Die Stunden
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Die Stunden.
Stunden hat der Tag nicht allein; den Morgen, den Abend, 5
Als Aurora, die goldne, von ewigen Flammen entzündet, Sie, die unsterbliche, sich ihrem Gemahle verlobt, [204]
Aber nicht ewiges Glück: denn dies vergaß sie zu bitten. 10
Memnons Erzeuger, im Arm rosiger Liebe gepflegt,Wird ein alternder Gott: was nützt die Dauer der Jahre 15
Träume vergangner Zeit, wohin doch seyd ihr entflohen? Die ihr den dürren Sand oft mir mit Blumen bestreut! [205]
Ist es der Dinge wahre Gestalt, wenn nackt und entblättert, 20
Nur ein trauriger Dorn unserem Auge sich zeigt?Nichts bleibt ewig bestehn; auch dies, was Leben wir nennen, 25
Dränget es dann sich hervor zum glänzenden Lichte des Tages, Schmachtet und dämmert es auf unter Gewimmer und Schlaf. [206]
Aber der rasche Jüngling vertauscht sein eigenes Daseyn 30
Gegen fremdes Geschick, wann ihn die Liebe bethört.Ist nun das Alter des Manns zur hohen Reife gestiegen, 35
Nach und nach entblättert sich dann der Stamm, und die Zweige Sinken; matt und entstellt endet der zitternde Greis. [207]
Mit den Locken des Haupts entfallen Freuden und Freunde; 40
Nur dem schattigen Baum eilet der Wanderer zu,Geht an dem kahlen Stamm der hohen Fichte vorüber, 45
Meine Seele zu weiden; wann ringsum schweigen die Hügel, Und mithorchend der Hain leise die Aeste nur regt. [208]
Dort, am Falle des Stroms, der unter Blumen herabstürzt, 50
Schöpf’ ich das Leben aus ihm, wie er sich lebend ergeußt.Immer verjüngt wie er, vom Abendschimmer vergoldet, v. K.
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