D Stara und d Spatza

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Autor: Michel Buck
Titel: D Stara und d Spatza
Untertitel:
aus: Bagenga’. Gedichte in oberschwäbischer Mundart. S. 157-163
Herausgeber: Friedrich Pressel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: bis 1888
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Robert Lutz
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Kurzbeschreibung:
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[157]

D Stara und d Spatza.

Was hau’t doch d Spatza füar en Streit
An s Nôchbers Giebel danna?
S muaß eabbas sei’, was bsonder gheit![1]
Mer want a wengle spanna?[2]

5
Aha, se hau’t im Staraklotz

Dea Winter Herberg gnomma,
Jetz thant en d Stara iahran Schmotz
Grad us der Stuba rumma.[3]

Dur s Löchle schlupft der Star it foul

10
Und stôht für nous uffs Steackle;

A Lading Spatzadreck im Moul,
In Hof na keit er-n keackle

Ear gucket noh em Falla zua,
Ear will se au vergwisa,

15
Und hôt er gauh’[4] am Mischta gnua,

Gôhts wôlli[5] na in d Wiesa.

[158] Nôch rucket d Spatza wieder ei’,
Se want vom Klotz it weicha,
Se schlupfet gschwind beim Löchle nei’,

20
Doch s will s it hoimle deucha.


Und wieder gôhts uffs Steackle rous,
Haisch, wia se dô gwaltiaret?
„Des sei amôl jetz iahra Hous,
Und sia, sia protaschtiaret.“

25
„S hilft ällz nix,“ sait der Star und geit

Em Spatz en Pick in d Seita.
Dear aber denkt: „was thuat der Gscheit?
I gang und laß Sui streita.“

Sei’ Spätze rätschet überlout:

30
„I laß mi it vertreiba,

Miar hau’t a môl in d Stuba bout,
Und dôhinn wömmer bleiba“.

Der Star, dear sait koi’ Wöatle druff,
Ear putzat nu’ sei’ Gfieder,

35
Zlezt aber geitrer[6] doch en Puff,

Dô fällt dui Spätze nieder.

[159] „Du schleachter Kearle!“ schreit se rouf,
„So, du ka’scht d Weiber schlaga?
Jetz gang i grad zum Schultes nouf

40
Und thuar di glei verklaga.“


Der Star, dear sait: „Jetz hau’n i gnua,
I nimm di gauh’[7] beim Kraga!“
Sui aber fluigt em Schultes zua,
Thuat heina dött und klaga.

45
Der Star lacht, was er lacha ka’,

Und macht viel närrsche Faxa,
Bald kräht er lout aß wie a Hah’,
Bald thuat er wieder gacksa.

Bald macht er gschwind da Storka’n ous,[8]

50
Bald thuat er wieder marra,[9]

Pfeift zmôl druff glei am Finger nous,
Und hôt so d Leut füar Narra.

Nôch guckt er wieder rum und num
Und pfludrat mit de Flügel

55
Und sait: wenn d Spätze wieder komm,

Nôch kriag se aischt reacht Prügel.

[160] Derweil dô kommt sei’ Stäre hoi’,
Bringt Käafar, ganze Laschta.
Dia frißt se uffam Dach alloi’

60
Und lôht da’n Alta faschta.


„So sind dia Weiber,“ denkt der Star,
„Füar d Herberg däarf ma’ sorga,
Geits aber Schleackla,[10] lôht dui War
Oin an de Boiner worga[11]!“

65
„„Wa saischt?““ frôgt d Stäre, „„was hôscht gsait?““

„O, d Spätze stant beim Brunna!“
„„Gang, luig it so, i hau’s schau’ ghait,
Gealt, thätescht miar nix gunna!““

„Jawohles dô! Dui Spätze sei

70
Dött dunta dött beim Brunna!“

„„Du Neidkrag du, jetz fluig nu’ glei
Und thuar de it lang summa[12]

Und holl mer Strauh und Hôrwisch hear
Und bau mer s Neascht, du dicker

75
Balenki[13] du, du Zottelbäar,

Suscht geits noh Nasaspicker!““

[161] Der Star, dear lôht en Heta[14] rous
Und thuat se it muckiara,
Ear will da Frieda hau’ im Hous

80
Und lôht de Alt regiara.


Drum fluigt er glei uffs Nôchbers Mischt
Und schaffat dô wia d Ruacha[15],
Was fei’ und lind zum Hocka’n ischt,
Aellz thuat er zema suacha.

85
Doch wia’n er wieder oufi kommt

Zum Klotz mit seine Sacha,
Dô hairt er, wie sei’ Alte brummt
Und pfuchzgat[16] mit em Racha.

Sui wehrt se zwôr aß wia a Katz

90
Und hôt de Spatza glousat,

Doch wead se dô vom Moischter Spatz,
Vom dicka, bais verzousat.

Dô lait der Star uffs Dächle na’
Sei’ Traget, wetzt da Schnabel,

95
Und fährt nôch Spatz und Spätze a’

Aß wia der Drach von Babel,

[162] Haut zua der Hand, haut von der Hand,
Haut oba, unta, mittla,
Dô fliaget d Feadra umanand,

100
Aß höb[17] ma’ Better schüttla.


Und woner in der Wuat so ganz
Verblindt hôt um se bissa,
Hôt ear seim oigna Weib da Schwanz
Grad wuzaweag[18] rous grissa.

105
„Uijessesle,“ schreit d Stäre, „au!

Los,[19] Matzel,[20] bischt von Sinna?
Hôscht gmoint, i häb en Schwanz von Strauh
Und Heu im Büzel[21] dinna?“

„„Ai, Sökra!““ sait der Star, „„ai, ai!““

110
Und hôt verleaga pfiffa,

„„Wia thuat mer doch des Ding so waih,
Dô hau’ mi wüascht vergriffa!

Schatzhouser, i hau’d Spätze gmoint,
Dui hau’n i wölla stupfa

115
Und iahr amôl au reacht verboint[22]

Da Feadrapelz verrupfa.

[163] Komm, laß der s Waihle blôsa glei:
Kripskrapse, drei Tag Reaga
und Schnaitäg au noh Stucka drei!

120
Des ischt a guater Seaga!““


„Du bischt a reachter Alafanz[23]!“
Schreit d Stäre vola Zoara,
„So moi’scht, des hoil mein blutta[24] Schwanz?
Gealt, hi’? Des glaub i moara![25]

125
Ear aber macht a trourigs Gsicht,

Hôt d Au’schuld het[26] verschwoara,
Und hôt de Alt nôch wieder bricht –
So isch ma’ zfrieda woara.

Und aber d Spatza bouet freach

130
De Stara zum Verdriaßa

A Neascht zum Klotz ins Rinnableach –
Ma’ sotts halt äll verschiaßa!


  1. Aergert.
  2. Achtung geben.
  3. Räumen.
  4. Mittlerweile.
  5. Hurtig.
  6. Giebt er ihr.
  7. Bald.
  8. Spottet aus.
  9. Knurren.
  10. Schlecksachen.
  11. Würgen.
  12. Säumen.
  13. Kerl.
  14. Harten Seufzer.
  15. Nimmersatt.
  16. Zischt.
  17. Als ob.
  18. Mit der Wurzel.
  19. Horch.
  20. Verkleinerung von Starmatz
  21. Steiß.
  22. Verbeint, hart.
  23. Duckmäuser.
  24. Bloß.
  25. Morgen.
  26. Hart.

Worterklärungen (Wikisource)

  • Staraklotz: Starenkasten
  • Dea Winter: diesen Winter
  • tant en: tuen ihnen
  • keit: wirft
  • Zletscht: zuletzt
  • Schultes: Schultheiß, Bürgermeister
  • heina: heulen
  • da Storka’n: den Storchen
  • Boiner: Knochen
  • Strauh: Stroh
  • Hoorwisch: Haarbüschel
  • Tragat: Last
  • s Waihle blosa: auf die Wunde pusten
  • Kripsekrapse...: Kinderlied in der Art von Heile heile Segen
  • moara: morgen
  • Au’schuld: Unschuld
  • bricht: zufrieden gestellt
  • Rinnableach: Dachrinnenblech