Edda/Ältere Edda/Grôgaldr

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Autor: Anonym
Titel: Grôgaldr
Untertitel: Groas Erweckung
aus: Die Edda, Götterlieder
Herausgeber:
Auflage: 6
Entstehungsdatum: 1271, 1851 (Übersetzung)
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer: Karl Joseph Simrock
Originaltitel: Grogaldr
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: 13. Lied der Göttersagen in der „Älteren Edda“
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[100]
13. Grôgaldr.
Groas Erweckung.
1
Wache, Groa,   erwache, gutes Weib,

Ich wecke dich am Todtenthor.
Gedenkt dir des nicht?   Zu deinem Grab
Hast du den Sohn beschieden.

2
„Was bekümmert nun   mein einziges Kind?

Welch Unheil ängstet dich,
Daß du die Mutter anrufst,   die in der Erde ruht,
Menschliche Wohnungen längst verließ?“

3
Zu übelm Spiel   beschiedst du mich, Arge:

Die mein Vater umfing
Lud an den Ort mich,   den kein Lebender kennt,
Eine Frau hier zu finden.

4
„Lang ist die Wanderung,   die Wege sind lang,

Lang ist der Menschen Verlangen.
Wenn es sich fügt,   daß sich erfüllt dein Wunsch,
So lacht dir günstiges Glück.“

5
Heb ein Lied an,   das heilsam ist,

Kräftige, Mutter, dein Kind.
Unterwegs   fürcht ich den Untergang,
Allzujung eracht ich mich.

6
„So heb ich zuerst an   ein heilkräftig Lied,

Das Rinda sang der Ran:
Hinter die Schultern wirf   was du beschwerlich wähnst,
Dir selbst vertraue selber.

[101]
7
„Zum Andern sing ich dir,   da du irren sollst

Auf weiten Wegen wonnelos:
Der Urd Riegel   sollen dich allseits wahren,
Wo du Schändliches siehst.

8
„Zum Dritten sing ich dieß,   wenn wo verderblich

Flutende Flüße brausen,
Der reißende, rauschende   rinne dem Abgrund zu,
Vor dir versand er und schwinde.

9
„Dieß sing ich zum Vierten,   so Feinde dir dräuend

Am Galgenweg begegnen,
Ihnen mangle der Muth,   die Macht sei bei dir
Bis sie zum Frieden sich fügen.

10
„Dieß sing ich zum Fünften,   so Feßeln sich dir

Um die Gelenke legen,
Lösende Glut gießt dir   mein Lied um die Glieder,
Der Haft springt von der Hand,
Von den Füßen die Feßel.

11
„Dieß sing ich zum Sechsten,   stürmt die See

Wilder als Menschen wißen,
Sturm und Flut   faß in den Schlauch,
Daß sie frohe Fahrt gewähren.

12
„Dieß sing ich zum Siebenten,   wenn dich schaurig umweht

Der Frost auf Felsenhöhen,
Kein Glied verletze dir   der grimme Hauch,
Noch soll er die Sehnen dir straff ziehn.

13
„Dieß sing ich zum Achten,   überfällt dich

Die Nacht auf neblichem Wege,
Nichts desto minder   mag dir nicht schaden
Ein getauftes todtes Weib.

14
„Zum Neunten sing ich dir,   wird dir Noth mit dem Joten,

Dem schwertgeschmückten, zu reden,
Wortes und Witzes   sei im bewusten Herzen
Fülle dir und Überfluß.

[102]
15
„Nun fahre getrost   der Gefahr entgegen,

Dich mag kein Hinderniss hemmen.
Ich stand auf dem Stein   an der Schwelle des Grabs
Und ließ mein Lied dir erklingen.

16
„Nimm mit dir, Sohn,   der Mutter Worte

Und behalte sie im Herzen:
Heils genug   hast du immer
Dieweil mein Wort dir gedenkt.“

Anmerkungen (Wikisource)

Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied