Edda/Ältere Edda/Hâvamâl
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1Der Ausgänge halber bevor du eingehst
- Stelle dich sicher,
- Denn ungewiss ist, wo Widersacher
- Im Hause halten.
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2Heil dem Geber! der Gast ist gekommen:
- Wo soll er sitzen?
- Athemlos ist, der unterwegs
- Sein Geschäft besorgen soll.
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3Wärme wünscht der vom Wege kommt
- Mit erkaltetem Knie;
- Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer,
- Der über Felsen fuhr.
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4Waßer bedarf, der Bewirthung sucht,
- Ein Handtuch und holde Nöthigung.
- Mit guter Begegnung erlangt man vom Gaste
- Wort und Wiedervergeltung.
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5Witz bedarf man auf weiter Reise;
- Daheim hat man Nachsicht.
- Zum Augengespött wird der Unwißende,
- Der bei Sinnigen sitzt.
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6Doch steife sich Niemand auf seinen Verstand,
- Acht hab er immer.
- Wer klug und wortkarg zum Wirthe kommt
- Schadet sich selten:
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- Denn festern Freund als kluge Vorsicht
- Mag der Mann nicht haben.
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7Vorsichtiger Mann, der zum Male kommt,
- Schweigt lauschend still.
- Mit Ohren horcht er, mit Augen späht er
- Und forscht zuvor verständig.
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8Selig ist, der sich erwirbt
- Lob und guten Leumund.
- Unser Eigentum ist doch ungewiss
- In des Andern Brust.
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9Selig ist, wer selbst sich mag
- Im Leben löblich rathen,
- Denn übler Rath wird oft dem Mann
- Aus des Andern Brust.
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10Nicht beßre Bürde bringt man auf Reisen
- Als Wißen und Weisheit.
- So frommt das Gold in der Fremde nicht,
- In der Noth ist nichts so nütze.
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11Nicht üblern Begleiter giebt es auf Reisen
- Als Betrunkenheit ist,
- Und nicht so gut als Mancher glaubt
- Ist Äl den Erdensöhnen,
- Denn um so minder je mehr man trinkt
- Hat man seiner Sinne Macht.
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12Der Vergeßenheit Reiher überrauscht Gelage
- Und stiehlt die Besinnung.
- Des Vogels Gefieder befing auch Mich
- In Gunlöds Haus und Gehege.
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13Trunken ward ich und übertrunken
- In des schlauen Fialars Felsen.
- Trunk mag taugen, wenn man ungetrübt
- Sich den Sinn bewahrt.
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14Schweigsam und vorsichtig sei des Fürsten Sohn
- Und kühn im Kampf.
- Heiter und wohlgemuth erweise sich Jeder
- Bis zum Todestag.
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15Der unwerthe Mann meint ewig zu leben,
- Wenn er vor Gefechten flieht.
- Das Alter gönnt ihm doch endlich nicht Frieden.
- Obwohl der Sper ihn spart.
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16Der Tölpel glotzt, wenn er zum Gastmal kommt,
- Murmelnd sitzt er und mault.
- Hat er sein Theil getrunken hernach,
- So sieht man welchen Sinns er ist.
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17Der weiß allein, der weit gereist ist,
- Und Vieles hat erfahren,
- Welches Witzes jeglicher waltet,
- Wofern ihn selbst der Sinn nicht fehlt.
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18Lange zum Becher nur, doch leer ihn mit Maß,
- Sprich gut oder schweig.
- Niemand wird es ein Laster nennen,
- Wenn du früh zur Ruhe fährst.
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19Der gierige Schlemmer, vergißt er der Tischzucht,
- Schlingt sich schwere Krankheit[WS 1] an;
- Oft wirkt Verspottung, wenn er zu Weisen kommt,
- Thörichtem Mann sein Magen.
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20Selbst Heerden wißen, wann zur Heimkehr Zeit ist
- Und gehn vom Grase willig;
- Der Unkluge kennt allein nicht
- Seines Magens Maß.
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21Der Armselige, Übelgesinnte
- Hohnlacht über Alles
- Und weiß doch selbst nicht was er wißen sollte,
- Daß er nicht fehlerfrei ist.
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22Unweiser Mann durchwacht die Nächte
- Und sorgt um alle Sachen;
- Matt nur ist er, wenn der Morgen kommt,
- Der Jammer währt wie er war.
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23Ein unkluger Mann meint sich Alle hold,
- Die ihn lieblich anlachen.
- Er versieht es sich nicht, wenn sie Schlimmes von ihm reden
- So er zu Klügern kommt.
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24Ein unkluger Mann meint sich Alle hold,
- Die ihm kein Widerwort geben;
- Kommt er vor Gericht, so erkennt er bald,
- Daß er wenig Anwälte hat.
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25Ein unkluger Mann meint Alles zu können,
- Wenn er sich einmal zu wahren wuste.
- Doch wenig weiß er was er antworten soll,
- Wenn er mit Schwerem versucht wird.
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26Ein unkluger Mann, der zu Andern kommt,
- Schweigt am Besten still.
- Niemand bemerkt, daß er nichts versteht
- So lang er zu sprechen scheut.
- Nur freilich weiß wer wenig weiß
- Auch das nicht, wann er schweigen soll.
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27Weise dünkt sich schon wer zu fragen weiß
- Und zu sagen versteht;
- Doch Unwißenheit mag kein Mensch verbergen,
- Der mit Leuten leben muß.
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28Der schwatzt zuviel, der nimmer geschweigt
- Eitel unnützer Worte.
- Die zappelnde Zunge, die kein Zaum verhält,
- Ergellt sich selten Gutes.
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29Mach nicht zum Spott der Augen den Mann,
- Der vertrauend Schutz will suchen.
- Klug dünkt sich leicht, der von Keinem befragt wird
- Und mit heiler Haut daheim sitzt.
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30Klug dünkt sich gern, wer Gast den Gast
- Verhöhnend, Heil in der Flucht sucht.
- Oft merkt zu spät, der beim Male Hohn sprach,
- Wie grämlichen Feind er ergrimmte.
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31Zu oft geschiehts, daß sonst nicht Verfeindete
- Sich als Tischgesellen schrauben.
- Dieses Aufziehn wird ewig währen:
- Der Gast grollt dem Gaste.
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32Bei Zeiten nehme den Imbiß zu sich,
- Der nicht zu gutem Freunde fährt.
- Sonst sitzt er und schnappt und will verschmachten
- Und hat zum Reden nicht Ruhe.
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33Ein Umweg ists zum untreuen Freunde,
- Wohnt er gleich am Wege;
- Zum trauten Freunde führt ein Richtsteig
- Wie weit der Weg sich wende.
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34Zu gehen schickt sich, nicht zu gasten stäts
- An derselben Statt.
- Der Liebe wird leid, der lange weilt
- In des Andern Haus.
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35Eigen Haus, ob eng, geht vor,
- Daheim bist du Herr,
- Zwei Ziegen nur und dazu ein Strohdach
- Ist beßer als Betteln.
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36Eigen Haus, ob eng, geht vor,
- Daheim bist du Herr.
- Das Herz blutet Jedem, der erbitten muß
- Sein Mal alle Mittag.
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37Von seinen Waffen weiche Niemand
- Einen Schritt im freien Feld:
- Niemand weiß unterwegs wie bald
- Er seines Spers bedarf.
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38Nie fand ich so milden und kostfreien Mann,
- Der nicht gerne Gab empfing,
- Mit seinem Gute so freigebig Keinen,
- Dem Lohn wär leid gewesen.
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39Des Vermögens, das der Mann erwarb,
- Soll er sich selbst nicht Abbruch thun:
- Oft spart man dem Leiden was man dem Lieben bestimmt;
- Viel fügt sich schlimmer als man denkt.
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40Freunde sollen mit Waffen und Gewändern sich erfreun,
- Den schönsten, die sie besitzen:
- Gab und Gegengabe begründet Freundschaft,
- Wenn sonst nichts entgegen steht.
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41Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren
- Und Gabe gelten mit Gabe.
- Hohn mit Hohn soll der Held erwiedern,
- Und Losheit mit Lüge.
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42Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren,
- Ihm selbst und seinen Freunden.
- Aber des Feindes Freunde soll Niemand
- Sich gewogen erweisen.
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43Weist du den Freund, dem du wohl vertraust
- Und erhoffst du Holdes von ihm,
- So tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm,
- Und suche manchmal sein Haus heim.
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44Weist du den Mann, dem du wenig vertraust
- Und hoffst doch Holdes von ihm,
- Sei fromm in Worten und falsch im Denken
- Und zahle Losheit mit Lüge.
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45Weist du dir Wen, dem du wenig vertraust,
- Weil dich sein Sinn verdächtig dünkt,
- Den magst du anlachen, und an dich halten:
- Die Vergeltung gleiche der Gabe.
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46Jung war ich einst, da ging ich einsam
- Verlaßne Wege wandern.
- Doch fühlt ich mich reich, wenn ich Andere fand:
- Der Mann ist des Mannes Lust.
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47Der milde, muthige Mann ist am glücklichsten,
- Den selten Sorge beschleicht;
- Doch der Verzagte zittert vor Allem
- Und kargt verkümmernd mit Gaben.
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48Mein Gewand gab ich im Walde
- Moosmännern zweien.
- Bekleidet dauchten sie Kämpen sich gleich,
- Während Hohn den Nackten neckt.
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49Der Dornbusch dorrt, der im Dorfe steht,
- Ihm bleibt nicht Blatt noch Borke.
- So geht es dem Mann, den Niemand mag:
- Was soll er länger leben?
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50Heißer brennt als Feuer der Bösen
- Freundschaft fünf Tage lang;
- Doch sicher am sechsten ist sie erstickt
- Und alle Lieb erloschen.
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51Die Gabe muß nicht immer groß sein:
- Oft erwirbt man mit Wenigem Lob.
- Ein halbes Brot, eine Neig[WS 2] im Becher
- Gewann mir wohl den Gesellen.
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52Wie Körner im Sand klein an Verstand
- Ist kleiner Seelen Sinn.
- Ungleich ist der Menschen Einsicht,
- Zwei Hälften hat die Welt.
[44]
Doch nicht allzuweise.
Das schönste Leben ist dem beschieden,
Der recht weiß was er weiß.
Doch nicht allzuweise.
Des Weisen Herz erheitert sich selten
Wenn er zu weise wird.
Doch nicht allzuweise.
Sein Schicksal kenne Keiner voraus,
So bleibt der Sinn ihm sorgenfrei.
Flamme belebt sich an Flamme.
Der Mann wird durch den Mann der Rede mächtig:
Im Verborgnen bleibt er blöde.
Um Haupt und Habe zu bringen:
Dem schlummernden Wolf glückt selten ein Fang,
Noch schlafendem Mann ein Sieg.
Und schaun nach seinem Werke.
Manches versäumt wer den Morgen verschläft:
Dem Raschen gehört der Reichtum halb.
Weiß der Mann das Maß,
Und all des Holzes, womit er ausreicht
Während der Jahreswende.
Um schönes Kleid unbekümmert.
Der Schuh und der Hosen schäme sich Niemand,
Noch des Hengstes, hat er nicht guten.
[45]
Der nicht dumm will dünken.
Nur Einem vertrau er, nicht auch dem Andern;
Wißens dreie, so weiß es die Welt.
Der Aar auf der ewigen See.
So geht es dem Mann in der Menge des Volks,
Der keinen Anwalt antrifft.
Sich mit Bedacht bedienen,
Denn bald wird er finden, wenn er sich Feinde macht,
Daß dem Starken ein Stärkrer lebt.
Und im Zutraun zaghaft.
Worte, die Andern anvertraut wurden,
Büßt man oft bitter.
Allzuspät an andern.
Bald war getrunken das Bier, bald zu frisch;
Unlieber kommt immer zur Unzeit.
Wenn ich des bedurfte.
Zwei Schinken noch hingen in des Freundes Halle,
Wo ich Einen schon geschmaust.
Und der Sonne Schein;
Nur sei Gesundheit ihm nicht versagt
Und lasterlos zu leben.
Einer hat an Söhnen Segen,
Einer an Freunden, Einer an vielem Gut,
Einer an trefflichem Thun.
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Der Lebende kommt noch zur Ruh.
Feuer sah ich des Reichen Reichtümer freßen,
Und der Tod stand vor der Thür.
Der Taube taugt noch zur Tapferkeit.
Blind sein ist beßer als verbrannt werden:
Der Todte nützt zu nichts mehr.
Nach des Vaters Hinfahrt.
Bautasteine[WS 3] stehn am Wege selten,
Wenn sie der Freund dem Freund nicht setzt.
Unter jedem Gewand erwart ich eine Faust.
Doch herb ist die Herbstnacht.
Fünfmal wechselt oft das Wetter am Tag:
Wie viel mehr im Monat!
Daß Einen oft der Reichtum äfft;
Einer ist reich, ein Andrer arm:
Den soll Niemand narren.
Endlich stirbt man selbst;
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
Welcher sich guten gewann.
Endlich stirbt man selbst;
Doch Eines weiß ich, daß immer bleibt:
Das Urtheil über den Todten.
[47]
Die heuer am Hungertuch nagen:
Überfluß währt einen Augenblick,
Dann flieht er, der falscheste Freund.
Gut oder Gunst der Frauen,
Gleich schwillt ihm der Kamm, doch die Klugheit nicht;
Nur im Hochmuth nimmt er zu.
Die hochheiligen,
Welche Götter schufen, Hohepriester schrieben?
Daß nichts beßer sei als Schweigen.
Das Schwert, wenns versucht ist,
Die Braut nach der Hochzeit, eh es bricht das Eis,
Das Äl, wenns getrunken ist.
Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.
Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen.
Kauf mager das Ross und rostig das Schwert.
Zieh den Hengst daheim, den Hund im Vorwerk.
Noch der Weiber Worten.
Auf geschwungnem Rad geschaffen ward ihr Herz,
Trug in der Brust verborgen.
Schnappendem Wolf, geschwätziger Krähe,
Grunzender Bache, wurzellosem Baum,
Schwellender Meerflut, sprudelndem Keßel;
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Einnächtgem Eis, geringelter Natter,
Bettrede der Braut, bruchigem Schwert,
Kosendem Bären und Königskinde;
Wahrsagendem Weib, auf der Walstatt Besiegtem,
Heiterm Himmel, lachendem Herrn,
Hinkendem Köter und Trauerkleidern;
Halbverbranntem Haus, windschnellem Hengst,
(Bricht ihm ein Bein, so ist er unbrauchbar):
Dem Allen soll Niemand voreilig trauen.
Noch altklugem Kind.
Wetter braucht die Saat und Witz das Kind:
Das sind zwei zweiflige Dinge.
Gleicht unbeschlagnem Ross auf schlüpfrigem Eis,
Muthwillig, zweijährig, und übel gezähmt;
Oder steuerlosem Schiff auf stürmender Flut,
Der Gemsjagd des Lahmen auf glatter Bergwand.
Der Mann ist dem Weibe wandelbar;
Wir reden am Schönsten, wenn wir am Schlechtesten denken:
So wird die Klügste geködert.
Wer des Mädchens Minne will,
Den Liebreiz loben der leuchtenden Jungfrau:
So fängt sie der Freier.
An dem andern Mann.
Oft feßelt den Klugen was den Thoren nicht fängt,
Liebreizender Leib.
[49]
Denn Viele befällt sie.
Weise zu Tröpfen wandelt auf Erden
Der Minne Macht.
Und seine Neigung verschließt,
Daß ärger Übel den Edeln nicht quälen mag
Als Liebesleid.
Und meiner Holden harrte.
Herz und Seele war mir die süße Maid;
Gleichwohl erwarb ich sie nicht.
Weiß wie die Sonne, schlafend.
Aller Fürsten Freude fühlt ich nichtig,
Sollt ich ihrer länger ledig leben.
Wenn du die Maid gewinnen willst.
Nicht ziemt es sich, daß mehr als Zwei
Von solcher Sünde wißen.“
Ob noch der Neigung ungewiss;
Jedennoch dacht ich, ich dürft erringen
Ihre Gunst und Liebesglück.
Strenge Schutzwehr auferweckt,
Mit brennenden Lichtern, mit lodernden Scheitern
Mir der Weg verwehrt zur Lust.
Da schlief im Saal das Gesind;
Ein Hündlein sah ich statt der herlichen Maid
An das Bett gebunden.
[50]
Ist dem Freier falsch gesinnt.
Das erkannt ich klar, als ich das kluge Weib
Verlocken wollte zu Lüsten.
Jegliche Schmach that die Schlaue mir an
Und wenig ward mir des Weibes.
Nach geselliger Sitte,
Besonnen und gesprächig: so schein er verständig,
Und rathe stäts zum Rechten.
Es ist des Albernen Art.
Mit Schweigen erwarb ich da wenig.
Manch Wort sprach ich zu meinem Gewinn
In Suttungs Saal.
Einen Trunk des theuern Meths.
Übel vergolten hab ich gleichwohl
Ihrem heiligen Herzen,
Ihrer glühenden Gunst.
Und den Berg durchbohren;
In der Mitte schritt ich zwischen Riesensteigen
Und hielt mein Haupt der Gefahr hin.
Wenig misslingt dem Listigen.
Denn Odhrörir ist aufgestiegen
Zur weitbewohnten Erde.
Aus der Riesen Reich,
Wenn mir Gunnlöd nicht half, die herzige Maid,
Die den Arm um mich schlang.
[51]
Des Hohen[WS 4] Rath zu hören
In des Hohen Halle.
Sie fragten nach Bölwerkr, ob er heimgefahren sei
Oder ob er durch Suttung fiel.
Wer traut noch seiner Treue?
Den Suttung beraubt’ er mit Ränken des Meths
Und ließ sich Gunnlöd grämen.
An dem Brunnen Urdas
Saß ich und schwieg, saß ich und dachte
Und merkte der Männer Reden.
Und vernahm auch nütze Lehren.
Bei des Hohen Halle, in des Hohen Halle
Hört ich sagen so:
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Steh Nachts nicht auf, wenn die Noth nicht drängt,
Du wärst denn zum Wächter geordnet.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
In der Zauberfrau Schooß schlaf du nicht,
So daß ihre Glieder dich gürten.
Des Gerichts und der Rede der Fürsten,
Gedenkst nicht des Mals noch männlicher Freuden,
Sorgenvoll suchst du dein Lager.
[52]
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Des Andern Frau verführe du nicht
Zu heimlicher Zwiesprach.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Über Furten und Felsen so du zu fahren hast,
So sorge für reichliche Speise.
Was dir Widriges widerfährt:
Von argem Mann erntest du nimmer doch
So guten Vertrauns Vergeltung.
Übeln Weibes Wort:
Die giftige Zunge gab ihm den Tod,
Nicht seine Schuld.
So besuch ihn nicht selten,
Denn Strauchwerk grünt und hohes Gras
Auf dem Weg, den Niemand wandelt.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Guten Freund gewinne dir zu erfreuender Zwiesprach;
Heilspruch lerne so lange du lebst.
Den Bund nicht brechen.
Das Herz frißt dir Sorge, magst du keinem mehr sagen
Deine Gedanken all.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Mit ungesalznem Narren sollst du
Nicht Worte wechseln.
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Guten Lohn erlangen.
Nur der Wackere mag dir erwerben
Guten Leumund durch sein Lob.
Dem Andern Alles was er denkt.
Nichts ist übler als unstät sein:
Der ist kein Freund, der zu Gefallen spricht.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Drei Worte nicht sollst du mit dem Schlechtern wechseln:
Oft unterliegt der Gute,
Der mit dem Schlechten streitet.
Für Andre als für dich:
Sitzt der Schuh nicht, ist krumm der Schaft,
Wünscht man dir alles Übel.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Wo Noth du findest, deren nimm dich an;
Doch gieb dem Feind nicht Frieden.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Dich soll Andrer Unglück nicht freuen;
Ihren Vortheil laß dir gefallen.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Nicht aufschaun sollst du im Schlachtgetöse:
Ebern ähnlich wurden oft Erdenkinder;
So aber zwingt dich kein Zauber.
[54]
Und Freude bei ihr finden,
So verheiß ihr Holdes und halt es treulich:
Des Guten wird die Maid nicht müde.
Am meisten seis beim Meth
Und bei des Andern Weib; auch wahre dich
Zum dritten vor der Diebe List.
Den Fremden noch den Fahrenden.
Selten weiß der zu Hause sitzt
Wie edel ist, der einkehrt.
In der Brust beieinander.
Kein Mensch ist so gut, daß nichts ihm mangle,
Noch so böse, daß er zu nichts nützt.
Oft ist gut was der Greis spricht.
Aus welker Haut kommt oft weißer Rath;
Hängt ihm die Hülle gleich,
Schrinden ihn auch Schrammen,
Der unter Wichten wankt.
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Den Wandrer fahr nicht an, noch weis ihm die Thür:
Gieb dem Gehrenden[WS 5] gern.
Allen aufzuthun.
Gieb einen Scherf[WS 6]; dieß Geschlecht sonst wünscht
Dir alles Unheil an.
Wohl dir, wenn du sie merkst:
Wo Äl getrunken wird, ruf die Erdkraft an:
[55]
Erde trinkt und wird nicht trunken.
Feuer hebt Krankheit, Eiche Verhärtung,
Ähre Vergiftung,
Der Hausgeist häuslichen Hader.
Mond mindert Tobsucht,
Hundbiß heilt Hundshaar,
Rune Beredung;
Die Erde nehme Naß auf.
Neun lange Nächte,
Vom Sper verwundet, dem Odhin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.
Da neigt’ ich mich nieder
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
Endlich fiel ich zur Erde.
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
Und trank einen Trunk des theuern Meths
Aus Odhrörir geschöpft.57
Wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.
Sehr starke Stäbe,
Sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,
Sie ritzte der hehrste der Herscher.
[56]
Dwalin den Zwergen,
Alswidr aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.
Weist du zu finden? weist zu erforschen?
Weist du zu bitten? weist Opfer zu bieten?
Weist du wie man senden, weist wie man tilgen soll?
Die Gabe will stäts Vergeltung.
Beßer nichts gesendet als zu viel getilgt;
So ritzt’ es Thundr zur Richtschnur den Völkern.
Dahin entwich er, von wannen er ausging.
Und keines Menschen Kind.
Hülfe verheißt mir eins, denn helfen mag es
In Streiten und Zwisten und in allen Sorgen.
Die heilkundig heißen.
Meine Feinde zu feßeln.
Die Spitze stumpf ich dem Widersacher;
Mich verwunden nicht Waffen noch Listen.
In Bande die Bogen der Glieder,
So bald ich es singe so bin ich ledig,
Von den Füßen fällt mir die Feßel,
Der Haft von den Händen.
Übers Heer daher,
Wie hurtig er fliege, ich mag ihn hemmen,
Erschau ich ihn nur mit der Sehe.
[57]
Mit harter Wurzel des Holzes:
Den Andern allein, der mir es anthut,
Verzehrt der Zauber, Ich bleibe frei.
Über den Leuten in Lohe,
Wie breit sie schon brenne, Ich berge sie noch:
Den Zauber weiß ich zu zaubern.
Nützlich und nöthig:
Wo unter Helden Hader entbrennt,
Da mag ich schnell ihn schlichten.
Vor der Flut das Fahrzeug zu bergen,
So wend ich den Wind von den Wogen ab
Und beschwichtge rings die See.
Durch die Lüfte lenken,
So wirk ich so, daß sie wirre zerstäuben
Und als Gespenster schwinden.
Die treuen Freunde führen,
In den Schild fing ichs, so ziehn sie siegreich
Heil in den Kampf, heil aus dem Kampf,
Bleiben heil wohin sie ziehn.
Vom Strang erstickt ein Todter,
Wie ich ritze das Runenzeichen,
So kommt der Mann und spricht mit mir.
In die Taufe tauchen,
So mag er nicht fallen im Volksgefecht,
Kein Schwert mag ihn versehren.
[58]
Der Götter Namen nennen,
Asen und Alfen kenn ich allzumal;
Wenige sind so weise.
Vor Dellings Schwelle sang:
Den Asen Stärke, den Alfen Gedeihn,
Hohe Weisheit dem Hroptatyr.
In Lieb und Lust mich freuen,
Den Willen wandl ich der Weißarmigen,
Daß ganz ihr Sinn sich mir gesellt.
Die holde Maid mich meidet.
Dieser Lieder, magst du, Loddfafnir,
Lange ledig bleiben.
Doch wohl dir, weist du sie,
Heil dir, behältst du sie,
Selig, singst du sie!
Vor Maid noch Mannesweibe
Als allein vor ihr, die mich umarmt,
Oder sei es, meiner Schwester.
Beßer ist was Einer nur weiß;
So frommt das Lied mir lange.
In des Hohen Halle,
Den Erdensöhnen noth, unnütz den Riesensöhnen.
Wohl ihm, der es kann, wohl ihm, der es kennt,
Lange lebt, der es erlernt,
Heil Allen, die es hören.
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied
- ↑ WS: Korrigiert. In der Vorlage „Kranheit“
- ↑ WS: Neige – Rest, Bodensatz in einem Gefäß
- ↑ WS: Bautasteine – schmale, hohe Denksteine in Skandinavien
- ↑ WS: Korrigiert. In der Vorlage klein geschrieben.
- ↑ WS: Gehrende – fahrende Leute, Bettler.
- ↑ WS: Scherf – kleinste Münze
- ↑ WS: Zaunreiterin – Hexe
- ↑ WS: Degenkind – Kind männlichen Geschlechts
