Edda/Ältere Edda/Gudhrûnarkvidha önnur
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31. Gudhrûnarkvidha önnur.
Das andere Gudrunenlied.
König Dietrich war bei Atli und hatte dort die meisten seiner Mannen verloren. Dietrich und Gudrun klagten einander ihr Leid. Sie sprach zu ihm und sang: 1
Die Maid der Maide erzog mich die MutterIm leuchtenden Saal. Ich liebte die Brüder, 2
So war Sigurd bei den Söhnen GiukisWie über Halme sich hebt edler Lauch, 3
Bis mir nicht gönnen mochten die BrüderDen Helden zu haben, den hehrsten aller. 4
Vom Thinge traurig traben hört ich Grani;Sigurden selber sah ich nicht. 5
Gramvoll ging ich mit Grani reden,Befragte das Pferd mit der feuchten Wange; 6
Lange zaudert’ ich, zweifelte langeBevor ich den Volkshirten frug nach dem König. 7
Gunnar hing das Haupt; doch Högni sagteMir meines Sigurd mordlichen Tod: 8
Sieh den Sigurd gegen Süden dort,Höre Krähen krächzen und Raben, 9
„Wie hast du mir, Högni, des Harms soviel,Dem wonnewaisen Weibe gesagt? 10
Högni antwortete mit einem MalDes sanften Sinnes mit Schmerz beraubt: 11
Vor ihrem Anblick einsam ging ich da,Die Brocken zu lesen von der Wölfe Leichenschmaus. 12
Die Nacht dauchte mich Neumonddunkel,Da ich sorgend saß über Sigurds Leiche. 13
Ich fuhr aus dem Forst; nach der fünften NachtNaht ich den hohen Hallen Alfs. 14
In Gold stickte sie mich zu zerstreuenIn deutschen Sälen dänische Wikinge. 15
Wir bildeten künstlich der Krieger Spiele,Die Helden der Herscher in Handgewirke; 16
Vom Strande segelten Sigmunds RosseMit goldnem Schiffshaupt, geschnitztem Steuer. 17
Da hörte Grimhild, die gotische Frau,Wie tief ihre Tochter betraure den Gemahl. 18
Gunnar erbot sich ihr Gold zu bieten,Ihren Harm zu sühnen, und so auch Högni. 19
Waldar den Dänen und Jarisleif,Eimod zum dritten und Jarisskar 20
Ein Jeder verhieß mir herlichen Schmuck,Herlichen Schmuck mit schmeichelnden Reden, 21
Grimhild brachte den Becher mir dar,Den kalten, herben, daß ich Harms vergäße. 22
In das Horn hatten sie allerhand StäbeRöthlich geritzt; ich errieth sie nicht. 23
Im Gebräude beisammen war Bosheit viel,Allerlei Wurzeln und Waldeckern, 24
So vergeben vergaß ich daDer Gespräche Sigurds all im Saal. 25
„Ich gebe dir, Gudrun, das Gold empfange,Dein volles Erbgut nach des Vaters Tod, 26
Hunische Töchter, die Teppiche wirkenUnd Goldgürtel, dich zu ergetzen. Gudrun.
27
Keinem Manne mehr will ich vermählt sein,Noch Brynhildens Bruder haben. Grimhild.
28
Nicht wolle den Harm den Helden vergelten,Begannen wir Giukungen gleich den Zwist. Gudrun.
29
Nicht mag ich mich mehr ermuntern, Grimhild,Und keinem Helden Hoffnung gewähren, Grimhild.
30
Ihn hab ich von Allen den edelstgebornenDer Fürsten befunden und in Vielem den besten. Gudrun.
31
Biete mir nicht das bosheitvolle,So aufdringlich mir dieses Geschlecht. 32
Mit Grausen hörte Grimhild das Wort,Denn ihren Kindern kündet’ es Verderben Grimhild.
33
Noch leih ich dir Land und Leute viel,Winbiörg, Walbiörg, willst du sie haben. Gudrun.
34
Nun will ich ihn kiesen unter den Königen;Doch wider Willen, auf der Freunde Wunsch. 35
Rasch auf die Rosse saßen die Recken da,Die welschen Weiber zu Wagen hoben sie. 36
Da hoben die Wächter der hohen BurgDas Gitter empor: durch die Pforte ritten wir. Atli.
37
So haben auch neulich mich Nornen geweckt;Vergönnte das Graunbild günstige Deutung! Gudrun.
38
Der Traum von Dolchen bedeutet Feuer,Holde Heimlichkeit der Hausfrau Zorn. Atli.
39
Reiser im Garten sah ich ausgerißen,Die ich da wachsen laßen wollte. 40
Ich sah von der Hand mir Habichte fliegenOhne Atzung, dem Untergang zu. 41
Welfe wähnt’ ich entwänden sich mir,Ich hörte sie harmvoll heulen und wimmern. Gudrun.
42
Dir werden Schächer im Schlafgemach richten,Den Lichtgelockten die Häupter lösen: 43
Seitdem lieg ich den Schlummer meidendTrotzig im Bette: thun will ich so. |
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied.
