Das Grab einer Überwinderin
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William Cullen Bryant.
Am 3. November 1794 zu Cummington in Massachusetts geboren, veröffentlichte er schon in seinem vierzehnten Jahre die erste Sammlung seiner Gedichte. Seit 1826 ist er einer der Hauptredakteure der „New York Evening Post,“ eines geachteten und freisinnigen Journales. Bei aller Formvollendung gebricht es seinen gefeierten Dichtungen allzusehr an origineller Kraft und hinreißender Gluth der Empfindung. Ein Meister in Naturschilderungen und stillen Reflexionen, wird er kaum einen Tadler seiner poetischen Leistungen finden – aber es ist ermüdend, eine größere Anzahl derselben ohne Unterbrechung zu lesen. Das Grab einer Überwinderin. 5
Die Garbe, wo sich Epheu, AmaranthDes Lorbers königlichem Reis verband. 10
Rankt sich empor am niedern Steine hier, Demüth’ge Veilchen, dürftig Kraut der Flur. [58]
Es ward der stillen Erde hier vermählt 15
Die Leidenschaft, die seine Brust zerquält –Nein, Eine, deren Bau von zarterm Stoff gewebt, 20
Der Sanftmuth Lächeln weilt’ in ihrem Aug’, Wie Blumen stehn im Lenz an sonn’gem Ort; 25
Sich drohend hob, gezittert hat die Welt,Dass bei dem Wink ein Heer dem Grund entsprang, 30
Die Todte hier – nicht also hat den KriegSie ausgekämpft, nicht so erlangt den Sieg. 35
Als Gott allein, noch andre Hilf’ erfleht.[59]
Ein Blick, der ewig klar dem Aug’ entflog, 40
Zurück auch scheuchte ihre Hand den Zorn, Zerbrach mit stiller Kraft 45
Mit Liebe schlug sie Hass, und überwandMit Gutem Böses, wo den Kampf sie fand. 50
Hat manch ein Himmelsauge froh gesprüht.Rings Blumenduft und tönender Gesang! 55
Mit sanftem Blick ertrug und Duldersinn, Sah lächelnd auf die zage Fremde hin; 60
Ein kühles Fächeln kündet schon die Nacht.[60]
Getröstet geh’ ich fort von deinem Grab, 65
Doch jedem Siege steht ein Kranz bereit.Noch fließt der Born, dess Wasser dich getränkt; |
