Das Land der Seelen
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II.
Das Land der Seelen.
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Ein Fragment.
[97] Es ist wohl keine Gegend, wohin unsere Untersuchung, Phantasie und Neugier einen kühneren Flug wagt, als das Land jenseit des Grabes. Um den Staub des Begrabenen ist alles so still: kein Laut, keine Stimme kommt jenseit her, auch wenn es das Herz dessen, der seine Geliebten dahinsandte, so sehnlich wünschet. Die Psyche, die sich dem Leichnam des Verstorbenen entwindet, der junge Phönix, der aus der Asche hervorgeht, sind unserm sterblichen [98] Auge unsichtbar. Die Vernunft, die nur aus Erfahrungen und nach der Analogie schließt, weiß an Data und Aehnlichkeiten dieses Lebens (etwa die einzige Entwickelung der Raupe zum Schmetterling) so wenig sichere Schlüsse über den künftigen Zustand der Erdebewohner zu heften, daß sie sich begnügen muß, aus allgemeinen Grundsätzen, die hie und da wirklich zu viel beweisen, oder noch kräftiger, aus der ganzen Gestalt unsrer Natur, aus der moralischen, hier ziemlich unbefriedigten oder unvollendeten Anlage des Menschen fortzuschließen. Zuletzt also, wenn sie keinen andern Wegweiser annehmen will, läßt sie Ahnungen und Wünsche für Hoffnungen gelten, die dem Gemüth des Verlangenden und dem moralischen Zweck dieses Lebens gnug sind, selten aber die Phantasie, die sich ihr Gemählde mit allen Farben ausmahlen möchte, befriedigt. Es ist daher kein Volk der Erde, das sich nicht nach seinen Wünschen und Lieblingsbegriffen dies Gemählde [99] ausgemahlt hätte; und da die Dichter dem geheimen Verlangen menschlicher Herzen gerne schmeicheln, so haben dichterische Völker auch den ganzen Schatz ihrer hier unerreichten Wünsche ins weite freie Land jenseit des Grabes verlegt, und nach Herzens Lust und Liebe daselbst entwickelt. Wir wollen einige dieser Meinungen und Dichtungen verschiedner Völker durchgehen, und am Ende daraus einige Schlüsse ziehen. Ich lasse das Volk ganz dahin gestellt, dem eine Offenbahrung d. i. ausserordentliche Fakta der Vorsehung, nebst Entwicklung derselben von ihren Gottbegeisterten Weisen, seine Begriffe und Hoffnungen lenkte; die Untersuchung des Ganges dieser Lehre bei den Ebräern wird eines andern Orts seyn. Hier bleiben wir bei Völkern, die im Nebel ihrer Sinne, unter den Wolken des engen Horizonts, der sie einschloß, [100] umhergiengen, und fragen, was sie dachten? wie weit sie’s brachten? I. Einige Morgenländische Völker.
Die Morgenländer, die ihre Todten begruben, scheinen der Idee des Grabes treugeblieben zu seyn. Das Grab war ihnen Wohnung der Todten, das bleibende Haus ihrer Ruhe; und sie bildeten dies Gemählde um so mehr aus, da sie die Ungewißheit und Flüchtigkeit dieses Lebens, das Unzuverläßige der Wohnungen, die wir jezt bewohnen, ihrer Sprache und Denkart nach, stark schilderten und innig fühlten. Einer von den Königen Korasans sah, in Sadi’s Dichtung, den langverstorbnen Sultan Mahmud im Traum. Sein ganzer Körper war Asche; nur seine Augen blickten unversehrt hell im Sarge umher. Er fragte die Weisen um des Traums Deutung und Einer von ihnen sagte: [101] „Er blickt auf dich aus seinem Grabe“ und spricht dir zu: Einst hab’ ich diesen Pallast auch bewohnt,
Kommt, besuchet den Maan, und sprecht zu seinem Grabe: [103]
Doch sie lebet, sie lebet im Ruhm dankbarer Genossen, Wie sie hier das Grab ansprechen, reden sie oft den Todten selbst an, und glauben, seine dumpfe murmelnde Stimme, die sie das Echo der Gräber nannten, zu hören. Diese Stimme der Gräber war eine gemeine Meinung, und die Dichter haben sich ihrer vielfach bedienet. So spricht z. E. der Geliebte zu seiner Geliebten: Wenn im Grabe wir liegen, und nun sich unsere Stimmen [104] In einer andern Elegie auf den Tod eines Freundes, spricht dieser seinen verlassenen Gehülfen aus seinem Grabe Muth zu. Elegie auf Said. Stumm verließen wir ihn; die Saat des heißen Verlangens Ein andres, späteres Grabgedicht, das sich auf die Idee bezieht: „der Mensch gehe in seinen Ursprung zurück, in den Schoos der Mutter, aus dem er kam“ ist das Lob einer stillen, verschwiegnen Tugend, und gewiß auch eine Perle des Lobes: Die zurückgenommene Perle. Aber sie kannte dich nicht in deinem Glanze; der Himmel
Nach der Auferstehung und dem Gericht hatten die Araber, wie andre Völker, die Brücke al Sirat zu durchgehen, auf der man ins Paradies gelangte. Sie ist fein wie ein Haar und schärfer als die Schneide des Schwerdts; unter ihr und auf beiden Seiten ist Abgrund. Die Frommen gehen leicht wie die Luft hinüber: die Bösen stürzen hinunter; und wer sich z. E. eines unversöhnten Feindes, eines nicht erstatteten Unrechts bewußt ist, muß an der Brücke warten bis sein Feind kommt, und sich mit ihm versöhnen, oder Mittel der Erstattung suchen, eh er hinüber könnte. Die geglaubte Dichtung scheint bei den Morgenländern nicht ohne moralischen Nutzen gewesen zu seyn, da sie, so wie auch die Dichtung von der großen Waage des Weltgerichts, vorzüglich auf Friedfertigkeit, [109] Billigkeit, Wiedererstattung drang – die nothwendigsten Tugenden zum geselligen Leben der Menschen. Als Muhammed sterben wollte, ließ er Alle zusammen rufen und fragte: ob jemand sich über ihn zu beschweren habe? Es fand sich Einer, und ihm geschah Erstattung. – Das Muhammedanische Paradies endlich ist so bekannt, daß es unnütz wäre, seine Schilderung zu wiederholen. Ein Tropfen Wassers aus dem Paradiese erweckt die Todten; das Eintauchen in den Fluß des Lebens nimmt alle Flecken weg und wäscht weißer als Perlen. Der Baum der Glückseligkeit schattet über einem daurenden Freudenmahl, und giebt Jedem Früchte nach der Lust seines Herzens. Die Mädchen des Paradieses mit großen schwarzen Augen, erschienen bekanntermaaßen oft der Einbildung der Streiter für Muhammed in den ersten Zeiten des Eifers der neuen Religion. Sie winkten ihnen hinüber, trockneten ihre [110] Wunden und kühlten ihre Stirn – kurz, sie waren mit an dem Heldenmuth Ursach, der in jenen Zeiten so viel Länder erobert hat: weil jeder der für den Einen Gott und für seinen Propheten Muhammed stritt, gerad ins Paradies zu gehen gewiß war. – Die Dichter nutzten diese Phantasie auf andere Weise, und kleideten ihre Freude und Liebe in Bilder des Paradieses. Fast kein Liebesgedicht der Morgenländer, insonderheit der Perser, giebt es, wo die Geliebte nicht bald eine Quelle des Lebens, bald eine Rose und Cypresse im heiligen Garten wird, voll ewigblühender Reize, voll unverwelklicher Schönheit. Die Moralisten endlich zogen daraus trefliche Sprüche, z. B. „das Gebet führe auf den Weg zum Paradiese: Fasten und Mäßigkeit öffne die Pforte, die Gutthätigkeit führe hinein.“ – Offenbar ists, daß das Clima der Morgenländer, ihr Hang zur Ruhe und sinnlichen Liebe, ihr Gefallen an Schatten, Quellen und schönen Gegenden, vielleicht [111] auch ihre Opiumträume dazu beigetragen, mehrere dergleichen aus der Tradition benachbarter Völker empfangene Ideen vom Paradiese so zu bilden und zu gebrauchen. II. Celten.
Von den Arabern gehen wir, des Contrasts wegen, zu den – Celten. Jene setzten das Reich der Verstorbenen in den frühesten Zeiten unter die Erde; diese in die Wolken, und haben es, z. B. in Oßians Gedichten, schön ausgebildet. Proben mögen auch hier reden, und uns das Todtenreich der Galen in den luftigen Wolken des Himmels selbst zeigen. Oßians Sterbelied, womit er sich zu seinen Vätern hinüber singet, fange an. Er hat die Thaten seiner Jugend gesungen, und fährt fort: [112] So waren meine Thaten, Sohn Alpins, [113]
Dann werden meine Schritte in Wolken seyn, Mein Geist soll scheiden in dem Gesang’, Der Nordhauch öffnet deine Thor’, o König, Die Söhne der kleinen Männer sind erschreckt [117]
Sind unsrer Schlachten Gefilde dunkel gleich und schweigend; Aber warum so traurig, Fingals Sohn? [119]
Aber es bleibt mein Ruhm! So war das Abscheiden Oßians, des Sohnes und Sängers der Helden; anders scheidet Malvina, die Gattin seines in der Schlacht gebliebenen Sohns. Der Sänger hebt an, indem er sich im schönen Thal Lutha gleichsam seine Grabstätte aussucht, und von Malvinens Tode noch nichts weiß. Wend’, o wende dich, blauer Strom, Die Blume hängt ihr schweres Haupt, Dann komm’ o Du Malvina, Sie wandten ihr Antlitz weg, Dort, wo sie sitzen in ihren stürmigen Hallen, [124]
Malvina steigt in ihrer Mitt’ hinauf, [125]
Aber wer kommt dort aus dem dunkeln West, Doch genug! sofern ich auch noch vom Todtenlied Oscars und der Komala noch eine Probe gäbe. Man siehet, die einsamen Bewohner der neblichten stürmigen Berge und Thale des alten Galenlandes wußten ihren Vorfahren kein andres Elysium zu geben, als den Wolkenhimmel, der sie umgab. Da sie ihre Väter liebten, und gleichsam ohne sie nicht seyn konnten, [126] so mußten diese, auch abgeschieden, um sie oder über ihnen seyn. Da sie kein andres Vergnügen, als Kampf, Liebe und die Wehmuth des Gesanges kannten, so mußten ihre Väter auch auf den Wolken, wo sie mit ihren luftigen Waffen selbst nicht mehr streiten konnten, sich wenigstens an den Thaten ihrer Söhne erfreun, diesen hie und da, insonderheit vorm Unglück und dem Tode, in Träumen erscheinen, und sich auch in ihrem Nebel an des abgeschiednen Ullins lustiger Harfe noch die Stunden kürzen. – Zwar wird in den Werken der Kaledonischen Barden auch an eine Insel des Friedens Flathinnis gedacht, wo die Sonne schläft, und die tapfersten Helden nahe und mit ihr in Spielen sich ergötzen, indeß die schlechtern Menschen an die Enden derselben verbannt seyn. In Oßians Gedichten aber erinnere ich mich keiner Spur dieses Elysiums seiner abgeschiednen Väter, ob es gleich natürlich scheint, zu denken, daß wo der schöne Jüngling des Himmels, [127] die Sonne, seine Ruhestäte und sein Land hat, ers auch mit den Edlen und Guten theile. – Uns, in unsrer christlich-Deutschen Denkart, ist vielleicht nichts fremder, als die luftige Halle Fingals; setzet man sich aber in die Einsamkeit weniger, von der Natur abgeschlossener, sich einander treuer und rüstiger Stämme, so kann man sich den Glauben dieser Dichtung leicht erklären. In der Einsamkeit wird die Seele gleichsam horchender: ein Gemüth voll zarter Leidenschaft, das nur wenig Ideen hat, und an diesen desto fester hanget, kann also bald dahin kommen, die Gestalt seines Geliebten im Schatten, im Nebel, in der Wolke zu sehn, und seine Stimme im vorbeigehenden Lüftchen zu hören. Da nun die Naturscenen des Landes, das diese Geschlechter bewohnten, so abwechselnd, sonderbar und kühn sind, daß die kälteste Einbildungskraft neuerer pure pute gelehrter Reisenden selbst, durch sie hie und da erwärmt wurde: so konnten Sitten [128]
und Neigungen, wie die sind, die Oßian im Leben seiner Freunde schildert, auch nach ihrem Tode dem Ueberbleibenden leicht ein so einfaches, ihn nah angrenzendes Reich der Geister gewähren. Der Leib lag unter vier grauen Steinen: der Lebensruhm des Hingegangnen schwebte auf der Harfe der Wehmuth, und wohnte tief im Herzen der Nachgelassenen. Der Seele blieb nichts, als, da man sie selbst als Hauch dachte, die Region des Hauchs der Winde, wo sie Andenken an ihre verlebte Thaten den Thaten ihrer nachgelassenen, allmählig auch emporsteigenden Nachkommenschaft zusah. Hier liegen sie, sagt der alte Annir,
Hier ruhn in Dunkel die Kinder meiner Jugend, [129] Ein aufsteigender Nebel scheint gleichsam ein aufsteigender Helden- und Riesengeist, und die mancherlei Gestalten der schwarzen, goldgerändeten, vom Winde hie und dahin getriebnen Wolke konnten dem Auge der Phantasie bald den Anblick verschaffen, den sie zu finden geneigt war. – Wir kommen zum eigentlichen Lande der Seelen. – – III. Land der Seelen.
Den meisten Völkern, die wir Wilde nennen, ist das Reich der Seelen ihr Elysium jenseit des Grabes. Eine schöngezierte Kabane, fröhlicher Tanz auf einer immer grünenden Aue, und eine angenehme Fortsetzung der Geschäfte, an die sie im Leben gewöhnt waren, ist daselbst ihr Vergnügen; ein Vergnügen, das sie mit den Freuden dieser Erde in keine Vergleichung stellen. Lafiteau erzählt ein Mährchen von [130] einem jungen Amerikaner, der, über den Tod seiner einzigen geliebten Schwester untröstlich, den Entschluß faßte, sie im Lande der Geister selbst aufzusuchen. Ein Zauberer wies ihm den Weg dahin, und gab ihm ein Behältniß, worin er die Seele der Verstorbenen einschließen könnte. Nach unsäglicher Gefahr und Mühe langte er an. Der König der Seelen nahm ihn in Schutz gegen die Proserpina dieses Reichs, der die weibliche Seele eigentlich zugehörte. Er bekam sie im Tanz zu sehen, wollte sie umarmen, und sie verschwand vor ihm, wie dem Aeneas seine Kreusa; noch weniger wollte sie zurück ins Land der Lebendigen. Endlich gewann er Mittel, sie in sein Behältniß einzuschließen. Freudig wanderte er zurück. Die angenehme Stunde kam, da er durch Hülfe des Zauberers die erbeutete Seele mit ihrem Körper vereinigen wollte: vor Ungeduld der Liebe öffnete er seinen Schatz zu früh, und die wieder befreyete Seele entfloh auf ewig. Sei dies Mährchen [131]Dann komm’ o Du Malvina, [132] In einigen Strichen dieser Länder haben sich Meinungen, Sagen, abergläubische Gebräuche dieser alten Zeit noch unter dem Landvolk erhalten, die desto geheimer und heiliger fortgeerbt werden, eben weil man sie nicht äußern darf, und weil sie so innig an der Sprache und Liebe ihrer Vorfahren haften. Im Jahr 1763. also hatte ein vierzehnjähriges Bauernmädchen in Liefland einen Traum, der sie in das Land der Seelen zu ihren abgeschiednen Vorfahren versetzte: es war ihr daselbst so wohl, sie genoß ein so neues Vergnügen, daß sie sehnlich wünschte, immer da zu bleiben. Eine der verstorbnen Seelen gab ihr den Rath, sich, vom Umgange der Menschen weg, in einen Wald zu begeben, da ohne Speise und Trank, an einen Baum gelehnt, zu warten; so werde sie, ohne Tod, zu ihrem Wunsche gelangen, mit den abgeschiednen Seelen sprechen, umgehen, und sich vergnügen können bis an den jüngsten Tag. – Das erwachte Mädchen, ganz dieses [133] Traumes voll, setzte ihn in der Einsamkeit, weil sie das Vieh hütete, fort, bis man sie, nach lebhaften Aeußerungen darüber, einschloß, da sie dann natürlich – bei der ersten Gelegenheit entwischte. Nach drei Wochen fand man sie in der Tiefe eines Waldes, mit niedergelassenen Händen und tiefgesenkten Haupt unter einem Baum stehend und an ihn gelehnt. Ihre Augen waren verschlossen, ihr Gesicht todtenfarb, aber munter. Man brachte sie zurück, und zwang sie (sie thats sehr ungern und nur aus Furcht grausamer Strafe) zur Speise. Sie nahm zwar gern ihre vorige Stellung an, fing aber, aus Furcht oder in Hofnung wieder zu entwischen, mit der Zeit an zu sprechen, bis sie, bey der ersten Gelegenheit, weiterhin in eine andre Gegend des Waldes entkam; wo man sie endlich, zwei Meilen vom Hause ihrer Mutter, in eben der Stellung fand, matt, ausgetrocknet. – Als man sie angrif, verschied sie in den Armen ihres Bruders, und ging [134] also wirklich ins Reich der Seelen über. –
Anrede an einen verstorbenen Krieger.
„Du sitzest noch unter uns, Bruder, dein Körper hat noch seine gewöhnliche Gestalt und ist dem unsrigen noch ähnlich, ohne sichtbare Abnahme, nur daß ihm das Vermögen zu handeln fehlet. Aber wohin ist der Athem geflohen, der noch vor etlichen Stunden Rauch zum großen Geiste empor blies? Warum schweigen jetzt diese Lippen, von denen wir erst kürzlich so nachdrückliche [137] und gefällige Reden hörten? Warum sind diese Füße ohne Bewegung, die noch vor einigen Tagen schneller waren, als das Reh auf jenen Gebürgen? Warum hängen diese Arme ohnmächtig, die die höchsten Baume hinaufklettern, und den härtesten Bogen spannen konnten? Ach! jeder Theil des Gebäudes, welches wir mit Bewunderung und Erstaunen ansahen, ist jetzt wieder eben so unbeseelt, als es vor dreihundert Wintern war. Wir wollen jedoch dich nicht betrauren, als wenn du für uns auf immer verlohren wärest, oder als wenn dein Name nie wieder gehört werden sollte; deine Seele lebt noch in dem großen Lande der Geister, bei den Seelen deiner Landsleute, die vor dir dahin gegangen sind. Wir sind zwar zurück geblieben, um deinen Ruhm zu erhalten, [138] aber auch wir werden dir eines Tages folgen. Beseelt von der Achtung, die wir bei deinen Lebzeiten für dich hatten, kommen wir jetzt, um dir den letzten Liebesdienst zu erzeigen. Damit dein Körper nicht auf der Ebene liegen bleibe, und den Thieren auf dem Felde oder den Vögeln in der Luft zur Beute werde, wollen wir ihn sorgfältig zu den Körpern deiner Vorgänger legen, in der Hofnung, daß dein Geist mit ihren Geistern speisen, und bereit seyn werde, den unsrigen zu empfangen, wenn auch wir in dem großen Lande der Seelen ankommen.“
Klage einer Mutter um ihren Sohn.
„Wärest du bei uns geblieben, mein lieber Sohn, wie sehr würde der Bogen deine Hand [141] geziert haben, und wie tödtlich würden deine Pfeile den Feinden unsers Stammes geworden seyn. Du würdest oft ihr Blut getrunken und ihr Fleisch gegessen haben[6], und zahlreiche Sklaven wären die Belohnung deiner Arbeit geworden. Mit starkem Arme würdest du den verwundeten Büffel niedergerissen, oder den wüthenden Bär bekämpft haben. Du hättest das fliegende Elendsthier eingeholt, und auf dem Gipfel der Gebürge dem schnellsten Rehe Trotz geboten. Was für Thaten würdest du nicht verrichtet haben, wenn du das Alter der Kraft erreicht hättest, und von deinem Vater in allen indischen Vollkommenheiten wärest unterrichtet worden.“ [142] In ähnlichen Ausdrücken beklagte diese ungebildete Indierinn den Verlust ihres Sohnes, und oft brachte sie den größten Theil der Nacht bei diesem rührenden Geschäft zu.“[7]
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