Edda/Ältere Edda/Hŷmiskvidha
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8. Hŷmiskvidha.
Die Sage von Hymir.
1
Einst nahmen die Walgötter die erwaideten ThiereZu schlemmen gesonnen noch ungesättigt: 2
Saß der Felswohner froh wie ein Kind,Doch ähnlich eher der dunkeln Abkunft. 3
Der Ungestüme schuf Angst dem Riesen;Doch rasch erdachte der Rach an den Göttern: 4
Den mochten nicht die mächtigen GötterIrgendwo finden, die Fürsten des Himmels, 5
„Im Osten wohnt der Eliwagar5Der hundweise Hymir an des Himmels Ende. 6
Meinst du, den Saftsieder sollten wir haben? –„Mit List gelingt es ihn zu erlangen.“ 7
Selbst stallt’ er die Böcke, die stattlich gehörnten;Sie eilten zur Halle, die Hymir bewohnte. 8
Eine andre kam allgolden hervor,Weißbrauig, und brachte das Bier dem Sohn. 9
„Verwandte der Riesen, ich will euch beide,Ihr kühnen Männer, unter Keßeln bergen. 10
Der übel Gesinnte spät Abends kam,Der hartmuthge Hymir, heim von der Jagd. 11
„Heil dir, Hymir, sei hohen Muths:Der Sohn ist gekommen in deinen Saal, 12
„Du siehst sie sitzen an des Saales Ende;So bangen sie, daß die Säule sie birgt.“ 13
Acht Keßel fielen, und einer nur,Ein hart gehämmerter, kam heil herab. 14
Wenig Gutes sagte der Geist ihm voraus,Als der Troldenbetrüber in den Vorsaal trat. 15
Man ließ um den Kopf sie kürzen beideUnd setzte sie zum Sieden ans Feuer. 16
Da schien dem grauen Gesellen HrungnirsHlorridis Malzeit so mäßig nicht: 17
Bereit war Weor ins Waßer zu rudern,Wenn der kühne Jötun den Köder gäbe. 18
„Ich weiß gewiss, dir wird nicht schwerDie Lockspeise vom Stier zu erlangen.“ 19
Der Thursentödter, abbrach er dem ThiereDer beiden Hörner erhabnen Sitz. 20
Da bat der Böcke Gebieter den Affengott,Ferner in die Flut das Seeross zu führen. 21
Da hob am Hamen Hymir der starkeZwei Wallfische aus den Wellen allein. 22
An die Angel steckte der Irdischen GönnerAls Köder den Stierkopf zum Kampf mit dem Wurm. 23
Tapfer zog Thôr der gewaltigeDen schimmernden Giftwurm zum Schiffsrand auf. 24
Felsen krachten, Klüfte heulten,Die alte Erde fuhr ächzend zusammen: 25
Nicht geheuer wars auf der Heimkehr dem Riesen:Der starke Hymir verstummte ganz; 26
„Willst du die Hälfte haben der Arbeit:Entweder die Wallfische zur Wohnung tragen, 27
Hlorridi ging und ergriff am Steven,Ohn erst auszuschöpfen das Schiff erfaßt’ er 28
Aber der Jötun, wie immer trotzig,Mit Thôr um die Stärke stritt er aufs Neu: 29
Als der dem Hlorridi zu Händen kam,Zerstückt’ er den starrenden Stein damit: 30
Aber die freundliche Frille lehrt’ ihnWohl wichtgen Rath; sie wust ihn allein: 31
Der Böcke Gebieter bog die KnieeMit aller Asenkraft angethan: 32
„Die liebste Lust verloren weiß ich,Da mir der Kelch vor den Knieen liegt. 33
„Noch mögt ihr versuchen ob ihr Macht habt,Aus der Halle hinaus zu heben die Kufe.“ 34
Aber Modis Vater erfaßt’ ihn am Rand,Stieg vom Estrich in den untern Saal. 35
Sie fuhren lange eh lüstern wardOdhins Sohn sich umzuschauen: 36
Da harrt’ er und hob den Hafen von den Schultern,Schwang den mordlichen Miölnir entgegen 37
[Sie fuhren nicht lange, so lag am BodenVon Hlorridis Böcken halbtodt der eine. 38
Doch hörtet ihr wohl (wer hat davonDer Gottesgelehrten ganze Kunde?), 39
Kraftgerüstet kam er zum GöttermalUnd hatte den Hafen, den Hymir beseßen. |
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied
