Der gelernte Jäger (1819)
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Der gelernte Jäger.
Es war einmal ein junger Bursch, der hatte die Schlosserhandthierung gelernt und sprach zu seinem Vater, er müßte in die Welt gehen und sich versuchen. „Ja, sagte der Vater, das bin ich zufrieden“ und gab ihm etwas Geld auf die Reise. Also zog er herum; auf eine Zeit, da wollt’ ihm das Schlosserwerk nicht mehr folgen und stand ihm auch nicht mehr an, aber er kriegte Lust zur Jägerei. Da begegnete ihm auf der Wanderschaft ein Jäger in grünem Kleide, der fragte, wo er her käm’ und bin wollte? Er wär’ ein Schlossergesell, sagte der Bursch, aber das Handwerk gefiele ihm nicht mehr, hätte Lust zur Jägerei, ob er sie ihm lehren wollte. – „O ja, wenn du mit mir gehen willst.“ Da ging der junge Bursch mit und vermiethete sich etliche Jahre bei ihm und lernte die Jägerei. Darnach wollt’ er sich weiter versuchen, und der Jäger gab ihm nichts zum Lohn als eine Windbüchse, die hatte aber die Eigenschaft, wenn er damit schoß, so traf er ohnfehlbar. Da ging er nun fort und kam in einen sehr großen Wald, von dem konnt’ er in einem Tag das Ende nicht finden; wie’s Abend war, setzte er sich auf einen hohen Baum, damit er aus den wilden Thieren käme. Gegen Mitternacht zu, däuchte ihm, schimmerte ein kleines Lichtchen von weitem, da sah er durch die Aeste darauf hin und behielt in acht, wo es war. Doch nahm er erst noch seinen Hut und warf ihn nach dem Licht zu herunter, daß er darnach gehen wollte, wann er [124] herabgestiegen wär, als nach einem Zeichen. Nun kletterte er herunter, ging auf seinen Hut los, setzte ihn wieder auf und zog gerades Wegs fort. Je weiter er ging, je größer ward das Licht, und wie er nahe dabei kam, sah er, daß es ein gewaltiges Feuer war und saßen drei Riesen dabei, und hatten einen Ochsen am Spieß und ließen ihn braten. Nun sprach der eine: „ich muß doch schmecken, ob das Fleisch bald gahr ist,“ riß ein Stück herab und hielts an den Mund, indem schoß es ihm der Jäger aus der Hand.“ „Nun ja, sprach der Riese, da weht mir der Wind das Stück aus der Hand!“ und nahm sich ein anderes. Wie er eben anbeißen wollte, schoß es ihm der Jäger abermals weg; da gab der Riese dem, der neben ihm saß, eine Ohrfeige und rief zornig: „was reißt du mir mein Stück weg!“ „Ich habe dir nichts weggerissen,“ sprach der andere, „es wird dirs ein Scharfschütz weggeschossen haben.“ Der Riese nahm sich das dritte Stück, er konnts aber nicht in der Hand behalten, der Jäger schoß es ihm heraus. Da sprachen die Riesen: „das muß ein guter Schütze seyn, der den Bissen vor dem Maul wegschießen kann, so einer wär’ uns nützlich“ und riefen laut: „komm herbei, du Scharfschütze, setz dich ans Feuer und iß dich satt, wir wollen dir nichts thun; aber kommst du nicht und wir holen dich mit Gewalt, so bist du verloren.“ Da trat der Bursch herzu und sagte, er war’ ein gelernter Jäger und wornach er mit seiner Büchse ziele, das treffe er auch sicher und gewiß. Da sprachen sie, wenn er mit ihnen gehe, solle ers gut haben und erzählten ihm, vor dem Wald sey ein groß Wasser, dahinter ständ ein Thurm, und in [125] dem Thurm säß eine schöne Königstochter, die wollten sie gern rauben. „Ja, sprach er, die will ich bald geschafft haben.“ Sagten sie weiter: „es ist aber etwas noch dabei, es liegt ein kleines Hündchen dort, das fängt gleich an zu bellen, wann sich jemand nähert, und sobald das bellt, wacht auch alles am königlichen Hofe auf, darum können wir nicht hinein kommen; unterstehst du dich, das Hündchen todt zu schießen?“ „Ja, sprach er, das ist mir ein kleiner Spaß.“ – Darnach setzte er sich auf ein Schiff und fuhr über das Wasser, und wie er bald beim Land war, kam das Hündchen gelaufen und wollte bellen, aber er kriegte seine Windbüchse und schoß es todt. Wie die Riesen das sahen, freuten sie sich, und meinten, sie hätten die Königstochter nun schon gewiß; er sprach aber zu ihnen, sie sollten haußen bleiben, bis er ihnen riefe. Da ging er in das Schloß und es war mäuschenstill und schlief alles; wie er das erste Zimmer aufmachte, hing da ein Säbel an der Wand, der war von purem Silber und ein goldener Stern darauf und des Königs Name; daneben aber stand ein Tisch und auf dem Tisch lag ein versiegelter Brief, den brach er auf und stand darin, wer den Säbel hätte, könnte alles ums Leben bringen, was ihm vorkäme. Da nahm er den Säbel von der Wand, hing ihn um und ging weiter, da kam er in das Zimmer, wo die Königstochter lag und schlief, und sie war so schön, daß er still stand und sie betrachtete und den Athem anhielt. Wie er sich weiter umschaute, da standen unter dem Bett ein Paar Pantoffeln, auf dem rechten stand ihres Vaters Name mit einem Stern und auf dem linken ihr Name mit einem Stern. Sie hatte [126] auch ein großes Halstuch um, von Seide mit Gold ausgestickt, auf der rechten Seite ihres Vaters Name, auf der linken ihr Name, alles mit goldenen Buchstaben. Da nahm der Jäger eine Scheere und schnitt den rechten Schlippen ab und stopfte ihn in seinen Ranzen und dann nahm er auch den rechten Pantoffel mit des Königs Namen, und steckte ihn hinein. Nun lag die Jungfrau noch immer und schlief, und sie war ganz in ihr Hemd eingenäht, da schnitt er auch ein Stückchen von dem Hemd ab und steckte es zu dem andern, doch that er das alles, ohne sie anzurühren. Dann ging er wieder fort und ließ sie schlafen und als er wieder ans Thor kam, standen da die Riesen noch draußen, warteten auf ihn und dachten, er würde die Königstochter bringen. Er rief ihnen aber zu, sie sollten sich auch herein machen, die Jungfrau wäre schon in seiner Gewalt; die Thüre könnte er ihnen aber nicht aufmachen, da wär ein Loch, durch welches sie kriechen müßten. Nun kam der erste näher, da wickelte der Jäger des Riesen Haar um seine Hand, zog den Kopf herein und hieb ihn mit seinem Säbel in einem Streich ab und duns (zog) ihn dann vollends herein. Dann rief er den zweiten und hieb ihm gleichfalls das Haupt ab, und endlich auch dem dritten, und war froh, daß er die schöne Jungfrau von ihren Feinden befreit hatte, und schnitt ihnen die Zungen aus und steckte sie in seinen Ranzen. Da dacht er, ich will heim gehen zu meinem Vater und ihm zeigen, was ich schon gethan habe, dann will ich in der Welt herum ziehen, das Glück, das mir Gott bescheren will, wird mich schon erreichen. |
