Der walt mit loube stât
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[56] I
- „Der walt mit loube stât“,
- sprach ein meit, „ez mac wol mîner sorgen werden rât.
- bringt mir mîn liehte wât!
- der von Riuwental uns niuwiu liet gesungen hât.
- ich hoer in dort singen vor den kinden.
- jâne wil ich nimmer des erwinden,
- ich springe an sîner hende zuo der linden.“
II
- Diu muoter rief ir nâch;
- sî sprach: „tohter, volge mir, niht lâ dir wesen gâch!
- weistû, wie geschach
- dîner spilen Jiuten vert, alsam ir eide jach?
- der wuohs von sînem reien ûf ir wempel,
- und gewan ein kint, daz hiez sie lempel.
- alsô lêrte er sî den gimpelgempel.“
[58]
III
- „Muoter, lât iz sîn!
- er sante mir ein rôsenschapel, daz het liehten schîn,
- ûf daz houbet mîn,
- und zwêne rôte golzen brâhte er her mir über Rîn;
- die trag ich noch hiwer an mînem beine.
- wes er mich bat, daz weiz niwan ich eine.
- jâ volge ich iuwer raete harte kleine.“
IV
- Der muoter der wart leit,
- daz diu tohter niht enhôrte, daz si ir vor geseit.
- iz sprach diu stolze meit:
- „ich hân im gelobt; des hât er mîne sicherheit.
- waz verliuse ich dâ mit mîner êren?
- jâne wil ich nimmer widerkêren,
- er muoz mich sîne geile sprünge lêren.“
V
- Diu muoter sprach: „wol hin!
- verstû übel oder wol, sich, daz ist dîn gewin.
- dû hâst niht guoten sin.
- wil dû mit im gein Riuwental, dâ bringet er dich hin.
- alsô kan sîn treiros dich verkoufen.
- er beginnt dich slahen, stôzen, roufen
- und müezen doch zwô wiegen bî dir loufen.“
