Der Abend (Schiller)
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Der Abend.
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Sie sinkt herab vom blauen Himmel,Ruft die Geschäftigkeit zur Ruh, [716]
Jetzt schwillt des Dichters Geist zu göttlichen Gesängen,10
Laß strömen sie, o HErr, aus höherem Gefühl,Laß die Begeisterung die kühnen Flügel schwingen, 15
Den Abend und des Abends Schöpfer loben,Durchströmt vom paradisischen Gefühl. 20
Theil Welten unter sie – nur, Vater, mir Gesänge. 25
O Anblik, wie entzükst du mich!Gold, wie das Gelb gereifter Saaten, 30
Das Thal beschwimmt ein Feuermeer,Der hohe Stern des Abends stralet 35
Schau, wie der Sonnenglanz die Königsstadt beschimmert,Und fern die grüne Haide lacht; [717]
Wie jezt des Abends Purpurstrom,40
Gleich einem Beet von Frühlingsrosen,Gepflüket im Elisium, 45
Ins Graß die reinste Silberquelle,Und tränkt die Herd und tränkt den Hirt (en) 50
Die stille Luft durchsumßt der Käfer;Vom Zweige schlägt die Nachtigall, 55
Stürzt langsamer der Wasserfall.Der kühle West beweht die Rose, 60
Ha, wie es schwärmt und lebt von tausend Leben,Die alle dich, Unendlicher, erheben, 65
Und ich allein bin stumm – nein, tön es aus, o Harfe,Schall Lob des HErrn in seines Staubes Harfe! [718]
Dann GOtt entzittert ihr,Hör auf, du Wind, durchs Laub zu sausen, 70
Hör auf, du Strom, durchs Feld zu brausen,Und horcht und betet an mit mir: 75
Und an der Erd vorüberwehn. 80
Wenn auf dem Blatt ein Wurm sich reget,Ein Leben in dem Wurme lebt, 85
Und willst du, HErr, so steht des Blutes Lauf,So sinkt dem Adler sein Gefieder, 90
Krümmt sich kein Wurm, und wirbelt keine Sphäre –O Dichter schweig: zum Lob der kleinen Myriaden, 95
Doch bald wirst du zum Thron die Purperflügel schwingen,Dein kühner Blik noch tiefer tiefer dringen, [719]
Und heller noch die Engelharfe klingen;Dort ist nicht Abend mehr, nicht Dunkelheit, Sch.
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