Die Glocken (Übersetzung Strodtmann)

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Autor: Edgar Allan Poe
Titel: Die Glocken
Untertitel:
aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Seite 50-54
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Hoffmann & Campe
Drucker: Jacob & Holzhausen
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer: Adolf Strodtmann
Originaltitel: The Bells
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
siehe auch: Die Glocken übersetzt von Hedwig Lachmann
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[50]

 Die Glocken.

     Hört der Schlittenglöckchen Reihn,
 Silberfein!
O wie lustig tönt ihr Läuten in die Welt hinein!
     Wie sie klingen, klingen, klingen

5
 Durch die eisig kalte Nacht!

     Während sich in goldnen Ringen
     Tausend Stern’ am Himmel schwingen,
 Deren Licht herniederlacht,
     Knisternd leis, leis, leis

10
     In geweihtem Zauberkreis

Zu dem lieblichen Geläute, das die Glöckchen uns gebracht,
     Zu dem Klingelingeling,
 Klinglingling
Zu dem Klingen und dem Schwingen in der Nacht.


15
     Hört der Hochzeitsglocken Sang,

 Goldnen Klang!
O wie heiter fühlt das Herz des Glückes Überschwang!
     In balsamisch lauer Nacht
     Welch ein Jubel ist erwacht!

[51]
20
 Horch! ein wehmuthfeuchtes Lied,

 Wonnig weich,
 Süß und sacht hinüberzieht
Zu der Turteltaube, die man träumen sieht
 Im Gezweig!

25
     Welch ein Strom von Tönen dringt

Reich und reicher durch das Schweigen, das die Nacht uns bringt!
 Wie Das schwingt!
 Wie Das singt
 Von der Zukunft! wie es klingt

30
 Vom Entzücken, das da schwingt

     All’ die Glocken, die uns locken
 Süßen Klangs
 Mit dem Bimbambim,
     Mit dem Bimbambimbam

35
 Bimbambim,

Mit den schönen Wundertönen ihres Sangs!


     Hört der Feuerglocken Hall,
 Eisenschall!
O wie schaurig und wie schrecklich schwillt der Töne Schwall!

40
 In das Ohr der bangen Nacht

 Braust der wilden Klänge Schlacht.
     Keine Musik mehr erschwellt,
     Rauh und widrig gellt – gellt

[52]

 Nur ein Schrei,

45
Nur ein Wimmern und ein Winseln um Erbarmen zu der Gluth,

Nur ein wahnsinnwirres Hadern mit der tauben, tollen Gluth,
 Roth wie Blut,
 Die nicht rastet und nicht ruht,
     Höher stets und höher leckend,

50
     Fast empor zum Mond sich reckend,

 Aufwärts lodernd wild und frei.
     O dies Bimbumbam!
     Wie so ängstlich schrickt zusamm’
 Unser Herz!

55
 Wie das kreischt und heult und brüllt!

 Wie es rings die Luft erfüllt
Mit Entsetzen, Jammer und Verzweiflungsschmerz!
     Dennoch weiß das bange Ohr
 Aus dem Läuten

60
 Sich zu deuten,

     Ob der Mensch die Gluth beschwor;
 Scharfe, sichre Kunde gellt
 Aus dem Keifen,
 Winseln, Pfeifen,

65
 Wie die Flamme steigt und fällt,

Aus dem Toben, das von oben wechselnd sinkt und steigt und fällt,
 Wüsten Halls,
 Aus dem Bimbumbimbam

[53]

 Bimbumbam,

70
Aus dem Gellen und dem Schwellen ihres Schalls.



     Hört der Grabesglocken Ton,
 Erzentflohn!
O wie schallt ihr trüber Chorus ernst und monoton!
 In der schweigend stillen Nacht

75
 Welch ein Schaudern ist erwacht

Bei dem melancholisch düstern Feierklang!
 Jede Note, die entwallt,
 Ist ein Seufzer, der erschallt,
 Schwer und bang!

80
     Und die Menschen ohne Schonen,

     Die im Thurme droben wohnen
 Ganz allein,
     Die der Glocken finstres Grollen
 Wach zu Grabestönen schrein,

85
     Die es freut, hinabzurollen

 Auf die Herzen Stein um Stein:
     Männer sind es nicht und Frauen,
     Sind Gespenster, grimm zu schauen,
 Hassdurchloht;

90
 Und ihr Meister ist der Tod,

 Der im Mantel, blutigroth,
 Uns bedroht
 Aus der Glocken Grabgebrumm,
 Und er grinzet stier und stumm

[54]
95
 Zu der Glocken Grabgebrumm;

 Und er tanzt und springt herum,
     Schwirrend leis, leis, leis
     In dämonisch wirrem Kreis
 Zu der Glocken Grabgebrumm,

100
 Zu dem Bimbambum;

     Schwirrend leis, leis, leis
     In dämonisch wirrem Kreis
 Zu dem ächzenden Gebrumm,
 Zu dem Bimbambum,

105
 Zu dem krächzenden Gebrumm;

     Schwirrend leis, leis, leis
 Mit Gesumm – sum – sum
     In bacchantisch tollem Kreis
 Zu dem grollenden Gebrumm,

110
 Zu dem Bimbambum,

 Zu dem rollenden Gebrumm,
     Zu dem Bimbumbambum
 Bimbambum,
Zu dem stöhnenden und dröhnenden Gebrumm.