Brief an einen Fürsten (Rüxner)

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Textdaten
Autor: Georg Rüxner
Titel: Brief an einen Fürsten
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aus: Cod. Pal. germ. 296. Blatt 40r-43v
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Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert (eventuell 1520er Jahre)
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Quelle: Uni Heidelberg und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Widmungsbrief in Art eines Fürstenspiegels
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Brief an Pfalzgraf Johann II (Rüxner) 40r.jpg
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[40r]

Extract auß einem alten turnierbuch.

Gnediger herr, E. F. G. hab ich diß wercklein nach meinem besten vermögenn inn aller vnderthenigkeit gefertigt, vnd vollendet, zu ehren vnd gefallenn, auch all andern meinen gnedigstenn, vnnd gnedigenn herrn, sambt allenn grafen, freyen, herrn, rittern, vnd allem adell zu ehren, vnd einer langwürigen gedechtnuß, daß sie sich inn diesem werckh, allß einem lustigenn spiegell ersehenn mögenn, mit welchen lob, guten adelichenn vnd tugentsamen sitten, ihre voreltern, inn guter ritterlicher übung, vnd adelichenn werckenn, ihr adelich alt herkommen gefürt, vnd herbracht haben, mit beschirmung ihrer armen vnderthanen, auch witwen vnd waisen, sie nit beschätzt vnd übersezt mit ihren diensten, haben auch erkant ihr menschlich wesen, daß sie Gott gleich sowol seiner göttlichen bildung nach erschaffen, allß den edelsten auff erden, darumb sie die inn menschlichem wesen gehalten, vnd gehandthabt haben. Darumb der arm seinem herrn getrew vnd holt waß, vnd waß er ihme zuthun schuldig waß, daß thet er mit größerm fleiß, dann ime selber, darumb dz er von ime, vnd den seinen, keinen andern [40v] vberlast hatt, dann die billigkeit, vnd hinder ihme mit gutem frieden saß. Darumb gab gott beyden teylenn, dem herrn vnnd den seinen fried, ließ inen alle frucht auff dem veldt zu nuz, vnd frommen kommen, vnd behüet herrn vnd vnderthanen vmb ihres ordenlichen christlichen lebens willenn, daß der herr brüderlich lebt mit seinen vnderthanen, dergleichen der arm auch mit seinem herrnn.

Es ist aber laider dauon kommen, daß die gaistlichenn vnnd weltlichenn vonn allen stenden ihre arme vnderthanen so hoch beschwert haben, daß sie es vff daß leest nit wol ertragenn möchten, vnd so sie es dahien bracht habenn, wöllenn sie es mit gewaldt fur ein recht haben, so sich der arm deß beklagt, werffenn sie ihn dahien inn ein gefangnuß, vnnd lehren ihne gehorsam sein, so gar ist der vnfall auff den armen kommen, daß er keines rechten mehr bekommen kan, waß soll er dann sagenn oder klagenn, es gehet einem yden an seiner basen herz, allso würt der arm bauersmann auff dem landt beschwert vnd nider getrukt, er hett nit einen herrnn, sondern gaistlich vnnd weltlich, vnnd würt vonn ihn allenn beropfft, er ist vonn ettlichenn so gar veracht, dz sie ihme lieber ein mindern nahmen, dann ein bauerßmann [41r] zuzügenn [?], sie gedencken nit, dz sie menschen sein, vnnd alle creaturen auff erdenn mit ihrer sauren arbait ernehren. O du frommer adell, hastu ein adelich funcklein inn deinem herz, daß noch von deinen voreltern her glüet, vnd brint, zünde es baß ahn, laß es inn deinem herzen nit erlöschen.

Brauch es, allß deine voreltern auch haben gethan, halt gut gericht vnd recht, beschirm dein volckh fur gwalt, vnd laß einem yden recht widerfahren, versperr keinem daß recht, es ist weit hinab gesunckenn, nim es wider mit deiner rechten handt, vnd seze es wider vff seinen richterstul, stoß die vntrewe buben vnd straßenreuber, so bißhero den richterstul beseßenn haben herrab, vnd seze daß recht hienein, so geschicht am rechten niemandt vnrecht.

Wiltu ein edelmann sein, so thue ime gleich mit den wercken. Es ist nit genug den nahmen zu haben, dz macht dich nit edler, du wült aber mann soll dich juncker schelten, vmb der guthait willenn, so deine voreltern vor langen jarn getrieben haben. Wie kanstu mit eines andern gut dein schult bezahlen, sez deine füß in die fußstapffen deiner eltern, die denselben nahmen vmb ihrer adenlichen tugent willen erlangt haben, so magstu denselben [41v] auch mit ehren behaltenn, vnd tragen mit allenn ehren, inn tugendten vnd guten wercken.

Ich glaub aber ganz, dz euch edlen niemandt, dann der groß mißbrauch der gesalbten fewr füre, vonn dem weg der gerechtigkeit, die keines lasters mehr achtenn, die sie ernehren, wegen sie ringer dann der vogell auffm zweig, vnd wollen hohen großen weltlichen pracht treiben, mit ewern voreltern gegebenen gütern, die sie zu gaistlicher zucht, vnnd ehre Gottes verordnet haben, brauchen sie nun zu weltlichen ehren, hoffart, vnd allem pracht, ob sie die weltliche oberkeit gar vnder sich möchten bringen, vnd darinnen weder göttliche forcht, christliche ordnung, brüderliche lieb, oder ainiche freundtschafft etc. irer gesipten ansehen, damit ihr pracht vnd hoffart nach ihrem willen volbracht würdt.

Ich wills auch ganz darfur halten, wo ihr will furging, dz sie alle weydtpferdt ließen abgehn, die bauern vnd beurin müsten den pflug selbs ziehen, so eines geistlichen herzens vnd gemüts sein die fromme gaistliche herrn, die vorgenger sein solten deß menschlichen wesens, die seele vff erden beschirmen, daß flaisch weisen den weg des göttlichen willens, vnd in aller demütigkeit, vnd rechtfertigem leben ein gut vorbildt tragen. O ihr edlen, ich besorg, ihr [42r] folgt ihrem schneden lebenn, vnd wolten ihr gern gleich in hoffart, gwaldt, vnd oberkeit leben, sie haben aber den schlüssell von den ewern behalten, damit ihr hinder ihn bleiben müßt, aber ihr frommen vom adell, laßt euch den schlangen des alten Adams nit verführen, bleibt vff dem weg Christi, den er gebahnt hatt. Warlich derselbe weg führet auch zu allenn guten tugentlichen wercken, vnd ehren in dieser welt, vnd weißt euch den weg der warheit, darinn ihr in höchster frewd werdenn gloryren, auch hie, vnd dort ewige ehr erlangen mögen, in nahmen ewiger dreyeinigkeit.

Durchleuchtiger hochgeborner furst etc. ob ich mich in meinem schreiben, deß beschluß etwaß allß ein vnuerstandener ley verdiefft hette, dz ich doch bey mir nit finden kan, auß vrsachen meines ambts, dz ich allem adell schuldig binn, vor bösen warnen, vnd zu dem guten weisen, wie ein getrewer hürt sein schaff, gern auff süße waidt führt. So hab ich doch solches nit auß eines gemainen leyen vnuerstanden herzen anzaigt. Ob ich wol lateinischer sprach nit geübt bin, darinn auch nit alle warhait steckt, so hab ich aber ettlicher bücher gebraucht, vnd erfahrenhait inn frembden landen erfahren vnd gesehenn, dem ich wol souiel glaubens gib, allß [42v] hett ichs auß gesambter schrifft genommen, so die Romanisten fur heylig achten.

Vnnd daß es war seye, so will ich E. F. G. 3. stuck endtdecken, die inn der Turckey recht findt, auch ehrlich nuz vnd guth, deren wir inn Teutschlandt keines haben, vnd solt vnnß Gott die gnad thun, daß wir die inn teutschen landen erlangen möchten, so wolten wir mit göttlicher hülff vor allen nationen auch vnder vnnß selbs inn frieden sein.

Gnediger herr, daß erste stuckh ist, daß wie alle recht nach rechter natur menschliches wesens gesezt, vnnd geordnet seindt, auch eingeschriben vnnd bestettigt, niemandt zu keinem nachteil, getrewlich, vnd vngeuerlich, daß der recht keines kan verendert werden, vnd muß bey buchs sage bleiben. Es thör [?] auch kein richter, oder ainig andere oberkeit, kein pfennig, oder eines pfennigs werth, minder oder mehr nemmen vonn ymand, niemandt daß recht darmit verhindert wurdt, solieb ein yden sein leib, ehr, vnnd gut seye.

Der ander articull ist der, wann ein turckischer kaiser einem friedt vnd glaidt gibt, inn seinem gebieth, er sey christ, judt, heidt, oder andere person, so darff derselb kein sorg haben, es wurdt ihme gehaltenn, inn allen seinen landen, schloßenn, vnnd stetten, allß ob er dem kaiser inn der scheß seße, mit all seinem leib, vnd guth, wieuiel er des bey ihme hatt, vnd ihne solches wißendt were, haben sie souiel mehr sorg, ihne zu bewahren, mit all seim leib vnd guth etc.

[43r] Zum drittenn, hatt der Turckh die freyhait vnnd daß recht inn allen seinen landenn, vnd gebieten, mit seinen armen leutenn vnd vndersaßen, wenn er eim ambtmann ein register giebt vber ettliche höfe, dörffer vnnd gebieth, wie dann dieselbige register innhaltenn, dieselbe gült mag er nemmen, vnd nit mehr. Vnd ob er den armen wolt weitter bezwingen, daß nimbt der arm nit ahn, ob er ihne aber mit gewalt wolt nötigen, so sucht er sein obrigkeit, vnd wann er ihne da beklagt, so berurt es ihme leib, ehr vnnd guth.

Wann der arm mann mit seiner geordneten gült vonn aller oberkeit vnbeschwert ist, allain wann der Turckh kriegt, vnd selbst zu veldt zeucht, so weiß ein yder vndersäs womit er dem turcken kaiser dienen soll etc. Vnnd so wir diese .3. stuckh inn teutschenn landen hettenn, wollenn wir daß Römische reich mit göttlicher hülff inn allenn weltlichenn furstentumben stercken. Auch haltenn sie den gebrauch vnder ihnenn, dz sie auß brüderlicher lieb, ihr keinem mangell laßenn, vnnd einem yden sein notturfft mitteylenn, etc.

Gnediger herr, dieweill Gott den vnglaubigenn die gnadt thut, daß sie daß menschlich naturlich wesenn bedenckenn, vnd haltenn, so ist es ein zaichenn, daß wir vngnad, vnnd den zorn Gottes ob vnnß habenn, so wir weder ehrenn, noch rechtens achten.

[43v] Bitte darauff E. F. G. allso meinen gnedigenn herren, sich diß meins anzaigens, vnnd schreibenns nit laßenn vertrießen, wann solches auß getrewem herzenn, vnnd guter warnung geschicht. Will mich hiemit E. F. G. allß meinem gnedigen herrn allzeit inn gehorsamb vnnd aller vnderthenigkeyt befohlen haben.

E. F. G.

Gehorsamer
Georg Rixner genant
Hierosalem eraldo vnnd
kündiger der wapen

Anmerkungen (Wikisource)

Zum Adressaten siehe Beitrag bei Archivalia (Nr. 13)