Die Schedelsche Weltchronik (deutsch):255

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
254 <<<Vorheriges Blatt
Die Schedelsche Weltchronik    Blatt CCLV
Nächstes Blatt>>> 256
Schedelsche Weltchronik d 255.jpg
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.


CCLIV verso:[Bearbeiten]

Das sechst alter

Symon das sellig kindlein zu Trient[1] ist am. xxi. tag des Mertzen nach der gepurt Cristi. M.cccc.lxxv. iar. in der heiligen marterwochen in der statt Trient von den iuden getoedt vnd ein martrer Cristi worden. dann als die iuden in derselben statt wonende ir ostern nach irem sytten begeen wolten vnd doch kein cristenlichs pluot zu geprauch irs vngesewrten prots hetten do brachten sie diss kindlein verstolens in Samuelis eins iuden haws. in solcher gestalt. an dem dritten tag vor ostern vmb versperzeit saße diss kindlein vor seins vaters thuer in abwesen seiner eltern do nehnet sich Thobias ein iuedischer verreter zu disem kindlein das noch nit dreymal zehen monat alt was. dem redet er mit schmaychlenden worten zu vnd truog es pald in das haws Samuelis. Als nw die nacht herfiele do frewten sich Samuel Thobias Vitalis Moyses Israhel vnd Mayer vor der synagog vber vergiessung cristenlichen pluots. Nw entploeßeten sie das kindlein vnd legten ime ein faciletlein vmb sein helßlein das man es nit schreyen hoeren moecht vnd spanneten ime sein ermlein auß. schnytten ime erstlich sein manlich glidlein ab vnd auß seinem rechten wenglein ein stuecklein vnd stachen es allenthalben mit scharpffen spitzigen stacheln heftlein oder nadeln. einer die hend der ander die fueßlein haltende. vnd als sie nw das pluot grawsamlich gesammelt hetten do huoben sie an lobsang zesingen vnd zu dem kindlein mit hoenischen bedroewortten zesprechen Nym hin du gehangner Jhesu also haben dir ettwen vnßer eltern gethan. also sollen alle cristen in hymel. auff erden vnd meer geschend werden. dieweil verschied das vnschuldig mertrerlein. die iuden eyleten zum nachtmal vnd assen von dem pluot das vngesewerte zu schmahe Cristo vnßerm hayland vnd wurffen den toten leichnam in ein fließends wasser nahent bey irem haws vnnd hielten ir ostern mit frewden. Die bekuemerten eltern suchten ir verlorns kindlein. das funden sie vber drey tag in dem fluss. Als solchs an Johanßen von Salis den edeln burger von Brixien kaiserlicher rechten doctor vnd deßmals oebersten pfleger gelanget do hieß er nach den iuden greiffen vnd sie mit marter anziehen. also das sie nach ordnung ansagten wie sie dise mißtat beganngen hetten. vnd darauff warden sie mit gepuerlicher straff außgetilgt. Als der leichnam auff befelhe Johanßen hinderbachs bischoffs daselbst bestattet wardt do fieng er alßpald an in wunderzaichen zescheinen vnd auß allen cristenlichen gegenten zu dises heilliges kindes grab ein zulawff zewerden. dauon dann dise statt nicht kleine auffung vnnd zunemung empfunden hat. vnd die burger daselbst haben disem leichnam ein schoene kirchen auffgerichtet.

Nuremberg chronicles f 254v.jpg

DErgleichen vbeltat haben auch die iuden vber fuenff iar darnach in dem stettlein Mota in Foriaul gelegen mit ertoedtung eins andern kinds begangen. darumb warden der teter drey gefangen gein Venedig gefueert vnd nach grawsammer peyn verprennt.

DIe Tuercken zohen abereins in nydern Misiam vnd warden mit großer schlacht ernydergelegt. Darnach eroberten die Genueser die großen statt Capham die die Tuercken noch innhetten. aber dieselb statt kome in disem iar durch verretterrey vnd dargebung eins Genuesischen burgers widerumb in der Tuercken gewalt.

CCLV recto:[Bearbeiten]

der werlt
Blat CCLV

Ein wundergestaltnus eins maydleins wardt diser zeit in der gegent vmb die statt Bern geporn. das het nuor ein hawbt. aber zwen hindern vnd zwuo scham. auch vier arm. zwen groß vnd geprauchsam. vnnd zwen klein vnd. vngepreuechlich. Es het auch zwen peuech vmb den magen. Sein eltern fueerten es in welschen landen vmb vnd erpettelten gelt von denen die es sehen wolten.

Padus vnd Tyber vnd auch alle andere wasserfluess Welschs lands wuchßen in dem nouember monat auß vile vnd menig der regen also fast das sie außlieffen vnd den dabey wonenden vil schadens zufueegten. Als sie aber vnlang darnach widerumb abnamen do zohen sie. vnd allermaist die Tyber vil todte thier vnd vihe mit inen vnd als dieselben verfawlten do vergifteten sie den luft das ein große pestilentz darnach folget.

In Hispania ward auff absterben koenig Heinrichs dasselb land getaylt. nemlich zwischen Ferdinando[2] iohannis des koenigs zu Arrrogonia sun. der dann Elßbethen des Heinrichs schwester zu der ee genomen het vnd zwischen Alphonso dem koenig portugalie.[3] der dann Johannam desselben Heinrichs vnnd seiner schwester tochter schuetzet. In dem nehst darnachfolgenden iar machet Ferdinandus der koenig zu Hispania den koenig portugalie in dem Numantinischen feld fluechtig.

Johannes von Koenigsperg

Johannes Koenigsperg ein Teuetscher nicht ein mynndrer dann Anaximander Milesius oder der Siracusanisch Archimedes in beden kriechischer vnnd lateinischer zungen hoherfarn vnnd geuebt ein zier vnd preys der Teuetschen ist diser zeyt von fuertreffenlichkeit wegen seiner kunst der Astronomey vnd andrer schriftlichen weißheit von Mathia dem Hungerischen koenig vnd von den von Nuermberg besoldet.. vnd in Teuetschem land. auch in Hungern vnd zu Rom in großem werde vnnd achtperkeit gehalten gewesen. der dann auß seiner loeblichen vnnd wunderperlichen synnschicklichkeit vnd erleuechten verstentnus einen schoenen kalender vnd ettliche andere ding in der astronomey gemacht hat. mit einfueerung ettlicher newen tafel vnd mit rechtfertigung der theorica Gerardi cremonensis. Zu letst wardt er von babst Sixto auß Nuermberg gein Rom gefordert ettliche ding zu der astronomey gehoerende zerechtfertigen daselbst starb er vnd ließ kuenstreich tafel hinder ime. die getruckt nochmals vorawgen sind.

Nicolaus estensis der sich vmb das regiment zu Ferraria mit Hercule zancket wardt auß der statt vertriben nachfolgend gefangen vnd vnlang darnach getoedt.

In dem edeln Franckenland erewget sich ein hirt des vihs ein pawcker[4] nach der gepurt Cristi .M.cccc.lxxvi. iar[5] in eim dorff Niclaßhawsen genant vnd vnderstund sich wider die pfafheit vnd gaistlichkeit zepredigen vnd zu sagen das ir leben verschmahlich wer. vnd man solt den herren weder zol noch gelayd gelt geben. So weren alle wasser vnd welde allermenigclichem frey vnd vil der gleichen vnzimmlicher ding. vnd sprach ime hette die iunckfraw Maria soelche stueck geoffenbaret. also wardt auß allen gegenten ein großer zulawff daselbsthin zu disem pawgker. der tet denn zu feyertagen lang predig wider die gaistlichen. Demnach warden von herren Rudolphen bischoffen zu Wuertzburg ettlich speher gein Niclaßhawsen geschickt. die fueereten disen pawgker gein Wuertzburg vnd verprennten ine. also verschwunde die wallung. Aber als sich die bewegnus des zulawffs erhebt het do verputen die oebern regirer zu Nuermberg den iren bey schwerer peen gein Niclaßhawßen nicht zewallen. von welchs verpots wegen dieselben regenten von babst Sixto ein groß lobe sunderlichs wolgefallens erlangten nach laut eins babstlichen sendbriefs sub annulo piscatoris deßhalb an sie außgangen.

Nuremberg chronicles f 255r 2.jpg

  1. siehe Wikipedia: Simon von Trient
  2. Ferdinand „der Katholische“ (1452–1516) war als Ferdinand II. König von Sizilien und Sardinien, 1479–1504 und 1506–1516 als Ferdinand V. auch König von Kastilien und León.
  3. Alfons V. (Dom Afonso V) „der Afrikaner“ (1432–1481) war König von Portugal von 1438 bis 1481.
  4. Hans Böhm oder Behem, der „Pauker von Niklashausen“ (* um 1458 in Helmstadt; † 19. Juli 1476 in Würzburg)
  5. 1476 n. Chr.