Doglia mi reca nello core ardire

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Autor: Dante Alighieri
Titel: Der Kummer läßt mein Herz in Mut entbrennen
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister - Dantes Werke, S. 98 - 102
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum: o.A.
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser Verlag
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Doglia mi reca ne lo core ardire
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Quelle: Die unbekannten Meister - Dantes Werke, S. 98 - 102, Hrsg. von Albert Ritter, Gustav Grosser Verlag, Berlin, 1922
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[98] Der Kummer läßt mein Herz in Mut entbrennen,
Mich packt der Wunsch, der hin zur Wahrheit zieht.
Wenn nun, ihr Frau’n mein Lied
Dem Kampf fast wider alle Welt ich weihe,

5
Nicht staunen dürft ihr jetzt!

Die eigne Schwäche sollt ihr drin erkennen:
Die Schönheit ist, wie Minne sie verleihe,
Für tugendhaftes Wesen
Durch uralte Verfügung auserlesen,

10
Die ihr jetzt stets verletzt;

Euch sag’ ich, die in Liebesglut versetzt:
Schmückt euch der Schönheit Zier,
Und hegen Tugend wir,
Ist’s Minnes Amt, die zwei in eins zu fassen,

15
Dann müßt die Lieb’ ihr lassen, –

Verbergt die Schönheit euerer Gestalten:
Denn Tugend fehlt, in die sie sollte münden.
Ach, was soll ich noch künden?
Wohl aus gerechten Gründen

20
[99] Könnt’ edler Zorn einmal in Frauen walten,

Dafern sie auf die eigne Schönheit schalten.

Der Mann, der gegen Tugend sich empörte,
Ist nich ein Mann, nur Männern gleich ein Tier.
O Gott, welch seltne Gier,

25
Sich so vom Herrn zum Knechte zu verkehren –

Zum Tode so vom Leben!
Die Tugend bleibt dem Schöpfer treu, sie hörte
Stets sein Gebot und wirkte ihm zu Ehren;
So ward ihr denn verliehn,

30
In Minnes prächt’gem Hofe einzuziehn,

Von Herrlichkeit umgeben.
Froh kann sie aus dem schönen Tore schweben,
Und freudig eilt sie hin
Zu der Gerbieterin,

35
Froh übt sie ihres Dienstes hohe Pflichten;

Vermehren, zieren, sichten
Sieht man sie alles auf der kurzen Reise;
Der Tod muß jede Macht an ihr entbehren.
Das Maß der Reinen, Hehren,

40
Ward dir durch Himmels Ehren.

Nur du erhebst zum Herrn, und dies beweise:
Du bist ein holdes Gut, das jeder preise.

Wer solch Magd je meidet, wird zum Knechte
Nicht eines Herrn, nein, Knechtes niedrer Art.

45
Ach, es bestraft sich hart,

(Wollt jederseits ihr den Verlust betrachten)
Der Tugend Pfad zu lassen!
So frevelt dieser Herr-Knecht an dem Rechte:
Die Augen, die da Licht dem Geiste brachten,

50
Läßt sein Gebot umnachten.

Dann müßt von ihm, der Torheit nur bewahrt,
Ihr blind euch führen lassen.
Doch sollt ihr meiner Worte Kern erfassen:
Ich will das Ganze meiden,

55
[100] Nur einzeln unterscheiden;

So wird es leichter und man folgt mir freier.
Denn selten unterm Schleier
Gelingt’s, ein dunkles Wort auch zu verstehn.
So kommt mir wohl ein offnes Wort gelegen.

60
Von euch will ich dagegen

(Für mich nicht – euretwegen!):
Seid zur Verachtung und zum Haß bereit,
Denn wahre Lust schafft nur die Ähnlichkeit!

Ein solcher Knecht gleicht jenem, der hienieden

65
Dem Herrn rasch folgt und weiß nicht, wo er gehe

Auf einem Pfad voll Wehe.
So sieht die Geiz’gen man nach Gelde rennen,
Der großen Weltenmacht.
Der Geizhals läuft, doch schneller flieht der Frieden,

70
(O blinder Geist, kannst du denn nicht erkennen,

Wofür die Sinne lohten?)
Und auch die Zahl, die stets ihn überboten,
Und traumfern ihn verlacht.
So kommt er hin, wo alles sinkt in Nacht.

75
Was gab des Geldes Gier

Denn nun im Grabe dir?
Sag’ an, wenn du es kannst! Nichts ist zu buchen!
Der Wiege muß ich fluchen,
Die dich mit solchem schönen Traum genarrt;

80
Verflucht das Brot, das man an dich verschwendet,

Für Hunde nicht verwendet!
Denn, bis der Tag wohl endet,
Von früh an hast du stets gerafft, gekarrt,
Nun ward es schnell für immer dir verscharrt.

85
Was man zusammenhäuft ohn’ Rast und Ruh’,

Hält man dann auch zurück im Übermaße.
Das treibt oft auf die Straße
Der Knechtschaft hin; und wollt ihr widerstreben,
So rafft euch auf und streitet!

90
[101] Was treibst du, Tod? Und was, Fortuna, du?

Was eilt ihr nicht, so toten Schatz zu heben? –
Wem geben? – Wer das weiß!
Ich sicher nicht; denn uns umfängt ein Kreis,
Der uns von oben leitet.

95
Vernunft hat Schuld, die nicht den Weg bereitet,

Und sagt: ich bin ja Knecht!
Fürwahr, der wehrt sich schlecht,
Der als Gebieter sich vom Knecht läßt zwingen.
Und doppelt Schande bringen

100
Muß dies, wenn man bedenkt, wohin ich deute.

Untiere, falsch euch selbst, andern ein Grauen!
Könnt nackte Männer schauen
Auf Bergen, sumpf’gen Auen:
Das Laster mußte fliehen diese Leute,

105
Und ihr hüllt fest euch in die schmutz’ge Beute.


Die Tugend kommt dem Geizhals wohl entgegen,
(Die selbst den Feind so gern zum Frieden bringt).
Der zarte Köder winkt
Und lockt, doch meist läßt der sich nicht ertappen:

110
Weil er die Lockung flieht.

Sie ruft umsonst, such lang ihn zu bewegen,
Und wirft ihm endlich kosend hin den Happen;
Er regt kein Glied, zu schnappen.
Und wenn er, falls soe fort ist, auf sich schwingt, –

115
Dann mürrisch; denn ihn zieht

Es nicht dahin. Er will ja – wie man sieht –,
Daß niemals Lob zufalle
Dem Geber. Hört denn alle:
Der macht durch Zaudern, der durch eitles Preisen,

120
Durch Mienen, die vereisen,

Daß ein Geschenk wie teurer Kauf aussehe, –
Was der nur weiß, der selbst die Ware schätzte.
Ihr fragt: ob er verletzte?
Nein, wahrlich nicht ergetzte

125
[102] Den andern er: kein Nein, das tiefer gehe!

So tut der Geiz’ge sich und andern wehe.

Gelüftet hab' ich euch, ihr Frau’n, die Hülle
Der Niedrigkeit des Volks (das euch betrachtet),
Daß zornig ihr’s verachtet!

130
Mehr aber ist, was noch zu sagen bliebe,

Wenn's nicht zu schmutzig wäre.
Ja, Laster hat der Mensch in Hüll’ und Fülle.
Denn es verschlingen sich in Freundschaft alle Triebe,
Wie das Gewächs der Liebe

135
Aus edler Wurzel saugt den edlen Saft;

Denn Gleiches liebt das Gleiche.
Nun höret, welch Ergebnis ich erreiche:
Daß keine glauben soll –
Dünkt sie sich anmutsvoll –,

140
Nun werde sie geliebt von solchen Leuten;

Will Schönheit uns bedeuten
Ein Übel, da, dann müßte man bekennen,
Des Tieres Lust dürft’ auch als Liebe gelten.
Die Frauen müßt ich schelten,

145
Die denen sich gesellten,

Die von der Schönheit echte Güte trennen
Und Klugheit einen Feind der Liebe nennen!