Der betrogene Teufel

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Autor: Friedrich Lorentz
Titel: Der betrogene Teufel
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aus: Aus dem Märchenschatz der Kaschubei, S. 39–41
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Erscheinungsdatum: 1930
Verlag: Fuchs & Cie.
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Erscheinungsort: Danzig
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Quelle: Pomorska Digitale Bibliothek, Commons
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Der betrogene Teufel.

Bei einem Bauern war große Armut, Schulden hatte er bis zum Halse und am nächsten Tage sollte ihm Haus und Hof verkauft werden. Wo sollte er dann mit Frau und Kindern bleiben? Seine Freunde und Nachbarn wollten oder konnten ihm nicht helfen, vielleicht würde sich ein Fremder über ihn erbarmen. Mit diesen Gedanken machte er sich auf den Weg zum Nachbardorf, er wollte versuchen, sich dort hundert Taler zu leihen.

Die Sonne war schon im Untergehen, als er durch den Wald ging. Da kam des Wegs ein Herr geritten und fragte ihn, wohin er ginge.

„Herr“, anwortete der Bauer, „ich bin in großer Not, denn morgen soll mein Grundstück verkauft werden, und was soll ich dann anfangen? Meine Freunde und Nachbarn haben kein Mitleid mit mir und wollen mir nicht helfen, so will ich in das nächste Dorf gehn und versuchen, ob mir nicht ein Fremder hundert Taler leiht.“

„Geld könnte ich dir geben, so viel du willst, wenn es auch ein ganzer Sack voll sein soll.“

„Und wann müßte ich Ihnen das zurückgeben?“

„Zurückgeben brauchst du mir das gar nicht, aber du mußt mir deine Seele verschreiben. Wenn du gestorben bist, nehme ich dich in die Hölle, denn ich bin der Teufel.“

„Lieber in der Hölle braten als hier vor Hunger sterben!“ antwortete der Bauer und verschrieb sich dem Teufel mit seinem Blut.

In der Nacht wollte ihm der Teufel das Geld bringen. Der Bauer sollte seinen großen Stiefel auf das Strohdach der Scheune stellen und der [40] Teufel wollte ihn voll Geld schütten. Der Bauer kam nach Hause und erzählte seiner Frau, was er mit dem Teufel abgemacht hatte. Sie sagte: „Du hast übel getan, denn in der Hölle ist es schlimm. Aber ich will versuchen, den Teufel zu betrügen.“

Sie holte sich den großen Stiefel ihres Mannes, schnitt die Sohle ab, machte ein Loch in das Strohdach der Scheune und stellte den Stiefel darüber. In der Nacht kam der Teufel mit einem Sack voll Geld und schüttete es in den Stiefel. Aber das Geld fiel hindurch in die Scheune und im Stiefel war nichts zu sehen. „Ein Bauernstiefel ist nicht klein“, sagte sich der Teufel und holte einen zweiten Sack voll Geld. Aber in dem Stiefel bedeutete das nichts.

So schüttete er unter Schimpfen und Fluchen fünf Säcke Geld nacheinander hinein. Jetzt war sein Geld zu Ende und er mußte sich von einem andern Teufel welches leihen. Der sagte: „Soviel Geld ist die Seele des Bauern gar nicht wert. Sieh zu, daß du auf gute Weise von dem Kontrakt los kommst.“

Unterdessen war die Frau auf das Dach gestiegen und hatte das Loch im Stiefel mit einem Strohwisch zugestopft. Der Teufel kam mit dem Gelde, das er sich geliehen hatte, und sagte: „Ihr habt aber einen ganz verfluchten Stiefel! Der hat ja gar keinen Grund.“

„Du versteht nur nicht hineinzuschütten,“ antwortete die Frau. „Aber wenn es dir leid tut um das Geld, dann nimm nur den Sack, den du da bringst, wieder mit, doch gib vorher die Schrift heraus.“

„Das ist auch das beste,“ sagte der Teufel. „Hier nimm die Schrift, und ich behalte mein Geld.“

Er gab der Bäuerin die Verschreibung, nahm seinen Geldsack auf den Rücken und ging zur Hölle zurück. Und die Bäuerin lachte den dummen Teufel aus.

[41] Der Bauer aber bezahlte seine Schulden und behielt noch so viel Geld übrig, daß er der reichste Mann im ganzen Kreise war.