Die Liebenauer Schlossbibliothek
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Die Liebenauer Schlossbibliothek. Bei Bearbeitung des Alarizischen Breviars hatte es mich immer geschmerzt, den von Maier aufgefundenen Codex der Alemannischen Gesetze im Schlosse Liebenau bei Ravensburg, welcher früher in Weissenau war (s. Serapeum Jahrg. 1847. No. 3. S. 43 fgd.) nicht gesehen zu haben. Entschlossen ihn selbst zu prüfen hielt ich es jedoch für räthlicher, zuvörderst an das Bibliothekariat zu Liebenau zu schreiben. Da keine Antwort erfolgte, so wendete ich mich an meinen verehrten Gönner, Herrn Obertribunalrath Prof. Dr. von Schrader in Tübingen. Durch seine gefällige Vermittelung habe ich nun von Herrn Gutermann in Stuttgart, bekannt als Entdecker der uralten Holbein’schen Papierfabrication[1] und bewandert in den Archiven Süddeutschlands, folgende Nachricht über das Schicksal der Liebenauer Bibliothek und somit auch der erwähnten Handschrift erhalten. Um das Jahr 1816 starb Bonaventura, der letzte Abt der im Jahre 1804 säkularisirten Praemonstratenser-Abtei Weissenau (eine Viertelstunde von Ravensburg entfernt) und hinterliess unter Anderem seinen geistlichen Schicksalsgenossen seine Privatbibliothek, welche über zweitausend Bände, viele schätzbare Handschriften und alte Drucke enthält, die grösstentheils von der Weissenauer Klosterbibliothek herstammen. Die Ordensleute von Weissenau, wenngleich auf Pfarreien des ehemaligen Klostergebietes zerstreut herum versorgt, bildeten dennoch auch nach Aufhebung ihres Klosterverbandes eine Art klosterbrüderlicher Eintracht; und eben diese Exconventualen-Societät war es, welche um die Zeit des Versterbens ihres geistlichen (Kloster-)Oberhauptes, des vorhin genannten Abtes Bonaventura, jenes Schlösschen Liebenau[2] käuflich erwarben und in |[128] demselben den vorhin erwähnten Bücherschatz aufstellten. — Als aber der letzte dieser geistlichen Verbrüderung, Pfarrer Schlegel in St. Christina (auf einem Berge nahe bei der Stadt Ravensburg) im Jahre 1842 starb, da erfuhr man, dass derselbe die genannte Bibliothek noch zu seinen Lebzeiten an einen hochgestellten Adeligen in Oberschwaben käuflich überlassen habe. Wer denn aber die näheren Verhältnisse und Beziehungen dieses Adeligen und jenes Geistlichen zu würdigen wusste, sah in dem ersten Augenblick ein, dass dahinter nur ein Scheinkauf steckte, der auch gar bald das Räthsel löste, indem die Bücher in fremdes Land verschwanden, – nach Freiburg in Ychtland, in das dortige Jesuiten-Collegium.
Anmerkungen
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