Dedicatio
DEDICATIO[1]
ZU Lob und Ehre dem Durchlauchten, Hochgebohrnen Fürsten und Herrn, Herrn Hinrich Hertzogen zu Mecklenburg[2], Fürst zu Wenden, Grafen zu Schwerin, habe ich Nicolaus Marschalk Thurius beyder Rechten Doctor Sr. Fürstl. Gnaden Hof - Diener das Herkommen des Hauses zu Mecklenburg von dem Königl. Stamme der Obotriten[3] von allen berühmten Königen und Fürsten desselben Hauses bis auf gegenwärtige Zeit Seiner Gnaden mit ihren Thaten und Sitten vorgenommen in etlichen Büchern nach Ordnung folgend, durch Gotts Hülffe Sie beschrieben, darinnen mannigfaltige und lustbarliche Historien werden gefunden, und dieselbigen nach Vermögen meiner Vernunft zu sonderlicher Unterthänigkeit, und Wohlgefallen demselben meinem gnädigen Herrn zu reimen beschlossen.
Erstlich eine Vorrede mit Erholunge kurtzlich der mercklichsten Geschicht von Anbegeinnen der Welt, bis auf die Zeit, dass die Obetriten und die Herrn von Mecklenburg genannt, erst vom grossen Alexander in diese Orte gekommen sind.
Von Mecklenburg dem edeln Stam
Will ich von Anfange Kunde,
Wie danne erst kam, hier Hausung nahm
Bis auf diese heutige Stunde,
O Edler Fürst Herr Heinrich gut
Der Obetriten eine Ehre,
Von Lobsahn, Mut und Königl. Blut,
Mein Arbeit euer Gnad zukehre
Dann solche Sitte, die ist alt,
Ob jemands Historien wolt schreiben,
Hat zugestalt seines Fürsten Gewalt,
Dass die in Ehrem möcht bleiben
Da halsse mir zu die Gottes Krafft
Ein Schöpfer aller Dinge
Würdee mir behasst der Gnaden Sasst
Wer zweiffelt, mir würde gelingen?
Zu feiner Gewalt stehen alle Dinge,
Der Himmel und ach die Erden
Des Meeres Ring, der Sternen Blinck
Thier, Mensche und Engel werden.
Welch Meister ja so kunstreich was
Das Firmament regiere,
Ohn unterlass bey ewiger Maass
So licht und klar mit ziere.
Ohn allen Irthum ist sein Gang
Do denn enstehen viel Kräffte
Wird nimmer krank, so kort so lang
Als das Gott erste behesste,
Welch Meister je fleissig ward,
Mache uns die Farbe schöne,
Der Blümlein zart mannigfalte Art,
Des weiten Feldes ein Crohne,
Ich will ihm eins geben noch,
Des süssen Geruchs geschweigen,
Es würde ihm dorch verlohren hoch
Dazu kein Mensch mag neigen,
So artig und voller Lustbahrkeit
Von Gott alle Dinge begonnen,
Aus Ewigkeit ihr Ende bereit
Den Schaffen er hat besonnen,
Darum ihn lobet alle Zungen
Der Engel Menschen und Thiere,
Gantz unbezwungen sind alt oder jungen,
Ein jeder nach seiner Maniere.
Wen wundert nicht der süsse Thon
Der Wald-Vögelein so kleine,
Loben ihn so scon in ewgen Trohn
Sein Gnad ist ungemeine.
Darum so will ich heben an
Sein Macht ein Theils zu singen,
Darvon nicht sahn, zur Historien gan,
Sein Gnade thu mich bedingen
In aller Dinge annefang,[4]
Der Himmel und die Erde
Von Gott entsprang, darnach nicht lang
Die vier Elemente werde,
Neue Chor der Engel waren hoch
Darinne so wohnte schone
Do Lucifer noch, der machte ein Loch,
In die Hölle fiel aus dem Throne.
Den ersten Tag erschaffen hat
Das Licht am Himmel milde,
Der ewgen Rath zur andern That
Beschuss das Wasser wilde,
Des dritten Tages ward bekandt
Das Erdreich und seine Früchte,
Die Sonne zur Hand den Monde fand
die Fische und Vögel züchte,
Im 6ten Tag das Viehe entstund
Zuletzt ward schaffen Adam,
Da machte auch kund, zur schlaffend Stund
Der Herre unser Mutter Evam.
Cain der was Adams Son
Bruder Abel schlug er zu tode,
Das was nicht schon, er nahm den Lohn
er ward verdammt von Gode (Gotte)
Die Welt de was do Sünden voll,
Gort liefs die mannigfalt warnen,
Die Rasen toll, die geben Zoll,
Die Sündfluth sie thaten erarnen
Die Arche Noae bauet alda,
Darin alle Thiere Paare,
Den Raben gefand, die Taube fand
Einen grünen Zweit brachten dare,
Dadurch erkannt Noah die Zeit
In Armenien hoch in Wolcken,
Dass waren vergahn, des Wassers Bahn,
Abgieng er mit feinem Volcken,
Nimroth Babilon bauet den Thron,
Was hoch und unbezwungen,
Durch Gottes Zorn, er ward verlohrn
Da wandelt Gott die Zungen
Bey Abraham Zeiten das geschah,
Die fünff Städte gar versunken,
Durch Gottes Rach, mit Ungemach
Im Feuer und Schwefel ertruncken.
Von solcher Rach kam nur ein Mann
Hiess Loth, seine Tochter beyde,
Sein Weib blieb stahn, sah untergan
Zum Saltz-Stein ward von Leyde.
Darnach Joseph verkauffet ward,
Das thaten seine Brüder mit Zorne,
In Egypt die farth, was hübsch und zart
Jacob ertröste mit Korne.
Pharao darnach erinnert ward
Solt Gott lassen seine Schare
Zu selbigen Fahrt, erträncket ward,
Im rohten Meer vor wahre;
Nicht lange Mose die Gesaetz befand,
Solten uns zur Tugend leite.
Durch Gottes Hand zwo Taffeln bekandt,
Auf Sina wurden bereite.
Salomon erstlich den Tempel macht
Was Davids Sohn des Werden, (des Werthen)
Ward wohl bedacht und helig geacht
Zu Gottes Hauss auf Erden.
Nabuchodoneser den Tempel stört
Richte auf eine Seule theuer.
Sich anbeten fort ward er bethört,
Dreu Kinder verbrand im Feuer
Darüm so wandelt Gott seine Gestalt
Und macht ihn zu einem Thiere,
Durch göttlich Gewalt, ein Ochse gestalt.
Sieben Jahr frass Grass mit Schwiere.
Nach ihm ward König Balthazar
Dem begegneten seltzame Dinger
Dem war vorwahr eine scharffe Lahr,
Geschrieben durch Gottes Finger,
Das was: Er sass in Freuden hoch
Und Hoffart Stoltz und Grimme,
Derselbig Roth man liess sie noch
Must sterben, sein Reich kam ümme.
Soch That die Fürsten lehren thut,
Sollen Gott in Ehren halten
Mit tugendsahmen Muth, das wäre wohl gut,
Sons läst sie Gott nicht alten.
Historien haben aus Weissheit Ahrt,
Die führen die Fürsten zu Ehren,
Wer jemands verkart, er wird gelahrt,
Sein Gemüt zur Tugend kehren.
Darum so haben die Alten weiss
Soch Bücher allzeit gelesen,
Mit hohem Fleiss und sind durch Preiss
Ihrer Feinde desto bals genesen.
Alexander[5] hat Homerum[6] wehrt,
Vergilius[7] folget Augusten
Scipio[8] hat Xenophontis begehrt,
Solch König der Lehre gelusten.
Alexander etwa weinen begunt
Bey dem Grabe Achillis[9] so sehre,
Und sprechen kunt, seelig was die Stund
Da Homerus beschrieb dein Ehre.
Kein besser Spiegel die Fürsten han
Zur Tugend und Ehre gemeine,
Sie sahen daran, ihrer Vorfahren Wahn,
Dadurch sich hessern alleine.
Denn was ihre Räthe vermögen nicht
Erinnern sie durch Treue,
Werden sie bericht, durch Historien Schicht
Der alten That wird ihnen neue.
Anmerkungen (Wikisource) [Bearbeiten]
- ↑ von lat. dedicatio, „Zueignung“, „Weihung“, „Widmung“
- ↑ Heinrich V., Herzog zu Mecklenburg, der Friedfertige - (* 3. Mai 1479; † 6. Februar 1552) war regierender Herzog zu Mecklenburg im Landesteil Mecklenburg-Schwerin
- ↑ Obodriten - aus dem Herrschergeschlecht der Abodriten hervorgegangene gleichnamige Dynastie der Herzöge zu Mecklenburg, ab 1815 der Großherzöge zu Mecklenburg
- ↑ Es folgt eine Beschreibung der Erschaffung der Welt - 1. Buch Mose
- ↑ Alexander der Große - König von Makedonien
- ↑ Homer - Autor der Ilias und Odyssee und erster Dichter des Abendlandes
- ↑ Vergil - neben Horaz der bedeutendste römische Dichter der „Augusteischen Zeit“
- ↑ Scipio
- ↑ Achill - in der griechischen Mythologie ein beinahe unverwundbarer Heros der Griechen vor Troja
