Edda/Ältere Edda/Hyndluliod
| [118]
16. Hyndluliod.
Das Hyndlalied.
Freyja.
1
Wache, Maid der Maide, meine Freundin, erwache!Hyndla, Schwester, Höhlenbewohnerin. 2
Laden Heervatern in unsre Herzen:Er gönnt und giebt das Gold den Werthen. 3
Giebt Sieg den Söhnen, giebt Andern Sold,Worte Manchem und Witz den Mannen, 4
Dem Thôr werd ich opfern, werd ihn erflehen,Daß er günstig immerdar sich dir erweise, 5
Nun wähl aus dem Stall deiner Wölfe Einen,Und laß ihn rennen mit dem Runenhalfter. Hyndla.
Dein Eber ist träg Götterwege zu treten; 6
Verschmitzt bist du, Freyja, daß du mich versuchstUnd also die Augen wendest zu uns. Freyja.
7
Du faselst, Hyndla, träumt dir vielleicht?Daß du sagst, mein Geselle sei mein Mann. 8
Laß uns im Sattel sitzen und plaudernUnd von den Geschlechtern der Fürsten sprechen, 9
Wir helfen billig, daß dem jungen HeldenSein Vatergut werde nach seinen Freunden: 10
Er hat mir aus Steinen ein Haus errichtet,Gleich dem Glase nun glänzen die Mauern, 11
Die Reihen der Ahnen rechne nun herUnd die entsprungnen Geschlechter der Fürsten. Hyndla.
12
Ottar, du bist von Innstein gezeugt,Alf dem Alten ist Innstein entstammt. 13
Deines Vaters Mutter, die festlich geschmückte,Hle-Dis, wähn ich, hieß sie, die Priesterin. 14
Ali war der Männer mächtigster einst,Halfdan der alte der hehrste der Skiöldungen. 15
Sein Schwäher Eymund half ihm, der höchste der Männer,Den Sygtrygg schlug er mit kaltem Schwert. 16
Daher die Skiöldunge, daher die Skilfinge,Daher die Ödlinge, daher die Ynglinge, 17
Hildigunna war der Hehren Mutter,Swawas Tochter und des Seekönigs. 18
Dag hatte Thora, die Heldenmutter:Dem Stamm entstiegen der Streiter beste: 19
Ketil ihr Freund, der Erbe Klypis,War deiner Mutter Muttervater. 20
Die nächste war Nanna, Nöckis Tochter,Ihr Sohn der Vetter deines Vaters. 21
Isolf und Asolf, Ölmods SöhneUnd Skurhildens, der Tochter Skeckils. 22
Gunnar, Balkr, Grimr, Ardskafi,Jarnskiöldr, Thorir und Ulf, der Gähnende. — 23
Zu Sorgen und Arbeit hatte die SöhneArngrim gezeugt mit Eyfura, 24
Ich kannte beide, Brodd und HörfiDort am Hofe Hrolfs des Alten. 25
So war der König dem Wölsung entstammt,Und Hiördisa von Hraudungr, 26
Gunnar und Högni waren Giukis Erben,Desgleichen Gudrun, Gunnars Schwester. 27
Harald Hildetann, Hröreks Erzeugter,Des Ringverschleudrers, war Audas Sohn. [122]
Auda die überreiche war Iwars Tochter, 28
Eilfe wurden der Asen gezählt,Als Baldur49 beschritt die tödlichen Scheite. 29
Baldurn erzeugte Buris Erbe.Freyr nahm Gerda, Gymirs Tochter, 30
Vieles erwähnt ich, mehr noch weiß ich;Wißt und bewahrt es: wollt ihr noch mehr? 31
Von Hwednas Söhnen war Haki der schlimmste nicht;Hwednas Vater war Hiörwardr. 32
Von Widolf kommen die Walen alle,Alle Zaubrer sind Wilmeidis Erzeugte. 33
Vieles erwähnt ich, mehr noch weiß ich;Wißt und bewahrt es: wollt ihr noch mehr? 34
Geboren ward Einer am Anfang der Tage,Ein Wunder an Stärke, göttlichen Stamms. 35
Gialp gebar ihn, Greip gebar ihn,Ihn gebar Eistla und Angeyja, 36
Dem Sohn mehrte die Erde die Macht,Windkalte See und Sonnenstralen. 37
Den Wolf zeugte Loki mit Angurboda,34Den Sleipnir empfing er von Swadilfari.42 38
Ein gesottnes Herz aß Loki im Holz,Da fand er halbverbrannt das steinharte Frauenherz. 39
Meerwogen heben sich zur HimmelswölbungUnd laßen sich nieder, wenn die Luft sich abkühlt. 40
Allen überhehr ward Einer geboren;Dem Sohn mehrte die Erde die Macht. 41
Einst kommt ein Andrer mächtiger als Er;Doch noch ihn zu nennen wag ich nicht. Freyja.
42
Reiche das Äl meinem Gast zur Erinnerung,Daß Bewustsein ihm währe von deinen Worten Hyndla.
43
Nun scheide von hier, zu schlafen begehr ich:Wenig erlangst du noch Liebes von mir. 44
Du liefst bis zur Wuth nach Männern verlangend;Mancher schon schlüpfte dir unter die Schürze. Freyja.
45
Die Waldbewohnerin umweb ich mit Feuer,So daß du schwerlich entrinnst der Stätte. Hyndla.
46
Feuer seh ich glühen, die Erde flammen:Sein Leben muß ein Jeder lösen. Freyja.
47
Wenig verfangen soll dein FluchObgleich du, Riesenbraut, ihm Böses sinnst. |
Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied
