Die Wolken (Aristophanes)
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I.
Die Wolken. [2] [3]Personen.
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Erster Act.
Erste Scene.
Morgendämmerung. Wohnung des Sokrates. In der Nähe derselben das Haus des Strepsiades, in dessen Schlafgemach man hineinsieht. 5
Die Knechte schnarchen. Früher hätt’ ich dem gewehrt!Krieg, fahre du zur Hölle, jezt und allezeit, 10
In fünf gewaltige Pelze fünffach eingemummt.Nun, wenn es sein soll, schnarch’ ich auch, wohl eingehüllt. [6]
15
Er reitet, jagt mit seinem Zweigespann daher,Und träumt von Pferden. Aber ich verzweifele, 20
Noch schulde, möchte berechnen, was die Zinse sind. (der Knecht bringt Licht und Buch.) 25
He, Philon, fehl gefahren! Bleib’ in deiner Bahn!
30
Doch „welche Schuld belastet mich“ nach Pasias?„Für Stuhl und Rad drei Minen an Amynias.“ Strepsiades. 35
Mich auszupfänden für den Zins –
40
Das darfst du glauben, alle noch auf deinen Kopf.Weh, weh! 45
An Bienen reich und Schafen, reich an Wein und Oel.Da nahm ich Bauer eine Städterin zum Weib, 50
Roch ich nach Trestern, Feigen, Woll’ und Speichergut,Sie nach Safran, Pomade, Liebesschnäbelei, 55
Und sagte: Frauchen, du verzettelst allzuviel!Der Knecht. 60
Hierauf, nachdem uns dieser Sohn geboren war,Ich sage, mir und meinem wackern Eheweib, 65
Ich aber hieß ihn nach dem Ahn Pheidonides.Wir zankten noch ein Weilchen; endlich wurden wir 70
Im Wagen wie Megakles fährst“ – ich fiel ihr ein:„Nein, wenn du, wie dein Vater, einst von Phelleus’ Höh’n 75
Nun sann ich da die ganze Nacht durch hin und her,Und Einen Weg noch fand ich, einzig, göttlich schön. [9]
Nun, aus dem Schlafe wecken laß mich ihn zuerst! – 80
Pheidippides! Mein Pheidippidchen!
85
An meinem Unglück trägt allein der Gott die Schuld.Doch wenn du mich wahrhaft von Herzensgrunde liebst, 90
So sage: was verlangst du?
Strepsiades. 95
Es wohnen Männer drinnen, die beweisen dir,Der Himmel sei nichts Andres, als ein Stülpkamin, 100
Wer sind sie denn?
105
Pst, pst! Den Mund zu: schwaze nicht so thöricht Zeug!Nein, liegt dir Etwas an des Vaters liebem Brod, Strepsiades. 110
Ich bitte dich „du liebster aller Menschen mir“,Geh hin und lerne! 115
Den Sieg gewinnen, schwazte sie auch ungerecht.Erlernst du nun die ungerechte Rede mir, 120
Wie wagt ich’s je, die stolzen Ritter anzuschaun!
125
Zu diesem geh’ ich, kümm’re mich nicht mehr um dich. (geht ab) Zweite Scene.
Strepsiades allein. [12]
Doch – bring’ ich Alter, stumpf, vergeßlich, wie ich bin, 130
Der spizen Worte Splitterei’n in meinen Kopf? –Frisch zu! Warum auch drucks’ ich da noch lang herum, Dritte Scene.
Strepsiades. Ein Schüler des Sokrates. 135
Fürwahr, ein Mensch vom Pöbel, der so ungestümUnwissenschaftlich an die Thüre strampft und mir 140
Nur Schülern darf man solche Sachen anvertraun.
145
Wie weit ein Floh wohl hüpft nach eigner Füße Maß.Den Chärephon stach einer in die Brau’n und sprang Strepsiades. 150
Und taucht die beiden Füßchen ihm in’s Wachs: sobaldDas Ding erkaltet, hat der Floh Pantoffeln an. 155
Des Meisters sagen?
160
Eng ist der Schnacke Darmkanal, erklärt’ er uns;Da muß die Lust wohl, eingepreßt in kleinem Raum, 165
Trompetenartig wäre denn der Schnacke Steiß!O selig dreimal, wer in Darmes Tiefen blickt! [14]
Wie leicht entgeht er vor Gericht den Gläubigern, 170
Von einer Eidex abgeführt.
175
Ja – gestern Abend war für uns kein Essen da.
180
Was staunen wir noch jenen alten Thales an?Flugs öffne, Lieber, öffne flugs die Denkerei, [15]
Vierte Scene.
(Die Thüre öffnet sich: man erblickt einen Haufen Schüler in wunderlichen Stellungen, auch allerlei Lehrgeräthschaft.) 185
Was staunst du so? Wie kommen dir die Leute vor?
190
Ich weiß Bescheid, wo welche wachsen, groß und schön. –Was thun denn diese, die da steh’n so tief gebückt? 195
Hinein, damit der Meister uns nicht außen trifft!
Strepsiades. 200
Bei allen Göttern, sage: was ist dieses hier?
205
Das heißt Erfindung, nüzlich, recht für’s Volk gemacht!
Strepsiades. 210
Wo liegt Kikynna, meiner Zunftgenossen Siz?
215
Wie nah bei uns! Darüber denkt nur ernstlich nach,Daß ihr das Nest da möglichst weit wegschafft von uns! 220
Mein Lieber, höre, schreie mir recht laut ihn an!Der Schüler. Fünfte Scene.
Strepsiades. Sokrates. 225
In den Lüften wandl’ ich, sehe herab auf Helios.
230
Idee’n sich mischten mit der wahlverwandten Luft.Denn wenn, am Grunde haftend, ich von unten her Strepsiades. 235
Was sagst du da?Das Denken sollte Feuchtigkeit in die Kresse zieh’n'? – 240
Denn hohe Zinse, Gläubiger von der gröbsten Art,Die reißen mich, zerren mich, pfänden Hab’ und Gut[1] mir aus. 245
Die Nichts zurückzahlt. Was du nur an EhrensoldVerlangst, erhältst du, bei den Göttern schwör’ ich es. 250
Willst du der Götter Wesen aus dem Grund versteh’n,Wie’s wirklich ist? Sokrates. 255
Sieh hier, ich size.
260
Du wirst im Reden abgefeimt, ein Klappermaul,Wie Mehl so fein. Sechste Scene.
Strepsiades. Sokrates. Später der Chor der Wolken. 265
Und Aether im Glanz, und o Göttinnen hehr, ihr blizhelldonnernden Wolken,Steigt auf und dem sinnenden Forscher erscheint, ehrwürdige Frau’n, in den Lüften! 270
Ob auf des Olympos Höhen ihr thront, in den heiligen Schneeregionen,Ob festliche Reih’n mit den Nymphen ihr schlingt in Vater Okeanos’ Gärten, Der Chor der Wolken. 275
Wolken, unendliche Flut!Hebt euch, leuchtend in ewig beweglichen Thauesgestalten, 280
Fern auf schimmernde Warten und heiligeLande, von Früchten geschwängert, und göttliche 285
Strahlend in heiterem Glanze.Auf, von dem thauigen Schleier enthüllen wir 290
Du vernahmst doch die Stimm’ und den Donner zugleich, der feierlich brüllte von Zeus her?
Sokrates. 295
Schweig’ andachtvoll; denn der Göttinnen Schwarm braust eben daher mit Gesängen.
300
Feier das mystischeHaus an den Festen der Weihe sich aufschließt, 305
Wallen, und, lieblich im Kranz, Brandopfer und MahleWechseln im Tanze der Horen: 310
Bei Zeus, ich beschwöre dich, sage mir doch, wer sind die Frauen, o Meister,Die da den Gesang anstimmten so hehr? Sind’s doch nicht gar Heroinen? [24]
Die Scharfsinn uns, dialektische Kraft und Erkenntniß gnädig verleihen, 315
Drum flog auch, als sie die Stimme vernahm, mir empor in den Aether die Seele,Und es drängt sie bereits, spizfindelnd den Dunst haarfein zu zerlegen mit Worten, 320
Mit gemessenem Schritt.
Sokrates. 325
Und du wußtest es nicht und du glaubtest es nicht, daß Göttinnen seien die Frauen?
330
Faullenzer, die nichts thun, füttern sie ab, weil die sie besingen in Versen.
[26]
Und von strömender Flut aus Regengewölk. Dafür zum Lohne verschlangen 335
Sie des mächtigen Meeraals leckeres Fleisch und die fettesten Stücke der Drossel.
340
Nicht ähnlich den Frau’n, im Entferntesten nicht; und die dort haben ja Nasen.
[27]
345
Wildfang von den zottigen Wüstlingen dort, wie etwa den Sohn Xenophanteus,Dann äffen sie spottend die Tollheit nach und verwandeln sich schnell in Kentauren. 350
Kaum sah’n sie die Memme, so wurden sie gleich in flüchtige Hirsche verwandelt.
355
Und Priester der spizesten Tollheit du, sprich, was du begehrst zu vernehmen![28]
Denn keinem der Anderen leih’n wir Gehör von den heutigen Forschern im Luftraum, 360
Ach Erde, wie tönt die Stimme so hehr, wie feierlich, übernatürlich!
365
Die wohl: wer sonst? Ich will es dir gleich mit entscheidenden Gründen beweisen.[29]
Wo hast du den Zeus denn ohne Gewölk nur Einmal regnen gesehen? 370
Doch wer ist der Donnerer, sage mir noch: der macht mich zittern und beben.
375
Doch – ist es der Zeus nicht, der mit Gewalt sie treibt, sich fortzubewegen?
[30]
Doch hast du noch nicht mir das Donnergeroll und den Grund des Getoses erläutert. 380
Wenn eine davon an die andere prallt, dann tosen sie wegen der Spannung.
385
Und das Süppchen im Leib, das poltert und dröhnt graunvoll, wie die Stimme des Donners.Im Anfang thut’s ganz leise Papax, Papapax, dann stärker Papappax; Strepsiades. 390
Drum klingen sich gleich die Benennungen auch, wie Donnergeknall, so der Darmschall.Doch erkläre mir noch, wo der schmetternde Keil her fährt mit der leuchtenden Flamme, 395
Wenn Zeus Meineidige straft mit dem Bliz, daß nicht auch Simon verbrannte,Der Theoros nicht, der Kleonymos nicht, solch erzmeineidige Sünder? 400
Wenn trockener Wind in die Lüfte sich hebt und (auf die Wolken zeigend) [32]
Und entzündet sich selbst und verzehrt sich sogleich von dem zischenden Stoß und der Reibung. 405
Da briet ich den Vettern ein Magengefüll und vergaß, Einschnitte zu machen:Nun blies es sich auf, und mit Einmal sofort auseinandergeplazt in der Mitten, 410
Wenn Tiefsinnskraft und Gedächtnißkraft und Geduld bei Leiden und MühsalIn der Seele dir wohnt, und du nimmer im Steh’n und nimmer im Geh’n dich ermüdest, 415
In der That und im Rath und im Zungengefecht als Sieger das Feld zu behalten!Strepsiades. 420
Dies Chaos hier und die Wolken umher und die mächtige Zunge, die drei nur?
425
Allherrschende Frau’n, so fleh’ ich zu euch, dies Kleine mir nur zu gewähren:Laßt hundert Meilen voran mich geb’n dem gewandtesten Redner in Hellas! Die Chorführerin. 430
Nein, nur so für mich an dem Rechte zu dreh’n, und die Gläubiger tüchtig zu prellen.
435
Nun mögen sie nur, was ihnen beliebt,Vornehmen mit mir! 440
Und wind’ ich mich nur aus den Schulden heraus,Dann möge die Welt mich immer verschrei’n [35]
445
Fuchs, Landrecht, Windhund, klapperndes Maul,Als Prahlhans, Tückbold, Heuchler und Strick, 450
Mag Jeder mir thun, was Jedem beliebt;Und wollen sie gar, 455
Nie verzagten,Stets gefaßten. 460
Kein Sterblicher, wirst du hinfortMit uns durchleben. 465
Um sich mit dir zu besprechen, von dir sich belehren zu lassen,[36]
Klagen um viele Talent’ und Gegenklagen 470
Reg’ auf die Gedanken in seinem Gehirn, und erforsche mir seinen Verstand erst!
475
Nein; nur in Kürze wissen möcht’ ich Eins von dir:Hast du Gedächtniß? 480
Nein, nicht zum Vortrag, aber zum Wegtragen wohl.
Sokrates. 485
Ganz ungebildet, ein Barbar ist dieser Mensch! –Ich fürchte, Graukopf, wohl bedarfst du Schläge noch. 490
Frisch! Abgelegt den Mantel!
495
Sprich, welchem deiner Schüler werd’ ich ähnlich dann?
Strepsiades. 500
Mir einen Honigkuchen erst; ich fürchte sehr,Da steig’ ich wohl hinunter – zum Trophonios! 505
Heil und Gedeihen diesem Mann,Daß er, obwohl des Lebens 510
Gibt in die Zucht der Weisheit!Parabase.
Der Dichter an die Zuschauer. [39]
So gewiß verehr’ ich in euch feine Kenner meiner Kunst; 515
Aber auch dies komische Stück acht’ ich als mein bestes Werk,Sezt’ es euch auch darum zuerst wiederum zu kosten vor, 520
Dennoch geb’ ich Keinen von euch, der gescheit ist, treulos auf.Denn seit hier von Männern, die schon anzureden Freude macht, 525
Und das Ihr großmüthigen Sinns hegtet dann und auferzogt:Ja, seitdem hat treu sich und fest eure Huld an mir bewährt. 530
Seht, wie sittsam die sich benimmt: erstlich trägt sie nirgends vornAngenäht ein ledernes Ding, das, am Schnabel roth und dick, [40]
535
Seinen Knotenstock und vertreibt schalen Spott und schlechten Wiz;Nicht mit Fackeln stürmt sie herein, heult auch nicht „weh, wehe mir!“ 540
Sondern stets auf Neues bedacht, führ’ ich euch Gestalten vor,Die in Nichts einander verwandt, alle fein und treffend sind. 545
Stampfen auf den ärmlichen Wicht stets und seine Mutter los.So zuerst schleppt’ Eupolis uns seinen Marikas herbei; 550
Dann kommt auch Hermippos und macht Etwas auf Hyperbolos,Kommen all die Anderen schon, hämmern auf Hyperbolos, 555
Wird man auch in künftiger Zeit eurer Kennerschaft vertrau’n.Erster Halbchor. 560
Der du die Erd’ und salziges MeerGräßlich erschütternd aufwühlst! 565
Der in leuchtende Strahlen die WeltEinhüllt, unter den Göttern groß, 570
Uns, die mehr denn alle Götter Segen schaffen dieser Stadt,Bringt ihr doch von allen Göttern weder Trank noch Speise dar, 575
Ihr zum Feldherrn wähltet, zogen wir erzürnt die Brauen ein,Thaten grimmig, und „der Donner fuhr herab aus hellem Bliz;“ [42]
580
Doch erkort ihr ihn zum Feldherrn: denn man sagt, verkehrter RathSei in dieser Stadt zu Hause, doch die Gottheit wende das, 585
Und sodann in schwerer Fessel ihm den Hals zusammenschnürt,Wird nach alter Weise wieder, wenn ihr Etwas schlimm gemacht, 590
Thront, dem erhab’nen Felshorn;Ephesos’ Göttin, die im goldstrahlenden Haus 595
Unserer Stadt, von der Aegis umrauscht, Athenäa;Auch nahe du, der, des Parnaß 600
Als wir eben uns bereitet, unsern Gang hieher zu gehn,Traf die Mondgöttin am Weg uns, und befahl uns dies an euch: [43]
Da sie doch euch allen nüze, nicht mit Worten, durch die That: 605
Erst an Fackellicht im Monat Eine Drachme mindestens,Daß ein Jeder, der am Abend auszugeh’n sich rüstet, spricht: 610
Darum (sagt sie) drohen ernstlich ihr die Götter jedesmal,Wenn sie wieder um ein Opfermahl getäuscht nach Hause geh’n, 615
Daß wir um Sarpedon trauern, oder auch um Memnons Fall,Sprengt ihr Wein und schäkert. Darum rissen wir dem Hyperbolos, Zweiter Act.
Erste Scene.
620
Bei’m Athemzug, bei’m Chaos, bei des Himmels Luft!Nein, solchen Bauer sah ich nie mein Lebenlang, 625
Ich ruf’ ihn hierher vor die Thür, heraus an’s Licht. (er ruft hinein.) 630
Wovon du niemals Etwas hörtest: sag’ es frei!Von den Maßen oder Rhythmen oder vom Gedicht? Strepsiades. 685
Viermesser von den Maßen dir das schönste dünkt?
640
Vielleicht indeß begreifst du von den Rhythmen was?
645
Der gerade? Den (Zeus weiß es!) kenn’ ich.
Sokrates. 650
Nur Eines, Eines, nur des Unrechts Redekunst.
655
Sieh nur, so geht’s dir! Sie, das Weibchen, nennst du Spaz,Und Ihn, das Männchen, nennst du völlig ebenso. 660
Der Spaz, die Späzin! Köstlich, bei des Himmels Luft!So daß ich dir für diesen Unterricht allein Sokrates. 665
Wie? Wäre Backtrog weiblich?
670
Doch sage mir, wie muß ich künftig sagen?
675
Was männlich unter diesen und was weiblich ist.
Sokrates. 680
Nun, diese sind nicht männlich, Unglückseliger.
685
Und das mit Recht doch, weil er nicht zu Felde zieht? –Doch was erlern’ ich Dinge da, die Jeder weiß? Strepsiades. 690
So laß darauf mich denken an der Erde hier.
Zweite Scene.
Strepsiades. Der Chor. 695
Den Geist und drill’ ihn!Doch wenn du zu tief dich verwickelt hast, 700
Jammer und Weh! Jammer und Weh!
[50]
705
Und zapfen das Blut aus dem Leibe mir ab,Und zwicken und zerren die Hoden mit ab, 710
Und was denn thun?Mein Gut ist hin, und die Farbe dahin, 715
Mein fliehendes Leben dahin ist! (er schläft ein.) Dritte Scene.
Sokrates. Strepsiades. Der Chor. Strepsiades. 720
Thu nicht so weichlich, hülle dich nur tüchtig ein:Denn finden muß sich endlich eine Wolfsidee, 725
Heda, du schläfst wohl?
730
Durchdenke selbst erst was du willst und sage mir’s.[52] Strepsiades. 735
Und theile fein ab und bestimmt.
740
Jezt hab’ ich eine Wolfsidee für meinen Zins.
745
Und hielte so ihn festverwahrt, – wie wär’ es wohl?Sokrates. 750
Gut! Höre nun ein Andres noch, das Geist verlangt.Wenn eine Klag’ auf fünf Talente wider dich 755
Nein, laß die Gedanken flattern in die Luft hinaus,Frei, wie den Grüngoldkäfer mit dem Zwirn am Fuß. 760
Den Stein gesehn, den schönen, ganz durchsichtigen,Womit sie Feuer machen? [54] Sokrates. 765
Und schmelz’ ihm unterm Griffel dann die Klage weg.
770
Wenn dir ein Schuldig drohte, weil’s an Zeugen fehlt?
[55] Sokrates. 775
Denn wenn ich todt bin, dann verklagt kein Mensch mich mehr.
780
Laß seh’n! Wie hieß das Erste doch – das Erste – ja –Wie hieß das Ding gleich, wo der Teig geknetet wird? 785
Ich muß verkommen, lern’ ich nicht das Wortverdrehn. (zu dem Chore:) 790
Ja freilich hab’ ich einen Sohn: ein wackrer Mensch!Nur will er mir nicht lernen. Ach, was fang’ ich an? [56] Die Chorführerin. 795
So ist’s vorbei, ich jag’ ihn aus dem Hause fort. (zu Sokrates) 800
Er ist ja zu Allem bereit, der Mann,Was du gebietest. 805
Es entschlüpft so gar leichtSolch ein Genuß, und du hast das Nachseh’n!
Dritter Act.
Erste Scene.
Strepsiades. Pheidippides. Der Chor. 810
Wohl bist du, bei’m olymp’schen Zeus, nicht recht gescheit.
815
Indessen komm und lerne, daß du klüger wirst;Ich will dir Etwas lehren, das zum Mann dich macht. [58] Pheidippides. 820
Mein Sohn, es gibt gar keinen Zeus; vielmehr regirtEin König Umschwung, der den Zeus vom Throne stieß. 825
Und bist du soweit in der Tollheit vorgerückt,Und glaubst dem hirnverbrannten Volk? 830
Zum Baden in die Wanne stiegen. Aber duVerbadest alle Habe mir, als wär’ ich todt. Strepsiades. 835
Da lernst du, wie gar ungeschickt und roh du bist.Doch warte hier nur einen Augenblick auf mich. 840
Sieh her, für welchen Vogel hältst du diesen? Sprich!
845
Die Späzin! Also diese Weisheit lerntest du,Zur Schule gehend bei den Himmelstürmern dort? Strepsiades. 850
Den hab’ ich nicht verloren, sondern verstudirt.
855
Auch dir, du stand’st im sechsten Jahr und lalltest noch:Vom ersten Obol, den ich als Heliast empfing, Zweite Scene.
Strepsiades. Pheidippides. Sokrates. Der Chor. 860
Ich bringe dir da meinen Sohn daher; er ließSich sträubend nur bereden. Pheidippides. 865
Seht nur, das „aufhängst“, wie er das so kindisch krächzt,Und frazzenhaft die Lippen auseinander zerrt! 870
Nimm ihn getrost in die Lehre; denn er hat Genie!Er war ein kleiner Knabe noch, vier Spannen kaum, 875
Doch daß er ja die beiden Redekünste lernt,Die stärk’re, wie sie’s nennen, und die schwächere, 880
Ich gehe; darauf denke nun, daß er geschicktUnd tapfer allem Rechte widersprechen lernt. Dritte Scene.
Der Vertreter des Rechtes. Der Vertreter des Unrechts. Pheidippides. Der Chor. 885
Vor den Augen des Volks um so schlimmeren Tod.
890
Die steh’n hier freilich im üppigsten Flor (auf die Zuschauer deutend) Der Vertreter des Unrechts. 895
Denn entschieden behaupt’ ich: es gibt kein Recht!
900
In Bande gelegt?
905
Mich mit Lilien krönst –Der Vertreter des Rechtes. 910
Kein Kind will mehr in die Schule: daranBist du nur schuld. 915
Doch weiß ich die Zeit, da betteltest du,Und führtest dich gern als Telephos ein, 920
O Wahnsinn, den du pflegst und die Stadt,Die so lang dich ernährt, Der Vertreter des Unrechts. 925
Ihn zu üben allein in dem schalen Geschwäz!
930
Du, was du vordem in der Schule gelehrt,Du, was man die heutige Bildung nennt, 935
Auf denn, wer nimmt als Erster das Wort?
940
Und wenn er zulezt noch im mindesten muxt,Durchstech’ ich ihm Augen und Antliz rings, [66]
Wie ein Hornissenschwarm, daß, schmählich zerkrazt, 945
Auf die gewandte Rede,Versuchend scharftreffenden Wiz, 950
Alle Gefahr wälzt sich ja jeztWider die Weltweisheit heran, 955
Laß tönen das Wort, wie du dessen dich freust, und schildere deine Natur uns.
960
In dem dünnsten Gewand durch die Straßen dahin, und stöberte Schnee, wie der Mehlstaub.[67]
Dort lernten sie dann von dem Meister ein Lied, – sittsam, nicht kreuzend die Beine – 965
Wie der neueste Brauch, in des Phrynis Manier, halsbrechende Schnörkel daherträllt,Dem lohnte der Stock im üppigsten Maß, weil Musengesang er entheiligt. 970
Daß nicht von den blühenden Formen ein Bild nachblieb’ und Begierden erweckte.Da hätte sich über den Nabel hinab kein Knabe gesalbt; wie die Wolle 975
Auch durften sie nie bei Tische sich selbst ein winziges Köpfchen des Rettigs,Noch Aelteren gar vor dem Munde hinweg vom Dill sich nehmen und Eppich, [68]
Noch Backwerk schmausen, Geflügel und Fisch, noch kreuzweis’ halten die Beine. 980
Durch welche der Marathonkämpfer Geschlecht aufsproß aus meiner Erziehung.Doch du lehrst unsere Jugend sogleich in weites Gewand sich vermummen; 985
Dann lernst du dich stets fern halten vom Markt und die laulichen Bäder verabscheun,Und erröthen in Scham bei schändlichem Thun, und erglüh’n, höhnt Einer dich deßhalb, 990
Nie stürmen hinein in der Tänzerin Haus, daß nicht, wo du solchen Genüssen[69]
Nachjagst, dich die Dirne mit Aepfeln bewirft, und der ehrliche Name verscherzt ist: 995
Bei’m Gott Dionysos, den Rindern gleich, und man wird Lappmämme dich schelten.
1000
Mit dem schimmernden Rohr um die Stirne gekränzt, an dem Arm des bescheidenen Freundes,In des Epheus Duft, in der Muße Genuß, umlaubt von der silbernen Pappel, 1005
Dann schaffst du dir stets vollkräftige Brust,Und ein blühend Gesicht und die Schultern gewölbt, [70]
Hübsch kleines Geschöß. 1010
Dann wird dir zum Lohn blaßgelb das Gesicht,Und die Schultern gedrückt, und schmächtig die Brust, 1015
Daß Häßliches schön und das Schöne sogarDir häßlich erscheint. 1020
Göttlich erhab’ner Weisheit,Wie duftig blüh’n sittlicher Kraft 1025
Darum, o du, Meister der KunstZierlichen Worts, rüste dich nun, 1030
Wenn ihn du niederwerfen willst und nicht zum Spotte werden.
[71]
Ich ward der schwäch’re Sprecher ja deßwegen nur geheißen 1035
Den Rechten und Gesezen stets gradaus zu widersprechen.Und dieses hat doch größern Werth, als viele tausend Stater, 1040
Wohlan, auf welchen Grund gestüzt verbeutst du warme Bäder?
1045
Für tapf’rer, als Herakles war, erkenn’ ich keinen Andern.
Der Vertreter des Unrechts. 1050
Dann tadelst du das Treiben auf dem Markt, ich find’ es löblich.Denn wär’ es schlimm, so stellte wohl Homeros nie den Nestor 1055
Er fordert weiter Sittsamkeit: o ganz verkehrte Dinge!Denn sah’st du, daß jemals ein Mensch durch Sittsamkeit ein Glück schon 1060
Talente mehr denn hundert hat Hyperbolos, der Lampner,Durch seine Schelmerei verdient, doch freilich keine Schwerter! 1065
Denn brav gedrillt sein will ein Weib: du bist ein alter Klepper. (zu Pheidippides.) [73]
Einbringt, und welcher Freuden du dich dann entschlagen müßtest 1070
Genug! Ich wende mich zu dem, wozu Natur dich fortreißt.Du liebtest, du vergingest dich, du wardst ertappt im Ehbruch: 1075
Du findest keine Schuld an dir; Zeus trage gleiche Sünde,Da dieser auch dem Liebesgott und schönen Frau’n gehuldigt. 1080
Und ob er Weitloch immer sei, was schadet’s ihm?
Der Vertreter des Unrechts. 1085
Weitlöcher.
1090
Du’s endlich, daß du nichts gewußt?Und im Theater, welcher Art 1095
Weitlöcher sind’s (auf einzelne Zuschauer deutend) Der Vertreter des Unrechts. 1100
Ihr geilen Böcke, jung und alt,O fangt mir doch den Mantel auf: Vierte Scene.
Sokrates. Pheidippides. Strepsiades. Der Chor. 1105
Ja, diese lehr’ ihn, halt’ ihn streng, und sei bedacht,Ihm recht den Mund zu wezen: Einen Backen nur 1110
Als bleichen, armen Stümper, das bezweifl’ ich nicht.
Die Chorführerin. 1115
Erstlich, wenn ihr euer Brachfeld pflügen wollt zu seiner Zeit,Soll zuerst euch Regen werden, und den Andern hintennach. 1120
Hab’ er Acht, welch schwere Leiden er von uns erdulden wird:Weder Wein noch andre Früchte blühen ihm aus seinem Gut. 1125
Kaum erneut, zermalmt in Scherben ihm des Hagels schwerer Schlag.Wenn er selbst, ein Anverwandter oder Freund, heimführt die Braut, Vierter Act.
Erste Scene.
Strepsiades. Der Chor. 1130
Dann kommt von allen Tagen der, vor welchem mir’sAm meisten bangt und schaudert, der ein Gräuel mir, 1135
Zu jagen, taub für all mein Fleh’n um BilligkeitUnd Schonung: „Bester, fordre jezt das Sümmchen nicht, 1140
Nun, mag er denn nur klagen: daran liegt mir nichts,Wenn Er das Reden brav gelernt, Pheidippides. Zweite Scene.
Sokrates. Strepsiades. Der Chor. Strepsiades. 1145
Man muß dem Lehrer Ehre thun, ihm dankbar sein.Von meinem Sohne sage mir, hat er die Kunst 1150
Auch wenn bezeugt wird, daß ich Geld auf Zinse nahm?
1155
Denn einen Streich mir spielen sollt ihr nimmermehr!Wächst ein so trefflicher Sohn 1160
Löst er den Gram, der schwer drückte das Vaterherz! (zu Sokrates) Sokrates. 1165
Trautester, Trautester!
Dritte Scene.
Strepsiades. Pheidippides. Der Chor. 1170
Sichtbar, das Rechtabläugnen, – und das heimische:„Was sagst du?“ spielt um deinen Mund, samt jenem Ernst, 1175
Dir graut – wovor denn?
Pheidippides. 1180
Unmöglich wär’ es?
1185
Das hat ja gar nichts mit dem Altundneu zu thun.
Pheidippides. 1190
Der Angeklagte Tags zuvor erscheinen kann,Gutwillig sich zu lösen, und, vermag er’s nicht, 1195
Sie machen’s, wie Vorkoster thun am Opfertisch:Um möglichst bald die Pfandgebühren einzuziehn, 1200
Nur Ziffern, Schöpse, Humpen, blindlings aufgehäuft!Wohl billig stimm’ ich auf mich selbst und diesen Sohn 1205
Und welchen Sohn ziehst du groß!“So ruft mit bald jeder Freund 1210
Doch komm hinein mit mir, um dichErst am Mahl zu laben. Vierte Scene.
Pasias, ein wohlbeleibter Alter. Ein Zeuge. Strepsiades. Der Chor. 1215
Herumzuziehen, daß ich um mein EigenthumDich herbemüh’n als Zeugen und noch obendrein 1220
Vor auf den Altundneuen.
Pasias. 1225
Sie heimzuzahlen schwurst du bei den Göttern dort.
1230
Und willst du mir’s abschwören bei den Göttern selbst,Wenn ich zum Eid dich treibe? 1235
Brav eingepöckelt, möchte der noch brauchbar sein!
Strepsiades. 1240
Das sollst du bitter büßen, traun, zu seiner Zeit!Jezt – willst du zahlen oder nicht? Antworte mir, 1245
Wo kam der Mann hin, welcher Geld von mir verlangt? –Sag’ an, wie heißt dies? 1250
So willst du nicht bezahlen?
Pasias. 1255
Zwar daß dir das begegnet, thut mir wahrlich leid;Denn nur aus Einfalt sprachest du von einem Trog. Fünfte Scene.
Amynias, ein wohlgekleideter junger Mann. Strepsiades. Der Chor. 1260
Von Karkinos’ Dämonen solchen Schrei gethan?
1265
Was hat dir denn Tlepolemos je zu Leid gethan?
Strepsiades. 1270
Da kamst du wirklich übel weg, wie mich bedünkt.
1275
Fast wie ein Erdstoß, scheint es mir, traf’s dein Gehirn.
1280
Dasselbe Wasser wiederum von unten auf?
Amynias. 1285
Den Zins vom Hauptstuhl.
1290
Viel größer ist als früher?
1295
Auf, packe dich von hinnen! Fort von meinem Haus! (zu einem Sklaven) Strepsiades. 1300
Nun, läufst du? Hätt ich eben doch dich fortgebrachtSamt deinen Rädern und dem Stuhl des Zweigespanns. 1305
Ein Andrer ihm auf Zinse lieh.Nicht fehlen kann es, heute trifft 1310
Für seine Schelmereien allDen Lohn empfängt, der Klügling! 1315
Im Widerspruch, im Wortgefecht,Das Recht zu beugen, daß er flugs 1320
Gewiß, gewiß, er wünscht dereinst,Er wäre stumm, der Junge. Fünfter Act.
Erste Scene.
1325
Scheusal, du schlägst den Vater?
1330
Spizbube, Schandkerl!Pheidippides. 1335
Das wolltest du mir zeigen?
1340
Noch einzureden, daß es recht und löblich sei,Wenn seinem Vater Schläge gibt der eigne Sohn! Erster Halbchor. 1345
An dir, o Greis, ist’s, auszuspäh’n, in welcher ArtDu diesen bewältigst; 1350
Bewährt er und Keckheit.
1355
Da hieß ich erst die Leier ihn ergreifen, um zu singenDas Liedchen von Simonides: „der Widder ward geschoren.“ 1360
Da du mich singen hießest, als herbergtest du Cikaden?
1365
Anstimmen was von Aeschylos. Und er entgegnet hastig:„Von Aeschylos? Nun, dieser dünkt mir, traun, der erste Meister [92]
In Schwulst und Bombast, ungeschlacht, hochtrabend, aufgedunsen.“ 1370
Mir etwas aus den Neuern an, vom feinsten Zeitgeschmacke!“Gleich sang er aus Euripides ein Stück, worin der Bruder – 1375
Scheltwort zu Scheltwort häuften wir, bis der an mich heranspringt,Und mich zerstampft, durchbläut und preßt, und fast das Herz mit auswürgt. 1380
Wie? Wohlverdient? Schamloser! War nicht ich es, der dich aufzog,Und jeden deiner Wünsche stets errieth an deinem Lallen? [93]
Und wenn du Mamman betteltest, so lief ich Brod zu holen; 1385
Dich vor die Thür und hielt dich ab: und du, du würgst mich, Unmensch!So laut ich rief, so laut ich schrie, 1390
Ich drinnen Kakka machte.
1395
Dann gäben wir für solcher Greise Fell hinfortKein winziges Böhnchen. 1400
Voll Trefflichkeit, herabzuseh’n auf hergebrachte Sitte!So lang auf Roß und Wagen nur ich Herz und Sinn gerichtet, 1405
Nun denk’ ich klar zu zeigen, daß den Vater schlagen recht sei.Strepsiades. 1410
Gewiß, aus reiner Liebe nur und Sorg’ um dich.
1415
„Die Kinder heulen, und der Vater soll es nicht?“Wohl wirst du sagen, also sei’s einmal bei Kindern üblich; 1420
Doch nirgend ist es üblich, daß dem Vater so geschehe.
1425
Die Schläge, die wir kriegten, eh man dies Gesez erließe,[95]
Die schenken wir euch insgesammt als Schulden, die verjährt sind. 1430
Nun, wenn du denn die Hähne doch nachahmen willst in Allem,Scharr’ aus dem Mist dein Futter auch und schlaf’ auf einer Leiter! 1435
So du dereinst auch deinen Sohn.
[96]
Denn wenn wir nicht das Rechte thun, ist’s billig, uns zu schlagen. 1440
Sieh hier noch einen andern Saz.
1445
Der schwächern Sache zeigen kann,Die Mutter schlagen, sei mir Pflicht? 1450
Mit SokratesUnd deiner schwächern Sache! – 1455
Da du zu bösem Trachten selbst dich hingewandt.Strepsiades. 1460
Bis wir den Thoren tief gestürzt in Ungemach,Damit er Ehrfurcht lerne vor der Götter Macht. 1465
Den Chärephon, den Schurken, und den Sokrates,Die dich und mich betrogen, auf, verderbe sie! 1470
Gibt’s einen Zeus denn?
Pheidippides. 1475
Hier fas’le nun und schwaze für dich selbst allein! (er geht ab.) Zweite Scene.
Strepsiades. Der Chor. 1480
Wenn all die Schwazereien mir den Kopf verrückt!Ach, rathe mir doch freundlich: soll ich öffentlich 1485
Anzünden. (ruft in’s Haus hinein.) 1490
Mir bringet eine Fackel her in hellem Brand!Dann soll von ihnen Mancher heut zur Stelle hier Dritte Scene.
Strepsiades. Schüler des Sokrates. Sokrates. Chärephon. Der Chor. 1495
Was machst du, Mensch? He!
1500
Wenn nicht die Hacke meine Hoffnung täuscht und ichVorher hinunterstürze, daß mein Nacken bricht! Sokrates. 1505
Und ich, des Unglücks armer Sohn, verbrenne noch!
1510
Nun ziehet hinaus: denn leidlich getanzt ward heute von uns in dem Reigen!Anmerkungen zu den Wolken.
Vers 5. Früher, als noch Friede war, hätten die Knechte mir nicht so schnarchen dürfen. Da wurden die Sklaven in der Frühe auf das Feld geschickt; seit dem Ausbruche des Krieges mußten sie glimpflicher behandelt werden. Denn bis zum Jahre 413 „waren, wie Thukydides (7, 27.) berichtet, mehr denn 20,000 Sklaven zu den Feinden (den Peloponnesiern, die im attischen Gebiete streiften, Schol.) übergegangen.“ " 14. Freie Männer, besonders welche die Reitkunst übten, trugen langes Haar. " 17. Bei den Griechen wurde das Geld monatweise ausgeliehen, und die Zinse waren am letzten Monatstage fällig. " 22. Zwölf Minen sind 275 Thaler. " 23. Koppa, in der Urschrift Koppatias, ein edles Roß, welchem das Zeichen „Koppa“ in die Hüfte gebrannt ist. " 25. Die Wagenlenker auf der Rennbahn fuhren neben einander. Oft aber kam einer dem andern in’s Geschirr, wie Antilochos dem Menelaos: Il. 23, 423 ff. Aber Antilochos lenkte die stampfenden Rosse vorüber, " 28. Pheidippides fragt unwillig, ob denn Philon die Bahn ganz für sich in Anspruch nehmen und alle Andern von der Benüzung derselben ausschließen wolle. Kock. [102] Vers 30. Nach dem Scholiasten Anspielung auf einen Vers des Euripides: τί χρέος ἔβα δῶμα; welche Noth traf das Haus? nur daß Aristophanes das Wort χρέος in der Bedeutung von Schuld gebraucht. " 32. Zur Schwemme, eigentlich „zum Sande“, zu den sandigen Pläzen, wohin die vom Rennen erschöpften Rosse geführt wurden, um sich durch Wälzen im Sande zu erfrischen. " 37. ein Schulze, der Demarch, der in den Gemeindeversammlungen den Vorsiz führte und das Schuldenwesen unter sich hatte. Dieser beißt, wie ein Floh oder eine Wanze, den Strepsiades zum Bett hinaus. " 47. Megakles, ein Name, der in dem angesehenen Geschlechte der Alkmäoniden, aus welchem auch Perikles und Alkibiades stammten, häufig vorkommt. Uebrigens ist die Abstammung der Frau des Strepsiades wohl nur erdichtet, um den Schein der Vornehmheit zu steigern. Die stolze, üppige Kösyra wird bald Eretrierin und Ahnfrau jenes Geschlechtes als Gattin Alkmäons, bald die dem Peisistratos vermählte Tochter der Megakles genannt. " 63. Namen mit Hippos, Roß, waren ritterlich. Die Mutter, stolz auf Ahnen, die durch Rossezucht sich hervorthaten, (nach Herodotos waren die Alkmäoniden diejenigen, die von Anfang an Wagenkämpfe geübt und Kampfsiege gewonnen hatten,) will ein Roß anbringen, und nennt ihn bald Der Vater dagegen, dessen Vater Pheidon (V. 134) und Pheidonides, Spargut, Spargutsohn, geheißen hat, nennt ihn Spargütlein (V. 65). Endlich werden sie eins, und nennen ihn, halb adelich und halb ländlich, Sparrösselein. Voß. " 71. Die „Höhen des Phelleus“ sollen steinige Abhänge nordöstlich von Athen sein, die zu Weiden besonders geeignet waren. [103] Vers 79. Ein vielsagendes Pröbchen, bemerkt Wieland zu dieser Stelle, wie der schwachherzige, einfältig-schlaue Strepsiades seinen halbadelichen Jungen erzog. Es werden uns deren noch mehrere aufstoßen. Auch mußte eine solche Erziehung vorhergegangen sein, wenn der sophistische Sokrates dieses Stückes einen solchen Taugenichts aus ihm sollte machen können, wie er sich uns am Ende darstellen wird. " 81. Der Sohn soll ihm die Hand geben, weil er im Sinne hat, ihm ein Versprechen abzunöthigen. " 92. Sokrates hatte ein Häuschen, welches er selbst mit Einschluß des Hausgerätes bei Xenophon auf fünf Minen schäzt. Zwölf Minen hatte das Kopparoß (V. 23) gekostet. In einem ähnlichen Häuschen schulhaltert der komische Sokrates; der wirkliche Sokrates war den Tag über nicht zu Hause, sondern verkehrte in Gymnasien, und wo er sonst die meisten Menschen antraf. Voß. " 96. Stülpkamin, eine Stülpe, worunter man glühende Kohlen barg. In den Panopten des Kratinos ward derselbe Vergleich, wie der Scholiast meldet, dem Weltweisen Hippon zugeeignet. " 99. Daß Sokrates für seinen Unterricht Geld genommen, bestreiten Xenophon und Plato; wohl aber ist nicht unwahrscheinlich, daß er von seinen Schülern Unterstüzung in Lebensmitteln empfing, während sich die Sophisten für ihre Kunst theuer bezahlen ließen. " 104. Chärephon aus der Gemeinde Sphettos (V. 156) war ein Jugendfreund des Sokrates, wie dieser selbst in Platons Apologie (c. 5) bezeugt, und hatte zu Delphi den Orakelspruch erwirkt, wodurch Sokrates für den weisesten der Sterblichen erklärt wurde. Er war blaß und hager, hatte lange, schwarze Augenbrauen, aus welchen der Floh (V. 146) auf die Glaze des Sokrates springt, und ein dünnes Stimmchen, weßwegen ihn Aristophanes in den Vögeln (1554.) die Fledermaus nennt. Seine ungestüme Begeisterung für Sokrates mag wohl neben seiner [104] Gestalt die Pfeile der Komiker auf ihn gelenkt haben, die ihn nicht weniger angriffen, als den Sokrates selbst. Vers 109. Fasanen, die man vom kolchischen Flusse Phasis eingeführt hatte, waren damals in Athen noch sehr selten. – Leogoras, der Vater des Redners Andokides, war ein berüchtigter Schlemmer. " 110. Die Anrede parodirt die Sprache der Tragiker. " 113. Protagoras und andere Sophisten lehrten, daß für die entgegengeseztesten Behauptungen über denselben Gegenstand gleich starke Gründe vorhanden seien, und bekannten sich öffentlich zu der Kunst, die schlechtere, schwächere Sache (des Unrechts) in die bessere, stärkere (des Rechtes) zu verwandeln. Gell. N. A. 5, 3: Protagoras pollicebatur se id docere, quanam verborum industria causa infirmior fieret fortior. Quam rem Graece dicebat: τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν. " 126. Der Ausdruck ist von Ringern entlehnt, die erst nach dem dritten Falle für besiegt galten. " 134. Die vollständige Angabe des Namens, wie sie bei wichtigen Gerichts- und Staatsverhandlungen erforderlich war, gibt der Stelle den Charakter komischer Feierlichkeit. Kock. " 137. Sokrates, der Sohn einer Hebamme, pflegte selbst seine Lehrweise mit der Kunst seiner Mutter zu vergleichen und sich zu rühmen, daß er die Seelen der Jünglinge von den Wahrheiten, die in ihnen, gleich einer Leibesfrucht im Schooße der Mutter, verborgen liegen, entbinde, und sie also gebären mache. Der thürhütende Schüler wirft im Schrecken eine Fehlgeburt. " 145. Es ist wohl möglich, daß Sokrates, dem es sehr gewöhnlich war, zumal in guter Gesellschaft bei Tische, paradox scheinende Wahrheiten in einem scherzhaften Tone vorzubringen, unserem Dichter auch zu dieser muthwilligen Spötterei Gelegenheit gegeben haben kann. Denn eine solche Frage aufzuwerfen, wenn etwa die Rede davon war, daß Größe und Kleinheit bloß relative Begriffe seien, wobei Alles auf den Maßstab ankommt, war gar [105] sehr in seiner Manier. Das Burleske liegt bloß darin, daß Aristophanes den Philosophen Ernst aus der Sache machen und dem Floh Pantöffelchen anziehen läßt, um das Maß seines Fußes genau angeben zu können. Wieland. Uebrigens wird die Geometrie nach Flohfüßen dem Sokrates auch in dem Gastmahle des Xenophon aufgerückt; vielleicht bezieht sich dies auf eine bekannte Anekdote, die auch Aristophanes benüzt. Vers 177. Sokrates, der so gern seinen belehrenden Umgang der Jugend weihte, hielt sich oft in Gymnasien und Ringhöfen auf, um mit den Jünglingen, die dort ihre Leibesübungen machten, sich zu unterhalten. In den Ringhöfen stand ein Opferaltar; ein Tisch, worauf das Opfer zerlegt wurde, und die Bratspieße durften nicht fehlen, Asche war von den verbrannten Opfertheilen vorhanden. Droysen. " 186. Kleon hatte sie zuerst in Pylos eingeschlossen, und als sie sich ergaben, nach Athen geführt, wo er die Abgezehrten in enger Haft nochmals hungern ließ: Thukydid. 4, 8. Der Sinn ist: sie sehen so bleich und abgezehrt aus, wie jene Sparter. " 203. Erobertes Land wurde vermittelst des Looses unter athenische Bürger vertheilt, denen die Einwohner um Lohn dienen mußten; den zehnten Theil davon erhielten die Götter. Der Alte meint V. 205, so solle die ganze Welt vermessen und vertheilt werden. " 208. Von den zwanzigtausend Bürgern Athens saßen sechstausend in den Gerichten. Die Vorliebe der Athener für Processe verspottet der Dichter auch sonst. " 212. Euböa liegt neben Attika lang dahingestreckt; daher der frühere Name der Insel Makris. Die Euböer hatten im Anfang des peloponnesischen Krieges gegen Athen Partei genommen, und waren dafür von Perikles „hingestreckt“ (V. 213), empfindlich gezüchtigt worden. Wieland macht noch auf den demokratischen Stolz des Bauers in den Worten: „uns und Perikles!“ aufmerksam. [106] Vers 234. Die Kresse hatte nach der Meinung der Alten eine den Boden und die benachbarten Pflanzen besonders anziehende und austrocknende Kraft. Aristophanes spielt auf die Gewohnheit des Sokrates an, seine Lehrsäze durch Analogieen und Beispiele aus dem gemeinen Leben zu erläutern und anschaulicher zu machen. Wieland. " 248. Gangbare Münze, d. i. gangbarer Glaube; aber Strepsiades versteht den Ausdruck eigentlich. " 249. Die eisernen Münzen hatten die Byzantier, ebenfalls Dorer, wie die Sparter, mit den lezteren gemein. " 257. In dem Athamas des Sophokles, der zwei (verloren gegangene) Tragödien dieses Namens schrieb, wurde dieser alte König Böotiens durch die Rache der Göttin Nephele, die er, nachdem sie von ihm zwei Kinder, Phrixos und Helle, geboren, einer Sterblichen zu Liebe verlassen hatte, bekränzt vor den Altar des Zeus geführt, um geopfert zu werden, aber durch die Dazwischenkunft des Herakles noch gerettet. " 264. Die Luft wird als „allherrschender Gott“, als Zeus, angerufen nach dem Vorgange des Euripides (in den Bruchstücken): Du siehest hoch den unermess’nen Aether dort, " 268. In der Stadt ging man gewöhnlich ohne Kopfbedeckung aus. " 270. Von den äußersten Enden der Erde: den Okeanosinseln im Westen, dem Nil (Neilos) im Süden, dem mäotischen See im Norden, dem Mimas, einem hohen Gebirge Kleinasiens, im Osten, werden die Wolken zusammengerufen. " 271. Die Nymphen sind die Okeaninen, die Töchter des Okeanos und der Tethys. " 294. Die schlechten komischen Dichter sind gemeint. Als die komischen Spiele noch auf Wagen an den Straßen vorgetragen wurden, machten die Darsteller das Gesicht [107] durch Weinhefe unkenntlich. Die Personen des Aristophanes hatten Larven. Vers 300. Das mystische Haus ist der Tempel der Demeter und Persephone in Eleusis, worin man die Weihe der Mysterien empfing. " 303. Bilder und Tempel, wie die Werke des Phidias, der Parthenon, die beiden Standbilder der Pallas u. s. f. " 307. Feste gibt es in jeder Jahreszeit; aber mit dem Lenze beginnt das schönste, die Feier des Dionysos mit Chortänzen und Gesängen, wozu schmetternde Flöten tönten. " 315. Ausdrücke der Tragödie. " 319. Parnes, das Gränzgebirge gegen Böotien, im Norden Athens. " 328. Die ganze hier aufgezählte Sippschaft gehörte der neumodischen Zunft der Sophisten an, deren Schuzgottheiten die luftigen Wolken sind. Unter den „Ringfingerignägelberingten“, d. i. mit Ringen an den Fingern bis zum weißen Nagel bedeckten, versteht Lessing prunkende Flötenspieler; überhaupt sind wohl athenische Stuzer gemeint, wie sie in der Einleitung des platonischen Protagoras im Hause des Kallias sich versammeln, vor Allen der geckenhafte Sophist Hippias aus Elis; der eine Menge selbstverfertigten Puzes an sich trug. " 329. Dithyrambische Chöre, Rundgesänge, die an festlichen Tagen um Götteraltäre getanzt wurden. Ihr ehemals einfacher, kräftiger, choralmäßiger Ton verlor sich damals in Schwulst und schnörkelnde Künstlichkeit. Diese von den Wolken empfangen zu haben, rühmt sich in den Vögeln 1383 ff. der Dithyrambensänger Kinesias. Voß. " 331. Phrasen aus Dithyrambendichtern, wie Kinesias, Philoxenos und Kleomenes. " 332. Das wirbelnde Hunderthaupt ist Typhos; der Gigant, der nach Aeschylos (im Prometheus) hundert Häupter mit blizsprühenden Augen hatte, eine Personifikation des feurigen Wirbelwindes. [108] Vers 335. Das Ganze, bemerkt der Scholiast, zielt auf die Dichter, welche bei den Choregen schmausten, oder auf Spruchredner und Seher, die im Prytaneion unterhalten wurden. " 345. Der Sohn des Xenophantos, Hieronymos, der hochtrabende Tragödien und Dithyramben schrieb, hatte sehr dichtes Haar, das in den Acharnern als „dunkeldichthaarige Tarnkappe“ bezeichnet wird. " 347. Simon, ein Sophist, in öffentlichen Angelegenheiten sehr gewandt, auch durch Meineid berüchtigt: vgl. V. 395. " 349. Kleonymos wird oft von Aristophanes und den anderen Komikern durchgezogen, besonders wegen seiner unglaublichen Feigheit. " 351. Kleisthenes, von dem Dichter anderwärts als glattgeschorener Weichling verspottet, ist bei der Aufführung anwesend zu denken. " 357. Prodikos, ein durch Geist und Kenntnisse ausgezeichneter Sophist, der sich besonders mit etymologischen und synonymischen Forschungen beschäftigte, und seine Weisheit für schweres Geld verkaufte. Von ihm ist die allegorische Erzählung von Herakles am Scheidewege, die uns in der Umarbeitung des Xenophon (Denkwürd. 2, 1, 21) erhalten ist. " 360. Die Erde ruft Strepsiades an als Landmann. " 371. Die Anrede: „du Verweg’ner in Allem“, parodirt eine Stelle des Sophokles im Oedipus auf Kolonos (V. 759 unserer Uebersezung). " 376. Empedokles lehrte nach Aristoteles: die Erde ruhe durch den schnellen Kreislauf des Himmels, wie ein schnell umgeschwungenes Glas das Wasser nicht verschütte. Von ihm sagt Sokrates im Phädon: er sezt einen Umschwung um die Erde, damit sie unter dem Himmel bleibe. Dieser Umschwung, meint der komische Sokrates, dränge die Wolken zum Fortziehen und zum Zerplazen. Voß. " 382. Am Feste der Panathenäen, das die Ortschaften Attika’s vereint ihrer Schuzgöttin Pallas Athene, und jedes [109] fünfte Jahr mit ausgezeichneter Pracht feierten, wurden aus ganz Attika Opferstiere nach Athen gesandt. Voß. Vers 394. Kronisch werden Dinge genannt, die so alt sind, als Kronos, der von Aristophanes, sogar von Platon, als altfränkischer Thor, als kindisch gewordener Gott bezeichnet wird. " 395. Von Simon und Kleonymos war schon früher die Rede. Theoros wird von Aristophanes anderwärts als gemeiner Schmeichler verspottet; auch ward er beschuldigt, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. " 397. Sunion, „Attika’s Berghaupt.“ Homer Odyss. 278: Als wir Athens Berghaupte, dem heiligen Sunion, nahten. " 404. Die Diasien, ein Fest zu Ehren des Zeus Meilichios, des Besänftigenden, wurden im Monat Anthesterion außerhalb der Stadt mit unblutigen Opfern gefeiert; heitere Volksfeste und Schmausereien schlossen sich an. " 420. Chaos bezeichnet hier den leeren Luftraum. " 473. Mit neuem Zeuge, geistigem Kriegsgeräth, um die Seele des Strepsiades für die neue Lehre zu erobern. " 490. Das Ablegen des Mantels soll die Einweihung in einen höheren Grad andeuten; Strepsiades nimmt es als Vorbereitung zu Schlägen. " 492. Es war Sitte, bemerkt der Scholiast, daß, wer in fremden Häusern nach vermißtem Eigenthum suchte, ohne Mantel hineinging, damit er nicht entweder selbst Etwas entwenden, oder, wenn er das Vermißte fände, beschuldigt werden könnte, die Sache mit sich hereingebracht zu haben. " 500. Kuchen, mit Honig bestrichen, das gewöhnliche Sühnopfer für die Götter der Unterwelt, nahm man mit sich hinab in das Heiligthum des Trophonios, eine unterirdische Orakelhöhle bei Lebadeia in Böotien, um sie den Dämonen, den Schlangen und anderem in der Tiefe hausenden Gewürm vorzuwerfen. Die Höhle soll so schauerlich gewesen sein, daß, wer sie einmal besucht hatte, sein ganzes Leben hindurch traurig und ernst blieb, und man von [110] einem finsteren Menschen sprichwörtlich sagte, er habe sich von Trophonios wahrsagen lassen. Nach dem Scholiasten. Vers 512. Semele’s Sohn, Dionysos, der, als Vorsteher der dionysischen Festspiele, den komischen Dichter seines besonderen Schuzes würdigte. " 516. Die Wolken bot der Dichter dem gesammten Volke zu früherem Genuß, als auserkorenen Kunstfreunden. Im Volke aber war eine Partei – der Scholiast sagt, des Alkibiades – die das Stück auszischte, und vielleicht dadurch die Richter bewog, die Mitbewerber Ameipsias und Kratinos als Sieger auszurufen. " 522. Zwei Brüder, Tugendsam und Liederlich, waren die Hauptpersonen in dem ersten Lustspiele des Aristophanes, den Schmausenden, das er aus jugendlicher Scheu, wie ein Mädchen das Kind einer heimlichen Liebe nicht anzuerkennen wagt (V. 523f.), im J. 427 unter fremdem Namen auf die Bühne gebracht hatte. " 524. Ein anderes Weib: der Schauspieler und Dichter Philonides. Vgl. die vorangehende Anmerkung. " 527. In dem Todtenopfer (den Choephoren) des Aeschylos findet Elektra auf dem Grabe ihres Vaters eine geweihte Haarlocke, und erkennt daran die Nähe des wiedergekehrten Bruders Orestes. Ebenso wird die gegenwärtige Komödie an dem Beifalle, den sie bei dem Publikum zu finden hofft, dieselben kunstverständigen Zuschauer wieder erkennen, welche ihrer Schwester, dem ersten Kinde des Dichters, ihre Gunst schenkten. " 533. Der Wirbeltanz, Kordax, ist ein aus Asien nach Hellas gekommener wollüstiger Tanz, der in der alten Komödie nicht selten war. Kahlköpfe hatte der Komiker Eupolis verspottet, vielleicht weil der junge Nebenbuhler Aristophanes selbst ein Kahlkopf war, auch den Schnurrenerzähler eingeführt; und der Schauspieler des Komikers Hermippos, Simermon, hatte die Gewohnheit, die Nahestehenden zu pritschen, um Gelächter zu erregen. Zum Theil nach dem Scholiasten. [111] Vers 538. „Ich prunke nicht mit hohem Busch“, als ein Kahlköpfiger, und ich brüste mich nicht. Der griechische Ausdruck (κομᾶν) bezeichnet Beides. " 544. Hyperbolos, ein Lampenhändler und Töpfer, war schon zu Lebzeiten Kleons, dessen gelehriger Schüler und Geistesverwandter er war, nicht ohne Einfluß, und nach dem Tode desselben allmächtig geworden. Seinen Tod in Samos erzählt Thukydides 8, 73. Außer Hermippos hat ihn auch Eupolis unter dem nicht griechischen Namen Marikas und der Komiker Platon im „Hyperbolos“ verspottet. Seine Mutter war eine Bäckerin und liebte den Trunk. " 547. Den Vorwurf, daß Eupolis in seinem Marikas die Ritter des Aristophanes ausgeschrieben habe, gibt Eupolis selbst in der Parabase der Bapten (415) mit den Worten zurück, „er habe jene Ritter mit dem Kahlkopf zusammengemacht.“ " 548. Das „alte trunkene Weib“, wahrscheinlich eben die Mutter des Hyperbolos, war eine Nachbildung der Andromeda in dem gleichnamigen Stücke des Komikers Phrynichos, worin dieser die tragische Andromeda aus der Perseussage parodirte, indem er ein besoffenes altes Weib durch ein Meerungeheuer rauben ließ. Andromeda, die Tochter des äthiopischen Königes Kepheus und der Kassiopea, büßte das Vergehen der letzteren, die sich schöner als die Nereiden dünkte, dadurch, daß sie dem verheerenden Meerscheusale, das Poseidon in’s Land gesendet, vorgeworfen ward. An einen Felsen gebunden fand sie Perseus, erlegte das Ungeheuer, und befreite sie. " 550. Der Komiker Hermippos dichtete auf Hyperbolos und seine Mutter die „Brodweiber“, in welchen diese wegen ihrer barbarischen Sprache verspottet wird. " 552. Dieses Gleichniß („wie man Aal’ im Trüben fischt“), welches in den Rittern (863) dem Treiben Kleons so kunstreich angepaßt war, hatten jene Nachahmer ungeschickt auf Hyperbolos angewandt. [112] Vers 559. „Des Tridentes Schwinger“, Poseidon, der erderschütternde Gott. " 565. Der „roßlenkende Gott, der in leuchtende Strahlen die Welt einhüllt“, ist Helios. " 573. Regen und Gewitter bedeuten Unglück; so wird in den Acharnern V. 171 die Volksversammlung schleunig aufgelöst, weil dem Dikäopolis ein Regentropfen auf die Nase fällt. " 574. Den „paphlagonischen Gerber“ (Kleon) kennen wir aus den Rittern. " 576. Die Stelle ist nach dem Scholiasten aus dem Teukros des Sophokles. " 577. Der Mond wich aus seiner Bahn, die Sonne verfinsterte sich, als die Athener den Kleon zum Feldherrn wählten: eine komische Erfindung des Dichters. Kleon, nachdem er mit seiner Tapferkeit geprahlt hatte, ward vom Volke gezwungen, den Zug nach Pylos zu unternehmen. " 580. Ein Sprichwort sagte: die Athener haben mehr Glück als Verstand. " 585. Durch die „schwere Fessel“ wird ein hölzernes Strafwerkzeug bezeichnet, in welchem der Verbrecher mit dem ganzen Körper krumm geschlossen wurde, indem man Hals, Hände und Füße durch die dafür bestimmten fünf Oeffnungen oder Röhren des Holzes steckte. Ein anderes hölzernes Strafwerkzeug, der κλοιός zuweilen auch ξύλον genannt, fesselte nur Nacken und Hände. " 591. Ephesos’ Göttin, Artemis, die von lydischen Jungfrauen verehrt wird, da man Ephesos zu Lydien rechnete. " 601. Bei den Griechen, die nach Monden das Jahr abmaßen, richteten sich einige Feste nach den Jahrzeiten, andere nach den Neumonden und Vollmonden. Sonnenlauf also und Mondlauf in Uebereinstimmung zu bringen, war die Aufgabe, die seit Solon Manchen beschäftigte, und am geschicktesten löste sie Kleostratos durch seine Periode von acht Jahren oder neunundneunzig Monaten, [113] unter denen drei Schaltmonate waren. Aber auch bei dieser Rechnung häuften sich große Verwirrungen, daß die Priester unaufhörlich am Kalender zu flicken hatten. Eine solche Kalenderflickerei hatte man wahrscheinlich kurz vor der Aufführung dieses Stückes vorgenommen, und wieder nicht gesorgt, daß die Monate mit den Erscheinungen des Monates übereinstimmten, wodurch die heiligen Monatfeste gänzlich verrückt wurden. Die Götter, aufmerksame Beobachter der Mondphasen, erscheinen an den gehörigen Festtagen; und wenn sie dann statt des fetten Opferduftes einen mageren Werkeltag finden, muß Selene die Unordnung des athenischen Kalenders entgelten. Diese bittet nun, durch eine vernünftige Zeitrechnung ihre Ehre herzustellen. Voß. Vers 615. Sarpedon, der Sohn des Zeus, und Memnon, der Sohn des Titbonos und der Eos, die im troischen Kriege gefallen waren, werden als Lieblinge der Götter von diesen auch nach ihrem Tode noch geehrt. " 617. Das Amphiktyonengericht, woran zwölf Völker Griechenlands Theil nahmen, versammelte sich in späterer Zeit zweimal des Jahres, im Frühlinge, vor dem Ausgange des Anthesterion, zu Delphi, im Herbste zu Pylä (Thermopylä), dem ursprünglich einzigen Versammlungsorte. Jeder Amphiktyonenstaat schickte zwei Abgeordnete, einen Hieromnemon und einen Pylagoras, jenen, der den Vorrang hatte, in gottesdienstlicher Angelegenheit, diesen in bürgerlicher. Der Hauptzweck dieses vom Orakel beschüzten Gerichtes war: gemeinsame Sorge für die Religion und den delphischen Tempel, Bekämpfung von Tyrannen, Sorge für Frieden, Beilegung wichtiger Streitigkeiten. Als Hieromnemon war der schlechte, aber betriebsame Hyberbolos zur Frühlingsversammlung nach Delphi geschickt worden, und in seinem Auftrage war die Bitte um Bestätigung des neuen Kalenders. Mit dem Lorbeerkranze, dem Zeichen des glücklichen Erfolges, kehrt er nach Athen zurück; ehe er aber die [114] Stadt erreicht, wird ihm, dem Unterstüzer des Frevels, durch gottgesandte Winde der Kranz vom Haupte geweht. Dies lustige Unglück war ihm vor wenig Tagen begegnet. Voß. Vers 619. In einem Geseze des Solon bei Diogenes von Laerte (1, 59.) heißt es: τὰς ἡμέρας ἄγειν κατὰ σελήνην. " 625. Strepsiades war in die dunkeln Gemächer des Speculatoriums hinabgestiegen: vgl. V. 501. " 634. Dreimesser – Trimeter, Viermesser – Tetrameter. " 644. Im Waffentanze, wovon es mehrere Arten gab, ward eine Handlung aus dem Leben von bewaffneten Tänzern mit lebhaftem Gebehrdenspiel nach der Flöte aufgeführt. Er bewegte sich im Dreivierteltakt. Im geraden Takt, oder zweiviertel, schwebten die ruhigeren Tänze, wozu Athenäos einen rechnet, der Daktylos hieß. Voß. " 646. Das griechische Wort Daktylos bezeichnet „Takt“ und „Finger.“ " 663. Der Fehler liegt nach Sokrates darin, daß ein durch das Geschlechtswort ἡ als weiblich bezeichnetes Wort (κάρδοπος, Backtrog,) mit der männlichen Endung ος schließt. " 666. Der Name Kleonymos, meint Sokrates, sollte weiblich enden, also Kleonyme oder (mit deutscher Endung) Kleonymin heißen, um die Feigheit des Mannes zu bezeichnen; vgl. V. 349 f. " 668. Wegen seiner Armuth und Schmarozerei wird Kleonymos auch in den Rittern verspottet: vgl. V. 1293 ff. " 669. Der Mörser, worin man Kräuter zum Knoblauchsalat (Acharn. 174) stampfte, war ein gehöhlter Cylinder aus Stein oder Holz. In so einem, dessen Umfang auch eine Vergleichung mit dem Dickwanst aushielt (Wesp. 202), knetete der verarmte Schlucker sein Brod, so oft er daheim essen mußte. Voß. " 683. Amynias hat im Vocativ Amynia, und erhält dadurch eine weibliche Endung. [115] Vers 685. Amynias war ebenso weibisch und üppig, wie Kleonymos. " 703. Die Urschrift, auf den griechischen Namen der Wanzen (κόρεις) anspielend, nennt statt dieser die Korinther, auf deren Geldgier und Wollust sich nach einigen Auslegern die folgenden Verse beziehen sollen. " 712. Die Schuhe, bemerkt der Scholiast, hat Strepsiades aus Ehrfurcht vor den Mysterien ausziehen müssen. Vgl. V. 493. " 720. Das Einhüllen des Hauptes sollte von den Eindrücken der Außenwelt befreien und das abstracte Denken befördern. So verhüllt Sokrates bei Platon im Phädros das Haupt, um eine Rede zu ersinnen. " 742. Medeia soll auf ihrer Flucht durch die Luft eine Kiste mit Zaubermitteln über Thessalien verloren haben. Daher traute man den Thessalerinnen die stärksten Zauberkünste, selbst die Macht zu, den Mond vom Himmel herabzuziehen. Kock. " 744. Die Spiegelkapsel war den Alten für ihre Metallspiegel nothwendig, um sie vor Rost zu bewahren. Kock. " 770. Zeugen, nämlich daß du nicht schuldig seiest. " 807. Strepsiades schwört nicht bei den Göttern, sondern „bei’m Nebel“, wie selbst der wahre Sokrates nicht bei den Göttern schwur, die er dadurch zu beleidigen glaubte, sondern bei unbedeutenden Wesen (Gans, Hund, Platane). Vgl. V. 620. " 808. Den Reichthum des Oheims Megakles erwähnt die Mutter des Pheidippides V. 70 (s. daselbst die Scholien) und Pheidippides selbst V. 124. Gewöhnlich nimmt man an, Megakles sei gegen früher sehr verarmt: in seinem Hause sei nach des Alten ironischer Uebertreibung nichts zu essen, als die Säulen, die Reste früherer Herrlichkeit. " 823. Sokrates, der Melier. In diesem einzigen Beiworte, bemerkt Wieland, steckt eine dreifache Schalkheit der giftigsten Art: 1. Man konnte einem Athener wenig [116] schlimmere Dienste thun, als wenn man ihn über sein attisches Geburtsrecht schikanirte. Wenn der Dichter also den Sokrates von seinem großen Verehrer Strepsiades selbst den Melier nennen läßt, so konnte er hoffen, daß, wer ihn nicht genauer kannte, es im wörtlichen Sinne nehmen und sich einbilden werde, Sokrates sei wirklich von der Insel Melos gebürtig. 2. Die Melier waren eine alte Kolonie der Sparter, und hatten besonders auch in dem noch fortdauernden peloponnesischen Kriege, ihrer vorgeblichen Neutralität ungeachtet, eine warme Anhänglichkeit an Sparta bewiesen. Mehrere fehlgeschlagene Versuche, sie zu einer freiwilligen Unterwerfung unter das nicht allzu sanfte Joch der Athener zu bewegen, unterhielten den gegen sie gefaßten Groll; und da zu allen politischen und merkantilischen Ursachen desselben noch der Umstand hinzukam, daß 3. Diagoras, der beschuldigt war, die eleusinischen Geheimnisse verrathen zu haben, und wegen seiner erklärten Verachtung der Götter Griechenlands der Atheist genannt wurde, ein geborener Melier war: so ist zu glauben, daß auch dies dazu beitragen mochte, den Namen Melier in Athen verhaßt zu machen. „Ja, wenn er ein Melier ist, (wird mancher Zuschauer gedacht haben,) so wundert es mich freilich nicht, daß er ein so heilloser Bursche ist und ein Atheist noch obendrein.“ Vers 838. Nach Xenophon (Denkwürd. 1, 2, 49.) durfte der Sohn den Vater der Geistesverwirrung (παρανοίας) anklagen, und, wenn er sie beweisen konnte, ihn gefangen sezen. Der Sinn ist: soll ich ihn wegen Wahnsinns vor Gericht anklagen, um mich von ihm zu befreien, oder ist eine solche Klage überflüssig, da dieser Zustand aus sein nahes Lebensende zu deuten scheint? " 846. Himmelstürmer nennt Pheidippides die Anhänger der neuen Lehre von ihrer Aehnlichkeit mit den Giganten, welche dem Zeus die Weltherrschaft streitig machten. [117] Vers 852. Als die Sparter in Attika einfielen, bewog Perikles ihre Feldherrn Kleandrides und Pleistoanax durch zehn, nach Anderen durch zwanzig Talente zum Rückzug. Bei der Prüfung der Staatsrechnungen begnügten sich die Athener mit seiner Bemerkung, daß er das Geld zu Nöthigem (εἰς τὸ δέον) verwandt habe: was Strepsiades lächerlich macht, indem er das „verwandt“ des Perikles in „verthan“ verdreht. " 856. Die Heliasten (die in dem Gerichtshof Heliäa sizenden Richter) erhielten Einen, später drei Obolen. " 857. zu Zeus’ Festtage, den Diasten, an welchen die Kinder beschenkt wurden. " 858. Pheidippides ist schon entschlossen mitzugeben, und macht nur noch den Vater für die Folgen verantwortlich. " 869. Sokrates will sagen: „der junge Mensch taugt nach meiner Meinung nicht zum Redner. Und doch – wenn man etwas Rechtes daran wendet – für ein Talent hat es selbst ein so dummer Mann, wie Hyperbolos, gelernt.“ " 882. Hier ist nach den Angaben der Scholien und dem Zeugnisse der Handschriften ein Chorgesang ausgefallen. Die beiden Redner sind nicht als bloße Vertheidiger des Rechtes und des Unrechtes zu betrachten, sondern zugleich als die beiden widerstreitenden Principien der alten und der neuen Zeit. Danach war wohl auch ihre äußere Ausstattung eingerichtet: der Vertreter des Rechtes ist bejahrt, in der einfachen ungeschmückten Tracht der guten alten Zeit, der Vertreter des Unrechtes ein junger Fant nach der Mode, frech und hämisch. Zum Theil nach Droysen. " 901. Er fordert den Speinapf, um sich seiner Galle zu entleeren. Der Scholiast. " 904. Deine Schmähungen sind mir angenehm, wie Rosenduft, wie Lilien und Gold. " 916. Telephos, König von Mysien, wurde, als die Hellenen auf dem Zuge nach Troja sein Land verheerten, von Achilleus verwundet. Auf den Rath des delphischen [118] Orakels, Heilung bei dem zu suchen, der ihn verwundet hatte, zog er nach Thessalien, und wurde dort von Achilleus geheilt. Euripides führte ihn in einem Drama mit einem Sack auf dem Rücken und bettelnd ein. Vers 918. Pandeletos war als Sykophant und Schönredner berufen. " 959. Wenn die Knaben die Schule des Grammatisten verlassen hatten, der sie im Lesen und Schreiben übte, und die edelsten Dichter von Homer an auswendig lernen ließ, wurden sie zum Musikmeister geschickt. Sein Geschäft war, nicht bloß die Kunst des Gesanges und des Spieles zu lehren, sondern auch durch Zeitmaß und Wohlklang sittliches Gefühl zu bilden, indem die Knaben sittsam auf den Schulbänken vor ihm saßen. Voß. " 962. „Pallas, der Städte Bewältigerin“, ist der Anfang eines Liedes, das, wie Eratosthenes berichtet, Phrynichos dem Lamprokles zuschreibt, dem Sohne des Midon aus Athen. Das andere Lied ist von dem Kitharöden Kydides aus Hermione. Der Scholiast. " 965. Phrynis, ein Kitharöde aus Mitylene, verkünstelte und verweichlichte zuerst die alte Musik. Der Scholiast. " 967. Die Ringschule (Gymnasion) folgte auf den Musikunterricht. Im Gymnasion lernten die Knaben den Fünfkampf, d. i. Ringen, Faustkampf, Laufen, Springen und Diskoswerfen; und mehrere dieser Uebungen wurden in der Palästra gehalten, deren Boden mit feinem Sande bestreut war. Dazu drängten sich Zuschauer, auch Wüstlinge. Während der Pädotribe (ein Unterlehrer, denn des Oberlehrer hieß Gymnastes) einige Knaben übte, saßen andere im Sand umher. Voß. " 971. Das Salben des Körpers ging gewöhnlich den gymnastischen Uebungen der Knaben voraus. " 978. Die Buphonien oder Diipolien waren dem Zeus, dem Beschüzer der Stadt, (Δίϊ πολιεῖ) heilig, und wurden als Erinnerung an die erste Begründung des Ackerbaues gegen das Ende des Junius mit alterthümlichen Gebräuchen gefeiert. Man trieb Stiere nach einem Opfertische hin, auf dem ein Kuchen stand. Denjenigen, der [119] zuerst den Kuchen berührte, erschlug der Priester, entfloh zum Schein, und statt seiner wurde das zurückgebliebene Beil, mit dem das dem Landbau heilige Thier erschlagen hatte, verurtheilt und in das Barathron (den Galgengrund, das Verbrecherloch) geworfen. Eine goldene Cikade trugen die Athener noch kurz vor den Zeiten des Thukydides (1, 6.) als Haarschmuck. Vers 979. Kekeidas war ein alter Dithyrambendichter, dessen prunklose Kunst damals ihren Reiz verloren hatte. " 982. An den Panathenäen schritten die Jünglinge mit Schild und Speer und kurzem Kriegsrocke nach kriegerischer Musik einher. Ehmals, als Einfalt der Sitten und öffentliche Ehrbarkeit noch an kein Aergerniß dachten, bedeckte man, der Bedeutung des Tanzes gemäß, die Brust mit dem Schilde; jezt braucht man ihn, den Verlust des Schamgefühls zu verbergen, – als Feigenblatt. Dadurch, meint der Sprecher, wird der Schild, die Waffe der Tritogeneia, (der am See Triton in Libyen geborenen Athene,) entweiht. Voß. " 991. Der Apfel war der Aphrodite heilig; das Bewerfen mit Aepfeln galt als Liebeserklärung. " 994. Die Söhne, oder, nach einem im Munde des Volkes gangbaren Wortspiele, die Schweine des Hippokrates (υἱέσιν, ὑσίν, in der Uebersetzung Kinder und Rinder) werden ihrer Dummheit wegen oft verspottet. " 999. Die Akademie lag nördlich von Athen, und war von den heiligen Oelbäumen beschattet, die von der Burg dorthin verpflanzt waren. " 1000. Schilfrohr war die eigenthümliche Bekränzung der Dioskuren. " 1001. Mit dem Laube der am Acheron wachsenden Pappel kränzte sich Herakles, als er den Kerberos aus dem Schattenreiche heraufholte; vom Schweiße ward die untere Seite des Blattes weiß (silbern) gefärbt. Seitdem war das Laub dieser Pappel ein Schmuck ausdauernder Helden und der Jünglinge in den Gymnasien. Voß. [120] Vers 1017. Antimachos, ein schamloser, weichlicher Mensch, und wenn er mit dem in den Acharnern (1150 f.) erwähnten eine und dieselbe Person ist, ein schlechter Dichter. " 1037. Ein Silberstater betrug vier Drachmen, ein goldener Stater zwanzig Drachmen. " 1039. Laue Bäder, womit die ermüdeten Heroen erquickt wurden, brauchten die entarteten Athener zur Verweichlichung und Ueppigkeit. " 1042. Der Ringer, den der Gegner um den Leib gefaßt hatte, galt für verloren. " 1046. Warme Bäder, die mit dem Namen der Herakles bezeichnet wurden, gab es im Alterthum mehrere. So bei Thermopylä, wo dem ermüdeten Herakles Hephästos (oder Athene) warme Quellen emporsprudeln ließ als das größte Labsal nach Athletenarbeit. " 1058. Peleus, aus der Heimat flüchtig, war von Akastos, dem Sohne des Pelias und König in Iolkos am Fuße des Pelion, gastlich aufgenommen worden. Hippolyte, die Gemahlin des Königs, faßte zu ihm eine sträfliche Neigung; und weil er ihr nicht willfahrte, verläumdete sie ihn bei Akastos, als ob er von ihr Ungebührliches verlangt habe. Der König schenkte der falschen Anklage Glauben, und beschloß den Gastfreund zu verderben. Er verbarg ihm ingeheim sein Schwert im Walde, damit er, dasselbe suchend, von den Kentauren erschlagen würde. Da rettete Cheiron den Peleus, und gab ihm sein Schwert wieder; nach Anderen sandten ihm die Götter durch Hermes ein von Hephästos verfertigtes Schwert, und so entrann er der Gefahr. " 1060. Hyperbolos, bemerkt Wieland, war anfangs Großhändler mit Lichtern, Dochten, Lampen, Laternen u. s. f.; da er nun merkte, daß er wenigstens ebenso viel Beruf [121] zum Demagogen habe, als Andere seines Gleichen, so fing er an, zuerst die Rolle des Sykophanten und Schreiers, in der Folge, nachdem er sich einen Anhang gemacht, eine immer bedeutendere Rolle zu spielen, so daß ihm zuletzt die Ehre zu Theil wurde, durch den Ostracismus aus Athen verwiesen zu werden. Vers 1063. Nach dem Mythos verließ Thetis den Peleus, weil dieser sie störte, als sie das Sterbliche an Achilleus durch Feuer tilgen wollte. Wie Homer (Il. 18, 432.) berichtet, hatte die Göttin dem sterblichen Manne nur gezwungen ihre Hand gegeben. " 1068. Becherspiel, Kottabos, ein Spiel bei’m Mahle, wobei man reinen ungemischten Wein tropfenweise aus dem Becher in ein anderes Geschirr fallen ließ, um an dem Klatschen und dem Klange, den die Tropfen machten, die Liebe zu errathen oder zu erproben. " 1078. Die dem Ehemann gestattete Rache, wenn er den Buhler auf der That ertappte, war, ihm einen Rettig in den After zu treiben, die Haare auszuraufen, und die Stelle mit heißer Asche zu bestreuen. Der Scholiast. " 1079. Der Vertreter des Rechtes meint die Folge der Rettigstrafe; der Gegner aber nimmt das Wort in dem verbrauchten Sinne für Zärtling. Voß. " 1101. Da er Alles voll weibischer Menschen sieht, so fürchtet er Gefahr, wenn er sich nicht zu ihrer Partei schlüge, und thut, als ob er ihnen den Mantel zuwerfen wolle, um desto schneller unter sie flüchten zu können. G. Hermann. " 1117. L. εἶτα τὸν καρπόν τε καὶ τὰς ἀμπέλους. " 1126. Der Einzug der Braut in das Haus des Bräutigams geschah bei Nacht mit Fackeln, deren Erlöschen durch den Regen für eine böse Vorbedeutung galt. " 1128. Am Nil, im Nillande Aegypten, als einem der entlegensten Länder, oder dem Wunderlande, wo es nicht geheuer ist. [122] Vers 1129. Plutarch sagt (im Leben Solon’s 25): Solon bemerkte auch die Ungleichheit der Monate, und daß der Lauf des Mondes weder mit dem Untergange noch mit dem Aufgange der Sonne ganz übereinstimmt, sondern der Mond oft an einem und demselben Tage die Sonne erreicht und an ihr vorübergeht. Er verordnete demnach, man solle einen solchen Tag den Alt und Neuen (ἕνην καὶ νέαν, altes und neues Licht) nennen, indem er die Stunden vor dem Zusammentreffen des Mondes mit der Sonne zu dem scheidenden, die übrigen zu dem neuen Monat rechnete. Den darauf folgenden Tag (den ersten des nächsten Monats) nannte er Neumond (νουμηνίαν). Die Tage vom zwanzigsten an zählte er nicht in aufsteigender Ordnung (21, 22, 23, 24 und so fort), sondern wie er es bei’m Mondlichte sah, rückwärts abnehmend bis zum dreißigsten. (Also statt 21 zählte er 10, 9 u. s. f. Der fünfte, vierte, dritte Tag in unserer Stelle wäre demnach der 26te, 27te und 28te Tag.) " 1134. Geld als Pfand mußte nach schriftlicher Einreichung der Klage Kläger und Beklagter hinterlegen. War die Entscheidung erfolgt, so ersezte der verlierende Theil dem gewinnenden die Auslage. Mit Hinterlegung der Kosten also begann der Prozeß. " 1152. Der Vers soll nach dem Scholiasten aus dem Peleus des Euripides sein. " 1171. Das trotzige: „was sagst du?“ womit man den, der Etwas vorgebracht hatte, in Verlegenheit zu sezen suchte, war eine Eigenthümlichkeit, die Athen, durch Hülfe der Sophisten, vor den übrigen Griechen voraus hatte. " 1173. Attischer Blick, Blick der Unverschämtheit, der zu dieser Zeit aus dem Selbstgefühle des Wizes, der höheren Bildung und einer geläufigen Zunge entsprang. Voß. [123] Vers 1187. Die Schuld war am Altundneuen fällig; würde dieser Tag bloß dem alten Monat angehören, so könnte der Schuldner fordern, daß der Gläubiger bis auf die lezte Stunde dieses Tages auf Zahlung warten müsse; der Gläubiger konnte dann erst am Neumond, am ersten Tage des nächsten Monats, den Gegner vorladen und die Klage einreichen, und die Sache würde nicht vor dem zweiten zur richterlichen Entscheidung kommen. Droysen. " 1195. Nach Athenäos waren die Vorkoster (προτένθαι) eine gesezlich constituirte Behörde, um die zu den Opfern bestimmten Speisen vorher zu kosten. Nach einem Verse des Philyllios (ἡ τῶν προτένθῶν Δορπία καλουμένη) scheinen sie am Abend des ersten Tages des Apaturienfestes ein gemeinsames Abendessen, wohl von dem Opferfleische, gehalten zu haben. Wie diese vor der Zeit, in der nämlich die Andern den Opferschmaus genießen, die Speise kosten, so die Richter die Sporteln. Kock. " 1200. Man muß daran denken, daß die Zuschauer im Theater reihenweise über einander sizen. " 1216. Der Kläger mußte den Gegner, ohne sein Haus zu betreten, in Gegenwart von Ladungszeugen, deren Namen in der Klageschrift ausdrücklich vermerkt wurden, vor Gericht fordern. Kock. " 1218. Pasias als attischer Patriot glaubt seine Vaterstadt zu beschimpfen, wenn er die Gelegenheit zu einem Prozesse vorbeiließe. " 1232. Dem Zeus als dem höchsten Gotte, dem Hermes, weil es eine Geldangelegenheit betraf, dem Poseidon als dem Gotte der Rosse. " 1233. drei Obole drauf, nämlich zu den schon entrichteten Gerichtssporteln. [124] Vers 1239 „Die Wissenden“ war ein Lieblingsausdruck der Sokratiker. " 1253. D. h. am lezten Monatstage stehen wir beide vor Gericht. S. die Anmerkung zu 1134. " 1260. Karkinos (Krebs), ein fruchtbarer, oft verspotteter Tragiker, hatte drei kleine Krabben zu Söhnen (Wesp. 1512. Fried. 783): der eine, der dem Vater am ähnlichsten war, Xenokles, schrieb Tragödien (Frösch. 86 Schol.), worin brüllende Götter auftraten; die beiden andern waren Chortänzer. Zum Theil nach Voß und dem Scholiasten. " 1263. Die Verse sollen aus einer Tragödie des Xenokles sein, in welcher Alkmene über den von Tlepolemos, dem Sohne des Herakles von einer Gefangenen, erschlagenen Likymnios jammert. – Amynias fürchtet, die drei Minen, die er vorgestreckt, möchten, wie der Wagen des Pheidippides (31), in Trümmer gehen. " 1272. Der Sinn ist wohl: faseln, unzusammenhängend sprechen, wie Einer, der durch einen gefährlichen Fall sich das Gehirn erschüttert bat. " 1296. Eines Stachelstockes bediente man sich, um Pferde und Ochsen anzutreiben. " 1299. Seilklepper hießen die Pferde, die neben den beiden Jochpferden des Zweigespanns am Seile liefen. Voß. " 1301. Anspielung auf V. 31. " 1326. Wer die Eltern mißhandelte, mußte mit schwerer Strafe büßen. Deßwegen ruft Strepsiades Zeugen auf. " 1355. Nach dem Mahle gab der Hausherr die Laute nach der Reihe herum, und jeder Gast mußte ein Lied singen. Der Scholiast. " 1356. Simonides aus Keos, ein Dichter aus der Zeit der Marathonkämpfer, welchen Platon den weisen und göttlichen nennt, ward von der neuen Schule verschmäht. [125] Vers 1358. Weiber, die auf der Handmühle mahlten (Odyss. 20, 105), verkürzten sich durch Lieder die Zeit. Ein solches Mühlenlied hat Plutarch aufbewahrt: Mühle, Mühle, mahle: " 1360. Cikaden, die vom Singen und vom Thau leben, die sich mit Thau begnügen und unaufhörlich zirpen. " 1364. Wer bei’m Mahle ein Gedicht vortrug, mit oder ohne Gesang, hielt einen Lorbeerzweig oder ein Myrtenreis in der Hand, das er samt der Laute dem folgenden Sänger übergab. " 1371. In dem (verloren gegangenen) Aeolos des Euripides vermählt sich Makareus mit seiner Schwester Kanache. " 1382. Bryn, Mamman, Kakka, griechische Kinderlaute. Voß. " 1415. Parodie von Euripides’ Alkestis 674, wo Pheres sagt: „Dich freut das Licht, den Vater soll es nicht erfreu’n?“ Die Parodie wird durch den zwischen die Tetrameter plözlich eingeschobenen Trimeter noch deutlicher. " 1429. Psephismen, Volksbeschlüsse. " 1436. Dann hätte ich meine Schläge von dir umsonst weg, und „du lachtest noch im Grabe“, wenn ich deine Schläge dir nicht zurückgeben noch bei einem Sohne sie anbringen könnte. " 1449. Das Verließ (Barathron) war ein jäher Felsenschlund in Attika, in welchen die zu dieser Todesart verurtheilten Missethäter hinabgestürzt wurden. " 1472. L. ἀλλ’ ἐγὼ τότ’ ᾠόμην Δία τουτονὶ τόν Δῖνον. " 1473. Das griechische Wort Dinos (Umschwung 1471) bedeutet auch einen rundbäuchigen Napf zu vielfachem Gebrauch: Wasser abzukühlen, Wein aufzutragen, zum Fußwaschen. Hier wahrscheinlich ein Napf, um dem Hermes, dessen Bild vor der Wohnung des Strepsiades stand, sein Opfer zu bringen. Voß. [126] Vers 1478. Eine Hermessäule, ursprünglich eine phallische Pfeilerbüste, später eine viereckige, von oben nach unten verjüngte Säule oder Stüze, auf welche der Kopf eines Heros, eines Menschen oder Gottes, gewöhnlich des Hermes, gesezt war, stand vor jedem Hause, war auch eine Zierde der Zimmer, der Straßen, der öffentlichen Pläze, der Grabmäler. Diese Säulen, das schicklichste Gestell für einen Kopf, hatten gerade die verhältnißmäßige Höhe, die der übrige Körper der Figur zu dem Kopfe hätte haben müssen. Hirt. " 1503. S. 225. Anmerkungen (Wikisource)
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