Ein Traum, gar seltsam schauerlich
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[6] II.
Ein Traum, gar seltsam schauerlich, 5
Da war ein Garten, wunderschön,Da wollt’ ich lustig mich ergehn; 10
Viel muntre Liebesmelodei’n;Die Sonne war von Gold umstrahlt, 15
Und Alles schimmert, Alles lacht,Und zeigt mir freundlich seine Pracht. 20
Die emsig wusch ein weißes Kleid.
25
Die schöne Maid, die sputet sich,Sie summt ein Lied gar wunderlich: 30
Und flüsterte: O sage mir,Du wunderschöne, süße Maid! 35
Und als sie dieß gesprochen kaum,Zerfloß das ganze Bild, wie Schaum. – 40
Ich stand erstaunt und sann und sann.
45
Immitten in dem grünen Raum,Da stand ein großer Eichenbaum; 50
Summt sie ein Lied und schwingt das Beil:„Eisen blink, Eisen blank, 55
Du wundersüßes Mägdelein,Wem zimmerst du den Eichenschrein? 60
Zerfloß das ganze Bild, wie Schaum. –
65
Und nun ich eben fürder schweif’,Gewahr’ ich einen weißen Streif; 70
Grub tief die Erd’ mit Grabescheit.Kaum wagt ich noch sie anzuschau’n, 75
„Spaten, Spaten, scharf und breit,„Schaufle Grube tief und weit.“ 80
Was diese Grube hier bedeut’t?
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Und als ich in die Grube schaut’,Ein kalter Schauer mich durchgraut; |
