Der St. Katharinenpflege wurde schon oben mit dem Bemerken Erwähnung gethan, daß die Einkommenstheile dieser Armenpflege bei der Organisation im Jahr 1803 der neu errichteten Kirchen= und Schulpflege zugewiesen worden seien, daß aber dem Spital zum Heil. Geist die Unterhaltung der Gebäulichkeiten, sowie die Baulast an den Gebäulichkeiten verblieben sei.

In diesem außerhalb der Stadt gelegenen Katharinen=Spital, dessen Ursprung sich nicht ermitteln lässt, aber jedenfalls auch in das 13. Jahrhundert zurückreicht, war nun auch bis zum Jahr 1852 fortwährend ein Theil der Kranken untergebracht; mit der Einführung der barmherzigen Schwestern im Heiligen Geist=Spital, eben in jenem Jahre, wurde aber der Katharinen=Spital mit höherer Genehmigung aufgehoben, d. h. die in Sct. Katharinen untergebracht gewesen Kranken wurden in den Heiligen Geist=Spital translocirt, womit die Beseitigung der zweierlei Oekonomien sich bezwecken ließ. Es besteht also in der Stadt Gmünd seit 1852 nur noch Ein Kranken= und Pfründerhaus, nämlich das Spital zum Heil. Geist, auch Stadtspital genannt.

Die weitläufigen Gebäude in der Sct. Katharina werden nur noch zu Unterbringung obdachloser Personen und zeitweise zu Bedürfnissen des Militärs verwendet, bleiben aber stets für Heilzwecke in außergewöhnlichen Fällen (wie Epidemien) vorbehalten.

An der Spitze der ganzen Anstalt steht der Hospitalverwalter, welchem 3 Aerzte für innere Heilkunde, Chirurgie und Homöopathie beigegeben sind. Auch ist ein Hauswundarzt aufgestellt. Den ökonomischen Dienst und die Krankenwart versehen 12 barmherzige Schwestern.

In der Verwaltung des Spitals befinden sich auch noch folgende Stiftungen, für welche jedoch abgesonderte Administration und Rechnungsstell besteht.

34) Die Jehlin= und Schads’sche Stipendien=Stiftungspflege mit einem Stiftungskapital von 4282 fl. 2 kr., gestiftet von Abraham Jehlin, gewes. Magister in Dinkelsbühl. Der Zinsen=Ertrag ist für 4 Jünglinge aus der Jehlin’schen und Schad’schen Familie bestimmt. Dieselben treten in unterste Klasse, welche bei den ältern Studien=Einrichtungen prima classis genannt wurde, frequentiren.

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35) Die Philipp Messerschmid’sche Almosen=Stiftungspflege, Stifter Philipp Messerschmid, Händler, welcher laut Testament vom 26. Mai 1821 seine Verlassenschaft den Armen hiesiger Stadt mit der Bedingung vermacht hat, daß der Zins jährlich an Philippi und Jakobi an dieselbe Kopf für Kopf vertheilt werden solle. Kapital 4401 fl. 17 kr.

36) Die Dekan Anton Schedel’sche Stiftung. Im Jahr 1696 stiftete der weil. Dekan Anton Schedel, Pfarrer in Schechingen, ein Kapital von 200 fl. zu der Verwaltung des Spitals. Der Zins sollte an den Aeltesten der Schedel'schen Familie, welcher die gestiftete Fideicommiß=Bibliothek zu unterhalten hat, ausbezahlt werden. Diese Bibliothek ist nicht mehr vorhanden, weßwegen im Jahr 1834 vom Stiftungsrath bestimmt wurde, daß der Stift=Ertrag einem Studirenden aus der Familie zu Anschaffung von Büchern überlassen werden soll. da ein Verwandter sich nicht gemeldet hat, so werden seither die Zinse zum Kapital geschlagen, welches jetzt auf 479 fl. 32 kr. angewachsen ist.

Weitere Stiftungen, welche jedoch nicht in Verwaltung des Spitals stehen, sondern besonders abministrirt werden, sind:

37) Die Steinhäuser'sche Stiftung, gestiftet im Jahr 1416 von Friedrich im Steinhaus Custos im Gumbrechtsstift. Das Kapital betrug ursprünglich 1982 fl. und beträgt jetzt 23,154 fl. 6 kr. Die Einnahmen werden verwendet zu 4/6 zu Stipendien für Studirende, 1/6 für Arme (Verwandte), 1/6 zu Zwecken der Kirchen und Schulen.

38) Kott=forster'sche Stiftung gestiftet 1852 von der Wittwe des Dominikus Kott, Kaufmanns dahier, Maria, geb. Forster. Kapital 32,016 fl. 36 kr. Die Zinse sind bestimmt für Unterstützung armer Verwandter der Stifterin, für arme Ortsangehörige überhaupt, für unbemittelte Lehrlinge und für die Zeichen= und Gravir=Schule.

39) Die Balthes Debler'sche Stiftung, eine reine Familienstiftung, herrührend von verschiedenen Mitgliedern der Familie Debler, namentlich von Balthes Debler und schon im Jahr 1679 mit einem Kapital von 200 fl. gegründet. Durch die Gaben der einzelnen Stifter erhöhte sich das Kapital allmählig bis auf den dermaligen Stand von 2970 fl. und es besitzt die Stiftung außerdem noch gegen 12 Morgen Berggut und die dabei befindliche, von der Stiftung im vorgigen Jahr käuflich erworbene Dreifaltigkeits=Kapelle. Das Gut ist in 78 Parzellen (jetzt vorherrschend zu Hopfenbau) abgetheilt; 52 Theile sind den Verwandten der Debler'schen Familie zur Bebauung überlassen, die übrigen verpachtet, was der Stiftung eine Rente von etlichen 50 fl. gewährt. Genußberechtigt bei den "Debler'schen Stiftungs=Theilen" ist auf Lebensdauer jedes Mitglied der Debler'schen Familie, männlich oder weiblich; es hat hiefür an die Kasse jedoch jährlich 6 kr. zu bezahlen. Die Kapitalzinse werden verwendet zu Vertheilung von Holz, Unterstützung von Studirenden, Lehrlingen, bedürftigen Familien=Mitglieder. Verwaltet wird die Stiftung durch einen von den Debler'schen gewählten Familienrath, der aus 5 Mitgliedern besteht.

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3. Kirchen= und Schulpflege.

Die Pflege wurde im Jahr 1803 aus vielen einzelnen Stiftungen und Benefizien neu gebildet und zwar aus:

           mit einer jährl. Rente von
1. der Katharinenpflege                                        6,981 fl. 27 kr.
2. "     Stiftungspflege                                       2,088 "  48 "
3. "     Fraternitäts= und Kollegiatpflege                     3,401 "  25 "
4. "     Armenseelen Bruderschaft                         181 "  15 "
5. "     Brüderschaft des Hohen Guts                        54 "  15 "
6. "     Steinhäuser'schen Testamentspflege               674 "  59 "
7. "     Salvatorpflege                                        1,521 "  36 "
8. "     Kager'schen Stiftungspflege

345 " -- "

9. "     Egidi Bruderschaft
     38 "  30 "

10. den Benefizien von Jacobus minor 133 " 10 " 11. " " ad Sct. Katharinam

    62 " 57 "

12. " " " Leonhardum

     41 " 41 "

13. " " " Nicolauum

      242" 18 "

14. " " " Jacobum majorem

 41 " 46 "

15. " " " Martinum

        23 " --   "

16. der Normalkasse

  504 " – "
             _____________
                                                  zusammen jährl.
 16,336 fl. 7 kr.

Die Steinhäuser'sche Testaments=Stiftungspflege ist im Jahr 1821 von der Kirchen= und Schulpflege getrennt und als Steinhäuser'sche Stiftung in besondere Administration genommen worden, so daß abging 674 fl. 29 kr. und noch verblieben 15, 661 fl. 8 kr.

die Einnahmen der Kirchen= und Schul


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gräber und den 2 Ha