Edda/Ältere Edda/Rîgsmâl
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15. Rîgsmâl.
Das Lied von Rigr.
So wird gesagt in alten Sagen, daß Einer der Asen, der Heimdall hieß, auf seiner Fahrt zu einer Meeresküste kam. Da fand er ein Haus und nannte sich Rigr. Und nach dieser Sage wird dieß gesungen: 1
Einst, sagen sie, ging auf grünen WegenDer kraftvolle, edle, vielkundige As, 2
Weiter wandelnd des Weges inmittenTraf er ein Haus mit offener Thür. 3
Zu rathen wuste Rigr den alten;Er saß zu beiden der Bank inmitten, 4
Da nahm Edda einen Laib aus der Asche,Schwer und klebricht, der Kleien voll. 5
Auf stand darnach des Schlafes begierigRigr, der ihnen wohl rathen konnte, 6
Da blieb er drauf drei Nächte lang,Dann ging er und wanderte des Wegs inmitten. 7
Edda genas[WS 1], genetzt ward das Kind,Weil schwarz von Haut geheißen Thräl. 8
Es begann zu wachsen und wohl zu gedeihn.Rauh an den Händen war dem Rangen das Fell, 9
In Kurzem lernt’ er die Kräfte brauchen,Mit Bast binden und Bürden schnüren. 10
Da kam in den Bau die Gängelbeinige,Schwären am Hohlfuß, die Arme sonnverbrannt, 11
Breit auf der Bank alsbald nahm sie Platz,Ihr zur Seite des Hauses Sohn. 12
Sie lebten knapp und zeugten Kinder,Geheißen, hört ich, Hreimr und Fiosnir; 13
Die Töchter hießen Trumba und Kumba,Öckwinkalfa und Arinnefja; 14
Weiter ging Rigr gerades Weges,Kam an ein Haus, halboffen die Thür. 15
Der Mann schälte die Weberstange,Gestrält[WS 2] war der Bart, die Stirne frei. 16
Das Weib daneben bewand den RockenUnd führte den Faden zu feinem Gespinst. 17
Rigr wuste den Werthen zu rathen;Auf stand er vom Tische des Schlafs begierig. 18
Da blieb er drauf drei Nächte lang;(Dann ging er und wanderte des Wegs inmitten.) 19
Er begann zu wachsen und wohl zu gedeihn:Da zähmt’ er Stiere, zimmerte Pflüge, 20
Da fuhr in den Hof mit Schlüßeln behängtIm Ziegenkleid die Verlobte Karls; 21
Sie zeugten Kinder und zogen sie froh:Halr und Drengr, Höldr, Degn und Smidr, 22
Die Töchter nannten sie mit diesen Namen:Snot, Brudr, Swanni, Swarri, Spracki, 23
Weiter ging Rigr gerades Weges;Kam er zum Saal mit südlichem Thor. 24
Er trat hinein, bestreut war der Estrich.Die Eheleute saßen und sahen sich an, 25
Der Hausherr saß die Sehne zu winden,Den Bogen zu spannen, Pfeile zu schäften; 26
Im Schleier saß sie ein Geschmeid an der Brust,Die Schleppe wallend am blauen Gewand; 27
Rigr wuste dem Paare zu rathen,Zu beiden saß er der Bank inmitten, 28
Da brachte die Mutter geblümtes GebildVon schimmerndem Lein, den Tisch zu spreiten. 29
Setzte nun silberne Schüßeln aufMit Speck und Wildbrät und gesottnen Vögeln; 30
Rigr stand auf, das Bett war bereit.Da blieb er drauf drei Nächte lang: 31
Die Mutter gebar und barg in SeideEin Kind, das genetzt und genannt ward Jarl. 32
Daheim erwuchs in der Halle der Jarl:Den Schild lernt’ er schütteln, Sehnen winden, 33
Aus dem Walde kam der rasche Rigr gegangen,Rigr gegangen ihn Runen zu lehren, 34
Da ritt er dannen auf dunkelm PfadeDurch feuchtes Gebirg bis vor die Halle. 35
Nun saß er und herschte in achtzehn Höfen,Vertheilte die Schätze, Alle beschenkend 36
Da fuhren Edle auf feuchten Wegen,Kamen zur Halle vom Hersir bewohnt. 37
Sie freiten und führten dem Fürsten sie heim,Des Jarls Verlobte ging sie im Linnen. 38
Bur war der älteste, Barn der andere,Jod und Adal, Arfi, Mögr, 39
Da wuchsen auf des Edeln Söhne,Zähmten Hengste, zierten Schilde, 40
Konur der junge kannte Runen,Zeitrunen und Zukunftrunen; 41
Vögel verstand er, wuste Feuer zu löschen,Den Sinn zu beschwichtigen, Sorgen zu heilen. 42
Er stritt mit Rigr, dem Jarl, in Runen,In allerlei Wißen erwarb er den Sieg. 43
Jung Konur ritt durch Rohr und Wald,Warf das Geschoß und stellte nach Vögeln. 44
Da sang vom einsamen Ast die Krähe:„Was willst du, Fürstensohn, Vögel beizen? 45
„Dan hat und Danpr nicht schönere Hallen,Erb und Eigen nicht reicher als Ihr. (Schluß scheint zu fehlen.)
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Anmerkungen (Wikisource)
Siehe auch Anmerkungen des Übersetzers zu diesem Lied
