Edda/Ältere Edda/Grôgaldr
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13. Grôgaldr.
Groas Erweckung.
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1Wache, Groa, erwache, gutes Weib,
- Ich wecke dich am Todtenthor.
- Gedenkt dir des nicht? Zu deinem Grab
- Hast du den Sohn beschieden.
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2„Was bekümmert nun mein einziges Kind?
- Welch Unheil ängstet dich,
- Daß du die Mutter anrufst, die in der Erde ruht,
- Menschliche Wohnungen längst verließ?“
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3Zu übelm Spiel beschiedst du mich, Arge:
- Die mein Vater umfing
- Lud an den Ort mich, den kein Lebender kennt,
- Eine Frau hier zu finden.
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4„Lang ist die Wanderung, die Wege sind lang,
- Lang ist der Menschen Verlangen.
- Wenn es sich fügt, daß sich erfüllt dein Wunsch,
- So lacht dir günstiges Glück.“
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5Heb ein Lied an, das heilsam ist,
- Kräftige, Mutter, dein Kind.
- Unterwegs fürcht ich den Untergang,
- Allzujung eracht ich mich.
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6„So heb ich zuerst an ein heilkräftig Lied,
- Das Rinda sang der Ran:
- Hinter die Schultern wirf was du beschwerlich wähnst,
- Dir selbst vertraue selber.
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7„Zum Andern sing ich dir, da du irren sollst
- Auf weiten Wegen wonnelos:
- Der Urd Riegel sollen dich allseits wahren,
- Wo du Schändliches siehst.
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8„Zum Dritten sing ich dieß, wenn wo verderblich
- Flutende Flüße brausen,
- Der reißende, rauschende rinne dem Abgrund zu,
- Vor dir versand er und schwinde.
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9„Dieß sing ich zum Vierten, so Feinde dir dräuend
- Am Galgenweg begegnen,
- Ihnen mangle der Muth, die Macht sei bei dir
- Bis sie zum Frieden sich fügen.
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10„Dieß sing ich zum Fünften, so Feßeln sich dir
- Um die Gelenke legen,
- Lösende Glut gießt dir mein Lied um die Glieder,
- Der Haft springt von der Hand,
- Von den Füßen die Feßel.
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11„Dieß sing ich zum Sechsten, stürmt die See
- Wilder als Menschen wißen,
- Sturm und Flut faß in den Schlauch,
- Daß sie frohe Fahrt gewähren.
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12„Dieß sing ich zum Siebenten, wenn dich schaurig umweht
- Der Frost auf Felsenhöhen,
- Kein Glied verletze dir der grimme Hauch,
- Noch soll er die Sehnen dir straff ziehn.
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13„Dieß sing ich zum Achten, überfällt dich
- Die Nacht auf neblichem Wege,
- Nichts desto minder mag dir nicht schaden
- Ein getauftes todtes Weib.
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14„Zum Neunten sing ich dir, wird dir Noth mit dem Joten,
- Dem schwertgeschmückten, zu reden,
- Wortes und Witzes sei im bewusten Herzen
- Fülle dir und Überfluß.
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15„Nun fahre getrost der Gefahr entgegen,
- Dich mag kein Hinderniss hemmen.
- Ich stand auf dem Stein an der Schwelle des Grabs
- Und ließ mein Lied dir erklingen.
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16„Nimm mit dir, Sohn, der Mutter Worte
- Und behalte sie im Herzen:
- Heils genug hast du immer
- Dieweil mein Wort dir gedenkt.“
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied
