Blindschl
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- [19] BLINDSCHL
- Ich hatte einmal eine Liebschaft mit
- Einer Blindschleiche angefangen;
- Wir sind ein Stück Leben zusammen gegangen
- Im ungleichen Schritt und Tritt.
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5Die Sache war ziemlich sentimental.
- In einem feudalen Thüringer Tal
- Fand ich – nein glaubte zu finden – einmal
- Den ledernen Handgriff einer
- Damenhandtasche. Es war aber keiner.
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10Ich nannte sie „Blindschl“. Sie nannte mich
- Nach wenigen Tagen schon „Eierich“
- Und dann, denn sie war sehr gelehrig,
- Verständlicher abgekürzt „Erich“.
- Allmittags haben gemeinsam wir
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15Am gleichen Tische gegessen,
- Sie Regenwürmer mit zwei Tropfen Bier,
- Ich totere Delikatessen.
- Sie opferte mir ihren zierlichen Schwanz.
- Ich lehrte sie überwinden
-
20Und Knoten schlagen und Spitzentanz,
- Schluckdegen und Selbstbinder binden.
- [20] Sie war so appetitlich und nett.
- Sie schlief Nacht über in meinem Bett
- Als wie ein kühlender Schmuckreif am Hals,
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25Metallisch und doch so schön weichlich.
- Und wenn ihr wirklich was schlimmstenfalls
- Passierte, so war es nie reichlich.
- Kein Sexuelles und keine Dressur.
- Ich war ihr ein Freund und ein Lehrer,
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30Was keiner von meinen Bekannten erfuhr;
- Wer mich besuchte, der sah sie nur
- Auf meinem Schreibtisch steif neben der Uhr
- Als bronzenen Briefbeschwerer.
- Und Jahre vergingen. Dann schlief ich einmal
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35Mit Blindschl und träumte im Betti
- (Jetzt werde ich wieder sentimental)
- Gerade, ich äße Spaghetti.
- Da kam es, daß irgendwas aus mir pfiff.
- Mag sein, daß es fürchterlich krachte.
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40Fest steht, daß Blindschl erwachte
- Und – sie, die sonst niemals nachts muckte –
- Wild züngelte, daß ich nach ihr griff
- Und sie, noch träumend, verschluckte.
- Es gleich zu sagen: Sie ging nicht tot.
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45Sie ist mir wieder entwichen,
- [21] Ist in die Wälder geschlichen
- Und sucht dort einsam ihr tägliches Brot.
- Vorbei! Es wäre – ich bin doch nicht blind –
- Vergebens, ihr nachzuschleichen.
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50Weil ihre Wege zu dunkel sind.
- Weil wir einander nicht gleichen.
