Die Schedelsche Weltchronik (deutsch):208

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Schedelsche Weltchronik d 208.jpg
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CCVII verso:[Bearbeiten]

Orden der creuetztrager

DEr creuetzer orden in dem lateranensischen concili vor langst angefengt. aber beyweiln vnderlessig bliben. wardt von babst Innocentio dem dritten in dem. xviii. iar seins babstthumbs widerauffgerichtet vnd bestettigt[.] Der vrsprung diss ordens kombt also her das vnder den albaniern ein schedliche arge ketzerey entstund. die in dem roemischen volck vnd pfafheit ein große widerwertigkeyt vrsachet. darumb schicket der babst vil mit dem creuetz bezaichente wider dieselben ketzer. die warden vberwunden[.]

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Dem nach richtet er disen lang erloschen orden wider auf mit begabung vil freyheit vnd gnaden. Disem orden setzet darnach babst Innocentius der vierd zu lyon deßmals wesende ein regel. gepietende dz die gaistlichen diss ordens alweg ein creuetz in der hannd tragen solten. Vnnd Quiriacus der bischof vnd martrer sol zu der zeit Helene des grossen constantini muoter ein anfenger vnd layter diss ordens gewesen sein. aber diser orden ist bißher in abnemung komen vnnd schier zu nichten worden.

Anfang des reichs der Tartern

DAvid ein Persier auß vnedelm geschlecht vnder inen geporn ein koenig des tartarischen volcks gar ein grosmueetig man hat diser zeit auß dem gepirg indierlands mit allen mannen vnd weibern seins volcks in feyndlicher maynung außgerayset vnd alle nahend gelegne stett gepluendert vnd berawbet. vnd sein volck mit außtaylung solchs rawbs vnder sie also geraytzt vnd willig gemacht das er mit inen fuerter Parthiam Medeam Assiriam Persiam Armeniam vnnd Sarmaciam in kuortzer zeit durchzogen vnd bis an das gestadt der Meotidischen pfuetzen komen ist. daselbst haben sie sich nidergelassen vnd grosse macht vnd gewalt vberkomen. Dise tartern sind vngestalt menschen. großer poltzender awgen. prayter antlitze. stirn vnnd nasen. mittelmassiger person. vnnd also stoltz vnd vbermueetig das sie irem herren Cham einen sun gottes nennen. yetzo ist Vso cassan ir fuerst.

Orden der Carmeliten

DIser orden der Carmeliten ist diser zeit in dem lannd Syria bey dem berg Carmelo von Alberto dem patriarchen zu iherusalem erweckt vnd mit vil freyheyten von ime begabet worden. vnd er hat demselben orden auß seinem gewalt ein regel gesetzt vnd bestettigt. Als nw diser orden sich in die werlt außpraytet vnd an treffenlichen cloestern vnnd personen teglich gemeret wardt do hat er vil anfechtung lannge zeit gelidden. Aber nach dem darnach babst Honorius der dritt betrachtet das solcher heilliger orden vnbillich solang angefochten vnd ettwen verfolgt worden wer so hat er disen orden. doch mit ettlicher verendrung des klaids vnder dem tittel der iunckfrawen Marie von dem berg Carmelo angenomen vnd bestettigt. dann man sagt dieweil diser orden seine erste beklaidung getragen het do wer er bey dem soldan in großer ere gehalten vnd mit vil almuosens begabet. vnd doch nach verendrung desselben klaids auß desselben soldans koenigreich vertriben worden. also das der von notwegen het mueßen in europam komen. alda hat diser orden wunderperlicher weyß gewachßen. vnd vil an heilligkeit vnd kunst hohberuembt vnd treffenlich mann geporn. Als Angelum Albertum Cyrillum vnd andere etc.

CCVIII recto:[Bearbeiten]

Sant Dominicus

DOminicus ein hispanier an heilligkeit vnd lere fast gezieret. ein layter. fueerer vnd vater der prediger hat diser zeit als ein morgenstern des cristenlichen glawbens geschynen. vnd ward in dem dorff calogura oder calaroga des Exoniensischen bistthumbs geporn[.] Sein vater hieß Felix vnd sein muoter Johanna. die hetten drey suene. die warden gelert vnd zu briestern geweihet. Der dritt was diser selig Dominicus. Sein muoter sahe in dem schlaffe wie sie ein welflein ein angezundte fackeln in dem mund haltende truege. vnd als es auß irem leib gienge do zuendet es die gantzen werlt an in vorbedeuetnus das auß ir ein treffenlicher außpuendiger prediger geporn solt werden. dann er wz ein wunderperlicher schelter der laster. abstuermer der ketzerey vnd fleissiger vermaner der cristglawbigen. vnd von iugent auff wuchße mit ime die erbermdnus. Er was erstlich ein geregelter chorbruder. aber darnach hat er auß goettlicher fordrung mit seinen mit brueedern der prediger orden in vnglewplicher inpruenstigkeit eingestiftet. vnd das klaid des ordens von der hohwirdigsten gottes gepererin Maria empfangen. vnd entstandne ketzerey in gallia außgerewtet. Diser dominicus ein vater der gaistlichkeit hat darnach von babst Honorio. als er hoeret das die widerspennigen vnd zwittrachtigen zu Tholosa gezemet waren bestettigung des ordens erlanget. vnd als er nach solcher bestettigung vil cloester auffrichtet. wunderwerck vnnd zaichen getan. vnnd mancherlay gegent mit leren vnd predigen durchschwayfft vnnd erleuechtet het do do starb er zu Bononia nach der gepurt cristi tawsent zwayhundert dreyundzweintzig iar. vnnd wardt von babst Gregorio dem newndten in der heilligen zal geschryben.

Sant franciscus

FRanciscus ein walhe auß der statt Assis puertig wol ein goetlicher man vnnd erster einstifter des ordens der myndern brueder. was bey den iarn des herren tawsent. iic.viii.[1] erstlich ein kawffman vnnd ein gantzer werlt mensch bis in das. xxv. iar. darnach verschmehet er alle irdische ding vnd folget cristo in allem seinem leben nach[.] Vnd als er nw ettwielang geschueht vnd mit ringken geguert gangen was do wardt er gedechtig des worts des herren sprechende. Wer zu mir koembt vnd sich nit verzeyhet aller ding der mag nit mein iunger sein. vnd wurffe alle ding von ime vnnd leget ein vnachtpers schnoeds klaid an vnd guertet sich mit einem strick vnd fienge alßpald einen newen orden an. Mit dem hat er als die sunn in der werlt scheynende den cristenlichen stand hoh erleuechtet. Er was imeselbs also gestrenng vnnd hert das er in anfechtung des fleischs sich zu wintterzeit mit schne oder eyße decket. Er hieß die armuot alweg sein herrin. So hoeret er lieber schmahe dann lob von ime sagen. vnd verhueetet mit allem fleiß das er nit das zil der armuot vbertretende zu vberflueßigkeit koeme. Sein hertz schwebet in begirde der marter. darumb zohe er in dem sechsten iar seins angenomen ordens in Syriam vnd gienge fuor den Soldan. der empfienge in erlich. Zway iar vor seinem tod sahe er durch ein gesyhte ein engel in dem lufft mit sechs fluegeln mit außgestreckten henden vnnd mit zusamen gethanen fueßen an ein creuetz geheftet. zwen fluegen waren vber das hawbt außgereckt. vnd zwen zu fliegen außgespant vnd mit zwayen wardt der gantz leib bedecket. vnd die weil er solchs gesyhte lennger betrachtet do erschynen in seinen henden als narben der nagel. vnd sein rechte seyten als mit einem sper durchgraben. Als er nw. xviii. iar sichselbs vermueedet vnd seinem flaisch kein ruoe gelassen het do starb er zu Assis in seinem haymend im iar vnßers hayls tawsent. iic.xxii.[2] vnd ward vber zway iar darnach durch babst Gregorium den newndten von der wunderwerck wegen die er von ime hoeret sagen. nach großer deßhalb gehalter versammlung alßpald in der heilligen zal geschriben.

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ERdpidem vnd vil wundergestalter ding sinnd in disen iaren schier allenthalben gewesen. also das die stett Antiochia Tripolis vnnd Damascus gross tayls einfieln. So ertrencket das meer in einer innseln Sicilie wider des wassers natur hindersich weichende schier tawsent menschen. So fieln in welschem lannd hagelstayn groeßer denn die ganß ayre.

EIn wunderlichs zaichen erschine im nydergang nach der sunnen an einem stern von mittem tag gein dem nidergang steygende. vnd wardt auch ein glantz als ein grosser palck gesehen aufsteygende in die hoeh des firmaments.


  1. 1208 n. Chr.
  2. 1222 n. Chr.