Das Kind hat keine Mutter mehr

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Autor: Albert Träger
Titel: Das Kind hat keine Mutter mehr
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans auf commons
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Das Kind hat keine Mutter mehr.

Auch dieses Kind hat Rosenwangen,
Und heiter lacht sein frischer Mund,
Doch giebt ein sehnendes Verlangen
Sich oft in seinem Auge kund.

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Es sucht, als ob ihm etwas fehle,

Als laste ein Verhängniß schwer
Noch unbewußt auf seiner Seele:
Das Kinb hat keine Mutter mehr.

An ihrem Sarg hat es gesessen,

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Der Blumen spielend sich gefreut

Und bald die Todte schon vergessen,
Das Leben hat ihr Bild verstreut;
Nur wenn das Kind im Schlaf geborgen,
Stellt sie ein Traum verklärt ihm dar,

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Und froh erzählt es dann am Morgen,

Daß seine Mutter bei ihm war.

Du armes Kind, es schlägt die Stunde,
Daß Du Dein Unglück ganz verstehst
Und an der ausgeriss’nen Wunde

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Verblutend fast zu Grunde gehst;

Dann fühlst Du, daß in Deinem Leben
Die allerschönste Stelle leer,
Und tief macht Dich das Wort erbeben:
Ich habe keine Mutter mehr!

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Doch nahen einst die trüben Tage,

Dann tröste ihr Gedächtniß Dich,
Sie hat gefleht, daß ohne Klage
Das Glück der Kindheit Dir verstrich;
Als Deine Mutter Dich verlassen,

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Nahm sie mit sich auch Deinen Schmerz,

Denn könntest Du ihn schon erfassen,
Zerbrochen wär’ Dein kleines Herz.

Und Alles kommt mit warmem Triebe
Entgegen Dir an jedem Ort,

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Das ist der Heimgegang’nen Liebe –

Sie wirbt für Dich bei Andern fort,
Nie soll ein rauhes Wort Dich schrecken,
Sie schwebt, ein Engel, um Dich her
Und flüstert, Mitleid Dir zu wecken:

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Das Kind hat keine Mutter mehr!
Albert Traeger.
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