Die Schedelsche Weltchronik (deutsch):256

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Schedelsche Weltchronik d 256.jpg
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255 verso:[Bearbeiten]

Das sechst alter
Galeacius maria hertzog zu Mayland

GAleacius maria hertzog zu Mayland[1] wardt im iar Cristi .M.cccc.lxxvii.[2] von dem edeln maylender Johanne andrea lamprogniano an sant Stephans des ersten martrers tag in desselben sant Stephans kirchen bey dem hohaltar vngewarnt erstochen. der dann nach Francisco sforciam erwelter hertzog .ix. iar vnd .x. monat regiret. ein schnelsynnig man vnd großmueetiger fuerst. der vil gepewe in der statt zu Mayland auffgericht vnd die stat mit gehawen staynen zepflastern geschaft vnd sein veterliche außgeschoepfte schatzkamer sere mit reichthuemern gefuellet. vnd sundere begirde vnd fleiß der besten synnger zu goetlichem dienst gehabt vnd große kostung darauff gelegt hat. aber nach dem er sich vnmessiger begirigkeit der weiber geprauchet. vnd des adels vnd der wirdigkeit seiner maiestat vnd fuerstlichen hoehe nit verschonet darumb wardt er auß beschehner zusammen schwerung in angesihte alles volcks vnd alles seins hofgesinds in dem .xxxiii. iar seins alters erstochen vnd starb schentlich vnd wardt bey seinen eltern begraben. vnd ließ bey Bona seiner gemahel einer hertzogin von Sophoy[3] zwen suen vnd ein tochter. Johannes maria sein sun wrd in dem .ix. iar seins alters an der heilligen dreyer koenig tag[4] zu hertzogen gesetzt.

Carolus hertzog zu Burgundi

CArolus hertzog zu burgundi[5] hertzogs Philipsen des guoten sun der letst auß dem durchleuechtigen vnd koenigclichen franckreichischen geschlecht geporn was ein starck ernsthaftig. großmueetig vnd erschroeckenlich man. aber gerecht. mylt. zu der gabe des almuosens vnd goetlicher ambt vnd dienst hohgeflißen. Als er das .xx. iar seins alters erraichet vnd die von Jhent von seinem vater ein freyheit außbracht hetten do sammlet er ein groß heer wider sie vnd erobret die statt vnd hieß die freyheiten am marck[t] verprennen. Darnach hat er mit koenig Ludwigen zu franckreich vil widerspennigkeit gehabt. vnd nach hinlegung derselben die von Luettich mit heereßkraft vberzogen dieselben statt erobert vnd nach vil geuebten todschlegen vnd berawbung geschlayft. vnd nachfolgend von wegen Eduardi des koenigs zu Engelland seins schwestermans (der von graff Douerich vnd koenig Heinrichen von Portugalia auß Brittannia vertriben ward) ein gross heer gesammelt vnd wider dieselben vnd auch koenig Ludwigen einen krieg angefangen. vnd denselben Eduardum in kuertze haym geschickt vnd sich wider koenig Ludwigen zu krieg gerichtet vnd ime vil schadens vnd vnfuogs getan. aber nach befridung diser sachen zohe er mit großer mechtiger heereßkraft fuer die statt Newß[6] am Rhein gelegen. Als aber kaiser Friderich derselben statt zu rettunng kome do zohe Carolus wider anhayms. als er ime nw vil lannd vnnd stett mit großer schlacht vndertenig gemacht het do zohe er fuer die statt Nansee[7] in Lothringen gelegen des willens die Schweitzer zebekriegen. aber die Schweitzer fieln ime in sein heer vnd griffen ine also ernstlich an das er fluechtig vnnd in der flucht erschlagen vnd verlorn ward. vnd ließ ein einige tochter die erbet den vater. vnnd wardt darnach Maximiliano kaiser Friderichs sun yetzo roemischen koenig vermehelt. Disem hertzog Carln sind drey stett geferlich vnd schedlich gewesen. nemlich Gransee an den gueetern. Murtha am volck vnnd Nansee am leib.

FErdinandus koenig zu Neapolis[8] vnderstund sich den fridlichen stand welscher land in dem .M.cccc.lxxviii. iar[9] zebetrueben. vnd schicket graff Jheronimum babsts Sixten oeheim vnnd Raphaelem den cardinal des selben grafen schwester sun. vnnd Franciscum Siluiatum den Pisanischen ertzbischoff mit dreyhundert mannen gein Florentz die machten mit irer anhangenden parthey ein auffruor. darinn wardt Julianus de medicis erstochen. vnd Laurencius de medicis sere verwundet. vnd doch zu letst mit kluogheit die auffruor ein wenig gestillet. Darnach warden vil vrsacher soelcher auffruor erschlagen vnd vil mitsambt dem pisanischen bischoff erhenckt. vnd der cardinal Raphael bis zu stillung vnd hinlegung der ding von den Florentinern enthalten.

Nuremberg chronicles f 255v 3.jpg

HEwschrecken haben desselben iars durch welsch land fliegende die lantschaft vmb Brixen verwueestet vnd wo marggraf Ludwig zu Mantua nicht fuerkomen het so hetten sie die saet in gantz Lombardia abgefretzt.

EIn großer grawsamer sterben der pestilenntz hat diss iars durch alles Welsch land gewebert also das zu Brixen ob .xxm.[10] vnnd zu Venedig ob xxxm.[11] menschen vergiengen. auß vrsachen soelcher hewschrecken vnd finsternus der sunnen die desselben iars in dem monat Julio gewesen was.

DIe Venediger warden mit schwerem krieg des ethrurischen lands vnd in Macedonia vnd Foriaul durch großen vberzuog Othomanni beladen. vnd als sie aber den babst in langer zeit nicht erwaichen mochten vnnd bey. xxvii. iaren mit großen teglichen vnd langen kriegen in kriechen land Macedonia vnd Foriaul von den Tuercken bekuemmert warden do machten sie mit dem Mahmetischen kaiser ein puentnus vnd gaben ime wider alles das das vormals sein vnd der seinen gewesen was mit verpflichtung ime zway iar hundert tawsent guldein zegeben.


256 recto:[Bearbeiten]

der werlt
Blat CCLVI

WIewol die rhodiser[12] nicht kleine beschwerde von den Tuercken gehabt haben so haben sie doch nach bestreyttunng vnnd nyderlag der statt Constantinopel vil schwerer krieg empfunnden. dann als die Tuercken in xxiiii. iaren ettwieuil ine nahendgelegne stett vnd land vnderworffen hetten do empfieng der Machomet[13] verdrieß in hoehmuet das die statt Rhodis also nahend gelegen noch frey vnd ime nicht vndertenig solt sein. dem nach schiffet der Machometisch kaiser mit großer mechtiger heereßkraft fuer Rhodis vnd stellet sein heergeleger am .xxiii. tag des monats may des iars Cristi .M.cccc.lxxx.[14] auff sant Stephans berg vnd darumb. vnd beschusse die stat drey monat aneinander on vnderlaß. Aber Petrus dabuson[15] der hohmaister zu Rhodis ein kluog vnd starckmueetig man erzaiget die kraft seiner festmueetigkeit mit der tat manlichs vnnd vnerschrockens widerstands. dardurch auß goettlicher mithilff die Tuercken von den cristenlichen rittern zertrennt. abgetriben. geschlagen vnd mit solcher vngestuome in die flucht gebracht warden das sie sichselbs in dem gedrenge ertoedten. Man sagt das die tuercken ein gesyhte eins wunderzaichens gesehen vnd darob ein solchen großen schrecken empfangen hetten dz sie fluechtig worden werden. darumb ist gueetigclich zeueriehen das solcher syge vnd vberwindung von hymel den cristenlichen rittern gegeben worden sey. die dann in so klainer zal den mechtigen feind der bis auff die mawr komen was widerstand gethan haben. Vnd der machometisch kaiser zohe am .lxxxix. tag nach anfang seiner belegerung der statt Rhodis mit seiner schiffung vnerlich vnnd schentlich von dannen. Aber Petrus der hohmaister het von babst Sixto vnd andern cristglawbigen menschen in Europa mit gelt hilff vnd beystand damit er die verheerten vnd verwueesten inseln wider besseret.

Bruder Niclas

DIser zeit enthielt sich bey den Schweytzern nciht verrne von Lucern in einer vngehewren aynoede ein alt man gar in gelaßnem vnd abgezognem leben bey .xx. iarn an alle leipliche speys. den nennten sie bruoder Niclaßen.[16] der wz duerrs magers außgeschoepfts leibs. allain von hawt. geeder vnd gepeyn zusamen geschmuckt. Vnnd wiewol die aynsydler von wegen irs muessigen wesens am schatten. vnd darumb auch das von irer vnuerdewung wegen vil feuechter kalter vnd roher vberfluessigkeit in inen gesammelt werden destlenger fasten muogen. yedoch so hat diser mensch in gantzem abzug so langerzeit als ein himlisch leben auf erden on vnbefleckte vermayligung gefueert. vnd wiewol ettlich menschen disen bruder Niclasen einen ruomgirigen man zesein beschuldigt vnd sein leben zu ruomretigkeit außgelegt vnnd gesagt haben das er damit seinen lon hab empfangen. so sind doch dieselben menschen vngerecht richter. dann warumb reden sie dem menschen vbel nach der so ein langs leben in so großer armuot vnd aynoede gefueert der so vil iar in guotem wandel sein haymsucher troestende verzert. vnd in der allereueßersten vnd gestrengsten gelassenheit vnd demuot verharret. der nichtz begert vnnd nymants beschwert hat. Het er nw vmb solche große arbait menschlichs lobs begeret so het ein große muee einen kleinen lon. der ist ein thoret mensch der vmb menschlichs ruoms willen seinen leib peynigt. Aber diser ist ein heilliger vnd gerechter man. der die geitzigkeit vndergetrueckt. die ere der werlt verschmaht. geduldt gehalten. vnd keinen funcken der hohfart erzaigt. sunder sein hoffnung zu kuenftiger seligkeit gesetzt vnd der widergeltung vnd belonung seins gestrengen lebens bey den vnzergengklichen reichthuemern der himlischen schetze gewartet. Die stet freued seins hertzens zaigt an die vnzweyfellichen gewißheit seiner vnuerwenckten hoffnung. dann er ward nye trawrig sunder alweg froelicher gestalt gesehen. Er weßte sich toedlicher schuld ledig vnd zu guoten wercken vnd beschewlichkeiten geflißen. also das er mit sant paulßen sprechen mocht. Vnßer glori vnd ruom ist die gezeuegknus vnßers gewißens. Mir ist berayt die kron der gerechtigkeit die wird mir geben der gerecht richter zu meiner zeit. Diser Niclas wardt auch durch den bischof zu Costnitz bewert. Zu letst starb er vor alter vnd ein waycher schlaff entloeset sein alte sele. vnd der leichnam ward in seins pfarrers kirchen bestattet. daselbst rastet er nit an wunderzaichen. Er hat auch dem volck daselbst vmb ettliche kuenftige ding fuergekuendet vnd einen grossen wone der heilligkeit hinder ime gelaßen.

Hydruntum ein grosse meerstatt in apulia[17] wardt in disem .M.cccc.lxxx. iar[18] von dem Tuerckischen heer belegert beschoßen vnd zu letst erobert. der ertzbischof daselbst erschlagen. alles volck enthawbtet. Franciscus lurgus der hertzog daselbst gefangen vnd mytten von einander gesegt. ob .xiim.[19] menschen getoedt. vnd komen nicht mer dann .xxii. daruon. darumb wer es vbel vmb Apulia gestannden wo der Tuerckisch kayser lennger gelebt het. Aber als derselb kayser starb do belegeret Alphonsus der hertzog zu Calabria die statt. Als aber die Tuercken hoerten das ir kaiser gestorben wer do ergaben sie sich an den hertzogen vnd erlangten sicherung von ime.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Galeazzo Maria Sforza (* 24. Januar 1444; † 26. Dezember 1476) war Herzog von Mailand.
  2. 1477 n. Chr.
  3. Sophoy ist Savoyen
  4. 6. Januar
  5. Karl I. «der Kühne» (* 10. November 1433 in Dijon; † 5. Januar 1477 bei Nancy) war Herzog von Burgund und Luxemburg aus der burgundischen Seitenlinie des französischen Königshauses der Valois.
  6. Neuss
  7. Nancy
  8. Ferdinand „der Katholische“ (1452–1516) war als Ferdinand II. König von Sizilien und Sardinien und als Ferdinand V. König von Kastilien und León.
  9. 1478 n. Chr.
  10. 20.000
  11. 30.000
  12. Die erste Belagerung von Rhodos, der Hauptstadt und wichtigsten Festung des Johanniterordens, begann am 23. Mai 1480 und endete – nach einem letzten erfolglosen Sturmversuch am 28. Juli – im August 1480 mit der Wiedereinschiffung der türkischen Belagerungsarmee.
  13. Mehmet II. war 1451–1481 Sultan des Osmanischen Reichs.
  14. 23. Mai 1480
  15. Fra′ Pierre d’Aubusson (genannt Schild der Kirche), auch Petrus Albussanus, (1423–1503) war von 1476 bis zu seinem Tod der 40. Großmeister des Johanniterordens.
  16. Niklaus von Flüe oder Bruder Klaus (1417–1487) war ein Schweizer Einsiedler, Asket und Mystiker. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz.
  17. Otranto, siehe Wikipedia: Otranto-Feldzug
  18. 1480 n. Chr.
  19. über 12.000